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Netflix Q3-Zahlen: EPS übertrifft Erwartungen, schwächere Werbeprognose drückt Ausblick

vor 15 Stunden
6 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 12,87 Mrd. USD (Prognose: 12,87 Mrd. USD)

  • EPS: 0,87 USD (Prognose: 0,82 USD)

  • Umsatz nach Region:

    - UCAN: 5,63 Mrd. USD (+11% YoY)

    - EMEA: 4,11 Mrd. USD (+11% YoY)

    - LATAM: 1,60 Mrd. USD (+17% YoY)

    - APAC: 1,54 Mrd. USD (+12% YoY)

  • Werbegeschäft: +80% YoY, aber hinter interner Zielvorgabe

  • Abonnenten: über 300 Mio. weltweit

  • Ausblick Q4: Umsatz 13,44 Mrd. USD (erw. 13,52 Mrd. USD), EPS 0,67 USD (erw. 0,73 USD)

  • Ausblick FY2026: Umsatz 51,1 Mrd. USD (erw. 51,21 Mrd. USD)


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Netflix hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und beim Gewinn je Aktie die Erwartungen übertroffen, während der Umsatz von 12,87 Mrd. USD exakt dem Konsens entsprach. Der Gewinn je Aktie von 0,87 USD lag über der Prognose von 0,82 USD. Regional wuchs Lateinamerika mit 17 Prozent am stärksten, gefolgt von APAC (+12%), UCAN und EMEA (jeweils +11%). Die Abonnentenbasis überschreitet 300 Mio. Mitglieder, und die Abwanderungsrate verbesserte sich sowohl global als auch in den USA im Jahresvergleich.


Der Q4-Ausblick enttäuschte: Umsatz und EPS liegen mit 13,44 Mrd. USD und 0,67 USD unter den Konsensschätzungen von 13,52 Mrd. USD und 0,73 USD. Netflix senkte zudem die Werbeprognose für FY2026 und kündigte einen Personalabbau von 6 Prozent an — den größten seit 2022. Gleichzeitig berief das Unternehmen Peter Rice als neuen Chief Content Officer, der Bela Bajaria ablöst. Co-CEO Ted Sarandos bezeichnete Rice als die „exakt richtige Person", um die US-Content-Strategie auf das nächste Level zu heben.


Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich negativ aus: Alle 18 Analystenhäuser senkten ihre Kursziele, keines hob an oder bestätigte unverändert. Das Median-Kursziel liegt bei 82,50 USD, das höchste von UBS bei 100 USD, das niedrigste von Barclays und Pivotal Research bei jeweils 65 USD.



Earnings Call: Was Ted Sarandos, Greg Peters und Spencer Neumann gesagt haben


Kernbotschaft der Co-CEOs und des CFO

Co-CEO Ted Sarandos betonte die unveränderte Kernstrategie — Netflix als „Must-Have Entertainment Service" — und positionierte Peter Rice als Schlüsselfigur für die Verbesserung der US-Content-Exekution. Co-CEO Greg Peters räumte ein, dass das Werbegeschäft hinter der ambitionierten Zielvorgabe liege, unterstrich aber ein Wachstum von über 80 Prozent im laufenden Jahr.


CFO Spencer Neumann bekräftigte das Ziel nachhaltigen zweistelligen Umsatzwachstums bei steigenden Margen und verwies auf die drei Wachstumshebel Mitgliederwachstum, Preisgestaltung und Werbung.


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Drei zentrale Aussagen

„Unsere Strategie ist unverändert und war es schon immer: erstklassige Unterhaltung mit branchenführender Entdeckung, globaler Distribution und der bestmöglichen Monetarisierung zu verbinden. Wir wollen der unverzichtbare Entertainment-Service sein, der erste, den Mitglieder für eine großartige Serie oder einen großartigen Film aufrufen, und der letzte, den sie jemals kündigen würden."

Sarandos bekräftigte den Fokus auf Netflix Originals als Anker des Angebots, ergänzt durch Drittanbieter-Lizenzen wie die neuen Deals mit Disney, Sony und Globo in Brasilien.

„In den USA ist unser Engagement solide, und es wird uns erlauben, weiter zu wachsen, wie wir es in den letzten Jahren getan haben. Aber wir wissen, dass wir es besser können, und dieses Besser ist unser Aufwärtspotenzial. Unser Ziel ist es, von sehr gut zu großartig zu gelangen."

Peters verwies auf Indien als Positivbeispiel: Die Sehdauer wuchs im Q3 um 24 Prozent, der Umsatz um fast 20 Prozent. In den USA sei das Content-Angebot „solide Doubles und Triples", brauche aber mehr „Home Runs", die weltweit reisen.

„Wir haben ambitionierte Wachstumsziele für unser Werbegeschäft in diesem Jahr gesetzt. ... Wir liegen derzeit etwas hinter unserer aggressiven Zielvorgabe für das Jahr. Wir wachsen trotzdem. Unser Werbegeschäft wächst in diesem Jahr um über 80 Prozent."

Peters nannte Verzögerungen bei Partner-Integrationen neuer Werbeprodukte als Hauptgrund und betonte, dass ein kurzfristiger Rückstand für eine bessere langfristige strategische Position ein guter Trade-off sei.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens Engagement und US-Content — Eric Sheridan (Goldman Sachs) fragte nach regionalen Engagement-Trends. Peters bestätigte gesunde Retention in allen Regionen und verbesserte Churn-Raten im Jahresvergleich. Der Q4-Slate umfasse unter anderem East of Eden, The Diplomat Staffel 4, und den Fincher-Film Cliff Booth mit Brad Pitt und Tarantino-Drehbuch. Für 2027 kündigte er Narnia, Wednesday Staffel 3, Bridgerton Staffel 5 und die Frauen-WM an.


Zweitens Peter Rice und Personalumbau — Rob Sanderson (Loop Capital) und Matt Condon (Citizens Bank) fragten nach dem Führungswechsel. Sarandos dankte Bela Bajaria für ihr Jahrzehnt bei Netflix und bezeichnete Rice als eine der „seltenen Persönlichkeiten", die TV-Sender, Filmstudios und Streaming-Dienste geleitet habe. Greg Peters erklärte den 6-prozentigen Personalabbau als notwendige Neuausrichtung der Ressourcen nach Jahren starken Wachstums.


Drittens Werbegeschäft — Vikram Kesavabhotla (Baird) und Robert Fishman (MoffettNathanson) fragten nach der Werbeentwicklung. Peters bestätigte, dass die Lücke zwischen dem kombinierten ARM des Werbetarifs und dem Standard-Tarif sich verenge, aber noch Aufwärtspotenzial biete. Die Expansion des Werbetarifs auf 15 neue Länder im kommenden Jahr solle das Inventar weiter ausbauen.


Viertens Drittanbieter-Partnerschaften — Vikram Kesavabhotla (Baird) und Matt Condon (Citizens Bank) fragten nach der TF1-Integration und Aggregationsstrategie. Peters zeigte sich zufrieden mit der TF1-Partnerschaft in Frankreich und betonte, dass das Engagement inkrementell zur Plattform sei. Sarandos hob den neuen Disney-Deal (Ice Age) und den größten Lizenzdeal mit Globo in Brasilien hervor — alle fünf Ice-Age-Filme erreichten die Top 10.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


UBS (Rating: Buy | Kursziel: 115 → 100 USD)

UBS senkte das Kursziel um 15 USD auf 100 USD. Die Q3-Ergebnisse hätten beim Umsatz den Erwartungen entsprochen, wobei die Gewinne durch günstigere Kostenverteilung höher ausfielen. Die zurückhaltendere Q4-Prognose und schwächere Werbeeinnahmen deuteten darauf hin, dass der Umsatz 2026 am unteren Ende der Prognosespanne liegen werde. Margen und langfristige Ziele blieben unverändert, doch eine verbesserte Umsetzung des US-Inhaltsangebots und der neue Chief Content Officer seien entscheidend für die Wiederherstellung des Wachstums.


Barclays (Rating: Equal Weight | Kursziel: 70 → 65 USD)

Analyst Kannan Venkateshwar senkte das Kursziel um 5 USD auf 65 USD. Die Prognose zur Werbeeinnahmenentwicklung „könnte die Einschätzung einer nachlassenden Dynamik weiter befeuern". Das Analystenhaus sieht begrenzte Wachstumsperspektiven für 2027 und erwartet, dass sich die Aktie „im Laufe dieses Jahres möglicherweise nicht erholen wird".


Argus Research (Rating: Buy | Kursziel: 120 → 95 USD)

Argus senkte das Kursziel um 25 USD auf 95 USD, behält aber die Kaufempfehlung bei. Netflix bleibe der stärkste Streaming-Dienst für Langform-Inhalte, doch die Aktie leide unter der Darstellung nachlassender Nutzeraktivität, einer Durststrecke bei Hit-Inhalten und dem Wettbewerbsdruck durch YouTube im Bereich Kurzvideos.


BofA (Rating: Buy | Kursziel: 105 → 90 USD)

BofA senkte das Kursziel um 15 USD auf 90 USD. Netflix sei während eines Großteils des Jahres 2026 eine „umkämpfte Aktie" gewesen, und das Q3 habe „kaum etwas an der allgemeinen Einschätzung geändert". Die Bewertung sei angesichts einer globalen Plattform mit über 300 Mio. Abonnenten, zweistelligem Umsatzwachstum und Margenausweitung dennoch „bescheiden".


Goldman Sachs (Rating: Buy | Kursziel: 90 → 84 USD)

Analyst Eric Sheridan senkte das Kursziel um 6 USD auf 84 USD. Die langfristigen Aussichten auf zweistelliges Wachstum blieben intakt, doch die Nutzung von Inhalten in den USA bleibe der wichtigste Treiber. Die Werbeeinnahmen für 2026 könnten trotz mehrjährigen Aufwärtspotenzials hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben.


Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 95 → 80 USD)

Bernstein senkte das Kursziel um 15 USD auf 80 USD. Da die Bandbreite der möglichen Ergebnisse für 2026 relativ eng sei, verlagere sich die Debatte zunehmend auf 2027. Das Analystenhaus sieht bis Jahresende keinen offensichtlichen positiven Impuls.


Deutsche Bank (Rating: Buy | Kursziel: 95 → 93 USD)

Die Deutsche Bank senkte das Kursziel um 2 USD auf 93 USD — die geringste Senkung im Analystenfeld. Der Q3-Bericht habe keine neuen negativen Aspekte gebracht. Das Analystenhaus empfiehlt, die nach der Ergebnisveröffentlichung einsetzenden Kursrückgänge zum Kauf zu nutzen.



Fazit


Netflix Tageschart

Netflix hat ein gemischtes Q3 abgeliefert: EPS über den Erwartungen, Umsatz inline, aber ein Q4-Ausblick unter Konsens und eine gesenkte Werbeprognose. Der Personalabbau von 6 Prozent und die Berufung von Peter Rice als neuem Chief Content Officer signalisieren einen strategischen Umbruch in der Content-Organisation.


Die zentrale Frage ist, ob Netflix die US-Engagement-Schwäche beheben und das Werbegeschäft auf die ursprüngliche Wachstumstrajektorie zurückführen kann. Das Bullen-Argument von UBS setzt auf die unveränderten langfristigen Margen- und Wachstumsziele bei einer Plattform mit über 300 Mio. Abonnenten. Das Bären-Argument von Barclays warnt vor nachlassender Dynamik und begrenzten Wachstumsperspektiven für 2027. Der Q4-Slate mit dem Fincher-Film Cliff Booth und den NFL-Spielen sowie der Content-Einfluss von Peter Rice ab 2027 dürften die nächsten Katalysatoren liefern.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.

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