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US Arbeitsmarkt im Februar: Dramatischer Einbruch – doch Streiks verzerren das Bild

  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Highlights

  • Beschäftigung sinkt um 92.000 Stellen – weit unter Erwartungen von +59.000

  • Arbeitslosenquote steigt auf 4,4 Prozent – über erwarteten 4,3 Prozent

  • Hauptursache: Streiks im Gesundheitswesen, vor allem in Arztpraxen


Freiheitsstatue

Die Gesamtbeschäftigung außerhalb der Landwirtschaft ging im Februar um 92.000 zurück – ein dramatischer Einbruch nach dem soliden Januar-Wert von 126.000 (revidiert von 130.000). Die Erwartungen von +59.000 wurden um massive 151.000 verfehlt. Auch die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 Prozent und lag damit über den erwarteten 4,3 Prozent.


Doch die Schlagzahl täuscht: Der Rückgang ist nahezu vollständig auf Streiks im Gesundheitswesen zurückzuführen, insbesondere in Arztpraxen. Ohne diesen Sondereffekt wäre der Februar-Wert vermutlich positiv ausgefallen – wenn auch schwach. Die Gesamtbeschäftigung veränderte sich über das gesamte Jahr 2025 hinweg netto kaum, was die fundamentale Schwäche des Arbeitsmarktes unterstreicht.


Massive Revisionen verschärfen das Bild weiter

Zusätzlich zum schwachen Februar-Wert wurden die Vormonate erneut drastisch nach unten korrigiert. Der Dezember-Wert wurde um massive 65.000 von +48.000 auf -17.000 revidiert – aus einem positiven Wachstumsmonat wurde rückwirkend ein Verlustmonat. Der Januar-Wert wurde um weitere 4.000 von +130.000 auf +126.000 korrigiert. Insgesamt fielen damit 69.000 Arbeitsplätze weg, die zuvor gemeldet worden waren.


Diese kontinuierlichen Abwärtskorrekturen untergraben zunehmend das Vertrauen in die Erstveröffentlichungen und zeichnen ein noch schwächeres Bild des US-Arbeitsmarktes, als die monatlichen Schlagzeilen suggerieren.


Nonfarm payroll employment MoM vs. YoY
Quelle: Bureau of Labor Statistics


Gesundheitswesen: Streiks dominieren die Schlagzeile


Der Gesundheitssektor verlor im Februar 28.000 Stellen – eine dramatische Kehrtwende nach dem außergewöhnlich starken Januar-Wert von +77.000 (revidiert). Der Rückgang ist nahezu vollständig auf Streiks in Arztpraxen zurückzuführen, die 37.000 Arbeitsplätze verloren. Krankenhäuser schufen hingegen 12.000 neue Stellen.


Der Zwölfmonatsdurchschnitt von 36.000 neuen Stellen pro Monat zeigt, dass der Gesundheitssektor strukturell weiterhin ein solider Wachstumsmotor bleibt – der Februar-Wert ist ein temporärer Ausreißer aufgrund der Arbeitskämpfe.



Sozialwesen setzt stabilen Trend fort


Das Sozialwesen schuf im Februar 9.000 neue Arbeitsplätze, getragen vor allem durch Leistungen für Einzelpersonen und Familien (+12.000). Der Sektor bleibt damit einer der wenigen stabilen Wachstumsbereiche des Arbeitsmarktes.



Payroll employment by sector YoY change
Quelle: Bureau of Labor Statistics

Informationssektor und öffentlicher Dienst: Strukturelle Schwäche setzt sich fort


Der Informationssektor verlor im Februar 11.000 Stellen und setzt damit einen Abwärtstrend fort, der sich über die vergangenen zwölf Monate auf durchschnittlich 5.000 Stellen pro Monat summiert. Diese anhaltende Schwäche in einem zukunftsorientierten Sektor ist besorgniserregend.


Der öffentliche Dienst des Bundes verzeichnete einen weiteren Rückgang von 10.000 Stellen. Seit dem Höchststand im Oktober 2024 ist die Beschäftigung um dramatische 330.000 bzw. 11,0 Prozent gesunken – ein historisch beispielloser Stellenabbau, der den Gesamtarbeitsmarkt erheblich belastet.



Transport und Lagerwesen: Struktureller Abschwung wird sichtbar


Das Transport- und Lagerwesen veränderte sich im Februar kaum (-11.000), wobei Verluste bei Kurier- und Botendiensten (-17.000) teilweise durch Zuwächse im Luftverkehr (+5.000) kompensiert wurden. Besonders alarmierend: Seit dem Höchststand im Februar 2025 ist die Beschäftigung in diesem Sektor bereits um 157.000 bzw. 2,4 Prozent gesunken – ein deutliches Signal für nachlassende Wirtschaftsaktivität.



US Arbeitslosenquote seit 2000
Quelle: FRED St. Louis FED

Lohndynamik bleibt überraschend robust


Trotz der schwachen Beschäftigungsentwicklung zeigt sich die Lohndynamik weiterhin stark. Der durchschnittliche Stundenlohn stieg im Februar um 15 Cent oder 0,4 Prozent auf 37,32 Dollar – der zweite Monat in Folge mit einem Anstieg von 0,4 Prozent. Im Jahresvergleich ergibt sich ein Wachstum von 3,8 Prozent, leicht über den 3,7 Prozent im Januar.


Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit blieb unverändert bei 34,3 Stunden, im verarbeitenden Gewerbe sank sie leicht auf 40,1 Stunden bei unveränderten 3,0 Überstunden. Diese robuste Lohndynamik deutet darauf hin, dass trotz schwacher Einstellungsaktivität der Druck auf die Löhne nicht nachlässt.



Fazit


Der Februar-Rückgang von 92.000 Stellen ist nahezu vollständig auf Streiks im Gesundheitswesen zurückzuführen. Ohne diesen temporären Effekt wäre der Monat schwach positiv ausgefallen.


Besorgniserregender sind die massiven Revisionen: Dezember wurde von +48.000 auf -17.000 korrigiert – aus Wachstum wurde rückwirkend ein Verlustmonat. Die strukturellen Probleme bleiben: 330.000 Stellen weniger im öffentlichen Dienst seit Oktober 2024, 157.000 weniger in Transport und Lagerwesen seit Februar 2025.


Der März-Bericht wird zeigen, ob die streikbedingten Verluste reversibel sind.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.

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