Broadcom Q3-Zahlen: KI-Halbleiter verdreifachen sich auf 16,7 Mrd. USD, Ausblick 230 Mrd. USD für 2028
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Highlights
Umsatz: 29,6 Mrd. USD (Prognose: 29,43 Mrd. USD)
EPS: 3,32 USD (Prognose: 3,24 USD)
Segmentergebnisse:
- Semiconductor Solutions: 20,84 Mrd. USD (+127% YoY)
- Infrastructure Software: 8,75 Mrd. USD (+29% YoY)
KI-Halbleiterumsatz: 16,7 Mrd. USD (+221% YoY), 56% des Gesamtumsatzes
XPU-Lieferungen: +250% YoY, 73% des KI-Umsatzes
Ausblick Q4: Umsatz ca. 34,8 Mrd. USD (erw. 35 Mrd. USD), KI-Umsatz 21,7 Mrd. USD (+236% YoY)
Ausblick FY2027: KI-Umsatz ca. 115 Mrd. USD
Ausblick FY2028: KI-Umsatz ca. 230 Mrd. USD, EPS-Ziel >30 USD

Broadcom hat mit seinen Q3-Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 erneut Rekorde aufgestellt. Der Umsatz von 29,6 Mrd. USD übertraf die Konsensschätzung von 29,43 Mrd. USD (+86% YoY), der Gewinn je Aktie von 3,32 USD schlug die Prognose von 3,24 USD (+96% YoY). Der KI-Halbleiterumsatz verdreifachte sich auf 16,7 Mrd. USD und machte erstmals 56% des Gesamtumsatzes aus. Das Infrastructure-Software-Segment steuerte 8,75 Mrd. USD bei (+29% YoY).
CEO Hock Tan stellte erstmals einen Mehrjahresausblick vor: Nach einem erwarteten KI-Gesamtjahreswert von 58 Mrd. USD für 2026 soll sich der KI-Umsatz im Geschäftsjahr 2027 auf 115 Mrd. USD und im Geschäftsjahr 2028 auf 230 Mrd. USD verdoppeln — mit einem EPS-Ziel von über 30 USD. Im Quartal lieferte Broadcom den Ironwood TPU v7 an Anthropic und Google, startete den TPU v8i für Google und begann die Auslieferung von Jalapeño für OpenAI. CFO Amie Thuener erläuterte die mit Apollo und Blackstone etablierte AI-XPV-Plattform, deren erste 35-Mrd.-USD-Tranche für Anthropic bereits abgeschlossen wurde.
Die Wall-Street-Reaktion fiel gespalten aus: Vier Analysten hoben ihre Kursziele an, vier senkten sie. Die größte absolute Anhebung kam von BMO Capital (von 455 auf 575 USD), während die größte absolute Senkung von BofA (von 530 auf 460 USD) stammte. Das Median-Kursziel liegt bei 513 USD, die Spanne reicht von 460 USD (BofA) bis 600 USD (Cantor Fitzgerald). Alle acht Analysten behielten ihre positiven Ratings bei — kein einziges Downgrade.
Earnings Call: Was Hock Tan und Amie Thuener gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
Hock Tan positionierte das Quartal als Startschuss einer mehrjährigen KI-Skalierung. Die sechs XPU-Kunden — darunter Google, Anthropic, OpenAI und Meta — beschleunigen ihre Nachfrage nach maßgeschneiderten Beschleunigern und Broadcom liefere jetzt erstmals vier verschiedene XPU-Generationen parallel aus.
CFO Amie Thuener rahmte die Finanzkennzahlen mit dem Verweis auf die „phänomenale operative Hebelwirkung" ein: Trotz sinkender Bruttomarge durch den höheren KI-Anteil stieg die operative Marge um 240 Basispunkte auf 67,9%.

Drei zentrale Aussagen
„Die Nachfrage im dritten Quartal war schlicht heiß und wir fangen gerade erst an. Unsere sechs XPU-Kunden beschleunigen die Einführung maßgeschneiderter Beschleuniger und der KI-Halbleiterumsatz hat sich im Jahresvergleich auf 16,7 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht."
Tan stellte die Verdreifachung des KI-Umsatzes in den Kontext eines systematischen Wandels: Alle sechs Großkunden setzen auf maßgeschneiderte Beschleuniger statt Standardprozessoren, weil diese für ihre spezifischen LLM-Workloads höhere Leistung bei geringerem Stromverbrauch bieten. Im Q&A-Teil bezifferte er die Rechenleistungs-Nachfrage auf potenziell 30 GW über die nächsten zwei Geschäftsjahre.
„Wenn man gemeinsam einen Chip entwickelt, der für die eigenen LLM-Workloads optimiert ist, wird man jeden GPU übertreffen. Wie GPUs zeigt Jalapeño, dass er auch andere Frontier-Modelle ausführen kann, und das alles zu den halben Kosten eines GPU."
Diese Aussage fiel im Kontext des OpenAI-Beschleunigers Jalapeño, den Broadcom im dritten Quartal auslieferte. Laut Tan übertrifft Jalapeño den Grace-Blackwell-GPU bei Inferenz-Workloads in Latenz, Durchsatz und Energieeffizienz — und sei vergleichbar mit dem Vera-Rubin-GPU, der zu diesem Zeitpunkt als NVIDIAs nächste Generation gilt.
„Diese Unternehmen werden selbst Hyperscaler. Sie wollen eigene Rechenkapazität. … Langfristig sehen wir sie als nicht anders als einen Hyperscaler — sie werden ihre eigenen Rechenzentren betreiben und als Erstanbieter KI, generative KI, APIs als SaaS-Modelle der Welt anbieten."
Tan skizzierte die strategische Vision hinter der XPV-Finanzierungsplattform: Anthropic und OpenAI werden nach seinem Dafürhalten selbst zu Hyperscalern, die ihre eigenen Rechenzentren betreiben. Er verglich die beiden Unternehmen mit „zwei Genies in der Mongolei, die auf die Universität müssen" — eine bildliche Umschreibung der Finanzierungslücke, die Broadcom mit der Apollo-Blackstone-Partnerschaft schließen will.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens die Lieferkette — Joseph Moore (Morgan Stanley) fragte nach Kapazitätsengpässen und den Variablen, die den 115-Mrd.-USD-Ausblick nach oben treiben könnten. Tans Antwort: „Wir sind sehr vorsichtig, und ehrlich gesagt versuchen wir, konservativ zu sein. … Natürlich wollen unsere Kunden, dass wir mehr liefern." Er betonte, dass die Prognosen bewusst konservativ seien und nicht nur die Chipverfügbarkeit, sondern auch die tatsächliche Bereitstellung der Rechenzentrumsinfrastruktur berücksichtigten. Auf eine Nachfrage von Blayne Curtis (Jefferies) bestätigte Tan, dass Broadcoms eigene Substratfabrik in Singapur ab dem Geschäftsjahr 2027 in Betrieb gehe und damit einen der zentralen Engpässe adressiere.
Zweitens die Bruttomarge — Vivek Arya (Bank of America) hakte nach dem Einfluss des steigenden XPU- und Speicheranteils nach. CFO Thuener verwies auf den Produktmix und steigenden HBM-Gehalt als Ursache, woraufhin Tan ergänzte: „Hört auf, euch auf die Bruttomarge zu konzentrieren. … Schaut dahin, wo es zählt, auf die operative Marge." Die operative Hebelwirkung kompensiere den Margendruck auf Bruttoseite.
Drittens die XPV-Finanzierung — Joshua Buchalter (TD Cowen) fragte, ob die geplanten 10 GW für Anthropic und 5 GW für OpenAI in 2028 überwiegend über die XPV-Plattform finanziert werden. Tan verwies darauf, dass Anthropic „auf gutem Weg zu einem IPO" sei und sich die Finanzierungsstruktur damit verändern werde. CFO Thuener betonte, dass jede Transaktion individuell bewertet werde.
Viertens der Umsatz pro Gigawatt — Vijay Rakesh (Mizuho) fragte nach der Dollar-pro-GW-Entwicklung bei künftigen XPU-Generationen. Tan erklärte, dass pro Gigawatt 20 bis 30 Mrd. USD an Broadcom-Inhalten anfallen und dieses Niveau stabil bleiben dürfte: Höhere Chippreise durch leistungsstärkere Generationen würden durch deren höheren Stromverbrauch — und damit weniger Chips pro GW — ausgeglichen.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
Cantor Fitzgerald (Rating: Overweight | Kursziel: 525 → 600 USD)
Cantor Fitzgerald hat das Kursziel für Broadcom von 525 auf 600 USD angehoben und behält die Bewertung Overweight bei. Angesichts der Befürchtungen, dass Broadcom bei Google Marktanteile an Mediatek verlieren könnte, habe Broadcom eine offensive Strategie eingeschlagen: Das Unternehmen prognostiziere für das Geschäftsjahr 2027 einen KI-Umsatz von 115 Mrd. USD und gebe erstmals eine Prognose für das Geschäftsjahr 2028 mit einem KI-Umsatz von 230 Mrd. USD ab.
BMO Capital (Rating: Outperform | Kursziel: 455 → 575 USD)
BMO Capital hat das Kursziel von 455 auf 575 USD angehoben und behält die Bewertung Outperform bei. Das Unternehmen habe sowohl im dritten Quartal als auch im Ausblick Gewinne und Umsätze gemeldet, die leicht über den Konsensschätzungen lagen. BMO verweist zudem auf die engen Geschäftsbeziehungen zu sechs Großkunden, von denen zwei — Anthropic und OpenAI — ihre Rechenkapazitäten im Vergleich zu den anderen vier offenbar deutlich ausbauen.
Evercore ISI (Rating: Outperform | Kursziel: 582 → 578 USD)
Evercore ISI senkte das Kursziel marginal von 582 auf 578 USD und behält Outperform bei. Die Ergebnisse seien „solide" und gingen mit „vielversprechenden Prognosen einher, die das erhebliche zukünftige Wachstumspotenzial unterstreichen". Den leichten Rückgang im nachbörslichen Handel führt der Analyst auf allgemeine Signale im Halbleitersektor und eine Verringerung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse zurück — ein Muster, das „Anlass zur Sorge" gebe, da Aufwärtskorrekturen der Schätzungen mit sinkenden Bewertungskennzahlen im gesamten Sektor einhergingen.
Truist Securities (Rating: Buy | Kursziel: 550 → 520 USD)
Truist senkte das Kursziel von 550 auf 520 USD und behält Buy bei. Das Quartal und der Ausblick seien „gut, aber weder herausragend noch völlig makellos" gewesen. Positiv wertet der Analyst die deutlichere Wachstumsbotschaft für die nächsten zwei Jahre und ist der Ansicht, dass die Prognose angesichts des Umfangs der Projekte leicht zu übertreffen sein dürfte.
Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 502 → 505 USD)
Morgan Stanley hob das Kursziel leicht von 502 auf 505 USD an und behält Overweight bei. Die Ergebnisse seien „beeindruckend", und die KI-Umsätze würden sich in der zweiten Jahreshälfte gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifachen. Die Aussage, dass sich der Umsatz im nächsten Jahr verdoppeln und dies im Kalenderjahr 2028 erneut der Fall sein werde, sei zwar nicht überraschend, doch angesichts der Größe des Unternehmens „halten wir diese Zahlen für bemerkenswert".
Raymond James (Rating: Outperform | Kursziel: 450 → 475 USD)
Raymond James hob das Kursziel von 450 auf 475 USD an und behält Outperform bei. Investoren diskutierten die KI-Prognose von 115 Mrd. USD als „entweder konservativ oder niedrig im Vergleich zu den Erwartungen der Buy-Seite von 130 bis 150 Mrd. USD", wobei der Analyst argumentiert, dass dies durch die Prognose einer Verdopplung des KI-Umsatzes im Geschäftsjahr 2028 ausgeglichen werde.
TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 500 → 475 USD)
TD Cowen senkte das Kursziel von 500 auf 475 USD und behält Buy bei. Die möglicherweise enttäuschenden, aber den Erwartungen entsprechenden Zahlen und Prognosen seien umgehend von Äußerungen über eine Verdopplung des KI-Halbleiterumsatzes in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 überschattet worden, was wahrscheinlich verhinderte, dass die Reaktion der Anleger negativ ausfiel.
BofA (Rating: Buy | Kursziel: 530 → 460 USD)
BofA senkte das Kursziel deutlich von 530 auf 460 USD, behält aber die Kaufempfehlung bei. Die Bank hob ihre EPS-Schätzung für das Geschäftsjahr 2027 um 4% auf 18,61 USD und die Prognose für das Geschäftsjahr 2028 um 32% auf 31,12 USD an. Die Kurszielsenkung resultiere aus der jüngsten Verringerung der Branchenkennzahlen — also einem niedrigeren KGV-Ansatz, nicht aus fundamentaler Skepsis.
Fazit

Broadcom hat nachgewiesen, dass die KI-Skalierung mit maßgeschneiderten Beschleunigern operative Realität ist. Der KI-Umsatz machte erstmals mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus, die operative Marge stieg trotz Bruttomargen-Druck auf Rekordniveau, und der Free Cashflow erreichte mit 13,7 Mrd. USD einen neuen Höchstwert. Vier XPU-Generationen werden parallel ausgeliefert, die Netzwerkposition wird mit Tomahawk 7 ausgebaut und die Kapazität für optische Komponenten mehr als verdreifacht.
Die zentrale Frage für die kommenden Quartale ist, ob Broadcom die Verdopplungsziele von 115 Mrd. USD (2027) und 230 Mrd. USD (2028) tatsächlich umsetzen kann — oder ob Engpässe bei Substraten, HBM-Speicher und Rechenzentrumsinfrastruktur den Zeitplan verzögern. Das Bären-Argument liefert BofA: Steigende Gewinnschätzungen werden aktuell von sinkenden Bewertungsmultiplikatoren im Halbleitersektor begleitet. Das Bullen-Argument formuliert Cantor Fitzgerald mit dem höchsten Kursziel von 600 USD: Die offensive Mehrjahresprognose neutralisiere die Mediatek-Sorgen und signalisiere, dass Broadcom seine Marktposition bei Custom Silicon verteidigen kann.
Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.



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