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Amazon Q3-Zahlen: AWS wächst um 39%, Jassy stellt über 40% für 2027 und 2028 in Aussicht

vor 7 Minuten
7 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 201,9 Mrd. USD (Prognose: 202,26 Mrd. USD)

  • EPS: 1,89 USD (Prognose: 1,96 USD)

  • Segmentergebnisse:

    - North America: 112,85 Mrd. USD (+6,2% YoY)

    - International: 43,11 Mrd. USD (+5,4% YoY)

    - AWS: 45,98 Mrd. USD (+39,3% YoY)

  • AWS-Auftragsbestand: 578 Mrd. USD, dreistelliges Wachstum YoY

  • Werbung: 19,6 Mrd. USD (+12% YoY), belastet durch die Verlegung des Prime Day ins zweite Quartal

  • Ausblick Q4:

    • Umsatz von 240-247 Mrd. USD (erw. 244,31 Mrd. USD)

    • Operatives Ergebnis von 28,5-33,5 Mrd. USD

  • Ausblick FY2026: CapEx von rund 220 Mrd. USD, 2027 deutlich mehr

  • AWS-Ziel: Wachstum von über 40% in 2027 und 2028, 1 Billion USD Umsatz in fünf bis zehn Jahren


Amazon Gründer Jeff Bezos

Amazon hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn knapp verfehlt. Der Umsatz von 201,9 Mrd. USD lag leicht unter der Konsensschätzung von 202,26 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie von 1,89 USD unter den erwarteten 1,96 USD. Das operative Ergebnis stieg dagegen um 61 Prozent auf 28,1 Mrd. USD, die operative Marge erreichte mit 13,9 Prozent einen Rekordwert. AWS beschleunigte das Wachstum zum sechsten Quartal in Folge auf 39,3 Prozent und erzielte 46 Mrd. USD Umsatz, das Werbegeschäft wuchs wegen der Verlegung des Prime Day ins zweite Quartal nur um 12 Prozent.


CEO Andy Jassy stellte für AWS ein Wachstum von über 40 Prozent in den Jahren 2027 und 2028 in Aussicht und sieht die Cloud-Sparte in fünf bis zehn Jahren bei 1 Billion USD Umsatz. Der Auftragsbestand stieg auf 578 Mrd. USD. Dafür investiert Amazon massiv: Die Investitionen lagen im dritten Quartal bei 75,9 Mrd. USD, für 2026 bestätigte Amazon rund 220 Mrd. USD, 2027 sollen es deutlich mehr werden. Für das vierte Quartal erwartet Amazon einen Umsatz von 240 bis 247 Mrd. USD.


Die Wall-Street-Reaktion fiel überwiegend negativ aus: 13 Analysten senkten ihre Kursziele, 3 hoben an, keiner bestätigte unverändert. Alle 16 Analystenhäuser halten an Kaufempfehlungen fest, die größte Senkung kam von Raymond James (300 auf 250 USD). Das höchste Kursziel liegt bei 380 USD (StoneX), das niedrigste bei 250 USD (Raymond James), der Median bei 321,50 USD.



Earnings Call: Was Andy Jassy und Brian Olsavsky gesagt haben


Kernbotschaft von CEO und CFO

Jassy beschrieb AWS als „Schwungrad", bei dem KI-Nachfrage auch das klassische Cloud-Geschäft mit Rechenleistung und Speicher antreibt, das so schnell wächst wie seit Jahren nicht. Im Handelsgeschäft verwies er auf ein Stückzahlwachstum von fast 15 Prozent seit Jahresbeginn und Margensteigerungen von fast 10 Prozentpunkten in den vergangenen Jahren.


Finanzchef Brian Olsavsky betonte, dass das Wachstum in Nordamerika ohne die Prime-Day-Verschiebung rund 4 Prozentpunkte höher ausgefallen wäre. Im vierten Quartal belasten zudem höhere Treibstoffkosten und die Anlaufkosten des Satelliteninternets Amazon Leo, die anders als geplant erst ab 2027 aktiviert werden.


Amazon Prime Paket

Drei zentrale Aussagen

„AWS ist ein Geschäft mit einer annualisierten Umsatzrate von 184 Mrd. USD, und doch bleibt die Chance außergewöhnlich. Mit unserem anhaltenden Innovationstempo, neuen Kern- und KI-Funktionen, Unternehmen, die ihre zentralen KI-Arbeitslasten in AWS betreiben wollen, und der Kapazität, die wir jedes Jahr hinzufügen, glauben wir, dass AWS in 2027 und 2028 jeweils um mehr als 40 Prozent wachsen und in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein Geschäft mit 1 Billion USD Umsatz werden kann."

Jassy stützt die Prognose auf große Kapazitätsreservierungen von Kunden, die weit im Voraus gebucht werden und gute Sichtbarkeit bis ins Jahr 2029 geben. Ab Ende 2027 will Amazon zudem die eigenen Trainium-Chips auch außerhalb von AWS verkaufen.

„Und wäre es bequemer, wenn diese Art von Beschleunigung und Chance über 25 Jahre stattfände und man die Investitionen über 25 Jahre verteilen könnte? Ja, das wäre vielleicht bequemer, aber das ist nicht die Welt, in der wir leben, und das ist nicht die Chance. Und wir können diesen Plan finanzieren, und ich glaube, er wird die Größe von Amazon für immer verändern."

Jassy reagierte damit auf die Frage nach dem Kapitalbedarf für das angestrebte Wachstum. Die Amortisationszeiten der Investitionen verkürzen sich laut Amazon weiter, gleichzeitig steigen die Kosten etwa für Speicherchips.

„Die naheliegende Frage ist, ob agentisches Einkaufen über externe, horizontale KI-Agenten die Werbung von Amazon spürbar beeinträchtigt. Und die Antwort ist nein. Bislang kaufen nur wenige Kunden in nennenswertem Umfang auf diese Weise ein, da das Erlebnis noch nicht gut ist und auch nicht bequemer, als direkt zu einem Händler zu gehen, um dort zu recherchieren oder mit einem Klick zu bestellen."

Amazon setzt stattdessen auf den eigenen Einkaufsassistenten Alexa for Shopping, den in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 400 Mio. Kunden genutzt haben. Für das Werbegeschäft erwartet Jassy im vierten Quartal wieder ein Wachstum im hohen Zehnerbereich.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens das langsamere AWS-Wachstum gegenüber dem Vorquartal – Justin Post (BofA) fragte nach den Gründen. Jassy verwies darauf, dass Amazon nicht in jedem Quartal gleich viel Kapazität hinzufügt, und betonte die Größenordnung von 39 Prozent Wachstum bei 184 Mrd. USD Umsatzrate. Olsavsky ergänzte, dass die Treibstoffkosten im vierten Quartal höher ausfallen als im dritten.


Zweitens der Weg zu 1 Billion USD – Brian Nowak (Morgan Stanley) fragte, worauf Jassy das Ziel stützt. Jassys Antwort: Die gebuchten Großkapazitäten gäben gute Sichtbarkeit für mehrere Jahre, Unternehmen stünden beim Einsatz von KI in der Produktion erst am Anfang, und allein Cybersicherheit könne künftig einen großen Teil des Token-Volumens ausmachen.


Drittens die AWS-Margen – Mark Mahaney (Evercore ISI) fragte, ob die Marge im hohen 30er-Bereich stabil bleibt. Olsavsky wollte keine Prognose geben: KI-Geschäft habe niedrigere Margen als das Kerngeschäft, und höhere Preise für Komponenten belasteten, während Effizienzgewinne und eigene Chips entlasteten.


Viertens der externe Chipverkauf – Eric Sheridan (Goldman Sachs) fragte nach der Abwägung zwischen externem Verkauf und Eigennutzung von Trainium. Jassy erklärte, dass externer Verkauf kurzfristig mehr Umsatz bringt, die Nutzung in der eigenen Cloud über fünf bis sechs Jahre aber mehr Umsatz und Free Cashflow erzeugt. Beide Geschäfte würden sehr bedeutend.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


UBS (Rating: Buy | Kursziel: 348 → 352 USD)

UBS hob das Kursziel von 348 auf 352 USD an und behält die Kaufempfehlung bei. Das AWS-Wachstum von 39 Prozent blieb zwar hinter den Erwartungen zurück, der Ausblick auf über 40 Prozent in den Jahren 2027 und 2028, das Umsatzpotenzial von 1 Billion USD und ein Auftragsbestand von 578 Mrd. USD gäben aber Anlass zur Zuversicht hinsichtlich weiterer Beschleunigung, stärkerer Margen und Aufwärtspotenzial gegenüber dem Konsens.


KeyBanc (Rating: Overweight | Kursziel: 350 → 345 USD)

Der KeyBanc-Analyst Justin Patterson senkte das Kursziel von 350 auf 345 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Anleger sollten über das dritte Quartal und die Prognose hinausblicken: AWS soll bis 2028 jeweils mindestens 40 Prozent wachsen, mittel- bis langfristig sei 1 Billion USD Umsatz in Sicht. Amazon biete ein attraktives Gewinnwachstum bei angemessener Bewertung.


TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 350 → 340 USD)

TD Cowen senkte das Kursziel von 350 auf 340 USD und behält die Kaufempfehlung bei. AWS habe die leichten Einbußen im Werbegeschäft ausgeglichen, den Ausverkauf nach den Zahlen hält das Analystenhaus für übertrieben.


Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 350 → 335 USD)

Morgan Stanley senkte das Kursziel von 350 auf 335 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Die kurzfristigen Erwartungen an AWS seien „möglicherweise zu hoch geworden", für das künftige AWS-Wachstum bleibe das Analystenhaus aber optimistisch.


Mizuho (Rating: Outperform | Kursziel: 330 → 335 USD)

Mizuho hob das Kursziel von 330 auf 335 USD an und behält die Bewertung „Outperform" bei. Die Aktie notiere im Minus, da Anleger bei AWS ein ähnliches Wachstum gegenüber dem Vorquartal wie im zweiten Quartal erwartet hatten. Zusammen mit hohen Investitionen und negativem Free Cashflow habe das den starken Zweijahresausblick für AWS überschattet.


Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 329 → 326 USD)

Wells Fargo senkte das Kursziel von 329 auf 326 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Das verfehlte AWS-Ziel sei eine Kaufgelegenheit, da sich der Kapazitätsausbau ins vierte Quartal verschoben habe. Der AWS-Wachstumsrahmen von über 40 Prozent für 2027 und 2028 liege über den Markterwartungen, an der Einschätzung, dass AWS auf über 50 Prozent Wachstum zusteuert, ändere sich nichts.


BofA (Rating: Buy | Kursziel: 320 → 317 USD)

Die BofA senkte das Kursziel von 320 auf 317 USD und behält die Kaufempfehlung bei. AWS habe sich um 2 Prozentpunkte auf 39 Prozent beschleunigt, die Erwartungen der Anleger hätten aber „bei bis zu 42 Prozent" gelegen. Angesichts des wachsenden Auftragsbestands, eigener Chips und der Nutzung von Alexa for Shopping sei Amazon „im KI-Bereich stark positioniert", das Kursziel sinke wegen gesunkener Bewertungen im KI-Sektor.


Scotiabank (Rating: Outperform | Kursziel: 325 → 300 USD)

Die Scotiabank senkte das Kursziel von 325 auf 300 USD und behält die Bewertung „Outperform" bei. Grund seien die verzögerte Umwandlung in Free Cashflow und eine geänderte Bewertungsmethode. Das langfristige Potenzial erscheine weiterhin deutlich größer und werde durch bessere Vertragsvisibilität gestützt.


Oppenheimer (Rating: Outperform | Kursziel: 320 → 285 USD)

Der Oppenheimer-Analyst Jason Helfstein senkte das Kursziel von 320 auf 285 USD und behält die Bewertung „Outperform" bei. Die AWS-Margen lagen über den Erwartungen, Amazon räumte aber ein, dass KI-Umsätze margenschwächer sind als das Kerngeschäft. Enttäuschend seien die EBIT-Prognose für das vierte Quartal und ein Anstieg des Free-Cashflow-Verbrauchs von 8 Mrd. USD im zweiten auf 33 Mrd. USD im dritten Quartal.


Cantor Fitzgerald (Rating: Overweight | Kursziel: 310 → 280 USD)

Cantor Fitzgerald senkte das Kursziel von 310 auf 280 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Der Umsatz habe im Rahmen der Erwartungen gelegen, das EBIT 7 Prozent darüber. AWS habe sich auf 39 Prozent beschleunigt, die Margen seien gestiegen und der Auftragsbestand um 82 Mrd. USD gewachsen.


Citizens JMP (Rating: Outperform | Kursziel: 315 → 275 USD)

Citizens senkte das Kursziel von 315 auf 275 USD und behält die Bewertung „Outperform" bei. AWS habe die Erwartungen leicht übertroffen, während die Handelsumsätze auch wegen des Prime-Day-Termins zurückblieben. Logistikvorteil, das AWS-Ziel von über 40 Prozent und sich verbessernde Amortisationszeiten bei KI-Rechenleistung stützten das Vertrauen trotz steigender Investitionen.


Raymond James (Rating: Outperform | Kursziel: 300 → 250 USD)

Raymond James senkte das Kursziel von 300 auf 250 USD und behält die Bewertung „Outperform" bei. AWS habe die Erwartungen der Wall Street übertroffen, aber nicht die der Buy-Seite, das Werbewachstum blieb wegen Prime Day und Änderungen im Suchbereich zurück. Die Unsicherheit über die Auswirkungen agentischer KI auf das Marktplatzgeschäft bleibe bestehen, das Wachstumspotenzial von AWS stütze aber die Bewertung „Outperform".



Fazit


Amazon Tageschart

Amazon hat ein Quartal mit Rekordmarge und dem sechsten Quartal in Folge mit beschleunigtem AWS-Wachstum vorgelegt, die Anleger hatten bei AWS aber noch mehr erwartet. Für Unruhe sorgen zudem die massiven Investitionen, die den Free Cashflow ins Minus drücken und 2027 weiter steigen sollen. Mit dem Ausblick auf über 40 Prozent AWS-Wachstum in den Jahren 2027 und 2028 und dem Billionen-Ziel hat Jassy den Analysten aber einen klaren Rahmen gegeben, der die meisten trotz gesenkter Kursziele bei ihren Kaufempfehlungen hält.


Entscheidend für die kommenden Quartale ist, ob die steigenden Investitionen tatsächlich in das versprochene AWS-Wachstum münden und die Margen trotz des wachsenden KI-Anteils halten. Das Bären-Argument liefert Raymond James mit dem niedrigsten Kursziel von 250 USD und dem Hinweis auf die unklaren Folgen agentischer KI für das Marktplatzgeschäft, Oppenheimer verweist auf den Druck auf Margen und Free Cashflow. Das Bullen-Argument formuliert StoneX mit dem höchsten Kursziel von 380 USD, Wells Fargo sieht AWS sogar auf dem Weg zu über 50 Prozent Wachstum und den Rücksetzer als Kaufgelegenheit.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.

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