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Salesforce Q1-Zahlen: Agentforce knackt 1 Mrd. USD ARR, doch Analysten zweifeln an H2-Beschleunigung

  • 28. Mai
  • 7 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 11,13 Mrd. USD (Prognose: 11,06 Mrd. USD)

  • EPS: 3,88 USD (Prognose: 3,13 USD)

  • cRPO: 33,6 Mrd. USD (+14% YoY)

  • Agentforce ARR: über 1 Mrd. USD; KI- und Daten-ARR (inkl. Data 360 und Informatica) 3,4 Mrd. USD

  • Segmentergebnisse:

    - Agentforce Apps: 6,91 Mrd. USD (+8,9% YoY)

    - Data 360, Headless Plattform und Sonstiges: 3,68 Mrd. USD (+24,8% YoY)

  • Ausblick Q2: Umsatz 11,27-11,35 Mrd. USD (Konsens: 11,36 Mrd. USD), EPS 3,25-3,27 USD

  • Ausblick FY2027 (erhöht): Umsatz 45,9-46,2 Mrd. USD, EPS 14,06-14,12 USD (zuvor 13,11-13,19 USD)


Salesforce CEO Marc Benioff

Salesforce hat seine Q1-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen leicht übertroffen, blieb mit den Kernkennzahlen aber weitgehend im Rahmen der eigenen Prognose. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 11,13 Mrd. USD, die operative Marge kletterte auf ein Rekordniveau von 34,8 Prozent, und Agentforce knackte erstmals die Marke von 1 Mrd. USD an wiederkehrendem Jahresumsatz.


Begleitet wurde das Quartal von einer aggressiven Kapitalrückführung: Salesforce startete den größten beschleunigten Aktienrückkauf seiner Geschichte über 25 Mrd. USD, finanziert durch eine Anleiheemission, was die verwässerte Aktienzahl im Jahresvergleich um 10 Prozent reduzierte und den EPS spürbar anhob.


Doch die Wall-Street-Reaktion fiel überwiegend skeptisch aus: 11 Analysten senkten ihre Kursziele, einer ließ es unverändert, kein einziger hob an. Der Grund liegt nicht im Quartal selbst, sondern in der Glaubwürdigkeit der vom Management versprochenen Umsatzbeschleunigung in der zweiten Jahreshälfte. Die starken Agentforce-Nutzungskennzahlen - 28,6 Billionen verarbeitete Token (+152% QoQ) - haben sich noch nicht in eine sichtbare Beschleunigung der Bookings übersetzt, was die Bären in ihrer Zurückhaltung bestärkt. Das Median-Kursziel liegt nun bei 220 USD, das höchste bei 325 USD (Roth Capital), das niedrigste bei 173 USD (Bernstein).



Earnings Call: Was Marc Benioff gesagt hat


Kernbotschaft des CEOs

Marc Benioff präsentierte das Quartal als Bestätigung des Wandels von Salesforce zur „agentischen Enterprise"-Plattform und positionierte das Unternehmen als „die Nummer eins der agentischen CRMs". Die zentrale Botschaft: Agentforce ist nicht mehr ein abgegrenztes Produkt, sondern durchdringt inzwischen jede Salesforce-Anwendung – von Sales und Service über Slack bis zur neuen Headless-360-Strategie.


COO und CFO Robin Washington unterlegte das mit konkreten Zahlen: Agentforce-ARR über 1 Mrd. USD, KI- und Daten-ARR bei 3,4 Mrd. USD, 98 Neuabschlüsse mit über 1 Mio. USD Neu-AOV im Quartal, und ein Slack-Wachstum, das fast die Hälfte aller Millionen-Dollar-Abschlüsse ausmachte. Salesforce stellte das Quartal erstmals unter einem neuen FY27-Reporting-Rahmen vor, der Agentforce als integralen Bestandteil aller Anwendungen behandelt.


Salesforce Gebäude

Drei zentrale Aussagen

„Wir haben 28,6 Billionen Token verarbeitet, ein Plus von 152 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Es gibt kein besseres Beispiel für die enorme Akzeptanz dieser neuen agentischen Produkte durch unsere Kunden und dafür, wie wir diese in 3,8 Milliarden agentische Arbeitseinheiten umgewandelt haben."

Benioffs zentrale Nutzungskennzahl – die Token- und Work-Unit-Zahlen sollen die Adoption von Agentforce belegen. Der Knackpunkt für Analysten: Diese Engagement-Metriken sind beeindruckend, schlagen sich aber noch nicht in der für Investoren entscheidenden cRPO-Beschleunigung nieder.

„Slack machte fast die Hälfte unserer mehr als eine Million Abschlüsse in diesem Quartal aus, ein Plus von 80 Prozent im Jahresvergleich. Es ist eine Rakete zum Mond. In zwei Jahren werden mehr Agenten Slack nutzen als Menschen."

Benioffs Positionierung von Slack als zentrale Plattform für die agentische Zukunft – Slack wird als MCP-Client zum Orchestrierungspunkt, an dem Agenten und Menschen zusammenarbeiten. Anthropic nutze Slack laut Benioff als „Kern-Betriebssystem".

„Mit Headless 360 wird die gesamte Plattform zugänglich. Das erweitert unseren adressierbaren Markt in Oberflächen hinein, die wir zuvor nie monetarisiert haben. Das ist der nächste Abschnitt auf unserem Weg zum Geschäftsjahr 2030."

Die strategische Rahmensetzung für künftiges Wachstum – Headless 360 macht Salesforce über MCP-Clients, APIs und Coding-Agenten zugänglich und soll laut Management die nächste Wachstumsstufe Richtung der FY30-Ziele eröffnen.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Drei Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens – und mit Abstand am wichtigsten – die Glaubwürdigkeit der H2-Beschleunigung: Keith Weiss (Morgan Stanley) brachte die zentrale Investorendebatte direkt auf den Punkt mit der Frage, woher das Vertrauen in eine Wiederbeschleunigung des organischen Abonnementgeschäfts in der zweiten Jahreshälfte komme, wenn die cRPO-Zahlen in den letzten beiden Quartalen exakt im Rahmen der Prognose lagen und die Bookings-Trends hinterherhinken. Robin Washington verwies auf die Kennzahl „Net New AOV wächst schneller als AOV", die bereits in der zweiten Hälfte des FY26 sichtbar gewesen sei.


Zweitens die Monetarisierungswege von KI – Chief Revenue Officer Miguel Milano erläuterte drei Hebel: Upgrade bestehender Seats auf Premium-SKUs (A1E), Erschließung neuer Nutzergruppen durch höhere Cloud-ROIs und – als größter Hebel – kundenorientierte Anwendungsfälle über Flex Credits.


Drittens die Stärke des Kerngeschäfts jenseits der KI-Erzählung – hier verwies das Management auf die Informatica-Integration, die das Wachstum von einstelligen Raten auf zweistellige Werte beschleunigt habe, sowie auf 98 Millionen-Dollar-Abschlüsse, von denen sieben der Top-10-Deals neue Seats hinzufügten.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Roth Capital (Rating: Buy | Kursziel: 325 USD, unverändert)

Richard Baldry, Analyst bei Roth Capital, behält nach den über den Erwartungen liegenden Ergebnissen seine Kaufempfehlung und sein Kursziel von 325 US-Dollar bei – das mit Abstand höchste der Wall Street. Das Umsatzwachstum des Unternehmens sei seit zwei Jahren schwach, was Kostensenkungen erforderlich gemacht habe. Doch ein beschleunigter Aktienrückkauf, finanziert durch eine Anleiheemission in Höhe von 25 Mrd. USD, habe zu einem schnelleren Anstieg des Gewinns je Aktie geführt, teilt der Analyst den Anlegern mit. Roth fügt hinzu, dass das Management für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2027 eine Beschleunigung des Umsatzwachstums erwartet, was als wichtiger Katalysator dienen könnte, auch wenn die Aktie bis dahin wahrscheinlich in einer engen Handelsspanne verharren werde.


KeyBanc (Rating: Overweight | Kursziel: 300 → 290 USD)

Der KeyBanc-Analyst Jackson Ader senkte das Kursziel des Unternehmens für Salesforce von 300 auf 290 Dollar und behält seine „Übergewichten"-Empfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen erklärt, dass organische Kennzahlen im Rahmen der Erwartungen und die Bestätigung der Prognose auf Basis konstanter Wechselkurse für einen Jahresauftakt völlig in Ordnung seien – ein Start, der nach den eigenen Marktbeobachtungen und Gesprächen mit Investoren insgesamt jedoch wohl am besten als schleppend beschrieben werden könne.


Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 252 → 236 USD)

Barclays senkte das Kursziel für Salesforce von 252 auf 236 Dollar und behielt nach der Veröffentlichung des Berichts die Bewertung „Übergewichten" bei. Das Unternehmen ist sich nicht sicher, ob das Quartal für Anleger in irgendeiner Weise als entscheidender Auslöser dienen wird, um die KI-Debatte zu klären. Die wiederkehrenden Jahresumsätze von Salesforce im KI-Bereich entwickelten sich weiterhin gut, seien aber im Gesamtkontext nach wie vor gering, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit.


Canaccord Genuity (Rating: Buy | Kursziel: 250 → 225 USD)

Canaccord senkte das Kursziel für Salesforce von 250 auf 225 Dollar und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen erklärte, Salesforce habe einen soliden Start ins Geschäftsjahr 2027 hingelegt: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 11,1 Mrd. USD, während die Einnahmen aus Abonnements und Support um 14 Prozent zunahmen – was nach Bereinigung um Informatica weitgehend den Erwartungen entsprach.


TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 250 → 240 USD)

TD Cowen senkte das Kursziel für Salesforce von 250 auf 240 Dollar und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen gab bekannt, dass das organische Wachstum im ersten Quartal mit 7 Prozent (auf vergleichbarer Basis) den Erwartungen entsprach, während das Management weiterhin mit einer Beschleunigung des organischen Wachstums in der zweiten Jahreshälfte rechnet, die von der Stärke der Geschäftsbereiche Agentforce, Data und Slack getragen wird.


BMO Capital (Rating: Outperform | Kursziel: 225 → 215 USD)

BMO Capital senkte das Kursziel für Salesforce von 225 auf 215 Dollar, behält aber die Bewertung „Outperform" für die Aktie bei. Die Ergebnisse und Prognosen dürften weder Bären noch Bullen davon überzeugen, die Seiten zu wechseln, da sie nur begrenzte Änderungen an den Erwartungen für das Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2027 mit sich bringen, teilt der Analyst den Anlegern mit. Anleger würden wahrscheinlich Anzeichen für ein sich verbesserndes und nachhaltiges Umsatzwachstum abwarten, bevor sie positiver gestimmt seien. Angesichts des Potenzials für ein verbessertes Umsatzwachstum und der moderaten Bewertung bleibe BMO jedoch positiv gegenüber der Aktie eingestellt.


Northland (Rating: Market Perform | Kursziel: 229 → 202 USD)

Der Northland-Analyst Nehal Chokshi senkte das Kursziel des Unternehmens für Salesforce von 229 auf 202 Dollar und behält seine Bewertung „Market Perform" für die Aktie bei. Das geschätzte Wachstum des cRPO bei konstanten Wechselkursen scheine sich zu verlangsamen, teilt der Analyst den Anlegern in einer Mitteilung nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen mit.


Wells Fargo (Rating: Equal Weight | Kursziel: 210 → 200 USD)

Wells Fargo senkte das Kursziel für Salesforce von 210 auf 200 Dollar und behält die Bewertung „Equal Weight" für die Aktie bei. Das Unternehmen erklärt, das erste Quartal sei für Salesforce ein „Hold-the-Line"-Ergebnis gewesen, ohne wesentliche Änderung des Umsatzausblicks für das Gesamtjahr und mit anhaltendem Vertrauen in eine erneute Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte. Wells erwartet, dass die Aktie in einer engen Bandbreite verharren wird, da die Anleger abwägen, ob die Prognosen für die zweite Jahreshälfte einen Aufschwung bei Agentforce widerspiegeln oder lediglich übermäßig optimistisch sind.


DA Davidson (Rating: Neutral | Kursziel: 200 → 175 USD)

Der Analyst Gil Luria von DA Davidson senkte das Kursziel des Unternehmens für Salesforce von 200 auf 175 Dollar und behält seine neutrale Bewertung der Aktie bei. Die Ergebnisse des Unternehmens für das erste Quartal stellten einen soliden Start ins Jahr dar, doch trotz der niedrigen Erwartungen der Anleger zu Beginn des Quartals hätten die Ergebnisse und die aktualisierte Prognose den Bullen nicht genügend Argumente liefern können, um eine positivere Haltung einzunehmen und die prognostizierte Umsatzbeschleunigung für die zweite Jahreshälfte zu stützen, teilt der Analyst den Anlegern mit.


Bernstein (Rating: Underperform | Kursziel: 194 → 173 USD)

Bernstein senkte das Kursziel für Salesforce von 194 auf 173 Dollar – das niedrigste der Wall Street – und behält die Bewertung „Underperform" für die Aktie bei. Das Unternehmen stellt fest, dass Salesforce ein ordentliches erstes Quartal verzeichnete, das teilweise von Informatica profitierte, die Prognose für das zweite Quartal mit einem Wachstum von 10 Prozent zu aktuellen Wechselkursen jedoch hinter den Markterwartungen zurückblieb. Infolgedessen notierte die Aktie im nachbörslichen Handel leicht im Minus.



Fazit


Salesforce Tageschart

Salesforces Q1 illustriert die zentrale Spannung der aktuellen KI-Investmentdebatte: Die Nutzungsmetriken sind beeindruckend – Agentforce überschreitet 1 Mrd. USD ARR, die Token-Verarbeitung mehr als verdoppelte sich, die operative Marge erreicht Rekordwerte –, doch diese Stärke übersetzt sich noch nicht in die für Investoren entscheidende Beschleunigung der Bookings und des cRPO. Genau diese Lücke zwischen Engagement und monetarisiertem Wachstum nahm den Analysten die Überzeugung: 11 senkten ihre Kursziele, und selbst die Bullen wie Roth Capital und TD Cowen verweisen darauf, dass die Aktie bis zum Beweis der H2-Beschleunigung wahrscheinlich in einer engen Spanne verharrt.


Die zentrale Frage für Q2 ist damit klar umrissen: Liefert Salesforce die vom Management seit Oktober versprochene Wiederbeschleunigung des organischen Wachstums in der zweiten Jahreshälfte – getragen von der Kennzahl „Net New AOV wächst schneller als AOV" –, oder erweist sich die Prognose als zu optimistisch? Die aggressive Kapitalrückführung über den 25-Mrd.-USD-Rückkauf stützt den EPS kurzfristig, ersetzt aber kein organisches Wachstum. Wie Wells Fargo treffend zusammenfasst, war dies ein „Hold-the-Line"-Quartal – die eigentliche Entscheidung über die KI-Erzählung von Salesforce fällt erst in der zweiten Jahreshälfte.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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