Intel Q3-Zahlen: Rechenzentren +78%, PC-Korrektur drückt Ausblick deutlich unter Erwartungen
Highlights
Umsatz: 16,51 Mrd. USD (Prognose: 16,49 Mrd. USD)
EPS: 0,52 USD (Prognose: 0,40 USD)
Segmentergebnisse:
- Data Center and AI (DCAI): 7,3 Mrd. USD (+78% YoY), operative Marge 42%
- Client Computing and Physical AI Group (CCPG): 8,1 Mrd. USD (-5% YoY)
- Intel Foundry: 6,7 Mrd. USD (+16% QoQ), operativer Verlust 1,9 Mrd. USD
Kundenspezifische Chips: Umsatz mehr als verdoppelt YoY
PC-Markt: Intel erwartet Rückgang der Stückzahlen um rund 12% (2026) und rund 10% (2027)
Ausblick Q4:
Umsatz von 15-16 Mrd. USD (erw. 17,06 Mrd. USD)
Bruttomarge (non-GAAP) von 38%
EPS von 0,25 USD (erw. 0,44 USD)
DCAI-Umsatz mit Wachstum im mittleren Zehnerbereich QoQ, CCPG-Umsatz mit Rückgang von mehr als 20% QoQ

Intel hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen, mit dem Ausblick aber deutlich enttäuscht. Der Umsatz von 16,51 Mrd. USD lag knapp über der Konsensschätzung von 16,49 Mrd. USD, der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,52 USD übertraf die erwarteten 0,40 USD klar. Das Rechenzentrumsgeschäft DCAI wuchs um 78 Prozent auf 7,3 Mrd. USD und verzeichnete das stärkste Wachstum seit 15 Jahren, während das PC-Geschäft CCPG um 5 Prozent auf 8,1 Mrd. USD zurückging. Die Bruttomarge stieg auf 44,1 Prozent.
Für das vierte Quartal erwartet Intel nur noch 15 bis 16 Mrd. USD Umsatz und einen Gewinn je Aktie von 0,25 USD, deutlich unter den Markterwartungen von 17,06 Mrd. USD und 0,44 USD. Grund ist eine abrupte Lagerkorrektur bei PC-Herstellern, ausgelöst durch stark gestiegene Speicherpreise, sowie ein Unfall in der israelischen Fab 28, der rund 300 Mio. USD Umsatz kostet. CEO Lip-Bu Tan zeigte sich „enttäuscht", die starke Kundennachfrage im Servergeschäft nicht bedienen zu können. Für 2027 kündigte Finanzchef David Zinsner einen negativen Free Cashflow an.
Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich negativ aus: Alle 24 Analysten senkten ihre Kursziele, keiner hob an oder bestätigte unverändert. BofA und Roth Capital stuften die Aktie von Buy auf Neutral ab, die größten Senkungen kamen von Goldman Sachs (150 auf 100 USD) und Roth Capital (120 auf 70 USD). Das höchste Kursziel liegt bei 140 USD (KeyBanc), das niedrigste bei 70 USD (DA Davidson, Roth Capital und Rosenblatt), der Median bei 81,50 USD.
Earnings Call: Was Lip-Bu Tan und David Zinsner gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
Tan beschrieb ein Quartal mit zwei Seiten: Rekordnachfrage nach Server-CPUs auf der einen, ein einbrechender PC-Markt und anhaltende Lieferengpässe bei Wafern und Substraten auf der anderen Seite. Der Umbau von Intel sei eine mehrjährige Aufgabe, nach eineinhalb Jahren seien aber große Fortschritte erzielt worden, etwa bei den Ausbeuten der Fertigungsprozesse Intel 3 und Intel 18A.
Zinsner betonte, dass Intel zum achten Mal in Folge die eigenen Ziele übertroffen habe. Die Investitionen sollen 2027 nach 20 Mrd. USD in diesem Jahr deutlich steigen, gleichzeitig will Intel die Verschuldung abbauen.

Drei zentrale Aussagen
„Das Tempo der PC-Korrektur hat sich in den vergangenen zwei Monaten beschleunigt, da unsere OEM-Partner ihre Lagerbestände aggressiv an die schwächeren Abverkäufe anpassen. Wir erwarten, dass das aktuelle Umfeld anhält, bis sich Verfügbarkeit und Preise von Speicherchips normalisieren. Auch wenn die nächsten Quartale für den PC-Markt herausfordernd werden, wird unsere Produkt-Roadmap stärker und unser langfristiger Ausblick bleibt positiv."
Laut Zinsner dürfte die Lagerkorrektur mindestens bis ins erste Quartal 2027 reichen, eine Erholung des Speichermarkts erwartet Intel 2027 nicht. Hoffnung setzt das Management auf die neue PC-Prozessorgeneration Nova Lake, mit der Intel ab 2027 Marktanteile gewinnen will.
„Nach unseren Schätzungen könnte der Gesamtmarkt für Server-CPUs, größtenteils getrieben von agentischen Arbeitslasten, um das Fünffache gegenüber heute wachsen, von 40 Mrd. USD auf mehr als 200 Mrd. USD innerhalb von fünf Jahren. Das macht die Chance für Intel enorm."
Tan begründete die Prognose damit, dass KI-Agenten viele Aufgaben energieeffizienter auf CPUs als auf GPUs ausführen. Für 2026 und 2027 erwartet Intel ein Wachstum der Server-CPU-Stückzahlen von jeweils mehr als 30 Prozent, begrenzt allein durch das Angebot in der Branche.
„Ich glaube also nicht, dass dies ein Jahr sein wird, in dem wir einen positiven Cashflow sehen. Und genau deshalb haben wir Anfang August das Kapital aufgenommen, um uns dafür aufzustellen. Langfristig erzielen diese Geschäfte aber viel Cashflow."
Zinsner begründete den negativen Free Cashflow 2027 damit, dass Intel gleichzeitig Intel 18A und Intel 3 hochfährt und die Produktion mit Intel 14A ab 2028 vorbereitet. Auf alle neuen Fertigungsprozesse strebt Intel eine Kapitalrendite von mindestens 20 Prozent an.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens der Ausblick auf 2027 – Timothy Arcuri (UBS) fragte nach Leitplanken für das kommende Jahr. Zinsner sieht 2027 als Wachstumsjahr, das Servergeschäft bleibe im ersten Halbjahr aber durch Engpässe bei Substraten und Intel-3-Wafern begrenzt. Für den PC-Markt rechnet Intel mit einem Rückgang der Stückzahlen um rund 10 Prozent.
Zweitens die Größe der Belastungen im vierten Quartal – Ben Reitzes (Melius Research) bat um eine Aufschlüsselung der Prognoseverfehlung. Zinsner erwartet aus dem Unfall in Israel rund 300 Mio. USD Umsatzeinbußen im vierten und ähnlich viel im ersten Quartal, die Abschreibungen auf Wafer sollen aber weitgehend im vierten Quartal anfallen.
Drittens die Entwicklung der Bruttomarge – Stacy Rasgon (Bernstein) fragte nach den Treibern für 2027. Zinsner nannte die Server-CPU Granite Rapids als margensteigernd, die geringere Auslastung von Intel 18A und die margenschwächeren kundenspezifischen Chips dagegen als Belastung. Bei Umsatzwachstum strebt Intel an, dass 40 bis 60 Prozent des zusätzlichen Umsatzes als Bruttogewinn ankommen.
Viertens Marktanteile und Foundry-Kunden – Joseph Moore (Morgan Stanley) fragte nach dem Wettbewerb mit AMD, Vivek Arya (BofA) nach externen Foundry-Kunden. Zinsner sieht die Marktanteile 2027 vor allem als Frage der Lieferfähigkeit, Tan kündigte an, dass in den nächsten zwei Quartalen einige Kunden für die Packaging-Technologien bekanntgegeben werden.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
KeyBanc (Rating: Overweight | Kursziel: 155 → 140 USD)
Der KeyBanc-Analyst John Vinh senkte das Kursziel für Intel von 155 auf 140 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Intel habe gemischte Ergebnisse vorgelegt, die Prognose für das vierte Quartal liege deutlich unter den Erwartungen. Der größte Teil der Verfehlung gehe auf die durch Speicherchips ausgelöste PC-Korrektur zurück: Der PC-Umsatz blieb im dritten Quartal um 800 Mio. USD hinter den Erwartungen zurück, für das vierte Quartal wird ein Rückgang von mehr als 20 Prozent erwartet, über 2 Mrd. USD unter dem Konsens.
BofA (Rating: Buy → Neutral | Kursziel: 145 → 100 USD)
Der BofA-Analyst Vivek Arya stufte Intel von Buy auf Neutral ab und senkte das Kursziel von 145 auf 100 USD. Die Erholung verzögere sich wegen Gegenwinds im PC-Geschäft und in der Lieferkette, zudem habe Intel „nicht ausreichend über Fortschritte bei externen Foundry-Kunden berichtet". Die Stärke bei Rechenzentren werde durch einen „überraschend starken Rückgang" der PC-Auslieferungen geschmälert. Die BofA senkte ihre EPS-Schätzung für 2030 von 6 bis 7 USD auf 5 bis 6 USD.
Goldman Sachs (Rating: Neutral | Kursziel: 150 → 100 USD)
Goldman Sachs senkte das Kursziel von 150 auf 100 USD und behält die Bewertung „Neutral" bei. Schwache Aussagen zum PC-Markt und ein erwarteter Umsatzrückgang von 20 Prozent im vierten Quartal dürften zu einer deutlichen Korrektur der Markterwartungen führen – trotz eines soliden Quartals und anhaltenden Potenzials durch die KI-getriebene Servernachfrage, Fortschritte beim Packaging und langfristige Chancen im Foundry-Geschäft.
Citi (Rating: Buy | Kursziel: 130 → 100 USD)
Citi senkte das Kursziel von 130 auf 100 USD und behält die Kaufempfehlung bei. Intel habe die Erwartungen im dritten Quartal „deutlich übertroffen", wegen des Unfalls in der Fab 28 und der schwächeren PC-Nachfrage aber eine „schwache" Prognose abgegeben. Citi hat die Schätzungen deutlich gesenkt.
Cantor Fitzgerald (Rating: Neutral | Kursziel: 125 → 90 USD)
Cantor Fitzgerald senkte das Kursziel von 125 auf 90 USD und behält die Bewertung „Neutral" bei. Die erheblichen Engpässe bei Speicherchips, Wafern und Substraten führten zu deutlichen Kürzungen der Gewinnschätzungen, obwohl das Management für das zweite Halbjahr 2027 eine Erholung durch KI-Server, kundenspezifische Chips und das Foundry-Geschäft erwartet.
UBS (Rating: Neutral | Kursziel: 100 → 80 USD)
UBS senkte das Kursziel von 100 auf 80 USD und behält die Bewertung „Neutral" bei. Die schwächere Prognose spiegle eine schwierige Erholung des PC-Markts bei anhaltendem Kostendruck durch Speicherchips wider. Investitionen in Foundry, Packaging, Server und kundenspezifische Chips stützten jedoch das langfristige Wachstum, ein Gewinn je Aktie von rund 3 USD im Jahr 2028 und über 4 USD im Jahr 2029 bleibe erreichbar.
Wells Fargo (Rating: Equal Weight | Kursziel: 120 → 80 USD)
Wells Fargo senkte das Kursziel von 120 auf 80 USD und behält die Bewertung „Equal Weight" bei. Intel habe die Erwartungen an eine Korrektur im PC-Bereich verfehlt. Die starke Nachfrage bei Rechenzentren, der bis 2027 andauernde Produktionshochlauf und die Transparenz bei externen Foundry-Aufträgen blieben die wichtigsten Treiber für die Aktie.
Morgan Stanley (Rating: Equal Weight | Kursziel: 84 → 75 USD)
Der Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore senkte das Kursziel von 84 auf 75 USD und behält die Bewertung „Equal Weight" bei. Das Quartal sei wegen einer überraschend starken PC-Korrektur und „leichter spezifischer Probleme im Serverbereich" ein „Rückschlag" gewesen. Es zeige deutlich, „wie teuer die Aktie gemessen an den Zahlen für das nächste Jahr ist".
Wedbush (Rating: Outperform | Kursziel: 98 → 75 USD)
Wedbush senkte das Kursziel von 98 auf 75 USD und behält die Bewertung „Outperform" bei. Ein Rekordwachstum bei DCAI habe Umsatz, Bruttomarge und Gewinn je Aktie über die Prognose gehoben. Die drastische Korrektur der PC-Lagerbestände und der Verlust von Wafern nach der Explosion in der Fab 28 hätten die Serverstärke im Ausblick jedoch mehr als aufgehoben. Der Rückschlag zeige, wie stark die besseren Fundamentaldaten 2026 von günstigen externen Faktoren abhängig waren.
Truist Securities (Rating: Hold | Kursziel: 108 → 72 USD)
Truist senkte das Kursziel von 108 auf 72 USD und behält die Bewertung „Hold" bei. Intel habe dank besserer Margen die Erwartungen übertroffen, der Ausblick sei aber durch eine plötzliche Abschwächung des PC-Markts zur Mitte des Quartals sowie durch die Explosion und Produktionsverzögerungen in der israelischen Fertigungsstätte belastet worden.
DA Davidson (Rating: Neutral | Kursziel: 100 → 70 USD)
Der DA-Davidson-Analyst Gil Luria senkte das Kursziel von 100 auf 70 USD und behält die Bewertung „Neutral" bei. Intel habe „gemischte" Ergebnisse vorgelegt, mit starkem Wachstum bei Foundry und Rechenzentren und erheblicher Schwäche im PC-Geschäft. Der PC-Markt stehe zwar branchenweit unter Druck, doch sei es „schwer, das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis zu rechtfertigen, wenn die Schwäche so erheblich ist".
Roth Capital (Rating: Buy → Neutral | Kursziel: 120 → 70 USD)
Der Roth-Analyst Suji Desilva stufte Intel von Buy auf Neutral ab und senkte das Kursziel von 120 auf 70 USD. Das dritte Quartal habe den Erwartungen entsprochen, die Prognose sei wegen der PC-Nachfrage, Lageranpassungen und des Produktionsunfalls aber schwächer als erwartet ausgefallen. Das Wachstum bei Rechenzentren und kundenspezifischen Chips sei „ermutigend", Produktionsengpässe dürften das Potenzial aber begrenzen.
Rosenblatt (Rating: Sell | Kursziel: 80 → 70 USD) — einzige Verkaufsempfehlung im Analystenfeld —
Der Rosenblatt-Analyst Kevin Cassidy senkte das Kursziel von 80 auf 70 USD und behält seine Verkaufsempfehlung bei. Intel habe einen „respektablen" Bericht vorgelegt, der Ausblick sei aber „überraschend schlecht", da höhere Speicherpreise die PC-Nachfrage stärker als erwartet dämpften.
Fazit

Intel hat ein operativ starkes Quartal mit 78 Prozent Wachstum bei Rechenzentren und einer deutlich verbesserten Bruttomarge vorgelegt, das aber vom Ausblick überschattet wird. Die abrupte Lagerkorrektur im PC-Markt und der Unfall in der Fab 28 drücken den Umsatz im vierten Quartal rund 1,5 bis 2 Mrd. USD unter die Markterwartungen, für 2027 kündigt Intel zudem einen negativen Free Cashflow an. Alle 24 Analysten senkten ihre Kursziele, zwei stuften die Aktie ab.
Wann Intel die Lieferengpässe bei Wafern und Substraten auflöst, dürfte über die Kursentwicklung im kommenden Jahr entscheiden, nach Aussage des Managements wird es eher im zweiten Halbjahr 2027 so weit sein. Das Bären-Argument formuliert Morgan Stanley mit dem Hinweis, wie teuer die Aktie gemessen an den Zahlen für 2027 ist, Rosenblatt bleibt mit einer Verkaufsempfehlung und 70 USD am skeptischsten. Das Bullen-Argument liefert KeyBanc mit dem höchsten Kursziel von 140 USD und dem Verweis darauf, dass die Verfehlung fast vollständig auf die vorübergehende PC-Korrektur zurückgeht. Hinzu kommt Tans Einschätzung, dass sich der Markt für Server-CPUs innerhalb von fünf Jahren auf mehr als 200 Mrd. USD verfünffachen könnte.
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