Micron Q4-Zahlen: DRAM-Umsatz übersteigt 100 Mrd. USD, Angebotsknappheit bis 2028
Highlights
Umsatz: 54,23 Mrd. USD (Prognose: 51,51 Mrd. USD)
EPS: 33,42 USD (Prognose: 31,82 USD)
Bruttomarge: 87,0%
Segmentergebnisse:
- Core Data Center (CDBU): 18,0 Mrd. USD (+1.041,5% YoY)
- Cloud Memory (CMBU): 16,28 Mrd. USD (+258,4% YoY)
- Mobile and Client (MCBU): 13,11 Mrd. USD (+248,8% YoY)
- Automotive and Embedded (AEBU): 6,82 Mrd. USD (+375,9% YoY)
DRAM-Umsatz: 39,8 Mrd. USD (+343% YoY)
NAND-Umsatz: 14,1 Mrd. USD (+526% YoY)
SCAs: 26 unterzeichnet, RPO ~150 Mrd. USD, Kundeneinlagen 32 Mrd. USD
Ausblick Q1: Umsatz 60-63 Mrd. USD (Prognose: 57,93 Mrd. USD), EPS 37,15-39,15 USD

Micron hat seine Q4-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn deutlich übertroffen. Der Umsatz stieg um 379 Prozent auf 54,23 Mrd. USD gegenüber der Konsensschätzung von 51,51 Mrd. USD — der sechste Rekordumsatz in Folge. Der Gewinn je Aktie von 33,42 USD übertraf die Erwartungen von 31,82 USD. Die Bruttomarge erreichte 87,0 Prozent, ein Plus von 210 Basispunkten im Quartalsvergleich, und der Free Cashflow lag bei 33,2 Mrd. USD. Alle vier Geschäftssegmente erzielten Rekorderlöse, wobei das Core Data Center Business Unit mit 18,0 Mrd. USD (+56% QoQ) den größten Einzelbeitrag leistete.
CEO Sanjay Mehrotra bezeichnete das Geschäftsjahr 2026 als herausragend: Der Jahresumsatz erreichte 133,2 Mrd. USD — das 3,5-fache des Vorjahresrekords — bei einer Bruttomarge von 81,1 Prozent und einem EPS-Wachstum von 811 Prozent auf 75,52 USD. Microns DRAM-Umsatz überstieg erstmals 100 Mrd. USD im Geschäftsjahr. In Anerkennung der Ergebnisse erhöhte Micron die Incentive-Vergütung für alle Mitarbeiter weltweit und stiftete zusätzlich 300 Mio. USD an Community-Investitionen. Für FY2027 erwartet das Management weitere Rekorde mit sequenziellem Umsatzwachstum in jedem Quartal. Die Q1-Prognose liegt mit 60-63 Mrd. USD deutlich über dem Konsens von 57,93 Mrd. USD. Ab dem 9. Dezember 2026 plant Micron, die Kapitalrückführung an Aktionäre deutlich zu erhöhen.
Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich positiv aus: Zwei Analystenhäuser hoben ihre Kursziele an, sechs bestätigten unverändert, keines senkte. Das Median-Kursziel liegt bei 1.520 USD, das höchste von DA Davidson bei 2.100 USD, das niedrigste von Goldman Sachs bei 1.100 USD.
Earnings Call: Was Sanjay Mehrotra und Mark Murphy gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
CEO Sanjay Mehrotra positionierte Micron als den größten Profiteur der KI-getriebenen Speichernachfrage. Er betonte, dass die Angebots-Nachfrage-Bedingungen in 2027 und 2028 deutlich angespannter sein werden als 2026 und dass das Unternehmen keine Sichtbarkeit hat, wann Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen. Gleichzeitig kündigte er Führungswechsel an: Manish Bhatia wurde zum President und COO ernannt, Scott DeBoer zum President und Chief Technology and Products Officer.
CFO Mark Murphy verwies auf die Rekord-Bilanz mit 73,5 Mrd. USD Cash, einen Nettokassenbestand von 68,3 Mrd. USD und die geplante Erhöhung der Kapitalrückführung ab Dezember. Micron erhielt im Quartal zwei Upgrades der Kreditratings und wird nun von allen drei großen Ratingagenturen mit BBB+ oder gleichwertig eingestuft.

Drei zentrale Aussagen
„Das Geschäftsjahr 2026 war ein herausragendes Jahr. Der Umsatz betrug das 3,5-fache des letztjährigen Rekords, wobei der Data-Center-Umsatz sich vervierfachte. Microns DRAM-Umsatz überstieg im Geschäftsjahr 2026 die Marke von 100 Milliarden Dollar."
Micron hat innerhalb eines Jahres einen historischen Sprung vollzogen. Der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr stieg um 256 Prozent auf 133,2 Mrd. USD, die Bruttomarge verbesserte sich um 40 Prozentpunkte auf 81,1 Prozent, und der Gewinn je Aktie wuchs um 811 Prozent auf 75,52 USD.
„Bis heute haben wir 26 SCAs unterzeichnet, die nach unserer aktuellen Schätzung über 35 Prozent unseres Umsatzes bis 2030 abdecken. Drei Viertel dieses geschätzten Umsatzes haben ein definiertes Preisrahmenwerk. ... Die finanziellen Verpflichtungen der Kunden sind auf 32 Milliarden Dollar gestiegen, die ganz überwiegende Mehrheit davon sind Bareinlagen."
Die Strategic Customer Agreements verändern das Geschäftsmodell fundamental. Die Remaining Performance Obligations liegen bei rund 150 Mrd. USD, und selbst zu Mindestpreisen erwartet Micron Margen deutlich über jedem früheren Zyklus-Hoch. Mehr als 75 Prozent der Produktion für FY2027 sind bereits vergeben, und Kunden haben bereits SCAs bis 2031 abgeschlossen.
„Selbst mit zusätzlichen DRAM-Cleanroom-Erweiterungsplänen der Branche, bei robusten Nachfragetrends einschließlich neuer Zusatznachfrage von Kunden, haben wir keine Sichtbarkeit, wann Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zurückkehren werden."
Die strukturelle Angebotsknappheit resultiert aus mehreren Faktoren: Cleanrooms benötigen Jahre für Bau und Hochlauf, der Übergang von HBM3E zu HBM4 verschlechtert das Wafer-Trade-Ratio, und künftige Knotentransitionen liefern geringere Produktivitätsgewinne pro Wafer. Kunden fordern bereits Lieferverträge über 2030 hinaus.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens die Kapitalrückführung — Timothy Arcuri (UBS) und Vivek Arya (Bank of America) fragten nach Zeitplan und Umfang der Aktienrückkäufe. Murphy erklärte, Micron werde bis Ende Q1 sein Ziel-Kassenbestandsniveau erreichen und ab dem 9. Dezember 2026 die Rückkäufe gemäß den CHIPS-Vereinbarungen deutlich erhöhen. Die bestehende Rückkaufautorisierung von 2,2 Mrd. USD werde kurzfristig aufgestockt, langfristig plane man, 100 Prozent des überschüssigen Cashflows zurückzuführen.
Zweitens die Bruttomargenentwicklung — C.J. Muse (Cantor Fitzgerald) fragte nach den Margeneffekten der höheren Incentive-Vergütung. Murphy bezifferte die Belastung im Q1 auf rund 1 Mrd. USD durch höhere Fertigungskosten aus der Q4-Vergütungserhöhung. Q1 werde der Tiefpunkt der Bruttomarge in FY2027, danach erwartet Micron eine Erholung durch fortgesetzte Preiserhöhungen. Mehrotra ergänzte, dass für Kalenderjahr 2027 ein Großteil des HBM-Volumens bereits zu deutlich höheren Preisen als 2026 verkauft sei.
Drittens HBM-Preise und Speicher-Despeccing — Krish Sankar (TD Cowen) fragte, ob ein großer Kunde die HBM-Bestückung reduziere. Mehrotra räumte ein, dass Kunden Optimierungen vornähmen, betonte aber, dass dies hauptsächlich geschehe, um mehr Einheiten ausliefern zu können. Die latente Nachfrage nach mehr Speicher in KI-Plattformen bleibe intakt, und HBM werde bis 2028 schneller wachsen als konventionelles DRAM.
Viertens SCAs und langfristige Nachfragevisibilität — Harlan Sur (JPMorgan) fragte nach der möglichen Umsatzabdeckung durch SCAs. Mehrotra bestätigte das Ziel von rund 50 Prozent der Umsätze bis 2030 und betonte, dass die SCAs die Branche fundamental veränderten, da sie langfristige Investitionsplanung ermöglichten. Sur fragte zudem nach dem NAND-Geschäft: Mehrotra hob hervor, dass der Data-Center-SSD-Umsatz im Q4 fast 10 Mrd. USD erreicht habe und nun zwei Drittel des gesamten NAND-Umsatzes ausmache.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
DA Davidson (Rating: Buy | Kursziel: 2.000 → 2.100 USD)
DA Davidson hob das Kursziel um 100 USD auf 2.100 USD an. Der Hinweis des Managements, dass die Speichermärkte 2028 noch angespannter sein könnten als heute, verlängere den Spielraum für starkes Preis- und Gewinnwachstum erheblich und gehe auf die zentrale Anlegersorge ein, dass die aktuellen Fundamentaldaten einen zyklischen Höchststand darstellen.
Goldman Sachs (Rating: Neutral | Kursziel: 1.100 USD)
Analyst James Schneider behält das Kursziel von 1.100 USD und die Neutral-Einstufung bei. Das Quartal und die Prognosen hätten zwar deutlich über den Erwartungen gelegen, doch die Bruttomarge habe die erhöhten Anlegererwartungen verfehlt. Der Fokus der Investoren werde sich auf den CapEx-Ausblick für FY2027 und die Marktinformationen zu konventionellem DRAM und NAND richten.
JPMorgan (Rating: Overweight | Kursziel: 1.540 USD)
Analyst Harlan Sur sieht ein Quartal mit „deutlich über den Erwartungen liegenden Ergebnissen und einer Anhebung der Prognosen". Die angespannte Angebots-Nachfrage-Situation und die bevorstehende Kapitalrückführung deuteten auf „starke, mehrjährige Ertragskraft ab diesem Zeitpunkt" hin.
Deutsche Bank (Rating: Buy | Kursziel: 1.550 USD)
Analystin Melissa Weathers bleibt „äußerst positiv" gegenüber dem Speichersektor eingestellt. Micron erwarte, dass sich das Angebots-Nachfrage-Ungleichgewicht in 2027 und 2028 gegenüber 2026 verschärfe. Die Marge sei jedoch im Quartal durch erhöhte Kosten belastet worden.
TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 1.600 USD)
TD Cowen sieht Micron als Investition in die aufkommende Nachfrage nach KI-Speicher, deren Aufwärtspotenzial in den langfristigen Verträgen noch nicht eingepreist sei. Die Bruttomargen dürften Mitte 2027 ihren Höchststand erreichen.
Mizuho (Rating: Outperform | Kursziel: 1.300 → 1.400 USD)
Mizuho hob das Kursziel um 100 USD auf 1.400 USD an und bewertet den Quartalsbericht als „sehr stark". Die Versorgungsengpässe erstreckten sich bis ins Jahr 2028, und Micron sei mit einer „starken Roadmap" im Bereich KI-Rechenzentren weiterhin gut positioniert.
Fazit

Micron hat ein historisches Q4 abgeliefert mit Rekorden bei Umsatz, Bruttomarge und Gewinn. Die 26 Strategic Customer Agreements mit 150 Mrd. USD RPO und 32 Mrd. USD Kundeneinlagen verändern das Geschäftsmodell von einem zyklischen Speicherhersteller zu einem Unternehmen mit langfristiger Umsatzvisibilität.
Die zentrale Frage ist, ob die strukturelle Angebotsknappheit die Preisdynamik bis 2028 stützen kann. Das Bullen-Argument von DA Davidson sieht gerade in der sich verschärfenden Knappheit den Beweis, dass der aktuelle Zyklus kein kurzfristiger Höhepunkt ist. Das Bären-Argument von Goldman Sachs warnt vor der bereits eingepreisten Stärke und richtet den Blick auf mögliche Margenkompression durch steigende CapEx-Intensität. Die ab Dezember 2026 geplante massive Kapitalrückführung dürfte den nächsten Katalysator liefern.
Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.



Kommentare