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Nvidia Q2-Zahlen: Data Center bei 89 Mrd. USD, Jahresprognose mit 70% Wachstum

  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 96,2 Mrd. USD (Prognose: 92,2 Mrd. USD)

  • EPS: 2,22 USD (Prognose: 2,09 USD)

  • Bruttomarge: 75% (Prognose: 75%)

  • Segmentergebnisse:

    - Data Center: 89,0 Mrd. USD (+116,6% YoY)

    • davon Hyperscale: 48,7 Mrd. USD (+104,0% YoY)

    • davon AI Clouds, Industrial & Enterprise (ACIE): 40,3 Mrd. USD (+134,2% YoY)

    - Edge Computing: 7,2 Mrd. USD (+27,5% YoY)

  • Aktienrückkäufe: 26 Mrd. USD in Q2 an Aktionäre zurückgeführt (20 Mrd. Rückkäufe + 6 Mrd. Dividende)

  • Ausblick Q3: Umsatz 108 Mrd. USD ±2% (erw. 103,9 Mrd. USD), Bruttomarge 74% ±50 bps

  • Ausblick FY2028: Umsatzwachstum von ca. 70% YoY (angebotsbedingt begrenzt, Nachfrage stützt 100%)


Nvidia CEO Jensen Huang

Nvidia hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz, Gewinn und Prognose deutlich übertroffen. Der Umsatz von 96,2 Mrd. USD lag über dem Konsens von 92,2 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie von 2,22 USD übertraf die Prognose von 2,09 USD. Das Data-Center-Segment erreichte 89 Mrd. USD und verdoppelte sich damit im Jahresvergleich — getragen von Hyperscale mit 48,7 Mrd. USD (+104% YoY) und dem ACIE-Segment mit 40,3 Mrd. USD (+134% YoY). Das ACIE-Segment wuchs mit 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal und übertrifft damit das Hyperscale-Wachstum, während Sovereign-AI-Umsätze 35 Prozent sequenziell und über 200 Prozent im Jahresvergleich zulegten.


Jensen Huang positionierte das Quartal als Wendepunkt: Nvidia gab erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Jahresprognose ab — rund 70 Prozent Umsatzwachstum für FY2028, obwohl die Nachfrage laut Management ein Wachstum von 100 Prozent stützen würde. Die Begrenzung liegt auf der Angebotsseite: Speicher, Wafer-Kapazität und Infrastruktur sind die Engpässe. Die Q3-Umsatzprognose von 108 Mrd. USD ±2 Prozent übertraf den Konsens von 103,9 Mrd. USD deutlich. Gleichzeitig setzte CFO Colette Kress ein neues Margensignal: Die Bruttomarge soll in Q4 auf 71-72 Prozent fallen, bevor sie sich in FY2028 bei 72-73 Prozent stabilisiert — getrieben durch extrem gestiegene Speicherpreise, die laut Kress „die bisherigen Erwartungen übertroffen haben und weiter steigen". Produktionsseitig begann Nvidia mit der Auslieferung von Vera Rubin, dem Nachfolger der Blackwell-Architektur, und sicherte Bestellungen von allen großen Hyperscalern. Groq 3 LPX, das erste Rack-Scale-LPU-System aus der Groq-Partnerschaft, ging in Serienproduktion.


Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich positiv aus: Alle 14 beobachteten Analysten hoben ihre Kursziele an, kein einziger senkte oder bestätigte unverändert. Das höchste Kursziel liegt bei 515 USD (Raymond James), das niedrigste bei 300 USD (Morgan Stanley, UBS, Needham), der Median bei 318 USD.



Earnings Call: Was Huang und Kress gesagt haben


Kernbotschaft von CEO und CFO

Jensen Huang rahmte das Quartal als Ergebnis dreier strategischer Säulen: erstens die Plattform-Universalität (jedes Modell läuft auf Nvidia), zweitens die Full-Stack-Erweiterung des Data-Center-TAM (von 18 Mrd. USD pro Gigawatt bei Hopper auf 40 Mrd. USD bei Vera Rubin) und drittens das CUDA-Ökosystem als Brücke in Märkte, die kein einzelner Chip erreichen kann.


Colette Kress quantifizierte die Wachstumsdynamik: Das vierte Quartal in Folge mit beschleunigendem Umsatzwachstum, Cloud-Backlogs über 2 Billionen USD, und CapEx der Top-5-Hyperscaler von geschätzt 800 Mrd. USD in 2026 und 1,3 Billionen USD in 2027.


Nvidia GPU

Drei zentrale Aussagen

„KI ist nützlich geworden. Und die KI-Agenten, die überall eingesetzt werden, verbrauchen eine enorme Menge an Rechenleistung. … Die Menge an Rechenleistung, die für einen Agenten im Vergleich zu einem Menschen erforderlich ist, liegt je nach Art des Problems, das man zu lösen versucht, wahrscheinlich beim 15- bis 100-Fachen."

Huang bezifferte den Compute-Multiplikator von agentischer KI gegenüber menschlicher Nutzung auf den Faktor 15 bis 100. Das liefert den quantitativen Rahmen für die Nachfrage-These: Nicht nur mehr Modelle, sondern jedes Modell verbraucht ein Vielfaches an Rechenleistung.

„Wir vergeben keine Kredite. In diesem Modell werden wir zweimal bezahlt — einmal beim Hardware-Verkauf und ein zweites Mal durch den Anteil am Mietumsatz, ein hochgradig wiederkehrender Strom, der auf einen einmaligen Gerätekauf aufgesetzt wird."

Huang beschrieb das neue Umsatzbeteiligungsmodell mit NeoClouds: Nvidia stellt eine Mindestabnahmegarantie für einen Teil der Rechenzentrums-Kapazität, die Kreditgebern als Sicherheit dient. Im Gegenzug partizipiert Nvidia am Mietumsatz oberhalb dieser Garantie.

„Wir erkennen das Ausmaß dieser Unterstützung an, und wir wissen, dass einige dies als Zirkularfinanzierung bezeichnen werden. Wir sehen das anders. Wir durchlaufen einen großen Plattformwechsel im Computing. Die Schaffung einer der wichtigsten Technologien in der Geschichte der Menschheit."

Huang adressierte direkt den Vorwurf der Zirkularfinanzierung bei den Frontier-AI-Lab-Investitionen. Nvidia investierte fast 50 Mrd. USD, sicherte über Partnerschaften mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR über 500 Mrd. USD an Drittkapital.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Sichtbarkeit der 70-Prozent-Prognose — Joseph Moore (Morgan Stanley) fragte nach den Treibern und der Lücke zur 100-Prozent-Nachfrage. Huangs Antwort: Die Hälfte des Geschäfts — Sovereign AI, NeoClouds, Unternehmen — wachse mit 100 Prozent pro Jahr und sei für die meisten Investoren „unsichtbar". Die größere Transparenz durch die Jahresprognose solle Kunden, Aktionäre und Lieferkette auf denselben Informationsstand bringen.


Zweitens der Inferenz-Marktanteil und agentische KI — CJ Muse (Cantor Fitzgerald) fragte nach Nvidias Positionierung bei Inferenz-Workloads. Huang beschrieb den KI-Lebenszyklus als vierphasig (Datenvorbereitung, Pre-Training, Post-Training, agentische Inferenz) und betonte die Fungibilität der NVLink-72-Architektur über alle Phasen. Nvidias Umsatzbeitrag pro Gigawatt sei von 18 Mrd. USD bei Hopper auf 25 Mrd. USD bei Blackwell und 40 Mrd. USD bei Vera Rubin gestiegen.


Drittens Open-Source-Modelle und deren Auswirkung auf Frontier Labs — Timothy Arcuri (UBS) fragte, ob der Aufstieg offener Modelle negativ für Nvidias größte Kunden sei. Huangs Antwort: Sowohl geschlossene als auch offene Modelle wachsen rasant, und Nvidia sei die einzige Plattform, die jedes Frontier-Modell ausführe. Offene Modelle seien „vital für die amerikanische Wirtschaft" und ermöglichten Unternehmen den Aufbau proprietärer KI.


Viertens die Lieferketten-Engpässe und deren Auflösung — Jim Schneider (Goldman Sachs) fragte nach der Rangordnung der akutesten Einschränkungen. Huang vermied eine Priorisierung und beschrieb die gesamte Lieferkette als „challenged" — Kapazität komme kontinuierlich hinzu, nicht sprunghaft. Die aktuelle Lieferkapazität decke 70 Prozent, die Nachfrage liege deutlich darüber, und das Ziel sei, „Kunden nicht zu enttäuschen".



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Raymond James (Rating: Strong Buy | Kursziel: 352 → 515 USD)

Raymond James hat das Kursziel für Nvidia von 352 auf 515 USD angehoben und behält die Empfehlung „Strong Buy" für die Aktie bei. Die Ergebnisse von Nvidia für das zweite Quartal und der Ausblick für das Geschäftsjahr 2028 haben die Erwartungen deutlich übertroffen: Ein prognostiziertes Wachstum von 70 Prozent, eine steigende Nachfrage nach Architekturlösungen und robuste Kapitalrenditen sorgen für Optimismus, während der Umsatz außerhalb des Hyperscaler-Segments voraussichtlich stärker wachsen wird als der der Hyperscaler selbst.


Evercore ISI (Rating: Outperform | Kursziel: 413 → 465 USD)

Der Evercore-ISI-Analyst Mark Lipacis hat das Kursziel für Nvidia von 413 auf 465 USD angehoben und behält seine „Outperform"-Bewertung bei. Da die Erwartungen für ein Umsatzwachstum von 70 Prozent im Kalenderjahr 2027 deutlich über den Marktschätzungen liegen, versetzt die proaktive Strategie des Unternehmens zum Management von Angebot und Nachfrage Nvidia in die Lage, seine Dynamik aufrechtzuerhalten.


Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 315 → 400 USD)

Bernstein hat das Kursziel für Nvidia von 315 auf 400 USD angehoben und behält seine „Outperform"-Bewertung bei. Bernstein hebt das Wachstumspotenzial im Bereich Rechenzentren hervor, das auf der anhaltenden Dynamik von Blackwell beruht und sich sowohl bei Hyperscale- als auch bei ACIE-Kunden zeigt.


Rosenblatt (Rating: Buy | Kursziel: 325 → 390 USD)

Rosenblatt hob das Kursziel für Nvidia von 325 auf 390 USD an und behält die Kaufempfehlung bei. Das Management prognostizierte für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertraf damit deutlich die Konsensschätzung von rund 45 Prozent.


Truist Securities (Rating: Buy | Kursziel: 307 → 346 USD)

Truist hat das Kursziel für Nvidia von 307 auf 346 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Die Nachfrage stütze im nächsten Jahr ein Umsatzwachstum von 100 Prozent, doch Lieferengpässe begrenzen das Wachstum auf 70 Prozent — gegenüber einer Konsensschätzung von 47 Prozent. Diese deutliche Aussage dürfte Nvidia nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen Kursgewinne bescheren und eine Erholung des gesamten KI-Sektors einleiten.


RBC Capital (Rating: Outperform | Kursziel: 300 → 330 USD)

RBC Capital hat das Kursziel für Nvidia von 300 auf 330 USD angehoben und behält die Bewertung „Outperform" bei. Das Management hat den ungewöhnlichen Schritt unternommen, eine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr abzugeben: Für das Geschäftsjahr 2028 wird trotz anhaltender Lieferengpässe ein Umsatzwachstum von 70 Prozent prognostiziert. Die Kundendiversifizierung schreitet weiter voran, wobei die ACIE-Segmente die Hyperscaler übertreffen, während sich aus den NeoCloud-Umsatzbeteiligungsvereinbarungen erste Anzeichen für wiederkehrende Umsätze abzeichnen.


JPMorgan (Rating: Overweight | Kursziel: 280 → 320 USD)

Der JPMorgan-Analyst Harlan Sur hat das Kursziel für Nvidia von 280 auf 320 USD angehoben und behält seine „Overweight"-Bewertung bei. Das Wachstum im Bereich Rechenzentren beschleunigt sich aufgrund der anhaltenden Nachfrage nach Blackwell Ultra sowie eines Anstiegs bei den Umsätzen in den Bereichen staatliche Kunden, KI-native Anwendungen und Unternehmenskunden. JPMorgan hält den Ausblick angesichts des Tempos der Einführung agentischer KI und der weltweiten Dynamik im Bereich der staatlichen Anwendungen für wahrscheinlich konservativ.


Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 288 → 300 USD)

Morgan Stanley hat das Kursziel für Nvidia von 288 auf 300 USD angehoben und behält die Bewertung „Overweight" bei. Das Analystenhaus zeigt sich angesichts der Lieferengpässe weiterhin beeindruckt von den kurzfristigen Zahlen, hebt jedoch hervor, dass die „zusätzliche Überraschung" die Umsatzprognose für das Kalenderjahr 2027 sowie eine Korrektur der Bruttomargen waren — beides positive Faktoren.


UBS (Rating: Buy | Kursziel: 280 → 300 USD)

UBS hat das Kursziel für Nvidia von 280 auf 300 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Die Nachfrage stütze trotz des durch den Speicherbereich bedingten Margendrucks das weitere Aufwärtspotenzial, während der Ausbau der Plattform und des auf offenen Modellen basierenden Ökosystems bis zum Kalenderjahr 2028 einen Gewinn je Aktie von etwa 22 bis 23 USD bewirken könnte.


Needham (Rating: Buy | Kursziel: 270 → 300 USD)

Der Needham-Analyst N. Quinn Bolton hob das Kursziel für Nvidia von 270 auf 300 USD an und behält seine Kaufempfehlung bei. Das Management ging direkt auf Bedenken hinsichtlich einer „Zirkularfinanzierung" ein und stellte seine Investitionen in Höhe von 50 Mrd. USD in Frontier-KI-Labore als einen kleinen Bruchteil des erwarteten Free Cashflows dar.



Fazit


Nvidia Tageschart

Nvidias Q2 ist das mit Abstand stärkste Quartals-Statement der laufenden Berichtssaison: Alle 14 Analysten hoben ihre Kursziele an, keiner senkte oder bestätigte unverändert — ein seltener Konsens bei einer Aktie dieser Größenordnung. Das Quartal lieferte nicht nur einen Umsatzüberschuss von 4 Mrd. USD über Konsens, sondern mit der erstmaligen Jahresprognose von 70 Prozent Wachstum ein Signal, das den Markt zur Neubewertung des gesamten KI-Sektors zwingt. Dass die uneingeschränkte Nachfrage laut Management 100 Prozent Wachstum stützen würde, verschiebt den Engpass-Narrativ endgültig von der Nachfrage- auf die Angebotsseite.


Die zentrale Frage für die kommenden Quartale ist die Bruttomarge: Kress' Reset auf 71-72 Prozent in Q4 und 72-73 Prozent in FY2028 markiert die erste materielle Margenkompression seit dem KI-Zyklus begann. Die Katalysatoren für eine Neubewertung liegen im Ramp von Vera Rubin (20 Prozent des Data-Center-Umsatzes bereits in Q3), der Skalierung des NeoCloud-Umsatzbeteiligungsmodells und dem Beginn der Groq-3-Auslieferungen. Die Bullen-Argumentation formuliert Raymond James mit seinem 515-USD-Kursziel am aggressivsten: Das Nicht-Hyperscaler-Geschäft wachse schneller als die Hyperscaler selbst. Die Bären-Argumentation findet sich implizit bei Morgan Stanley, UBS und Needham mit ihrem 300-USD-Kursziel: Der Margendruck durch Speicherkosten und die noch unbewiesene Skalierung der Frontier-Lab-Finanzierung rechtfertigen Vorsicht trotz der Wachstumsdynamik.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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