US Arbeitsmarkt im Dezember: Schwaches Wachstum – Arbeitslosenquote überrascht positiv
- 9. Jan.
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Highlights
Beschäftigungswachstum mit 50.000 neuen Stellen unter Erwartungen von 60.000
Arbeitslosenquote sinkt überraschend auf 4,4 Prozent – besser als erwartete 4,5 Prozent
Jahreszuwachs 2025 mit nur 584.000 Stellen dramatisch schwächer als 2024

Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft veränderte sich im Dezember kaum und stieg um lediglich 50.000 – unter den Erwartungen von 60.000. Diese schwache Performance bestätigt die anhaltende Verlangsamung des US-Arbeitsmarktes, der seit April nur noch minimale Nettoveränderungen aufweist.
Überraschend positiv entwickelte sich hingegen die Arbeitslosenquote, die im Dezember auf 4,4 Prozent sank und damit besser ausfiel als die erwarteten 4,5 Prozent.
Dramatische Jahresbilanz: 2025 nur ein Drittel von 2024
Der vermutlich alarmierendste Aspekt der Dezember-Daten liegt in der Jahresperspektive. Mit einem Gesamtzuwachs von nur 584.000 Arbeitsplätzen im gesamten Jahr 2025 – entsprechend einem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs von lediglich 49.000 – liegt die Beschäftigungsentwicklung dramatisch unter dem Vorjahr. 2024 wurden noch 2,0 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, was einem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs von 168.000 entspricht.
Massive Revisionen verschärfen das Bild weiter
Die ohnehin schwache Beschäftigungsentwicklung wurde durch drastische nachträgliche Korrekturen zusätzlich belastet. Die Oktober-Zahlen wurden um massive 68.000 von -105.000 auf -173.000 nach unten korrigiert – ein beispielloser monatlicher Verlust. Die November-Daten wurden um weitere 8.000 von 64.000 auf 56.000 revidiert. Insgesamt fielen damit 76.000 Arbeitsplätze weg, die zuvor gemeldet worden waren.

Gastronomie und Gesundheitswesen bleiben stabil
Die Gastronomiebranche setzte ihren Aufwärtstrend im Dezember mit 27.000 neuen Arbeitsplätzen fort. Der Sektor schuf im Jahr 2025 durchschnittlich 12.000 Stellen pro Monat, ähnlich dem durchschnittlichen Zuwachs von 11.000 Stellen monatlich im Jahr 2024 – eine bemerkenswert konstante Performance.
Das Gesundheitswesen fügte im Dezember 21.000 Arbeitsplätze hinzu, wobei Krankenhäuser mit 16.000 neuen Stellen den Hauptbeitrag leisteten. Allerdings verlangsamte sich das Wachstum deutlich: 2025 stieg die Beschäftigung im Gesundheitswesen durchschnittlich um nur 34.000 pro Monat, deutlich weniger als der durchschnittliche monatliche Zuwachs von 56.000 im Jahr 2024.
Auch das Sozialwesen setzte seinen positiven Trend im Dezember fort (+17.000), getragen vor allem durch individuelle und familiäre Dienstleistungen (+13.000).

Einzelhandel unter Druck – Strukturelle Schwäche wird sichtbar
Der Einzelhandel verlor im Dezember 25.000 Arbeitsplätze und offenbart damit zunehmende strukturelle Probleme. Besonders betroffen waren Großhandelsclubs, Supercenter und andere Einzelhändler für allgemeine Waren (-19.000) sowie der Lebensmittel- und Getränkehandel (-9.000). Lediglich der Einzelhandel mit Elektronik und Haushaltsgeräten konnte 5.000 neue Arbeitsplätze schaffen.
Die Beschäftigung im Einzelhandel zeigte sowohl 2024 als auch 2025 kaum eine Nettoveränderung – ein Zeichen für einen Sektor, der mit erheblichen Herausforderungen kämpft.
Öffentlicher Dienst: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Der öffentliche Dienst des Bundes blieb im Dezember nahezu unverändert (+2.000), nachdem in den Vormonaten massive Stellenverluste zu verzeichnen waren. Seit dem Januar-Höchststand ist die Beschäftigung im öffentlichen Dienst des Bundes um 277.000 bzw. 9,2 Prozent gesunken – ein beispielloser Abbau, der eine erhebliche Belastung für den Gesamtarbeitsmarkt darstellt.

Lohndynamik zeigt Anzeichen der Erholung
Der durchschnittliche Stundenlohn stieg im Dezember um 12 Cent oder 0,3 Prozent auf 37,02 Dollar. Im Jahresvergleich ergibt sich ein Wachstum von 3,8 Prozent – ein leichter Anstieg gegenüber den 3,5 Prozent im November. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass der Lohndruck trotz schwachem Arbeitsmarkt nicht vollständig verschwunden ist.
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sank im Dezember leicht um 0,1 Stunden auf 34,2 Stunden. Im verarbeitenden Gewerbe fiel die durchschnittliche Wochenarbeitszeit um 0,2 Stunden auf 39,9 Stunden, während die Überstunden unverändert bei 2,9 Stunden blieben.
Fazit
Die Dezember-Daten liefern ein gemischtes Bild eines US-Arbeitsmarktes in der Transition. Mit nur 50.000 neuen Stellen bleibt das Beschäftigungswachstum schwach, während die positive Überraschung bei der Arbeitslosenquote zumindest einen Hoffnungsschimmer bietet.
Die Jahresperspektive zeichnet jedoch ein alarmierendes Bild. Mit einem Gesamtzuwachs von nur 584.000 Arbeitsplätzen – entsprechend einem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs von 49.000 – liegt 2025 dramatisch unter dem Vorjahr (2,0 Millionen bzw. 168.000 pro Monat). Dieser Einbruch signalisiert eine fundamentale Verlangsamung der Wirtschaft.
Die drastischen Revisionen untergraben das Vertrauen in die Erstveröffentlichungen und zeichnen ein noch düstereres Bild als ohnehin schon sichtbar.
Für die Federal Reserve entsteht damit ein komplexes Bild. Einerseits deutet die schwache Beschäftigungsentwicklung und der dramatische Jahresvergleich auf weiteren Lockerungsbedarf hin. Andererseits steigt die Lohndynamik wieder auf 3,8 Prozent im Jahresvergleich – ein Signal, dass der Inflationsdruck vielleicht nicht vollständig verschwunden ist.
Die sinkende Arbeitslosenquote auf 4,4 Prozent bietet der Fed etwas Spielraum, doch die fundamentale Schwäche des Arbeitsmarktes, dokumentiert durch den dramatischen Einbruch im Jahresvergleich und die massiven Revisionen, spricht klar für eine vorsichtige geldpolitische Haltung.
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