Adobe Q3-Zahlen: Freemium-MAU +70%, CEO-Übergang zu Anil Chakravarthy
Highlights
Umsatz: 6,76 Mrd. USD (Prognose: 6,70 Mrd. USD)
EPS: 6,13 USD (Prognose: 6,09 USD)
Segmentergebnisse:
- Subscription: 6,58 Mrd. USD (+13,7% YoY)
- Product: 67 Mio. USD (-1,5% YoY)
- Services and Other: 111 Mio. USD (-14% YoY)
Gesamt-ARR: 27,5 Mrd. USD (+11,2% YoY)
Kreativ-Freemium-MAU: >100 Mio. (+70% YoY)
RPO: 22,16 Mrd. USD (+8% YoY)
Ausblick Q4: Umsatz 6,80-6,85 Mrd. USD (erw. 6,85 Mrd. USD), EPS 6,30-6,35 USD (erw. 6,33 USD)
Ausblick FY2026 (erhöht): Umsatz 26,576-26,626 Mrd. USD (zuvor 26,50-26,60 Mrd.), EPS 24,45-24,50 USD (zuvor 24,35-24,45 USD)

Adobe hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen. Der Umsatz von 6,76 Mrd. USD lag über der Konsensschätzung von 6,70 Mrd. USD (+13%). Der non-GAAP-Gewinn je Aktie von 6,13 USD übertraf die erwarteten 6,09 USD (+15% YoY). Das Subscription-Geschäft für Creative und Marketing Professionals wuchs um 12% währungsbereinigt auf 4,65 Mrd. USD, das Segment Business Professionals & Consumers um 15% auf 1,91 Mrd. USD.
Adobe gab den CEO-Übergang bekannt: Anil Chakravarthy wird zum 1. Dezember CEO, Shantanu Narayen wechselt nach 29 Jahren in die Rolle des Executive Chair. Der designierte CEO stellte eine „Agentic Software"-Strategie in den Mittelpunkt. Die Jahresprognose wurde um rund 50 Mio. USD am Mittelpunkt angehoben. Im Quartal kündigte Adobe die Übernahme von Topaz Labs an, deren Emmy-prämierte KI-Modelle für Bild- und Videooptimierung in Firefly und Creative Cloud integriert werden sollen.
Die Wall-Street-Reaktion fiel überwiegend positiv aus: Sechs Analysten hoben ihre Kursziele an, einer bestätigte unverändert, drei senkten. Die größte absolute Anhebung kam von BMO Capital (von 230 auf 270 USD), die größte absolute Senkung von Citi (von 301 auf 250 USD). Das Median-Kursziel liegt bei 263 USD, die Spanne reicht von 250 USD (Citi, Piper Sandler, Baird, Evercore ISI) bis 315 USD (JPMorgan, RBC Capital).
Earnings Call: Was Shantanu Narayen und Steve Day gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
Shantanu Narayen positionierte das Quartal als Übergangspunkt — sowohl personell mit der CEO-Nachfolge als auch strategisch mit dem Fokus auf Nutzerwachstum statt kurzfristiger Preiserhöhungen. Die kreative Freemium-Nutzerbasis überschritt erstmals 100 Millionen monatlich aktive Nutzer.
Interim-CFO Steve Day rahmte die Finanzergebnisse mit dem Hinweis, dass die Jahresprognose trotz leichtem FX-Gegenwind am Mittelpunkt um rund 50 Mio. USD angehoben werde — getrieben von der starken Entwicklung aller drei Kundensegmente.

Drei zentrale Aussagen
„Ich sage immer gerne, ich bin ungeduldig für etwas. Wir sind unglaublich ungeduldig, eine Menge Nutzer zu gewinnen, und genau das hat sich im MAU-Wachstum gezeigt. … Ich bin tatsächlich sehr froh, dass wir uns nicht auf die Preismaßnahmen konzentriert haben, denn das hätte zwar kurzfristige Entlastung gebracht, wäre aber nicht so wichtig gewesen wie die fortgesetzte Gewinnung neuer Nutzer."
Narayen begründete damit die strategische Entscheidung, Preiserhöhungen im Creative-Cloud-Segment bewusst zurückzustellen. Die kreative Freemium-Nutzerbasis überschritt im Quartal erstmals 100 Millionen MAU (+70% YoY) — ein Beleg dafür, dass die Priorisierung des Nutzerwachstums Ergebnisse liefert.
„Ich sehe eine immense Chance für Adobe, der Marktführer für Agentic Software in den Bereichen Kreativität, Produktivität und Customer Experience zu werden — genauso wie wir der Marktführer für SaaS in diesen Kategorien gewesen sind."
Der designierte CEO Anil Chakravarthy formulierte damit sein strategisches Leitmotiv. Er verglich den bevorstehenden Wandel mit der früheren Transformation von On-Premise zu SaaS, die Adobe unter Narayen erfolgreich vollzogen habe. Kunden erwarteten von Agentic Software vier Dinge: flexible Benutzeroberflächen, Modellflexibilität, kontextbezogene Unternehmensdaten und messbaren Wertbeitrag.
„Wir haben eine über zehnjährige Erfahrung mit dem, was wir das datengetriebene Betriebsmodell nennen, und wir optimieren es für Freemium. … Wir kalibrieren ständig: Was ist der beste Konversionspunkt? Welche Paywall-Optimierung würden wir vornehmen?"
Chakravarthy beschrieb den Freemium-Funnel als kalibriertes System: Zunächst Nutzer gewinnen, dann KI-Nutzungsintensität steigern und schließlich zum richtigen Zeitpunkt in ARR konvertieren. Die Firefly-ARR aus Apps und Credit Packs wuchs um 40% im Quartalsvergleich — ein Signal, dass die Konversion beginnt.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens die Agentic-Strategie — Matt Swanson (RBC Capital) fragte, wie groß die Bedeutung von Agentic für die langfristige Strategie sei. Chakravarthys Antwort: Jedes SaaS-Unternehmen werde die Transformation zu Agentic Software durchlaufen, und Adobe sei in einer einzigartigen Position, diese über alle drei Produktkategorien hinweg zu führen. Er verwies auf den Creative Agent in Photoshop und Premiere, den Productivity Agent in Acrobat und den CX Enterprise Coworker mit über 1.700 Kunden. Ergänzend hob er die neue Adobe Brand Visibility-Lösung hervor, die SEO und Generative Engine Optimization kombiniere und die Zahl zahlender Kunden im Quartal verdoppelt habe.
Zweitens der Freemium-vs.-Pricing-Trade-off — Ivan (Wolfe Research) und Michael Turrin (Wells Fargo) fragten, wann die aufgeschobenen Preismaßnahmen in Creative Cloud wiederaufgenommen werden. Narayen verwies darauf, dass die „singuläre Ausrichtung" auf MAU-Wachstum richtig gewesen sei — der Preis-Hebel bleibe erhalten, habe aber keine Priorität. Chakravarthy ergänzte, dass Adobe die Konversion über Paywall-Optimierung und Segmentierung kalibriere, nicht über pauschale Preiserhöhungen.
Drittens das RPO-Wachstum — Jay Vleeschhouwer (Griffin Securities) äußerte Bedenken über das erstmals seit Anfang Geschäftsjahr 2023 einstellige RPO-Wachstum von 8% im Jahresvergleich. Interim-CFO Steve Day erklärte, dass das Muster der saisonalen Form früherer Jahre entspreche: RPO und CRPO stiegen typischerweise im vierten Quartal an und blieben in den folgenden drei Quartalen relativ stabil. Die Verlangsamung reflektiere zudem den beschleunigten Ausbau des Freemium-Geschäftsmodells.
Viertens die Firefly-Nutzung — Brad Zelnick (Deutsche Bank) fragte nach den Treibern der beschleunigten Credit-Consumption. Narayen verwies auf die Video-Generierung als besonders starken Nutzungstreiber und die KI-beeinflussten Umsätze in Creative Cloud, wo die Credit-Nutzung auch in den klassischen Desktop-Anwendungen „sehr robust" sei. Chakravarthy ordnete den 40%-QoQ-Anstieg der Firefly-ARR als Ergebnis der steigenden Nutzungsintensität im Freemium-Funnel ein.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
JPMorgan (Rating: Overweight | Kursziel: 340 → 315 USD)
JPMorgan hat das Kursziel von 340 auf 315 USD gesenkt und behält Overweight bei. Die Ergebnisse des dritten Quartals seien „robust und haben die Erwartungen leicht übertroffen". Allerdings liege der Umsatzausblick für das vierte Quartal angesichts der Fokussierung auf die Nutzerakquise leicht unter dem Konsens. Trotz einer Verlangsamung des Umsatzwachstums im Geschäftsjahr 2027 seien die Aktien günstig bewertet und böten „hohe Chancen auf Kursgewinne durch eine Erholung der Monetarisierung".
RBC Capital (Rating: Outperform | Kursziel: 315 USD)
RBC Capital behält Outperform und das Kursziel von 315 USD bei. Angesichts der sich langsam verbessernden Stimmung im SaaS-Sektor habe Adobe ein Ergebnis vorgelegt, das weitgehend den Erwartungen entspreche. Das Management bleibe optimistisch hinsichtlich strategischer Initiativen, darunter ein Wachstum der monatlich aktiven Freemium-Nutzer um 70% im Jahresvergleich und ein Anstieg der KI-first ARR um 150% im Jahresvergleich auf 650 Mio. USD.
Jefferies (Rating: Hold | Kursziel: 285 → 275 USD)
Der Jefferies-Analyst Brent Thill senkte das Kursziel von 285 auf 275 USD und behält Hold bei. Die Ergebnisse seien „unspektakulär" ausgefallen, mit einem leicht über den Erwartungen liegenden Umsatz, einer Anhebung der Prognose und unveränderten Erwartungen hinsichtlich der operativen Marge. Die KI-Kennzahlen entwickelten sich weiter positiv, während die Bewertung „gedämpft ist, da die Anleger auf Klarheit warten".
Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 250 → 270 USD)
Wells Fargo hob das Kursziel von 250 auf 270 USD an und behält Overweight bei. Die Ergebnisse des dritten Quartals standen weitgehend im Einklang mit der für das vierte Quartal erwarteten Verbesserung des NNARR, was auf saisonale Schwankungen im Unternehmensgeschäft und jüngste Produktankündigungen zurückzuführen sei. Mit dem Wechsel zum neuen CEO dürften die Anleger ihren Fokus auf die Wachstumsprognose für das Geschäftsjahr 2027 richten.
BMO Capital (Rating: Market Perform | Kursziel: 230 → 270 USD)
BMO Capital hob das Kursziel von 230 auf 270 USD an und behält Market Perform bei. Die Ergebnisse entsprachen in etwa den Erwartungen, und der Netto-Zuwachs beim ARR ging im Jahresvergleich um rund 38% zurück. Das organische Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2027 dürfte sich im Vergleich zum Geschäftsjahr 2026 ebenfalls verlangsamen. Investoren wollten Belege dafür sehen, dass Adobes Fokus auf das Freemium-Modell dazu beitragen könne, das Wachstum in einem wettbewerbsintensiven Markt langfristig zu verbessern.
UBS (Rating: Neutral | Kursziel: 225 → 255 USD)
UBS hob das Kursziel von 225 auf 255 USD an und behält Neutral bei.
Piper Sandler (Rating: Neutral | Kursziel: 240 → 250 USD)
Piper Sandler hob das Kursziel von 240 auf 250 USD an und behält Neutral bei. Adobe habe ein Quartalsergebnis im Rahmen der Erwartungen vorgelegt: Das Umsatzwachstum zu aktuellen Wechselkursen lag mit 12% leicht über den Konsensprognosen, und die operative Marge entsprach mit 44% den Erwartungen. Angesichts der strategischen Neuausrichtung auf das Freemium-Modell rechne der Analyst weiterhin mit kurzfristigen Kursrückgängen.
Baird (Rating: Neutral | Kursziel: 230 → 250 USD)
Der Baird-Analyst Rob Oliver hob das Kursziel von 230 auf 250 USD an und behält Neutral bei. Das Unternehmen aktualisierte sein Modell nach den Ergebnissen des dritten Quartals und verwies auf den Führungswechsel bis zum Jahresende.
Evercore ISI (Rating: In Line | Kursziel: 225 → 250 USD)
Evercore ISI hob das Kursziel von 225 auf 250 USD an und behält In Line bei. Ein „solides" drittes Quartal zeichnete sich durch starkes Umsatzwachstum und „vielversprechende" Engagement-Kennzahlen aus, auch wenn die ARR-Prognose unverändert blieb. Das Unternehmen müsse jedoch weitere Dynamik zeigen, während der neue CEO seine strategischen Pläne vorstelle.
Citi (Rating: Neutral | Kursziel: 301 → 250 USD)
Der Citi-Analyst Tyler Radke senkte das Kursziel deutlich von 301 auf 250 USD und behält Neutral bei. Der Bericht zum dritten Quartal sei „verhalten". Das Wachstum der jährlich wiederkehrenden Umsätze verlangsame sich weiter. Angesichts des nachlassenden Wachstums geht Citi davon aus, dass sich die Aktie in einer engen Handelsspanne bewegen wird.
Fazit

Adobe hat ein solides Quartal vorgelegt, das die Konsensschätzungen leicht übertraf und die Jahresprognose anhob — ohne dabei die narrative Dynamik zu liefern, die die Bewertung signifikant nach oben treiben könnte. Die zentrale Botschaft war strategischer Natur: Der CEO-Übergang zu Anil Chakravarthy, die Positionierung als „Agentic Software"-Plattform und die bewusste Priorisierung des Nutzerwachstums über kurzfristige Monetarisierung. Die Firefly-ARR wuchs um 40% im Quartalsvergleich, die kreative Freemium-Nutzerbasis überschritt 100 Millionen, und der CX Enterprise Coworker zählt bereits über 1.700 Kunden.
Die zentrale Frage für die kommenden Quartale ist, ob die Freemium-Strategie tatsächlich in beschleunigtes ARR-Wachstum konvertiert — oder ob der Netto-ARR-Rückgang von 38% im Jahresvergleich ein strukturelles Signal ist. Das Bären-Argument formuliert Citi mit der größten Kurszielsenkung auf 250 USD: Das ARR-Wachstum verlangsame sich weiter und die Aktie werde in einer engen Handelsspanne verharren. Das Bullen-Argument liefert JPMorgan mit dem höchsten Kursziel von 315 USD: Die Aktie sei günstig bewertet und biete hohe Chancen auf Kursgewinne, sobald Adobe die Monetarisierung der gewachsenen Nutzerbasis einleite — ein Hebel, den das Management bislang bewusst zurückhält.
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