Snowflake Q2-Zahlen: Produktumsatz beschleunigt zum dritten Mal, CoCo bei 9.100 Accounts
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Highlights
Umsatz: 1,55 Mrd. USD (Prognose: 1,48 Mrd. USD)
EPS: 0,62 USD (Prognose: 0,45 USD)
Produktumsatz: 1,49 Mrd. USD, +37% YoY
RPO: 9,0 Mrd. USD, +30% YoY; davon 54% im nächsten Jahr zu realisieren (+42% YoY)
Netto-Kundenbindungsrate (NRR): 126%
Kunden: 14.554 gesamt, +692 Neuzugänge (+32% YoY)
CoCo: 9.100 Accounts (+2.000 Neuzugänge in Q2); CoWork: 5.800 Accounts (+11% QoQ)
Ausblick Q3: Produktumsatz 1,588-1,593 Mrd. USD (+37-38% YoY), operative Marge 15,5%
Ausblick FY2027 (erhöht): Produktumsatz 6,07 Mrd. USD (zuvor 5,84 Mrd. USD, +36% YoY), operative Marge 14,5% (zuvor 13,5%)

Snowflake hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn deutlich übertroffen. Der Umsatz von 1,55 Mrd. USD lag über dem Konsens von 1,48 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie von 0,62 USD übertraf die Prognose von 0,45 USD. Der Produktumsatz beschleunigte zum dritten Quartal in Folge auf 37 Prozent Wachstum — ein Anstieg um 7 Prozentpunkte seit Q4 FY2026 und der größte relative Übertreff in der Unternehmensgeschichte. Die Beschleunigung kam breit gestreut: Rund die Hälfte entfiel auf KI-Produkte (CoCo, CoWork, AI Functions, AI Gateway), die andere Hälfte auf eine Kernplattform-Stärkung durch Migrationen und höhere Nutzungsintensität. CoCo durchbrach die 9.100-Account-Marke mit 2.000 Neuzugängen in einem Quartal, während CoWork auf 5.800 Accounts wuchs.
CEO Sridhar Ramaswamy rahmte Snowflake als die „Steuerungsebene des agentischen Unternehmens" — eine Plattform, die Daten, Modelle, Anwendungen und agentische Workflows unter einem Dach vereint. CFO Brian Robins quantifizierte den operativen Hebel: Die operative Marge expandierte um 400 Basispunkte bei gleichzeitig diszipliniertem Personalaufbau — nur 334 Neueinstellungen im ersten Halbjahr gegenüber 935 im Vorjahreszeitraum, davon 173 durch die Observe-Übernahme. Die FY2027-Produktumsatzprognose wurde um 230 Mio. USD auf 6,07 Mrd. USD angehoben (+36 Prozent), die operative Marge von 13,5 auf 14,5 Prozent. Der Weg zur GAAP-Profitabilität in Q4 FY2028 wurde bestätigt. Die Q3-Guidance impliziert eine weitere Beschleunigung auf 37-38 Prozent, was auf über 40 Prozent Wachstum in Q4 hindeutet.
Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich positiv aus. Alle 26 beobachteten Analysten hoben ihre Kursziele an, kein einziger senkte oder bestätigte unverändert. Das höchste Kursziel liegt bei 525 USD (Wells Fargo), das niedrigste bei 384 USD (Barclays), der Median bei 450 USD.
Earnings Call: Was Ramaswamy und Robins gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
Sridhar Ramaswamy positionierte Snowflake als die Plattform, über die Unternehmen den Übergang zum agentischen Betrieb vollziehen. Seine zentrale These: CoCo und CoWork senken die Distanz zwischen Daten und geschäftlichem Mehrwert so dramatisch, dass Projekte, die zuvor Quartale dauerten, in Wochen abgeschlossen werden. Die „Time to 80% of purchased Consumption" — ein internes Maß für die Geschwindigkeit, mit der neue Kunden ihre gekaufte Kapazität ausschöpfen — habe sich bei den jüngsten Kohorten „sehr sichtbar verbessert".
Brian Robins untermauerte die These mit der Bruttomarge-Guidance: Die Senkung auf 74 Prozent (von 75,8 Prozent in FY2026) reflektiere den höheren KI-Umsatzmix, während die operative Marge trotzdem auf 14,5 Prozent steige — der Skaleneffekt im Personalbereich kompensiere die niedrigeren KI-Bruttomargen.

Drei zentrale Aussagen
„In unserer Marketing-Organisation hat CoCo dazu beigetragen, die Suchoptimierung ins Haus zu holen, 400.000 USD an jährlichen Agenturausgaben einzusparen, die Keyword-Recherche von etwa 10 Stunden auf 20 Minuten zu verkürzen und die Content-Produktion von geschätzt 24 Stunden auf nur zwei."
Ein konkretes internes Beispiel, das die Skalierungsthese belegt: CoCo verändert nicht nur, wie Snowflake-Kunden arbeiten, sondern wie Snowflake selbst arbeitet. Intern nutzen über 150 „Snowflake on Snow"-Projekte CoCo quer durch alle Abteilungen — von Deal Desk über Steuern bis zu Finanzplanung. Die Adoption innerhalb der Finanzabteilung liegt laut Robins bei nahezu 100 Prozent.
„Ich würde es ungefähr gleichmäßig nennen. Unsere KI-Produkte, die inzwischen ein ziemlich breites Spektrum darstellen — CoCo und CoWork, aber auch Dinge wie AI Functions und der AI Gateway — haben ungefähr die Hälfte der Beschleunigung beigetragen, die wir sehen."
Die hälftige Aufteilung zwischen KI-Produkten und Kernplattform ist der entscheidende Datenpunkt für die Nachhaltigkeits-These. Reine KI-Spekulation wäre fragil — aber wenn die Hälfte der Beschleunigung aus dem Kerngeschäft kommt, getrieben durch schnellere Migrationen und höhere Nutzungsintensität, deutet das auf einen strukturellen Konsumzyklus hin, nicht auf einen einmaligen KI-Schub.
„Wir verfolgen diese Kennzahl namens Time to 80% of purchased Consumption für neue Logos, die wir gewinnen. … Diese Kennzahl hat sich bei den neuesten Kohorten von Kunden, die wir gewinnen, sehr, sehr sichtbar verbessert. Das ist die Kraft der KI."
Die schnellere Aktivierung neuer Kunden ist der operative Beweis für das Flywheel: CoCo und CoWork verkürzen die Zeit von der Vertragsunterzeichnung bis zur produktiven Nutzung, was den Konsum beschleunigt und die Basis für Vertragserweiterungen schafft.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens die Qualität und Dauerhaftigkeit der Beschleunigung — Sanjit Singh (Morgan Stanley) fragte, ob die Wachstumsdynamik von irrationalem Kundenverhalten oder vorgezogener Nutzung getrieben sei. Ramaswamy verwies auf die Breite der Kundenbasis (keine Konzentration auf KI-native Unternehmen), die Optimierungswerkzeuge in CoCo (Kostenmanagement ist ein Top-10-Skill) und die Lehren aus der Pandemie-Phase. Robins ergänzte, dass die Guidance ausschließlich auf beobachtetem Verhalten basiere und die Abwanderungsrate über die letzten Quartale stabil geblieben sei.
Zweitens die Modellneutralität als Wettbewerbsvorteil — Karl Keirstead (UBS) fragte nach dem Mix zwischen Frontier- und Open-Source-Modellen. Ramaswamy beschrieb den „Auto-Modus", in dem Snowflake die Aufgabe automatisch dem passenden Modell zuordnet. Christian Kleinerman ergänzte, dass das Post-Training offener Modelle eine wachsende Einnahmequelle darstelle und Kunden die Flexibilität gegenüber der Bindung an einen einzelnen Anbieter bevorzugten.
Drittens die CoCo-Durchdringung und Adoptionsmechanik — Brent Thill (Jefferies) fragte nach Veränderungen im Adoptionsmuster. Ramaswamy beschrieb eine mehrstufige Pipeline von der rechtlichen Freigabe bis zu täglichen aktiven Nutzern und betonte, CoCo sei „einer der einfachsten Verkäufe", den Snowflake je gemacht habe. Matt Hedberg (RBC) fragte nach der Tiefe bei Knowledge Workern — Robins zählte Deal Desk, Steuern, Buchhaltung, interne Revision, FP&A und Treasury als aktive Nutzer auf.
Viertens der Wettbewerb mit SaaS-Anbietern, die selbst zu Datenbankanbietern werden — Tyler Radke (Citi) fragte nach der Überschneidung. Ramaswamy argumentierte, dass Daten und Semantik mit zunehmend einfacherer Softwareerstellung an Bedeutung gewinnen. Kleinerman ergänzte, CIOs konsolidierten ihre Datenbestände auf einer einzigen Plattform — nicht in drei verschiedene Anwendungsdatenbanken.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 500 → 525 USD)
Wells Fargo hat das Kursziel für Snowflake von 500 auf 525 USD angehoben und behält die Übergewichtung bei. Die Ergebnisse und Prognosen belegten einen Wendepunkt beim Verbrauch aufgrund von KI. Snowflake verdiene ein höheres Bewertungsmultiplikator, da es sich um einen der wenigen KI-Profiteure handle, der weder Investitionsausgaben noch Modellabhängigkeit erfordere und dessen Wachstum sich kurzfristig wieder beschleunige.
UBS (Rating: Buy | Kursziel: 425 → 500 USD)
UBS hat das Kursziel für Snowflake von 425 auf 500 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Das Umsatzwachstum habe sich im Q2 zum dritten Mal in Folge beschleunigt und liege bei 37 Prozent. Der „wirklich positive Aspekt" der Zahlen sei jedoch der Ausblick für Q3, der eine noch stärkere Beschleunigung auf ein Produktumsatzwachstum von 43 Prozent impliziere.
Citi (Rating: Buy | Kursziel: 395 → 490 USD)
Citi hat das Kursziel für Snowflake von 395 auf 490 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Der Q2-Bericht untermauere die „These vom KI-getriebenen Flywheel". Citi habe die Prognosen für Snowflake nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen nach oben korrigiert.
Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 300 → 470 USD)
Morgan Stanley hat das Kursziel für Snowflake von 300 auf 470 USD angehoben und behält die Übergewichtung bei. Das Wachstum habe sich im dritten Quartal in Folge beschleunigt und „eine ohnehin schon hohe Messlatte übertroffen". Die starke Entwicklung sei breit angelegt gewesen, wobei das Management etwa 50 Prozent des Umsatzanstiegs auf KI-Produkte und den Rest auf die Kernplattform zurückführte.
Piper Sandler (Rating: Overweight | Kursziel: 320 → 450 USD)
Piper Sandler hat das Kursziel für Snowflake von 320 auf 450 USD angehoben und behält die Übergewichtung bei. Ein weiteres Quartal mit deutlicher Beschleunigung in Verbindung mit einer Prognose, die auf ein Wachstum von über 40 Prozent im Q3 hindeute, habe erneut zu beeindruckenden Ergebnissen geführt. Die Beschleunigung werde durch die zunehmende Verbreitung von CoCo unterstützt, was zu steigendem Nutzungsvolumen auf der Kernplattform führe. Piper erwarte, dass dieser Flywheel-Effekt von Dauer sei, da Unternehmen erst am Anfang stünden, interne Kontexte zu nutzen, um ihre Mitarbeiter zu befähigen.
Canaccord Genuity (Rating: Buy | Kursziel: 325 → 450 USD)
Canaccord Genuity hat das Kursziel für Snowflake von 325 auf 450 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Das Q2 stärke die Zuversicht erheblich, dass sich die erneute Beschleunigung zu einem dauerhaften Konsumzyklus entwickle und nicht nur ein einmaliger KI-Schub sei. Die entscheidende Veränderung in der Debatte nach Q2 bestehe darin, dass sich die direkte Monetarisierung der KI und der Kernkonsum nun gegenseitig verstärkten.
Scotiabank (Rating: Outperform | Kursziel: 320 → 440 USD)
Scotiabank hat das Kursziel für Snowflake von 320 auf 440 USD angehoben und behält die Bewertung „Outperform" bei. Die Ergebnisse seien „bemerkenswert" gewesen, wobei die Produktumsätze die Erwartungen der Buy-Side übertrafen, und die Prognose für Q3 sei „noch beeindruckender". Die Quartalsergebnisse etablierten Snowflake als einen der „eindeutigsten KI-Gewinner" in der Softwarebranche, der in „einer eigenen Liga" spiele.
BTIG (Rating: Buy | Kursziel: 340 → 424 USD)
BTIG hat das Kursziel für Snowflake von 340 auf 424 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Der Produktumsatzübertreff von 74 Mio. USD gegenüber dem Mittelwert der Prognose stelle den größten relativen Überschuss in der Unternehmensgeschichte dar. Die Anhebung der Prognose bedeute einen etwas stärkeren Rückenwind als die Preiserhöhung für Cloud-Dienste im letzten Jahr.
Barclays (Rating: Equal Weight | Kursziel: 332 → 384 USD)
Barclays hat das Kursziel für Snowflake von 332 auf 384 USD angehoben und behält die Bewertung „Equal Weight" bei. Die KI-getriebene Wachstumsdynamik halte an, und Barclays rechne damit, dass die Aktie nach der Veröffentlichung des Q2-Berichts weiter steigen werde und sich die positive Stimmung gegenüber Snowflake fortsetze.
Fazit

Snowflake hat in Q2 den überzeugendsten Datenpunkt der bisherigen Berichtssaison für die KI-Monetarisierung im Software-Segment geliefert — dritte Beschleunigung in Folge, hälftige Aufteilung zwischen KI und Kern, und eine Prognoseanhebung um über 500 Basispunkte auf 36 Prozent Wachstum. Alle 26 Analysten hoben ihre Kursziele an. Die Bullen-Argumentation formuliert Wells Fargo mit 525 USD am aggressivsten, mit der These, dass Snowflake einer der wenigen KI-Profiteure ohne CapEx- und Modellabhängigkeit sei. Die Bären-Argumentation findet sich bei Barclays mit 384 USD und „Equal Weight" — die positive Dynamik werde zwar anerkannt, aber die Bewertung reflektiere bereits erhebliche Erwartungen.
Die Katalysatoren für die kommenden Quartale liegen in der Frage, ob Q3 die implizierte 40-Prozent-Wachstumsschwelle durchbricht, in der weiteren Skalierung von CoCo und CoWork als agentische Steuerungsebene, und im Nachweis, dass die schnellere Kundenaktivierung in höhere Lifetime-Konsumwerte mündet.
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