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Snowflake Q1-Zahlen: Cortex Code löst KI-Wendepunkt aus, Aktie springt an

  • 29. Mai
  • 8 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 1,39 Mrd. USD (Prognose: 1,32 Mrd. USD)

  • EPS: 0,39 USD (Prognose: 0,32 USD)

  • Remaining Performance Obligations: 9,21 Mrd. USD (+38% YoY)

  • Net Revenue Retention: 126%

  • Segmentergebnisse:

    - Produktumsatz: 1,334 Mrd. USD (+33,9% YoY)

    - Professional Services & Other: 56,6 Mio. USD (+25,1% YoY)

  • Ausblick Q2: Produktumsatz 1,415–1,420 Mrd. USD (+30% YoY)

  • Ausblick FY2027 (angehoben): Produktumsatz 5,84 Mrd. USD (+31% YoY, zuvor +27%); operative Marge auf 13,5% angehoben (zuvor 12,5%)

  • Strategische Vereinbarungen: 6 Mrd. USD AWS-Mehrjahresvertrag, Natoma-Übernahme


Snowflake

Snowflake hat seine Q1-Zahlen vorgelegt und in jeder Hinsicht die Erwartungen pulverisiert. Der Produktumsatz beschleunigte sich von 30 Prozent im Vorquartal auf 34 Prozent – das stärkste sequenzielle Dollar-Wachstum in der Unternehmensgeschichte – und das Management hob die Jahresprognose von 27 auf 31 Prozent an. Cortex Code, im Februar in die allgemeine Verfügbarkeit gestartet, erreichte in nur drei Monaten über 7.100 Accounts und wurde zum wichtigsten Treiber der Anhebung. Die Aktie reagierte nachbörslich mit einem Sprung um 37 Prozent.


Begleitet wurden die Zahlen von zwei strategischen Ankündigungen: Snowflake schloss eine mehrjährige Kooperation mit AWS über 6 Mrd. USD an Infrastrukturleistungen – mehr als doppelt so viel wie der vorherige Vertrag aus dem Geschäftsjahr 2023 – und kündigte die Übernahme von Natoma an. Natoma bringt eine native Governance- und Identitätsschicht für KI-Agenten plus MCP-Tool-Zugriff direkt in die Snowflake-Plattform und erweitert damit die agentische Steuerungsebene über Daten- und Entwicklungsworkflows hinaus in tägliche Anwendungen wie E-Mail, Slack, Kalender und Jira.


Die Wall-Street-Reaktion fiel beispiellos einstimmig aus: Alle 28 Analysten hoben ihre Kursziele an, kein einziger senkte – und HSBC stufte die Aktie sogar von „Hold" auf „Buy" hoch. Das Median-Kursziel liegt nun bei 285 USD, das höchste bei 325 USD (Canaccord Genuity, UBS), das niedrigste bei 250 USD (Bernstein). Citi nannte das Quartal explizit „thesenverändernd".



Earnings Call: Was Sridhar Ramaswamy gesagt hat


Kernbotschaft des CEOs

Sridhar Ramaswamy präsentierte das Quartal als Wendepunkt in Snowflakes KI-Journey: Nachdem KI in den vergangenen Quartalen primär als Rückenwind für das Kerngeschäft wirkte, sei mit Cortex Code (intern „CoCo" genannt) und Snowflake Intelligence ein echter eigenständiger Umsatzbeitrag entstanden. Die zentrale Botschaft: Snowflake positioniert sich als „agentische Steuerungsebene" – die einzige Plattform, die die vier Bestandteile der Enterprise-KI vereint: einheitliche, gouvernierte Datenbasis, Zugriff auf führende KI-Modelle, Konnektivität zu Anwendungen und eine einheitliche Aktionsebene.


CFO Brian Robins unterlegte das mit konkreten Zahlen: NRR auf 126 Prozent gestiegen, 616 Net-New-Kunden (+38% YoY), 79 Kunden mit über 1 Mio. USD Jahresumsatz (46 davon erstmals im Quartal), Use-Cases pro Account Executive +86% YoY.


Snowflake Q1 2027 Infographic

Drei zentrale Aussagen

„Wir sehen einen Wechsel der Größenordnung in unserer KI-Umsatzchance, angeführt von Cortex Code. Im ersten Quartal ist KI als wichtiger Treiber unserer eigenen ARR und als ein bedeutender eigenständigen Wachstumstreiber des Kerngeschäfts entstanden."

Ramaswamys zentrale Einordnung – das Quartal markiert den Übergang von „KI als Tailwind" zu „KI als eigenständige Umsatzsäule". Robins ergänzte, dass Cortex Code der größte einzelne Treiber der Prognoseanhebung war, weil sich erstmals beobachtbares Nutzerverhalten in das Forecast-Modell einarbeiten ließ.

„Cortex Code ist nicht nur ein Coding-Agent. Es ist eine Automatisierungsplattform für alles, was mit Snowflake zu tun hat. Selbst jemand wie ich kann von einem Datensatz aus zu Cortex Analyst, Search-Instanzen, der Erstellung eines Agenten und einer Evaluation gelangen – das ist der gesamte Lebenszyklus der Agentenerstellung."

Die strategische Rahmensetzung für die Plattform-Erweiterung – CoCo unterstützt inzwischen auch fremde Datenplattformen wie AWS Glue, Airflow, dbt Cloud und sogar Databricks, was Snowflake als „neutralen" Migrations- und Orchestrierungslayer positioniert.

„Wir haben heute eine erweiterte Zusammenarbeit mit AWS über eine neue mehrjährige Vereinbarung im Wert von 6 Milliarden Dollar angekündigt. Snowflake hat zudem 7 Milliarden Dollar an lebenslangem AWS-Marketplace-Umsatz überschritten."

Die strategische Validierung durch den Marktführer – der mehr als verdoppelte AWS-Vertrag (vom vorherigen FY23-Vertrag) signalisiert, dass auch der Hyperscaler die Snowflake-Plattform als zentralen KI-Beschleuniger einstuft, statt sie als Konkurrenz zu sehen.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens und mit Abstand am wichtigsten die Frage nach den Treibern der Inflection – Sanjit Singh (Morgan Stanley) eröffnete die Q&A mit der Beobachtung, dass das sequenzielle Dollar-Wachstum in einem normalen Jahr in dieser Größenordnung nicht zu sehen sei. Ramaswamys Antwort gliederte sich in drei Teile: ein „gesunder säkularer Rückenwind" für die Kerndatenplattform durch KI-getriebene Migrationen, die ungewöhnlich starke Adoption der agentischen Produkte direkt nach GA-Start am 5. Februar, und der Zweitrunden-Effekt, dass Cortex Code wiederum den Konsum auf der Kernplattform beschleunigt.


Zweitens die Auswirkungen von CoCo auf Migrationen und Go-to-Market – Kirk Materne (Evercore) hakte nach. Ramaswamy verwies darauf, dass Partner ihre Geschäftsmodelle teils von Zeit-und-Material auf ergebnisorientierte Abrechnung umstellen und dass interne Teams CoCo zu mehr als 95 Prozent adoptiert haben.


Drittens die Margenfrage – Karl Keirstead (UBS) konfrontierte das Management mit der Sorge, dass KI-Produkte margenschwächer seien als die Kernplattform. Robins bestätigte das, verwies aber auf den Bandbreiten-Kostenvorteil aus dem AWS-Vertrag und die unveränderte 75-Prozent-Marken-Bruttomargen-Guidance.


Viertens die Guidance-Philosophie – Raimo Lenschow (Barclays) fragte, ob die übermäßig starke Beat-Cadence eine Änderung im Forecasting darstelle. Robins betonte explizit, dass die Guidance-Philosophie unverändert bei einem 3-Prozent-Beat als „solide" liege, das Quartal aber durch die GA-Einführung von CoCo eine einmalige Modellanpassung erlaubt habe.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Canaccord Genuity (Rating: Buy | Kursziel: 240 → 325 USD)

Der Canaccord-Analyst Kingsley Crane hat das Kursziel des Unternehmens für Snowflake von 240 USD auf 325 USD angehoben – das mit Abstand höchste der Wall Street, gemeinsam mit UBS – und behält seine Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen ist der Ansicht, dass das vergangene Quartal zeigt, dass Snowflake ein Gewinner im KI-Bereich ist und auch als solcher gehandelt werden sollte, da das Unternehmen ein bahnbrechendes erstes Quartal mit einem Produktumsatz von 1.334 Mio. USD (+34 %) vorlegte, was einer Beschleunigung um rund 4 Prozentpunkte gegenüber den 30 % des vierten Quartals entspricht und ein Umsatzwachstum von 108 Mio. USD gegenüber dem Vorquartal bedeutet.


Citi (Rating: Buy | Kursziel: 260 → 320 USD)

Citi hat das Kursziel für Snowflake von 260 auf 320 Dollar angehoben und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen wertet den Bericht zum ersten Quartal als „thesenverändernd" ein. Die Umsatzbeschleunigung bei Snowflake deute darauf hin, dass das Unternehmen KI-Workloads mit Cortex Code erfolgreich monetarisiert, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit.


Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 245 → 300 USD)

Morgan Stanley hat das Kursziel für Snowflake von 245 auf 300 Dollar angehoben und behält die Bewertung „Übergewichten" für die Aktie bei. Da die Produktumsätze im zweiten Quartal in Folge von 30 % im vierten Quartal auf 34 % gestiegen sind, führt das Unternehmen das stärkere Wachstum auf die Monetarisierung von KI-Fähigkeiten und ein starkes Kerngeschäft zurück, was seiner Ansicht nach „ein starkes Gegengewicht zum pessimistischen Szenario" darstellt.


Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 210 → 300 USD)

Der Wells-Fargo-Analyst Ryan MacWilliams hat das Kursziel des Unternehmens für Snowflake von 210 auf 300 Dollar angehoben und behält seine „Übergewichten"-Empfehlung für die Aktie bei. Das beschleunigte Wachstum und die robusten Aussichten hätten sogar die optimistischsten Erwartungen der Buy-Side-Analysten übertroffen, so das Unternehmen. Wells stellt fest, dass sich das Kerngeschäft von Snowflake parallel zum steigenden Beitrag der KI beschleunigt. Insgesamt hat das erste Quartal die Überzeugung des Unternehmens bestärkt, dass Snowflake eine der besten Chancen im Softwarebereich bietet, die Nutzung von KI zu monetarisieren.


BofA (Rating: Buy | Kursziel: 205 → 300 USD)

Die BofA hat das Kursziel für Snowflake von 205 USD auf 300 USD angehoben und behält ihre Kaufempfehlung für die Aktie bei. Neben der Meldung „starker" Ergebnisse für das erste Geschäftsquartal wuchs Snowflakes „wichtigster Wachstumskennwert", der Produktumsatz, im Jahresvergleich um 34 % und beschleunigte sich damit um 4 Prozentpunkte gegenüber den 30 % im vierten Quartal, wie der Analyst feststellte. Das Unternehmen ist der Ansicht, dass die Ergebnisse und der Ausblick „ein solider Beleg für unsere langfristig positive Einschätzung sind, dass Snowflake Marktanteile in einem großen und expandierenden Markt für KI-basierte Business Intelligence gewinnen wird", so der Analyst gegenüber den Anlegern.


HSBC (Rating: Hold → Buy | Kursziel: 176 → 289 USD)

HSBC hat Snowflake von „Halten" auf „Kaufen" hochgestuft und das Kursziel von 176 USD auf 289 USD angehoben – die einzige Ratinghochstufung im Analystenfeld. Das Unternehmen habe ein „Quartal mit deutlich über den Erwartungen liegenden Ergebnissen und einer Anhebung der Prognosen" vermeldet, wobei der Ausblick für das Geschäftsjahr 2027 nun höhere KI-Erwartungen in Bezug auf CoCo beinhalte, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. HSBC ist der Ansicht, dass sich CoCo noch in der frühen Phase der allgemeinen Verfügbarkeit befindet und dass sich die Dynamik von hier aus weiter verstärken wird.


Goldman Sachs (Rating: Buy | Kursziel: 216 → 278 USD)

Goldman Sachs hat das Kursziel für Snowflake von 216 auf 278 Dollar angehoben und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Snowflake verzeichnete einen Kurssprung von 37 %, nachdem das Unternehmen die Erwartungen für das erste Quartal übertroffen und die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 über den Konsenswert angehoben hatte. Das Management wies darauf hin, dass KI-gestützte Programmierwerkzeuge und die kürzlich erfolgte Einführung von Cortex Code die Migration von älteren Datenplattformen beschleunigen und den Marktanteilsgewinn steigern würden, so der Analyst in einer Research-Notiz an die Anleger.


JPMorgan (Rating: Overweight | Kursziel: 245 → 285 USD)

Der JPMorgan-Analyst Mark Murphy hat das Kursziel für Snowflake von 245 auf 285 Dollar angehoben und behält seine „Übergewichten"-Empfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen habe im ersten Quartal „deutlich die Erwartungen übertroffen und die Prognosen angehoben", teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. Das Unternehmen führt an, dass das Wachstum von Cortex Code zur Beschleunigung des Kerngeschäfts von Snowflake beiträgt.


TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 255 → 300 USD)

TD Cowen hat das Kursziel für Snowflake von 255 auf 300 Dollar angehoben und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen habe die Erwartungen zum sechsten Mal in Folge deutlich übertroffen und das höchste Wachstum seit acht Quartalen erzielt. Die Einführung von CoCo im Februar habe die Nutzung sowohl bei Kerndaten als auch bei neuen KI-Anwendungen erheblich beschleunigt.


Stifel (Rating: Buy | Kursziel: 205 → 300 USD)

Der Stifel-Analyst Brad Reback hob das Kursziel des Unternehmens für Snowflake von 205 USD auf 300 USD an und behält seine Kaufempfehlung für die Aktie bei. Ein stärker als erwartet ausgefallener Absatz von KI-Produkten, der in der Prognose für das erste Quartal konservativ nicht berücksichtigt worden war, eine anhaltende Beschleunigung bei den Kern-Workloads, eine rege Migrationsaktivität und ein anhaltend starker Netto-Neukundenzuwachs führten zu einem Umsatzanstieg von mehr als 5 %, und das Management hob die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 deutlich über das im ersten Quartal übertroffene Ergebnis an, teilt der Analyst den Anlegern mit.


Bernstein (Rating: Market Perform | Kursziel: 195 → 250 USD)

Bernstein hat das Kursziel für Snowflake von 195 auf 250 Dollar angehoben – das niedrigste der Wall Street – und behält die Bewertung „Market Perform" für die Aktie bei. Das Unternehmen weist darauf hin, dass Snowflake solide Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt, die Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben und die positive Entwicklung bei der Nutzung von KI hervorgehoben hat. Insgesamt erfüllten die Ergebnisse alle Erwartungen und ließen die Aktie im nachbörslichen Handel um 37 % steigen. Angesichts der allgemeinen Stärke der Nachfrage nach IaaS/PaaS-Lösungen und der geringen Investitionsintensität ist Bernstein der Ansicht, dass die Klarheit hinsichtlich der Wachstumsbeschleunigung und die ersten Erfolge mit der KI-Produktstrategie das kurzfristige Momentum für Snowflake vorantreiben dürften.



Fazit


Snowflake Tageschart

Snowflakes Q1 markiert einen seltenen Wendepunkt in der Earnings-Saison: ein Quartal, das die fundamentale Investmentthese eines Unternehmens nicht graduell, sondern sprunghaft verändert. Die Citi-Beschreibung „thesenverändernd" trifft den Kern – mit der GA-Einführung von Cortex Code am 5. Februar entstand binnen drei Monaten ein KI-Produkt, das in über 7.100 Accounts aktiv ist, die Migration von Legacy-Datenplattformen beschleunigt und gleichzeitig den Konsum auf der Kernplattform antreibt. Diese Doppelwirkung – KI als eigenständige Umsatzsäule und gleichzeitig als Verstärker des Bestandsgeschäfts – ist genau das, was Investoren bei den Software-Plattformen seit Beginn der KI-Welle gesucht haben. Die einstimmig euphorische Reaktion mit 28 von 28 Anhebungen und einer HSBC-Hochstufung spiegelt die Größenordnung dieser Verschiebung wider.


Die zentrale Frage für Q2 verschiebt sich entsprechend: Sie lautet nicht mehr „wird Snowflake im KI-Zyklus relevant bleiben", sondern „wie nachhaltig ist der Cortex-Code-Sprung". Drei Punkte sind dabei kritisch zu beobachten. Erstens die Q2-Guidance von 30 Prozent Produktwachstum, die eine sequenzielle Verlangsamung impliziert. Zweitens die Auswirkungen der Natoma-Akquisition und der MCP-Integration auf den adressierbaren Markt jenseits der reinen Datenplattform. Drittens die Margenwirkung des steigenden KI-Anteils, die Robins zwar als durch den AWS-Vertrag kompensierbar darstellte, die aber strukturell eine Belastung bleibt. Wie Bernstein als einziger Skeptiker mit „Market Perform" anmerkt, bleibt die Bewertung nach dem 37-Prozent-Kurssprung das einzige greifbare Bear-Case-Argument in einem ansonsten überwältigend bullishen Konsens.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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