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Dell Q2-Zahlen: Umsatz bei 47 Mrd. USD, Anhebung der Jahresprognose um 25 Mrd. USD

2. Sept.
7 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 47 Mrd. USD (Prognose: 44,5 Mrd. USD)

  • EPS: 7,04 USD (Prognose: 4,92 USD)

  • AI-Server-Aufträge: 60,9 Mrd. USD in Q2 (Allzeitrekord), Backlog bei 95 Mrd. USD

  • Segmentergebnisse:

    - Infrastructure Solutions Group (ISG): 31,8 Mrd. USD (+89% YoY)

    • davon AI-Optimized Server: 16,4 Mrd. USD (+100% YoY)

    • davon Traditional Servers and Networking: 10,5 Mrd. USD (+122% YoY)

    • davon Storage: 4,9 Mrd. USD (+26% YoY)

    - Client Solutions Group (CSG): 15,0 Mrd. USD (+20% YoY)

  • AI-Kunden: Über 6.500, davon 3.300 in den letzten drei Quartalen hinzugekommen

  • Ausblick Q3: Umsatz 49 Mrd. USD, EPS 6,50 USD

  • Ausblick FY2027 (erhöht um 25 Mrd. USD): Umsatz 192 Mrd. USD, EPS 25,50 USD, AI-Server-Umsatz 74 Mrd. USD


Dell CEO Michael Dell

Dell hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn deutlich übertroffen. Der Umsatz von 47 Mrd. USD lag über dem Konsens von 44,51 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie von 7,04 USD übertraf die Prognose von 4,92 USD. Das Quartal lieferte Rekorde in allen Kernkennzahlen — Umsatz, Gewinn, KI-Aufträge, Auftragsbestand und Aktionärsrendite. Besonders auffällig war die Breite des Wachstums: Die traditionellen Server legten mit 122 Prozent sogar stärker zu als die KI-Server (+100 Prozent), getrieben durch Rechenzentrumsmodernisierung, verschärfte Sicherheitsanforderungen und eine alternde Installationsbasis von 1,2 Millionen Geräten der 14. Generation oder älter. Storage kehrte mit 26 Prozent Wachstum auf den Wachstumspfad zurück, angeführt vom Dell-IP-Portfolio, das sechs Quartale in Folge über dem Markt wuchs.


Jeff Clarke, Vice Chairman und COO, rahmte das Quartal als Beleg für die These, dass KI nicht nur den KI-Server-Markt treibt, sondern eine breitere Modernisierungswelle über die gesamte IT-Infrastruktur auslöst. CFO David Kennedy quantifizierte den operativen Hebel: Die OpEx-Quote sank auf 8,5 Prozent vom Umsatz, ein Rückgang von 250 Basispunkten im Jahresvergleich, mit einer Ganzjahres-Guidance von rund 8 Prozent — der niedrigste Stand in der 42-jährigen Unternehmensgeschichte. Die Jahresprognose wurde um 25 Mrd. USD auf 192 Mrd. USD angehoben, mit einem EPS von 25,50 USD. Dell führte im Quartal einen Rekord von 4,3 Mrd. USD an Aktionäre zurück, darunter Rückkäufe von 9,5 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 401 USD.


Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich positiv aus. Alle 15 beobachteten Analysten hoben ihre Kursziele an, kein einziger senkte oder bestätigte unverändert. Das höchste Kursziel liegt bei 735 USD (Melius Research), das niedrigste bei 499 USD (Morgan Stanley), der Median bei 600 USD.



Earnings Call: Was Clarke und Kennedy gesagt haben


Kernbotschaft von COO und CFO

Jeff Clarke positionierte Dell als den Hauptprofiteur einer strukturellen Infrastrukturmodernisierung, die über KI-Server hinausgeht. Seine drei Differenzierungsmerkmale: Erstens die Ingenieurskapazität für komplexe Installationen (bis zu 50 einzigartige Designs pro Kundenengagement), zweitens die globale Lieferkette mit Optimierungsfähigkeit über Produktlinien hinweg, und drittens die Finanzierungskapazität über Dell Financial Services, die Kunden beim Übergang zwischen Bestellung und erstem Token unterstütze.


CFO David Kennedy untermauerte die These mit den Margenzahlen: ISG-operative Marge bei 15 Prozent (+620 Basispunkte), getrieben durch Skaleneffekte (über 400 Basispunkte allein), Dell-IP-Storage-Mix und Preisdisziplin. Er betonte, dass die Bruttomarge für das zweite Halbjahr sich in den letzten 90 Tagen verbessert habe.


Dell

Drei zentrale Aussagen

„In den vergangenen zwölf Monaten haben wir mehr als 130 Mrd. USD an KI-Server-Aufträgen gebucht. Allein in den letzten beiden Quartalen haben wir fast so viel Umsatz mit traditionellen Servern und Networking erzielt wie in jedem vorherigen Gesamtjahr der Unternehmensgeschichte."

Diese zwei Sätze fassen die Breite der Nachfragedynamik zusammen — nicht nur KI, sondern gleichzeitig ein historisches Niveau im traditionellen Server-Geschäft. Die drei Treiber hinter dem traditionellen Wachstum: Rechenzentrumsmodernisierung mit Konsolidierungsraten von 6:1 bei 17G und 12-14:1 bei der kommenden 18G-Generation, verschärfte Sicherheitsanforderungen einschließlich Post-Quantum-Kryptographie, und neue agentische CPU-Workloads.

„Die Engpässe bleiben dieselben. DRAM, DRAM, DRAM, gefolgt von NAND, NAND, NAND. Wir haben sporadische CPU-Engpässe. Es gibt Knappheiten bei Festplatten. Wenn man weiter in der Lieferkette nach unten geht, ist nahezu jedes Produkt, das über einen führenden Fertigungsknoten läuft, knapp."

Dell konnte die Guidance um 25 Mrd. USD anheben, indem es Bits und Bytes über Produktlinien hinweg optimierte — unter anderem durch die Umschichtung von PC-Kapazitäten in das Infrastrukturgeschäft. An der grundsätzlichen Knappheit hat sich nichts geändert — die Verbesserung kam aus besserer Allokation, nicht aus mehr Angebot.

„Wir glauben, dass die Token, die Inferenz antreibt, bis 2030 um das 87-Fache auf 3.600 Billiarden Token wachsen werden. Die Trainingsnachfrage wächst um das 5-Fache auf 850 Zettaflops bis 2030. Agentische Unternehmens-KI wird voraussichtlich bis 2028 die größte einzelne Arbeitslast sein."

Mit diesen drei Datenpunkten bezifferte Clarke die langfristige TAM-Expansion. Dell sieht die Chance bei über 1 Billion USD bis 2030, wobei die Hälfte der erwarteten 200 GW zusätzlicher Rechenzentrumsleistung in Dells Kernzielgruppe — NeoClouds, Sovereign-Kunden und Unternehmen — fällt. Kennedy vermied eine explizite FY2028-Prognose, verwies aber auf die Spiegelbildlichkeit des ersten und zweiten Halbjahres (71 vs. 68 Prozent Wachstum) und die Dauerhaftigkeit der Nachfrage über alle Segmente.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Dauerhaftigkeit und Zusammensetzung des traditionellen Server-Wachstums — Amit Daryanani (Evercore ISI) fragte, wie viel des 122-Prozent-Wachstums auf Preiserhöhungen und vorgezogene Bestellungen zurückgehe. Clarke betonte die Modernisierung als Haupttreiber, mit 1,2 Millionen Altgeräten (14G oder älter) in der Installationsbasis, die erneuert werden müssten. Kennedy ergänzte, dass die Guidance für traditionelle Server im zweiten Halbjahr erneut dreistelliges Wachstum vorsehe und die Pipeline weiter wachse.


Zweitens die Kundenbasis und der Enterprise-Mix bei KI-Servern — Mark Newman (Bernstein) fragte nach dem Anteil von Enterprise- versus Neocloud-Kunden. Clarke bezifferte die Gesamtkundenzahl auf über 6.500, davon 3.300 in den letzten drei Quartalen. Enterprise-Kunden wuchsen im Quartals- und Jahresvergleich, ebenso wie Wiederkäufer. Der Mix habe sich nicht grundsätzlich verschoben, weil auch Sovereign- und Neocloud-Kunden weiter wuchsen — aber Enterprise sei am besten an der Kundenzahl messbar. Entscheidend: Enterprise-Kunden kaufen tendenziell mehr Storage und Networking, also eine vollständigere Lösung.


Drittens das Storage-Potenzial im KI-Kontext — Erik Woodring (Morgan Stanley) fragte nach dem 2-3-Dollar-Speicherzusatzverkauf pro Server. Clarke verwies auf die strukturelle Datenzunahme durch Agenten (Logs, Traces, Files), KV-Cache-Optimierung für Inferenz und die kommende Welle von Physical AI mit multimodalen unstrukturierten Daten aus Manufacturing, IoT und Robotik. Er sieht die Beschleunigung als am Anfang stehend, nicht als abflachend.


Viertens die Margendynamik und deren Nachhaltigkeit — Katherine Murphy (Goldman Sachs) fragte nach den Margentreibern über den Zyklus hinweg. Clarke identifizierte Skaleneffekte als den mit Abstand größten Hebel, gefolgt von der Dell-IP-Storage-Mix-Verschiebung, die höhere Umsatz- und Margendollars pro Einheit generiere. Kennedy quantifizierte: Allein der Skaleneffekt trug über 400 Basispunkte in Q2 bei und sei im Ganzjahresguide über 650 Basispunkte wert. Die zusätzlichen 2,5 Mrd. USD Storage-Umsatz YoY seien eine „enorme Margenopportunität".



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Melius Research (Rating: Buy | Kursziel: 650 → 735 USD)

Melius Research hat das Kursziel für Dell von 650 auf 735 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei.


Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 500 → 650 USD)

Bernstein hat das Kursziel für Dell von 500 auf 650 USD angehoben und behält die Bewertung „Outperform" bei. Dell habe erneut ein außergewöhnlich starkes Quartal vorgelegt, in dem Umsatz, Margen und Gewinn je Aktie deutlich über den Prognosen und den Markterwartungen lagen.


JPMorgan (Rating: Overweight | Kursziel: 565 → 635 USD)

JPMorgan hat das Kursziel für Dell von 565 auf 635 USD angehoben und behält die Übergewichtung bei. Dell habe „ein weiteres starkes Quartal" vermeldet, zurückzuführen auf die anhaltende KI-Dynamik, eine zunehmend nachhaltige Erneuerung der IT-Infrastruktur und eine widerstandsfähigere PC-Nachfrage als befürchtet.


Raymond James (Rating: Outperform | Kursziel: 500 → 617 USD)

Raymond James hat das Kursziel für Dell von 500 auf 617 USD angehoben und behält die Bewertung „Outperform" bei. Auch wenn Preisgestaltung und vorgezogene Bestellungen wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad eine Rolle spielen, deute der revidierte Ausblick darauf hin, dass KI die Nachfrage in den traditionellen Bereichen Rechenleistung und Speicher ankurbele.


Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 550 → 603 USD)

Barclays hat das Kursziel für Dell von 550 auf 603 USD angehoben und behält die Übergewichtung bei. Dells traditionelles Server- und Netzwerkgeschäft sei im Q2 besonders stark gewesen (+122 Prozent YoY). KI treibe durch die Modernisierung von Rechenzentren eine zusätzliche Nachfrage an.


Goldman Sachs (Rating: Buy | Kursziel: 510 → 570 USD)

Goldman Sachs hat das Kursziel für Dell von 510 auf 570 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung bei. Die Erneuerung der Unternehmens-IT und die Nachfrage nach KI hätten die über den Erwartungen liegenden Ergebnisse und die Anhebung des Kursziels vorangetrieben. Die operative Marge werde durch Skaleneffekte und einen günstigen Speichermix gestützt.


Truist Securities (Rating: Hold | Kursziel: 360 → 505 USD)

Truist hat das Kursziel für Dell von 360 auf 505 USD angehoben und behält die Empfehlung „Halten" bei. Die steigende Zahl an KI-Aufträgen habe zu einem Rekordauftragsbestand bei KI-Servern geführt und die Aussichten für das Geschäftsjahr 2028 verbessert. Die Nachfrage sei breit gefächert und erstrecke sich auf NeoClouds, Modellentwickler, Unternehmen und staatliche Akteure.


Morgan Stanley (Rating: Equal Weight | Kursziel: 434 → 499 USD)

Morgan Stanley hat das Kursziel für Dell von 434 auf 499 USD angehoben und behält die Bewertung „Equal Weight" bei. Die Ergebnisse machten deutlich, dass Unternehmen erheblich in KI investierten — sowohl in der Cloud als auch in Hybrid- und On-Premise-Lösungen. Morgan Stanley stellt die Nachhaltigkeit der Preisgestaltung und Margenentwicklung von Dells ISG-Sparte in Frage, fügt jedoch hinzu, dass „herausragende" Quartale wie dieses anhalten dürften, solange die Lieferengpässe bestünden und die Umsetzung stark sei.



Fazit


Dell Tageschart

Dell hat in Q2 ein Quartal abgeliefert, das die Dimensionen der bisherigen Berichtssaison verschiebt — 47 Mrd. USD Umsatz, eine Prognoseanhebung um 25 Mrd. USD und ein EPS-Wachstum von 203 Prozent. Die eigentliche Überraschung lag nicht bei den KI-Servern (+100 Prozent), sondern bei den traditionellen Servern (+122 Prozent) und der ISG-Margenexpansion auf 15 Prozent. Die Nachfrage übersteigt in allen Segmenten das Angebot, die Pipeline wuchs sequenziell trotz 131,7 Mrd. USD an Aufträgen in den letzten vier Quartalen, und der Auftragsbestand stieg auf 95 Mrd. USD. Die Bullen-Argumentation formuliert Melius Research mit 735 USD am aggressivsten — Dell solle als Nvidia-ACIE-Partner mindestens im Gleichschritt mit Nvidias 70-Prozent-Wachstum wachsen. Die Bären-Argumentation findet sich bei Morgan Stanley mit 499 USD, wo die Nachhaltigkeit der Preisgestaltung und Margenentwicklung im ISG offen bleibe.


Die Katalysatoren für die kommenden Quartale liegen im Beginn der 18G-Server-Auslieferungen ab nächstem Monat, mit Konsolidierungsraten von 12-14:1, sowie im wachsenden Speicherzusatzgeschäft bei KI-Installationen, das über die nächsten Quartale eine zunehmend margenstarke Ergänzung zum Server-Geschäft werden dürfte.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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