US Arbeitsmarkt im Januar: Starkes Wachstum – doch historische Revision schreibt 2025 neu
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Highlights
Beschäftigungswachstum mit 130.000 neuen Stellen deutlich über Erwartungen von 70.000
Arbeitslosenquote sinkt auf 4,3 Prozent – besser als erwartete 4,4 Prozent
Historische Benchmark-Revision: 2025 tatsächlich nur +181.000 statt zuvor gemeldeter +584.000

Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im Januar um 130.000 und übertraf damit die Erwartungen von 70.000 deutlich. Auch die Arbeitslosenquote überraschte positiv und sank auf 4,3 Prozent – besser als die erwarteten 4,4 Prozent. Auf den ersten Blick ein solides Bild.
Doch die eigentliche Schlagzeile des Januar-Berichts liegt woanders: Die jährliche Benchmark-Revision des Bureau of Labor Statistics korrigiert die gesamte Beschäftigungsentwicklung des Jahres 2025 fundamental nach unten – und stellt damit das bisher gezeichnete Bild des US-Arbeitsmarktes komplett in Frage.
Historische Benchmark-Revision: 2025 war noch schwächer als gedacht
Mit der jährlichen Anpassung der Betriebserhebung an die umfassendere Beschäftigungs- und Lohnzählung (QCEW) wurde die Gesamtbeschäftigung außerhalb der Landwirtschaft für März 2025 um massive 898.000 Stellen nach unten korrigiert. Das Ergebnis ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel: Der Gesamtzuwachs für das Jahr 2025 wurde von zuvor gemeldeten +584.000 auf lediglich +181.000 revidiert – entsprechend einem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs von gerade einmal 15.000 Stellen. Zum Vergleich: Die absolute durchschnittliche Benchmark-Revision der letzten zehn Jahre beträgt lediglich 0,2 Prozent – die aktuelle Korrektur von -0,5 Prozent ist damit mehr als doppelt so groß wie der langjährige Durchschnitt.
Diese Revision unterstreicht, wie fundamental schwach der US-Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr tatsächlich war – und wie stark die offiziellen Zahlen das Bild verzerrt hatten.
Revisionen der Vormonate setzen fort, was die Benchmark begann
Zusätzlich zur Benchmark-Revision wurden die Novemberzahlen um 15.000 von +56.000 auf +41.000 nach unten korrigiert, die Dezemberdaten um 2.000 von +50.000 auf +48.000. Insgesamt fielen damit weitere 17.000 Arbeitsplätze weg, die zuvor gemeldet worden waren.

Gesundheitswesen liefert außergewöhnlich starkes Ergebnis
Das Gesundheitswesen war im Januar der mit Abstand größte Wachstumsmotor und schuf mit 82.000 neuen Stellen ein außergewöhnlich starkes Ergebnis – weit über dem durchschnittlichen monatlichen Stellenwachstum von 33.000, das für das Gesamtjahr 2025 erwartet wird. Die ambulante Versorgung legte um 50.000 Stellen zu, Krankenhäuser kamen auf 18.000 neue Arbeitsplätze und Pflege- und Betreuungseinrichtungen auf 13.000.
Dieser kräftige Januarwert ist zumindest teilweise auf Nachholeffekte nach den beschäftigungsschwachen Vormonaten zurückzuführen und dürfte sich nicht in dieser Stärke fortsetzen.
Sozialwesen mit überraschend starkem Zuwachs
Die Sozialhilfe legte im Januar um beachtliche 42.000 Stellen zu, getragen fast vollständig durch den Bereich der individuellen und familiären Dienstleistungen (+38.000). Dieser ungewöhnlich hohe Monatswert setzt den positiven Grundtrend des Sektors fort, übersteigt aber die typischen Zuwächse deutlich.

Baugewerbe profitiert von Nichtwohnungsbau
Das Baugewerbe schuf im Januar 33.000 neue Stellen, angetrieben durch spezialisierte Bauunternehmen im Nichtwohnungsbau (+25.000). Die Beschäftigung im Baugewerbe blieb über das Gesamtjahr 2025 hinweg im Wesentlichen unverändert, was den Januarwert als saisonalen Ausreißer erscheinen lässt.
Öffentlicher Dienst: Stellenabbau erreicht neue Dimension
Der öffentliche Dienst des Bundes verzeichnete im Januar mit -34.000 Stellen einen der stärksten monatlichen Rückgänge seit Beginn des Stellenabbaus, da Bundesbedienstete, die das Angebot zur aufgeschobenen Kündigung aus 2025 angenommen hatten, aus dem öffentlichen Dienst ausschieden. Seit dem Höchststand im Oktober 2024 ist die Beschäftigung im öffentlichen Dienst des Bundes um dramatische 327.000 bzw. 10,9 Prozent gesunken – eine historisch beispiellose Schrumpfung des Staatsapparats.
Finanzsektor setzt Abwärtstrend fort
Wenig beachtet, aber signifikant: Der Finanzsektor verlor im Januar 22.000 Stellen und setzt damit einen seit Mai 2025 anhaltenden Abwärtstrend fort. Insgesamt hat der Sektor seit seinem jüngsten Höchststand bereits 49.000 Stellen eingebüßt. Versicherungsunternehmen und verwandte Dienstleistungsunternehmen trugen mit einem Verlust von 11.000 Stellen maßgeblich dazu bei.

Lohndynamik zeigt leichte Beschleunigung
Der durchschnittliche Stundenlohn stieg im Januar um 15 Cent oder 0,4 Prozent auf 37,17 Dollar – der stärkste monatliche Anstieg seit Monaten. Im Jahresvergleich ergibt sich ein Wachstum von 3,7 Prozent. Auch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit stieg leicht um 0,1 Stunden auf 34,3 Stunden, im verarbeitenden Gewerbe sogar auf 40,1 Stunden. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass trotz der strukturellen Arbeitsmarktschwäche der Lohndruck nicht nachlässt.
Fazit
Die Januar-Daten liefern ein überraschend starkes Bild: 130.000 neue Stellen und eine sinkende Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent deuten auf eine allmähliche Verbesserung nach dem schwachen Sommer 2025 hin – dem Tiefpunkt des Einstellungsrückgangs laut Benchmark-Revision.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Das neu angepasste Geburten- und Sterbemodell der Betriebserhebung hat eine prozyklische Wirkung und dürfte zumindest einen Teil der positiven Überraschung erklären. Wie groß dieser Effekt ist, lässt sich derzeit nicht vollständig sagen.
Die Benchmark-Revision, die das Gesamtjahr 2025 von +584.000 auf lediglich +181.000 Stellen korrigiert, bleibt die eigentliche Schlagzeile – und mahnt zur Vorsicht bei voreiligen Schlüssen aus einem einzelnen starken Monatswert.
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