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Nike Q1-Zahlen: Performance wächst, China bricht um 26% ein

vor 19 Stunden
7 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 11,2 Mrd. USD (Prognose: 11,32 Mrd. USD)

  • EPS: 0,48 USD (Prognose: 0,43 USD)

  • Segmentergebnisse:

    - Wholesale: 6,8 Mrd. USD (-1% YoY)

    - Nike Direct: 4,1 Mrd. USD (-8% YoY)

  • Umsatz nach Region:

    - North America: 5,13 Mrd. USD (+2% YoY)

    - EMEA: 3,18 Mrd. USD (-5% YoY)

    - Greater China: 1,18 Mrd. USD (-26% YoY)

    - Asia Pacific & Latin America: 1,46 Mrd. USD (0% YoY)

  • Nike Performance: +hohe einstellige Prozente YoY, ohne China-Reset +niedriger zweistelliger Bereich

  • Nike Sportswear: -niedriger zweistelliger Bereich, knapp unter der Hälfte des Q1-Umsatzes

  • Jordan Brand: -mittlerer Teenbereich, 13% des Gesamtgeschäfts

  • Ausblick FY2027: Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich, EPS 1,15–1,35 USD


Nike

Nike hat seine Q1-Zahlen vorgelegt und dabei gemischte Ergebnisse geliefert. Der Umsatz fiel um 5 Prozent auf 11,2 Mrd. USD und verfehlte die Konsenserwartung von 11,32 Mrd. USD. Der Gewinn je Aktie von 0,48 USD übertraf dagegen die Prognose von 0,43 USD. Das Performance-Geschäft wuchs im hohen einstelligen Bereich, getrieben von Running, Global Football und Basketball, während Sportswear im niedrigen zweistelligen Bereich fiel, Jordan um mittlere Teenbeträge zurückging und Greater China um 26 Prozent einbrach. Die Bruttomarge verbesserte sich um 60 Basispunkte auf 42,8 Prozent.


CEO Elliott Hill und der seit wenigen Wochen amtierende CFO David Denton stellten mit „Pace" ein Restrukturierungsprogramm vor, das Einsparungen von rund 2,5 Mrd. USD liefern soll — bei Umsetzungskosten von etwa 1 Mrd. USD. Denton gab zudem erstmals eine Jahresprognose für FY2027: Umsatzrückgang im hohen einstelligen Bereich, bereinigtes EPS von 1,15 bis 1,35 USD — deutlich unter der bisherigen Konsensschätzung von 1,67 USD. Den Investorentag im November kündigte das Management als Gelegenheit an, den langfristigen Wachstumsalgorithmus vorzustellen.


Die Wall-Street-Reaktion fiel überwiegend negativ aus: 19 Analysten senkten ihre Kursziele, einer bestätigte unverändert. Williams Trading stufte von Buy auf Hold herab, Freedom Broker dagegen von Hold auf Buy hoch — die einzige Hochstufung im Analystenfeld. Das Median-Kursziel liegt bei 31 USD, das höchste bei 51 USD (Freedom Broker), das niedrigste bei 19 USD (BNP Paribas).



Earnings Call: Was Elliott Hill und David Denton gesagt haben


Kernbotschaft von CEO und CFO

Hill positionierte das Quartal als Bestätigung der Sport Offense: Das Performance-Geschäft liefert Ergebnisse, doch Sportswear, Jordan und China erfordern Zeit und gezielte Eingriffe.


Neuer CFO Denton betonte Disziplin, Rechenschaftspflicht und eine konservative Prognose. Die von ihm eingeführte Jahresprognose soll Investoren einen klareren Rahmen bieten. Beide verwiesen wiederholt auf den Investorentag im November als nächsten Meilenstein.


Nike CEO Elliott Hill

Drei zentrale Aussagen

„Was wir durch die Sport Offense gelernt haben, ist, dass Fokus gewinnt. Wenn Teams näher an den Athleten, den Konsumenten und den Marktplatz heranrücken, treffen sie bessere Entscheidungen."

Hill fasst das operative Prinzip zusammen, das hinter dem Wachstum des Performance-Geschäfts steht. Von Running über Basketball bis Golf zeigt sich dasselbe Muster: Wo Nike die Sport Offense konsequent umsetzt — Innovation, lokale Aktivierung, klares Konsumentensegment — wächst das Geschäft. Die Markteinführung des Caitlin-1-Signaturschuhs in 5.000 Türen, die größte für ein Frauen-Basketballprodukt in Nikes Geschichte, ist das jüngste Beispiel.

„Wenn Konsumenten den Jumpman sehen, sollte es sich besonders anfühlen, es sollte sich verdient anfühlen. Und jede Entscheidung, die wir treffen, ist darauf ausgerichtet, sicherzustellen, dass die Jordan Brand in einem Jahrzehnt genauso begehrt ist wie in den vergangenen Jahrzehnten."

Hill begründet damit die bewusste Volumenreduktion bei Jordan-Retro-Markteinführungen. Der Rückzug auf Knappheit ist kurzfristig umsatzbelastend — Jordan fiel im Quartal um mittlere Teenbeträge — soll aber die Premium-Positionierung langfristig sichern. Gleichzeitig soll die Marke über Fußballschuhe, Golf und Training neue Wachstumsdimensionen erschließen.

„Ich bin der Überzeugung, dass eine Prognose in den Realitäten des Geschäfts verankert sein sollte, sowohl die Risiken als auch die Chancen berücksichtigen muss und auf einem Niveau angesetzt sein sollte, das wir auf Basis der uns heute vorliegenden Informationen und der Maßnahmen, die wir ergreifen, für vernünftig und erreichbar halten."

Denton formuliert seinen Ansatz für die Prognose und signalisiert damit einen Stilwechsel: Die EPS-Spanne von 1,15 bis 1,35 USD liegt 22% unter dem vorherigen Konsens. Im Q&A betonte er, das Ergebnis einer mehrwöchigen Detailanalyse der gesamten Geschäftsplanung zu präsentieren — kein Vorsichtsabschlag, sondern seine realistischste Einschätzung.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens Greater China — Brooke Roach (Goldman Sachs) fragte nach dem Ausmaß und Zeitplan des weiteren Drucks in China. Hills Antwort: Die Bereinigung des digitalen Marktplatzes — Eliminierung unprofitabler Vertriebskanäle und Konzentration auf wenige Flaggschiff-Shops — werde mehrere Saisons dauern. Die erste lokal entworfene Kollektion „Made for China" soll im Oktober exklusiv im stationären Handel starten. Denton ergänzte explizit: Die Jahresprognose unterstellt, dass sich die China-Umsätze im weiteren Jahresverlauf noch verschlechtern.


Zweitens das Pace-Programm und dessen Zeithorizont — Matthew Boss (JPMorgan) fragte, wann sich die Transformation auf Ergebnisebene bemerkbar machen werde. Denton: Erste Einsparungen fließen bereits über die Lieferkette in die Bruttomarge, die maximale Wirkung wird aber erst in den Geschäftsjahren 2029 und 2030 erreicht. Der Margen- und Umsatzdruck durch die bewussten Portfoliobereinigungen werde bis ins Geschäftsjahr 2028 anhalten.


Drittens die Dividendensicherheit — Michael Binetti (Evercore ISI) merkte an, dass die Dividendenquote bei der Prognosemitte über 100% liegen dürfte. Dentons Antwort war unmissverständlich: „In allen Szenarien haben wir die Grundlage, die Dividende aufrechtzuerhalten und langfristig zu steigern." Die Bilanz mit 8,4 Mrd. USD Kassenbestand und einem Verschuldungsgrad von etwa 2x untermauere dies.


Viertens die Unterperformance in Sportswear — Alex Straton (Morgan Stanley) hinterfragte, was Hill seit seiner Rückkehr an den Herausforderungen unterschätzt habe. Hill räumte ein, die Notwendigkeit der Aufteilung des Sportswear-Geschäfts in kleinere, konsumentenspezifische Segmente „wahrscheinlich unterschätzt" zu haben. Statt weniger großer Produktfamilien soll ein diversifiziertes Portfolio entstehen, das auf unterschiedliche Stilpräferenzen zugeschnitten ist.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Freedom Broker (Rating: Hold → Buy | Kursziel: 54 → 51 USD)

Freedom Broker stufte Nike von Hold auf Buy hoch und senkte das Kursziel von 54 auf 51 USD. Die schwächer als erwartet ausgefallenen Umsätze im ersten Quartal führt der Analyst auf eine „deutliche Verschlechterung" in Greater China sowie anhaltenden Druck im Nahen Osten zurück. Die Hochstufung begründet Freedom mit der Bewertung: Das neue Kursziel entspreche einer Rendite von 55% gegenüber dem aktuellen Aktienkurs.


BTIG (Rating: Buy | Kursziel: 55 → 50 USD)

BTIG senkte das Kursziel für Nike von 55 auf 50 USD, behält jedoch die Kaufempfehlung bei. Die Bruttomarge von 42,8% lag über der Schätzung von 42,3%. Der Analyst zeigt sich ermutigt durch den ersten Rahmenplan von Neu-CFO Dave Denton, der auf eine interne Finanzprüfung und eine Geschäftsüberprüfung gestützt sei. Angesichts Dentons kurzer Amtszeit und seiner Betonung der Rechenschaftspflicht sollten Anleger Vertrauen in die Annahmen haben.


Guggenheim (Rating: Buy | Kursziel: 60 → 50 USD)

Guggenheim senkte das Kursziel von 60 auf 50 USD und behält die Kaufempfehlung bei. Der Analyst bezeichnet das Ergebnis als „überwiegend negativ" — der über den Erwartungen liegende EPS wurde von schwächerem Umsatz und einer unter Konsens liegenden Prognose begleitet. Angesichts des bevorstehenden Analystentags im November gehe er jedoch davon aus, „dass das Management es vorgezogen hat, die schlechten Nachrichten aus dem Weg zu räumen, um persönlich einen positiveren Ton anschlagen zu können."


RBC Capital (Rating: Sector Perform | Kursziel: 40 USD — unverändert)

RBC Capital behält das Kursziel von 40 USD und das Rating Sector Perform bei. Es werde erst schlimmer, bevor es besser werde, und das Management deute an, dass die Maßnahmen zur Optimierung der Unternehmensgröße erst im Geschäftsjahr 2028 Wirkung zeigten. Umfang und Ausmaß der erforderlichen Korrekturen bei Jordan, Sportswear und Greater China seien größer als erwartet. Die Aussichten auf eine Erholung seien gering und lägen weiter in der Zukunft als ursprünglich angenommen.


Goldman Sachs (Rating: Neutral | Kursziel: 38 → 30 USD)

Goldman Sachs senkte das Kursziel von 38 auf 30 USD. Die Schwäche in Sportswear, Jordan und China wiege das solide Performance-Wachstum mehr als auf, während der Pace-Plan voraussichtlich Druck auf die Margen und Gewinne der Geschäftsjahre 2027 und 2028 ausüben werde. Die zentrale Debatte drehe sich um die Ertragskraft im Geschäftsjahr 2028 und darum, ob das laufende Jahr den Tiefpunkt darstelle oder einen weiteren Rückgang einleite.


Williams Trading (Rating: Buy → Hold | Kursziel: 42 → 30 USD)

Sam Poser stufte Nike von Buy auf Hold herab und senkte das Kursziel von 42 auf 30 USD. Nike ergreife zwar „die richtigen Maßnahmen", doch die Probleme des Unternehmens seien größer als bisher angenommen. Die Prognose für FY2027 liege deutlich unter den Konsensschätzungen, und es sei unklar, wie viel Klarheit der bevorstehende Investorentag Mitte November 2026 bringen werde.


Piper Sandler (Rating: Neutral | Kursziel: 38 → 28 USD)

Piper Sandler senkte das Kursziel von 38 auf 28 USD. Das Restrukturierungsprogramm in Höhe von 2,5 Mrd. USD dürfte helfen, auch wenn Nike einen Teil wieder investiere. Es sei sinnvoll gewesen, die EPS-Prognose für FY2027 bereits vor dem Investorentag bekannt zu geben, auch wenn die Spanne von 1,15 bis 1,35 USD deutlich unter der Einschätzung der Buy-Seite von 1,50 USD liege.


BMO Capital (Rating: Underperform | Kursziel: 30 → 25 USD)

Die Analystin Kelly Crago senkte das Kursziel von 30 auf 25 USD. BMO hatte sich bereits auf eine deutliche Abwärtskorrektur eingestellt, doch der Ausblick des Managements fiel noch schlechter aus als die ohnehin sehr niedrigen Erwartungen. Nike habe die Umsatzprognosen für Sportswear, Jordan und China weiter nach unten korrigiert, wobei die Schwäche voraussichtlich bis ins Geschäftsjahr 2027 anhalten werde. Die Aussichten auf eine Erholung des Umsatzes und des EPS seien weiterhin gering.


Morgan Stanley (Rating: Underweight | Kursziel: 31 → 27 USD)

Alex Straton senkte das Kursziel von 31 auf 27 USD. Der Q1-Bericht habe die Untergewichten-Einschätzung „kaum verändert", da das Risiko einer negativen Korrektur des EPS und einer Abwertung weiterhin bestehe. Der Investorentag sei der „nächste wichtige Impulsgeber" für die Aktie.



Fazit


Nike Tageschart

Nike steckt in einer Transformationsphase, deren Ausmaß das Management selbst größer einschätzt als noch vor einem Jahr. Das Performance-Geschäft — Running, Global Football, Basketball — liefert den Beweis, dass die Sport Offense funktioniert: Innovation, lokale Aktivierung und ein klares Konsumentensegment treiben Wachstum. Doch dieses Geschäft ist noch nicht groß genug, um die strukturellen Probleme in Sportswear, Jordan und Greater China zu kompensieren. Die EPS-Prognose von 1,15 bis 1,35 USD für FY2027 liegt 22% unter dem bisherigen Konsens — ein Signal, dass Neu-CFO Denton bewusst konservativ ansetzt, um die Messlatte für den Investorentag im November niedrig zu halten.


Die zentrale Frage für die kommenden Quartale ist, ob das Geschäftsjahr 2027 tatsächlich den Tiefpunkt markiert. Katalysatoren sind der Investorentag im November mit dem versprochenen langfristigen Wachstumsalgorithmus, die ersten Ergebnisse des Pace-Programms auf Margenseite und die Frage, ob die bewusste Jordan-Volumenreduktion die Premium-Positionierung wiederherstellen kann. Die Bären-Argumentation, am deutlichsten von BNP Paribas (19 USD) und Morgan Stanley (27 USD) formuliert, sieht weiteren EPS-Druck und eine Erholung, die noch mehrere Geschäftsjahre entfernt liegt. Die Bullen-Argumentation von Freedom Broker (51 USD), Guggenheim und BTIG (je 50 USD) stützt sich darauf, dass das Management die schlechten Nachrichten bewusst vorwegnimmt und der Pace-Plan ab FY2029 signifikanten operativen Hebel entfalten wird.


Ohne belastbare alternative Datenquellen, die eine echte Trendwende in den Kernmärkten bestätigen, bleibt ein Turnaround-Investment bei Nike eine Wette auf Hoffnung statt auf Substanz.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.

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