Salesforce Q2-Zahlen: Claudeforce-Launch und stärkstes NNAOV-Wachstum seit vier Jahren
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Highlights
Umsatz: 11,34 Mrd. USD (Prognose: 11,32 Mrd. USD)
EPS: 4,29 USD (Prognose: 3,27 USD)
cRPO: 33,5 Mrd. USD, +14% YoY
Segmentergebnisse:
- Agentforce Apps: 7,19 Mrd. USD (+7,6% YoY)
- Data 360, Headless Platform and Other: 3,62 Mrd. USD (+20,3% YoY)
- Professional Services and Other: 525 Mio. USD (-3,8% YoY)
Agentforce ARR: 1,5 Mrd. USD; AI- und Data-ARR nähert sich 4 Mrd. USD
Claudeforce: Gemeinsam mit Anthropic-CEO Dario Amodei angekündigt
Ausblick Q3: Umsatz 11,42-11,50 Mrd. USD (erw. 11,40 Mrd. USD), EPS 3,42-3,44 USD (erw. 3,37 USD)
Ausblick FY2027 (erhöht): Umsatz 46,1-46,4 Mrd. USD (zuvor 45,9-46,2 Mrd. USD), EPS 16,67-16,71 USD (zuvor 14,06-14,12 USD)

Salesforce hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen. Der Umsatz von 11,34 Mrd. USD lag über dem Konsens von 11,32 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie von 4,29 USD übertraf die Prognose von 3,27 USD. Das Quartal stand im Zeichen eines strategischen Doppelschlags: Das stärkste NNAOV-Wachstum (Net New Annual Order Value) seit vier Jahren lieferte den operativen Beweis für die Wiederbeschleunigung, und der zeitgleiche Launch von Claudeforce — einer tiefen Integration mit Anthropic — verschob die Narrative von „SaaS wird durch KI ersetzt" zu „KI macht SaaS wertvoller". Der cRPO beschleunigte auf 14 Prozent im Jahresvergleich bei konstanter Währung und lag damit einen Prozentpunkt über der Guidance. Die Abwanderungsrate sank nahe an das Rekordtief, die Vertragslaufzeiten verbesserten sich in allen Segmenten.
Marc Benioff rahmte das Quartal als Widerlegung der „SaaSpocalypse"-These und lieferte eine Punktlandung auf allen vier von ihm selbst gesetzten Gegenargumenten — Seat-Wachstum, Abwanderung, Preismacht, Agenten-Nutzung. COO und CFO Robin Washington quantifizierte die Wachstumsdynamik mit der Anhebung der FY2027-Umsatzprognose um 300 Mio. USD auf konstanter Währungsbasis, davon 100 Mio. USD organisch und 200 Mio. USD aus den bevorstehenden Übernahmen von Contentful und Fin. Die Q3-Umsatzprognose von 11,42-11,50 Mrd. USD übertraf den Konsens von 11,40 Mrd. USD. Im Rahmen des laufenden beschleunigten Aktienrückkaufprogramms über 25 Mrd. USD erwartet Salesforce den Rückkauf von mindestens 14 Prozent der ausstehenden Aktien — bisher zu einem Durchschnittskurs von 176 USD.
Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich positiv aus. Alle 25 beobachteten Analysten hoben ihre Kursziele an, kein einziger senkte oder bestätigte unverändert. Das höchste Kursziel liegt bei 310 USD (Raymond James), das niedrigste bei 195 USD (Bernstein), der Median bei 270 USD.
Earnings Call: Was Benioff und Washington gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und COO/CFO
Marc Benioff positionierte Salesforce als die Plattform, über die Unternehmen KI konsumieren werden — nicht als eigenständige Modelle, sondern als verpackte Software auf vier Schichten (Daten, Anwendungen und Semantik, Agenten, Interface). Claudeforce sei der Beweis, dass Frontier-Modelle CRM nicht ersetzen, sondern darauf aufsetzen.
COO und CFO Robin Washington untermauerte die These mit drei Datenpunkten: cRPO-Beschleunigung auf 14 Prozent, Free-Cash-Flow-Wachstum von 81 Prozent YoY, und die organische Anhebung der Umsatzprognose um 100 Mio. USD. Milano betonte, dass die Premium-Upgrade-Strategie noch am Anfang stehe — nur 5 Prozent der Knowledge Worker auf Sales und Service hätten bisher auf die höherwertigen Editionen gewechselt, bei einer Preisprämie von 60 bis 80 Prozent.

Drei zentrale Aussagen
„Das NNAOV-Wachstum ist das stärkste seit vier Jahren. Skeptiker haben gesagt, dass Seats zurückgehen würden, aber Agentforce Sales, Service und Slack — alle Seats wuchsen im Jahresvergleich. Skeptiker sagten, Kunden würden abwandern, aber die Abwanderung war nahe ihrem niedrigsten Stand aller Zeiten. Skeptiker sagten, die Preismacht würde erodieren, und die A1E- und A4X-Buchungen haben sich mehr als verdoppelt im Quartalsvergleich."
Die vier Gegenargumente zur SaaSpocalypse in einem Absatz — Seat-Wachstum, Abwanderung, Preismacht, Buchungsbeschleunigung — liefern den quantitativen Rahmen für die Wiederbeschleunigungs-These. Benioff ergänzte ein drittes Standbein neben niedriger Abwanderung und starkem Neugeschäft — den neuen Mehrwert durch KI, der Kunden Funktionalität biete, die bisher „in ihren Systemen eingesperrt" gewesen sei.
„In Salesforce stecken mehr Daten, als ein Mensch begreifen kann. Ein Mensch bearbeitet einen Datensatz nach dem anderen. Ein Agent arbeitet rund um die Uhr. Er sieht alles, nicht nur ein Ding. Er liest Millionen von Datensätzen, um die perfekte Opportunity zu finden, das Quartal zu prognostizieren und Cases zu schließen."
Die Aussage formuliert den Kern der Agentforce-Wertschöpfung als Skalierungsargument — nicht bessere KI, sondern KI auf einem deterministischen Daten-Stack, den kein menschlicher Nutzer vollständig ausschöpfen kann. Elizabeth Porter (Morgan Stanley) fragte im Q&A nach dem Anteil zahlender Produktionskunden an Agentforce. Milano bezifferte das Ergebnis: 2.000 neue zahlende Kunden in Produktion (+70 Prozent QoQ), Buchungswachstum im dreistelligen Bereich, 50 Prozent der Buchungen aus Kunden, die Flex Credits nachfüllen.
„Kunden, die ihre agentische Reise mit Salesforce beginnen, haben im Durchschnitt bereits den doppelten AOV, mit der Perspektive einer Vervierfachung, also das 3- bis 4-Fache des AOV."
Der AOV-Multiplikator ist das zentrale Monetarisierungsargument für die kommenden Quartale. Gabriela Borges (Goldman Sachs) hatte zuvor nach der wirtschaftlichen Gleichwertigkeit von Agentforce, Headless und Claudeforce gefragt. Die Antwort von Milano und Washington war eindeutig: Die Preisflexibilität — per Seat, per Consumption, per Outcome — sei bewusst breit angelegt, aber der Hebel liege in den Premium-Upgrades, die nur 5 Prozent der Basis erreicht hätten.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens die Claudeforce-Strategie und Go-to-Market — Kirk Materne (Evercore ISI) fragte nach dem Vertriebsmodell mit Anthropic. Benioffs Antwort: Die internen Führungskräfte nutzten Claudeforce bereits, um es direkt bei Top-Kunden zu demonstrieren, und Salesforce werde „Hand in Hand" mit Anthropic-Vertriebsteams arbeiten. Milano ergänzte, dass Claudeforce ab September für alle Kunden verfügbar sei und jeder Salesforce-Verkäufer es als Oberfläche demonstrieren werde. Voraussetzung für Kunden ist ein Upgrade auf die Premium-Editionen.
Zweitens die Monetarisierung von Headless und die verschiedenen Preismodelle — Gabriela Borges (Goldman Sachs) fragte, ob Salesforce unabhängig vom Nutzungspfad denselben ACV erzielen könne. Washington verwies auf die Premium-Upgrade-Strategie als zentralen Hebel und betonte, die Monetarisierung von Headless sei noch im Frühstadium. Milano bezifferte den AOV-Hebel agentischer Kunden auf das 2- bis 4-Fache und verwies auf flexible Preismodelle — per Seat, per Consumption, per Outcome —, die größere Transaktionen ermöglichten.
Drittens die offene vs. geschlossene Modelldebatte — Alex Zukin (Wolfe Research) fragte nach der Positionierung zwischen Open-Source- und Frontier-Modellen. Benioff verlagerte die Diskussion auf die Anwendungsschicht und argumentierte, Kunden würden KI über verpackte Software konsumieren, nicht als eigenständige Modelle. Die Frage, welches Modell im Hintergrund laufe, sei für die meisten Kunden irrelevant — ähnlich wie die Frage, welchen Chip oder welche Faser ihr Netzwerk nutze.
Viertens die Nachhaltigkeit der Wiederbeschleunigung — John DiFucci (Guggenheim) fragte nach der Stabilität des Wachstumsfundaments. Milano lieferte die quantitative Antwort: H1-NNAOV-Wachstum habe das AOV-Wachstum „signifikant" übertroffen, die Pipeline sei auf Rekordniveau, und Salesforce werde bis Jahresende 1.200 weitere Account Executives einstellen, um auf 15.000 zu kommen. Washington ergänzte, dass Sales und Service „dauerhaftes Seat-Wachstum" zeigten — ein fundamentaler Beweis, dass KI die Plattform stärke, nicht ersetze.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
Raymond James (Rating: Strong Buy | Kursziel: 290 → 310 USD)
Der Analyst Brian Peterson von Raymond James hat das Kursziel für Salesforce von 290 auf 310 USD angehoben und behält seine Empfehlung „Strong Buy" bei. Die über den Erwartungen liegenden Ergebnisse und die Anhebung der Prognose, die zunehmende Verbreitung von Agentforce sowie die Partnerschaft mit Anthropic untermauern die Führungsrolle von Salesforce im Bereich der künstlichen Intelligenz und deuten darauf hin, dass die Argumente gegen die Softwareaktie an Überzeugungskraft verlieren.
BTIG (Rating: Buy | Kursziel: 255 → 300 USD)
BTIG hat das Kursziel für Salesforce von 255 auf 300 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Das Quartal habe die Sichtweise verändert, da starke Finanzergebnisse mit einer klareren Botschaft einhergingen, dass sich Salesforce noch in der Anfangsphase der KI-Nutzung befinde. Die Prognose des Managements deute darauf hin, dass sich das organische Gesamtumsatzwachstum auf Basis konstanter Wechselkurse im nächsten Quartal wieder beschleunigen und im vierten Quartal um mehr als einen Prozentpunkt auf 7,6 Prozent steigen werde.
Truist Securities (Rating: Buy | Kursziel: 280 → 300 USD)
Truist hat das Kursziel für Salesforce von 280 auf 300 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Die Q2-Ergebnisse seien ein wichtiger Meilenstein, da sich die Komponenten für ein nachhaltiges organisches Wachstum zusammenfügten. Das NNAOV-Wachstum erreichte den höchsten Stand seit vier Jahren, während Agentforce seine Dynamik fortsetzte — die annualisierten wiederkehrenden Umsätze erreichten rund 1,5 Mrd. USD, wobei die Zahl der Produktionskunden im Vergleich zum Vorquartal um 70 Prozent stieg.
Jefferies (Rating: Buy | Kursziel: 250 → 300 USD)
Jefferies hat das Kursziel für Salesforce von 250 auf 300 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Die Bedenken der Anleger hinsichtlich einer erneuten Beschleunigung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte seien „beruhigt worden". Die Bewertung von Salesforce sei nach wie vor niedrig genug für eine weitere Erholung der Aktie.
Goldman Sachs (Rating: Buy | Kursziel: 242 → 271 USD)
Goldman Sachs hat das Kursziel für Salesforce von 242 auf 271 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Der Ausblick spiegelt eine Beschleunigung im zweiten Halbjahr um etwa 200 Basispunkte sowie eine verbesserte KI-Monetarisierung wider. Upgrades auf Premium-Tarife und Partnerschaften wie Claudeforce schaffen vielfältige Möglichkeiten für ein stärkeres ACV-Wachstum, da die Einführung von Agentforce immer weiter voranschreite.
Guggenheim (Rating: Buy | Kursziel: 228 → 270 USD)
Guggenheim hat das Kursziel für Salesforce von 228 auf 270 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Salesforce habe „einen großen Beitrag dazu geleistet, die ‚SaaSpocalypse' zu zerstreuen, gegen die CEO Marc Benioff seit etwa sechs Monaten ankämpft". Die meisten Kennzahlen für Q2 seien übertroffen worden, die Q3-Prognose liege über den Erwartungen, und die Jahresprognose sei um mehr als den Quartalsüberschuss angehoben worden.
Morgan Stanley (Rating: Equal Weight | Kursziel: 185 → 235 USD)
Morgan Stanley hat das Kursziel für Salesforce von 185 auf 235 USD angehoben und behält die Bewertung „Equal Weight" bei. Q2 sei „ein Schritt in die richtige Richtung", und das cRPO-Aufwärtspotenzial, bessere Anzeichen für die KI-Monetarisierung sowie eine moderate Prognoseanhebung stärken das Vertrauen in eine Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte. Allerdings sorgen Altlasten im Portfolio und die noch offene Frage, ob Agentforce nachhaltiges organisches Wachstum liefern könne, dafür, dass „die Debatte über die Nachhaltigkeit offen bleibt".
Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 173 → 195 USD)
Bernstein hat das Kursziel für Salesforce von 173 auf 195 USD angehoben und behält die Bewertung „Outperform" bei. Q2 sei ordentlich gewesen, doch ohne die positiven Effekte von M&A auf den Umsatz und strategischen Investitionen auf den EPS lagen die Ergebnisse im Wesentlichen im Rahmen der Erwartungen. Die Aktie sei durch die „KI-Apokalypse" unter Druck geraten, doch da Anleger wieder auf Software setzen und erkennen, dass die Gegenwinde nicht so groß seien, habe die Aktie positiv reagiert.
Fazit

Salesforce hat in Q2 die SaaSpocalypse-Debatte auf Datenbasis beantwortet. Das stärkste NNAOV-Wachstum seit vier Jahren, eine nahezu rekordtiefe Abwanderung, beschleunigender cRPO und der zeitgleiche Launch von Claudeforce haben alle 25 Analysten zur Kurszielanhebung bewogen. Die zentrale Investmentthese hat sich damit verschoben — weg von der Frage, ob KI SaaS ersetzt, hin zur Frage, wie schnell Salesforce den neuen Mehrwert monetarisieren kann.
Die Dreamforce-Konferenz im September wird zum entscheidenden Katalysator. Dort will Salesforce den „AI Force"-Harness demonstrieren, der Claudeforce, Slack und die Lightning-Oberfläche unter einem Dach zusammenführt. Milanos AOV-Multiplikator — doppelt beim Einstieg, 3- bis 4-fach in der Skalierung — ist das Versprechen, das die Wiederbeschleunigung in der zweiten Jahreshälfte tragen soll. Die Bullen-Argumentation formuliert Raymond James mit seinem 310-USD-Kursziel am deutlichsten, wonach die Argumente gegen die Softwareaktie an Überzeugungskraft verlieren. Die Bären-Argumentation findet sich implizit bei Morgan Stanley und der Aussage, dass Altlasten im Portfolio und die offene Nachhaltigkeitsfrage die Bewertung weiterhin bremsen. Bernstein notiert das niedrigste Kursziel bei 195 USD, bewertet die Aktie aber mit „Outperform" — ein Signal, dass selbst die Vorsichtigen eine Erholung sehen, nur von einem niedrigeren Ausgangspunkt.
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