Oracle Q1-Zahlen: Cloud-Infrastruktur +121%, Jahresprognose auf 90 Mrd. USD angehoben
Highlights
Umsatz: 19,3 Mrd. USD (Prognose: 19,13 Mrd. USD)
EPS: 1,92 USD (Prognose: 1,74 USD)
Segmentergebnisse:
- Cloud: 11,61 Mrd. USD (+61,5% YoY)
- Software: 5,55 Mrd. USD (-3,0% YoY)
- Hardware: 774 Mio. USD (+15,5% YoY)
- Services: 1,41 Mrd. USD (+4,8% YoY)
Cloud Infrastructure: 7,4 Mrd. USD (+121% YoY)
RPO: 664 Mrd. USD (+209 Mrd. USD YoY)
Ausblick Q2: Umsatzwachstum 30-34%, Cloud-Wachstum 65-71%, EPS 1,85-1,93 USD (erw. 1,89 USD)
Ausblick FY2027 (erhöht): Umsatz mind. 90 Mrd. USD (erw. 89,37 Mrd. USD), EPS 8,10 USD (zuvor 8,05 USD)

Oracle hat seine Q1-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn deutlich übertroffen. Der Umsatz von 19,3 Mrd. USD lag über der Konsensschätzung von 19,13 Mrd. USD (+30% YoY). Der non-GAAP-Gewinn je Aktie von 1,92 USD übertraf die erwarteten 1,74 USD deutlich (+30% YoY). Der Cloud-Umsatz erreichte 11,61 Mrd. USD (+61,5% YoY), angetrieben von Cloud Infrastructure mit 7,4 Mrd. USD (+121% YoY). Die RPOs stiegen um 26 Mrd. USD gegenüber Q4 auf 664 Mrd. USD.
CFO Hilary Maxson beschrieb das Quartal mit einem Wort: „Beschleunigung." Erstmals wuchs der Q1-Umsatz sequenziell gegenüber dem Rekord-Q4. Oracle hob die Jahresprognose auf mindestens 90 Mrd. USD Umsatz an (+34% YoY) und erhöhte das EPS-Ziel auf 8,10 USD. Im Quartal lieferte Oracle 850 Megawatt KI-Kapazität mit über 300.000 GPUs aus — fast dreimal so viel wie in Q4. Am Abilene-Campus wurden sechs von acht Gebäuden fertiggestellt (618 MW), und OpenAIs GPT-6 Astra wurde dort trainiert. Nvidias Vera-Rubin-Systeme übertreffen laut Co-CEO Magouyrk die Erwartungen — erste Kundenlieferungen sind für Q2 geplant. Oracle schloss zudem die Aktienemission von 20 Mrd. USD ab.
Die Wall-Street-Reaktion fiel gemischt aus: Zwei Analysten hoben ihre Kursziele an, drei senkten. Die Anhebungen kamen von Barclays (von 250 auf 252 USD) und UBS (von 245 auf 250 USD), die Senkungen von Stifel (von 220 auf 200 USD), BMO Capital (von 220 auf 195 USD) und RBC Capital (von 190 auf 165 USD). Das Median-Kursziel liegt bei 200 USD, die Spanne reicht von 165 USD (RBC Capital) bis 252 USD (Barclays). Alle fünf Analysten behielten ihre Ratings bei.
Earnings Call: Was Clay Magouyrk, Mike Sicilia und Hilary Maxson gesagt haben
Kernbotschaft der Co-CEOs und der CFO
Co-CEO Clay Magouyrk positionierte das Quartal als Inflektionspunkt bei der Konversion von RPO in Umsatz: Die Cloud-Infrastruktur beschleunigte von +93% in Q4 auf +121% in Q1, und Oracle lieferte erstmals mehr Kapazität in einem einzigen Quartal als zuvor in einem gesamten Halbjahr. Co-CEO Mike Sicilia rahmte das SaaS-Geschäft als KI-beschleunigtes Wachstumsfeld: KI-Agenten verdoppelten sich nahezu auf 2.300 in Produktion, und die eingebettete KI-Nutzung wuchs um 42% sequenziell auf über 150 Millionen Anwendungen.
CFO Maxson betonte, dass die operative Marge trotz sinkender Bruttomarge durch operative Hebelwirkung bei rund 42% gehalten werden konnte. Ergänzend berichtete Magouyrk vom Multicloud-Datenbankgeschäft: Der Umsatz stieg um 353% YoY, die Kundenzahl um 180%, und Oracle erreichte 70 Multicloud-Datenbankregionen mit 119 Availability Zones. Mit dem Oracle Interconnect für AWS bietet OCI nun private Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu allen Hyperscalern ohne Datentransfergebühren.

Drei zentrale Aussagen
„Wir haben 850 Megawatt KI-Kapazität mit mehr als 300.000 GPUs an Kunden ausgeliefert seit dem Ende von Q4. Die Lieferung in Q1 ist fast dreimal so hoch wie alles, was wir in Q4 geliefert haben, und entspricht 73% der gesamten Kapazität, die wir im letzten Geschäftsjahr geliefert haben."
Magouyrk untermauerte damit die Skalierung der Infrastruktur-Lieferkette. Die Kapazitätserweiterung wurde durch jahrelange Investitionen in Rechenzentrumsdesign, Lieferkette und Installationsprozesse ermöglicht. Am Abilene-Campus komprimierte sich die Kundenabnahme auf nur 24 Stunden — ein Signal, dass die Systeme produktionsbereit ankommen.
„Von allen GPUs, die in Q1 zur Vertragsverlängerung anstanden, wurde diese Kapazität zu einem Aufschlag von 20% gegenüber den vorherigen Verträgen verlängert oder weiterverkauft. Die Mehrheit dieser GPUs ist vier Jahre oder älter."
Magouyrk adressierte damit die Investorensorge um die Nutzungsdauer von GPU-Assets. Der 20%-Aufschlag bei Verlängerungen signalisiert, dass KI-Rechenkapazität nicht abwertet, sondern an Wert gewinnt — ein Argument für die langfristige Profitabilität der Infrastruktursparte.
„Kunden haben unsere eingebetteten KI-Funktionen im Quartal mehr als 150 Millionen Mal genutzt, mit einem Nutzungswachstum von 42% sequenziell. Unsere KI-Agenten wurden im Quartal mehr als 3,5 Millionen Mal in Produktion ausgeführt und haben sich damit gegenüber dem Vorquartal nahezu verdoppelt."
Co-CEO Sicilia belegte damit die KI-Durchdringung im SaaS-Geschäft. Über 2.300 KI-Agenten laufen in Produktion (+90% QoQ), und allein die Fusion-Anwendungen konsumierten 900 Milliarden Tokens im Quartal. Mit NetSuite Next kündigte Sicilia eine neue agentenbasierte NetSuite-Version an, und der NetSuite AI Connector Service — der Kundendaten sicher mit ChatGPT und Claude verbindet — zählt bereits über 10.000 Kunden und ist damit eine der am schnellsten adoptierten Funktionen in der Geschichte von NetSuite.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens CapEx und Free Cashflow — Brad Zelnick (Deutsche Bank) fragte, wann der Free Cashflow wieder positiv werde. Magouyrk verwies darauf, dass Modelle wie Bring-Your-Own-Hardware und Kundenvorauszahlungen den CapEx-Bedarf von Oracles Bilanz entkoppelten. CFO Maxson ergänzte, dass jedes Projekt nach dem Hochlauf „eine Free-Cashflow-Konversionsrate von etwa 100% des Post-Tax-EBITDA" generiere — ohne jedoch einen konkreten Zeitrahmen zu nennen.
Zweitens Rechenzentrumsbauverzögerungen — Siti Panigrahi (Mizuho) sprach die Spekulationen über Verzögerungen in New Mexico und Wisconsin an. Magouyrk betonte, dass Oracle 850 MW in Q1 ohne diese Standorte geliefert habe und über ein diversifiziertes Bauportfolio verfüge. Keine der Verzögerungen habe Einfluss auf die FY2027-Prognose. In New Mexico sei der Bau auf Kurs, in Wisconsin arbeite Oracle mit Partnern an der Netzanbindung.
Drittens Bruttomarge — John DiFucci (Guggenheim) und Raimo Lenschow (Barclays) fragten nach dem Rückgang der Bruttomarge. Maxson verwies auf den Mix-Effekt: Infrastruktur habe niedrigere Bruttomargen, dafür aber deutlich geringere F&E- und Vertriebskosten — die operative Marge bleibe der „Nordstern". Nach dem erwarteten Rückgang in diesem Jahr sei eine Stabilisierung zu erwarten, Details sollen beim Investor Day im Oktober folgen.
Viertens SaaS-Wachstum — Brent Thill (Jefferies) fragte, wie Oracle das zweistellige SaaS-Wachstum langfristig halten wolle. Sicilia erklärte, dass KI ein Beschleuniger und kein Ersatz für Unternehmensanwendungen sei. Entscheidend sei die Kombination aus horizontalen und vertikalen Branchenlösungen mit dem Oracle Fusion Agentic AI Studio. Das AI-gestützte Go-Live-Programm verkürze Oracle-Health-Implementierungen auf einstellige Monate und NetSuite-Implementierungen auf einstellige Wochen. Kirk Materne (Evercore ISI) hakte beim AI Data Platform nach: Sicilia erklärte, die Plattform automatisiere Enterprise-Ontologien über Hunderte von Datenquellen und sei datenbank-agnostisch.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 250 → 252 USD)
Barclays hat das Kursziel von 250 auf 252 USD angehoben und behält Overweight bei. Das Wachstum des Unternehmens habe eine Wende genommen und dürfte sich von nun an weiter beschleunigen. Barclays ist der Ansicht, dass sich die Finanzierungslage von Oracle nach Abschluss der Aktienemission im Wert von 20 Mrd. USD verbessert hat. Das Management habe die Fragen zu Verzögerungen und Margen gut beantwortet.
UBS (Rating: Buy | Kursziel: 245 → 250 USD)
UBS hat das Kursziel von 245 auf 250 USD angehoben und behält Buy bei. Künstliche Intelligenz treibe das Wachstum weiter an.
Stifel (Rating: Buy | Kursziel: 220 → 200 USD)
Stifel-Analyst Brad Reback senkte das Kursziel von 220 auf 200 USD und behält Buy bei. Oracle habe „ein starkes Quartal" verzeichnet, und das Management habe die Umsatzprognose für FY2027 auf über 90 Mrd. USD angehoben, was einem OCI-Wachstum von etwa 120% entspreche. Trotz niedrigerer kurzfristiger Bruttomargen geht Stifel davon aus, dass das beschleunigte OCI-Wachstum und Effizienzsteigerungen bei den Betriebskosten in den kommenden Jahren zu einem besseren EPS-Wachstum führen dürften.
BMO Capital (Rating: Outperform | Kursziel: 220 → 195 USD)
BMO-Analyst Keith Bachman senkte das Kursziel von 220 auf 195 USD und behält Outperform bei. Positiv seien der operative Cashflow und die operativen Margen sowie der insgesamt angemessene sequenzielle RPO-Zuwachs. Der sequenzielle Rückgang der Bruttomargen werde von den Anlegern als besorgniserregend wahrgenommen, obwohl die Bruttomarge im Rahmen der Schätzungen lag. Zudem sei BMO vom SaaS-Wachstum des Unternehmens etwas enttäuscht.
RBC Capital (Rating: Sector Perform | Kursziel: 190 → 165 USD)
RBC Capital hat das Kursziel von 190 auf 165 USD gesenkt und behält Sector Perform bei. Oracle habe starke Ergebnisse für Q1 vorgelegt, wobei Gesamtumsatz, Cloud-Umsatz und EPS über dem Konsens lagen. RBC verfolge die Entwicklung weiterhin aufmerksam, da Oracle mit geringeren Margen und dem Aufbau einer kapitalintensiven Infrastruktur zu kämpfen habe.
Fazit

Oracle hat mit dem ersten Quartal den Nachweis erbracht, dass die Cloud-Infrastruktur-Skalierung sich in beschleunigtem Umsatzwachstum niederschlägt. Die Cloud-Infrastruktur wuchs von +93% in Q4 auf +121% in Q1, die GPU-Auslastung liegt bei 97,9%, und bei Vertragsverlängerungen erzielte Oracle einen 20%-Aufschlag. Das RPO von 664 Mrd. USD sichert den Umsatz weit in die Zukunft — rund die Hälfte soll innerhalb der nächsten 36 Monate in Umsatz konvertiert werden. Im SaaS-Geschäft zeigt die KI-Durchdringung mit 2.300 Agenten in Produktion und 900 Milliarden konsumierten Tokens erste operative Ergebnisse, und mit NetSuite Next positioniert sich Oracle auch im Mittelstandssegment als Agentic-Plattform.
Die zentrale Frage für die kommenden Quartale ist, ob Oracle den negativen Free Cashflow von 5 Mrd. USD in eine positive Wendung führen kann, während CapEx von 28 Mrd. USD pro Quartal fließen — ohne konkreten Zeitrahmen seitens des Managements. Das Bären-Argument formuliert RBC Capital mit dem niedrigsten Kursziel von 165 USD: Die sinkenden Bruttomargen und der kapitalintensive Infrastrukturaufbau belasten die kurzfristige Bewertung. Das Bullen-Argument liefert Barclays mit dem höchsten Kursziel von 252 USD: Das Wachstum habe eine Wende genommen, die Finanzierungslage sei durch die 20-Mrd.-USD-Aktienemission verbessert, und die Beschleunigung dürfte sich fortsetzen.
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