Alphabet Q3-Zahlen: Cloud-Umsatz verdoppelt sich, Suchwachstum enttäuscht
Highlights
Umsatz: 127,6 Mrd. USD (Prognose: 127,91 Mrd. USD)
EPS: 2,12 USD (Prognose: 3,01 USD)
Segmentergebnisse:
- Google Search & other: 63,3 Mrd. USD (+12% YoY)
- YouTube Ads: 11,2 Mrd. USD (+9% YoY)
- Subscriptions, Platforms & Devices: 14,3 Mrd. USD (+11% YoY)
- Google Cloud: 30,7 Mrd. USD (+103% YoY), operative Marge 36,2
Cloud-Auftragsbestand: 561 Mrd. USD
Suchanfragen: höchstes Wachstum seit fünf Jahren, Gemini-App mit 1 Mrd. Nutzern
CapEx Q3: 51,4 Mrd. USD
Free Cashflow: -9,1 Mrd. USD, belastet durch Investitionen, TPU-Lageraufbau und die Zahlung einer EU-Strafe über 5,2 Mrd. USD
Ausblick: CapEx 2026 unverändert bei 195-205 Mrd. USD, deutlicher Anstieg 2027 erwartet; im vierten Quartal stärkerer Währungsgegenwind bei Suche und YouTube sowie Margendruck in der Cloud durch angemietete Drittkapazitäten

Alphabet hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn verfehlt. Der Umsatz von 127,6 Mrd. USD lag knapp unter der Konsensschätzung von 127,91 Mrd. USD (+25% YoY), der Gewinn je Aktie von 2,12 USD deutlich unter den erwarteten 3,01 USD. Hauptgrund für die Gewinnverfehlung war ein negatives sonstiges Ergebnis von 8,2 Mrd. USD aus nicht realisierten Verlusten der SpaceX-Beteiligung, operativ stieg das Ergebnis um 30 Prozent auf 40,6 Mrd. USD. Google Cloud verdoppelte den Umsatz auf 30,7 Mrd. USD (+103%), während das Suchgeschäft nur um 12 Prozent auf 63,3 Mrd. USD wuchs.
CEO Sundar Pichai verwies auf das stärkste Wachstum der Suchanfragen seit fünf Jahren und die Gemini-App mit inzwischen 1 Mrd. Nutzern. Laut Chief Business Officer Philipp Schindler bremsten vor allem Währungseffekte das Suchwachstum, aber auch die bislang geringere Monetarisierung im KI-Modus. Der Free Cashflow drehte wegen Investitionen von 51,4 Mrd. USD im Quartal ins Minus, für 2027 kündigte Alphabet einen weiteren deutlichen Anstieg der Investitionen an.
Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich negativ aus: Alle 20 Analysten senkten ihre Kursziele, keiner hob an oder bestätigte unverändert. Die Aktie fiel nachbörslich um rund 9 bis 10 Prozent, die größte Kurszielsenkung kam von der Scotiabank (450 auf 375 USD). Das höchste Kursziel liegt bei 460 USD (TD Cowen), das niedrigste bei 300 USD (DA Davidson), der Median bei 380 USD.
Earnings Call: Was Sundar Pichai und Anat Ashkenazi gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
Pichai bezeichnete das Quartal als „stark" und hob die neue Modellgeneration Gemini 4 hervor, deren Spitzenmodell Carbon am Tag der Zahlen vorgestellt wurde. Alphabet nähere sich einer jährlichen Umsatzrate von einer halben Billion USD, der Engpass liege vor allem bei der verfügbaren Rechenkapazität.
Finanzchefin Anat Ashkenazi kündigte für das vierte Quartal einen stärkeren Währungsgegenwind sowie eine hohe Vergleichsbasis im Suchgeschäft an. Die Investitionsprognose von 195 bis 205 Mrd. USD für 2026 bestätigte sie, für 2027 erwartet sie einen deutlichen Anstieg.

Drei zentrale Aussagen
„Es ist erwähnenswert, dass das starke Wachstum der Suchanfragen im KI-Modus Auswirkungen hatte, weil wir im KI-Modus eine geringere Monetarisierung gesehen haben. Um es klar zu sagen: Wir fühlen uns mit unserer Entwicklung hier sehr wohl. Unsere Anzeigenexperimente haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt, und wir skalieren Anzeigen jetzt sowohl in AI Overviews als auch im KI-Modus auf mehr Nutzer und mehr Suchanfragen."
Damit bestätigte Schindler die zentrale Sorge der Analysten: Suchanfragen wandern in den KI-Modus, wo Google bislang weniger Werbeumsatz erzielt. Als Gegenmaßnahme bringt Alphabet Anzeigen im KI-Modus erstmals auf internationale Märkte und führt in den USA Anzeigen in mehrstufigen Dialogen ein.
„Das Google-Cloud-Segment hat im dritten Quartal ein Rekordwachstum erzielt. Der Cloud-Umsatz stieg um 103 Prozent auf 30,7 Mrd. USD, angetrieben von starkem Wachstum bei GCP, mit Stärke im Bereich KI, sowohl bei KI-Infrastruktur als auch bei KI-Lösungen, und im GCP-Kerngeschäft. Auch der Verkauf von TPU-Systemen hat einen bedeutenden Beitrag geleistet."
Die operative Marge der Cloud stieg von 23,7 auf 36,2 Prozent, der Auftragsbestand erreichte 561 Mrd. USD. Gut 55 Prozent davon will Alphabet in den kommenden 24 Monaten als Umsatz verbuchen, der Verkauf von TPU-Systemen soll 2027 deutlich anziehen.
„Während dieses gesamten Investitionszyklus erwarten wir eine attraktive Kapitalrendite, die deutlich über unseren Kapitalkosten bleibt, und rechnen mit einem starken operativen Cashflow. Unsere erheblichen Investitionen in technische Infrastruktur und der Lageraufbau bei TPU-Systemen, während wir dieses Geschäft skalieren, werden den Free Cashflow unter Druck setzen."
Ashkenazi kündigte damit offen an, dass der Free Cashflow vorerst schwach bleibt. Hinzu kommen langfristige Abnahmeverpflichtungen für Infrastruktur über 924 Mrd. USD, die allerdings teils flexible Preise und Mengen vorsehen.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens die Abschwächung im Suchgeschäft – Doug Anmuth (JPMorgan) und Brian Nowak (Morgan Stanley) fragten, warum die Suchumsätze trotz Rekordanfragen langsamer wachsen. Schindler nannte Währungseffekte als größten Einzelfaktor, dazu den Wegfall der EU-Zollfreigrenze, der asiatische Händler belastete, und eine Normalisierung nach der Fußball-WM. Ashkenazi erwartet, dass die hohe Vergleichsbasis auch im vierten Quartal rund zwei Prozentpunkte Wachstum kostet.
Zweitens das TPU-Geschäft – Ross Sandler (Barclays) und Justin Post (BofA) fragten nach Umsatzverbuchung und Margen der TPU-Systeme. Ashkenazi erklärte, dass Alphabet nach Vertragsabschluss zunächst Lagerbestände aufbaut und erst bei Auslieferung Umsatz verbucht, weshalb Cash vorübergehend abfließt. Cloud-Chef Thomas Kurian betonte, dass der Lageraufbau ausschließlich auf unterzeichneten Verträgen beruht.
Drittens der Handel über KI-Agenten – Justin Post (BofA) und Mark Shmulik (Bernstein) fragten, ob KI-Agenten das Suchgeschäft gefährden. Schindler sieht sie als „klar zusätzlich" und erwartet attraktive Werbemodelle, da Nutzer auch bei Agenten zwischen mehreren Optionen wählen wollen.
Viertens die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern – Michael Nathanson (MoffettNathanson) fragte, warum Alphabet TPUs an konkurrierende KI-Labore verkauft. Pichais Antwort: TPU-Systeme seien eine Plattform, die sich im Wettbewerb um die anspruchsvollsten Kunden bewähren müsse, wie bereits die Zusammenarbeit mit Apple bei KI-Modellen zeige.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 485 → 460 USD) — das höchste Kursziel im Analystenfeld —
TD Cowen senkte das Kursziel für Alphabet von 485 auf 460 USD und behält die Kaufempfehlung bei. Alphabet habe bei Suche und YouTube die Erwartungen leicht verfehlt, allerdings habe sich der Cloud-Umsatz verdoppelt, wobei der Bereich KI stark zulegte.
Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 425 → 405 USD)
Der Barclays-Analyst Ross Sandler senkte das Kursziel von 425 auf 405 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Die Google-Suche leide unter schwierigeren Vergleichswerten und in geringerem Maße unter einem „leichten Einbruch" durch den KI-Modus. Alphabet könne „diese Situation meistern".
Deutsche Bank (Rating: Buy | Kursziel: 430 → 390 USD)
Der Deutsche-Bank-Analyst Benjamin Black senkte das Kursziel von 430 auf 390 USD und behält seine Kaufempfehlung bei. Die wichtigsten Kennzahlen seien enttäuschend ausgefallen, die Suchzahlen blieben hinter den Erwartungen der Buy-Seite zurück. Dennoch „steht die Deutsche Bank hinter der Aktie": Die Verfehlung sei größtenteils darauf zurückzuführen, dass KI das stärkste Wachstum der Suchanfragen seit fünf Jahren antreibt, während Alphabet gerade erst beginnt, Werbung auf diese neuen Bereiche auszuweiten.
Goldman Sachs (Rating: Buy | Kursziel: 435 → 385 USD)
Der Goldman-Sachs-Analyst Eric Sheridan senkte das Kursziel von 435 auf 385 USD und behält die Kaufempfehlung bei. Die Suchumsätze seien wegen Wechselkurseffekten und eines schwierigen Vorjahresvergleichs hinter den Erwartungen zurückgeblieben, während das Cloud-Wachstum von 103 Prozent und ein Auftragsbestand von 561 Mrd. USD die durch Rechenkapazität begrenzte Nachfrage unterstrichen. Stark steigende Investitionen von 203 Mrd. USD 2026 und geschätzten 350 Mrd. USD 2027 setzten den Free Cashflow jedoch unter Druck.
BofA (Rating: Buy | Kursziel: 430 → 380 USD)
Der BofA-Analyst Justin Post senkte das Kursziel von 430 auf 380 USD und behält seine Kaufempfehlung bei. Die BofA hob ihre Umsatzschätzung für 2027 um 11 Prozent auf 616 Mrd. USD an, da die Cloud die Erwartungen übertraf und zusätzliche TPU-Verkäufe ins Modell einflossen. Niedrigere Schätzungen für Suche, YouTube und Abonnements führten jedoch dazu, dass die EPS-Prognose für 2027 um 1 Prozent auf 14,87 USD sinkt.
Rosenblatt (Rating: Buy | Kursziel: 410 → 380 USD)
Der Rosenblatt-Analyst Barton Crockett senkte das Kursziel von 410 auf 380 USD und behält die Kaufempfehlung bei. Die Stärke der Cloud werde durch die enttäuschende Entwicklung im Suchgeschäft überschattet. Rosenblatt erwartet, dass der Cloud-Umsatz bis 2028 den von Suche und YouTube zusammen übersteigt, und sieht den Wert von Alphabet von der Werbung zur Cloud wandern.
JPMorgan (Rating: Overweight | Kursziel: 425 → 375 USD)
Der JPMorgan-Analyst Doug Anmuth senkte das Kursziel von 425 auf 375 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Der Kursrückgang zeige, wie gering der Spielraum für Fehler sei, wenn ein Hyperscaler Hunderte Milliarden in KI-Infrastruktur investiert, in einen negativen Free Cashflow rutscht und dann enttäuscht. Die Herausforderungen im Suchgeschäft seien aber „eher überwindbar als dauerhaft strukturell".
Scotiabank (Rating: Outperform | Kursziel: 450 → 375 USD)
Die Scotiabank senkte das Kursziel von 450 auf 375 USD und behält die Bewertung „Outperform" bei. Alphabet habe eine Rekordnachfrage im Bereich KI verzeichnet, die Monetarisierung der Suche und der Free Cashflow seien jedoch enttäuschend ausgefallen.
Cantor Fitzgerald (Rating: Overweight | Kursziel: 420 → 350 USD)
Der Cantor-Fitzgerald-Analyst Deepak Mathivanan senkte das Kursziel von 420 auf 350 USD und behält die Bewertung „Overweight" bei. Das EBIT habe 7 Prozent unter den Schätzungen gelegen und das Suchwachstum sich verlangsamt. Cloud-Wachstum von über 100 Prozent, Rekord-Suchanfragen, starke TPU-Nachfrage und die Innovationen bei Gemini stützten jedoch das langfristige Potenzial, Cantor empfiehlt Käufe bei Kursrückgängen.
UBS (Rating: Neutral | Kursziel: 380 → 332 USD)
UBS senkte das Kursziel von 380 auf 332 USD und behält die Bewertung „Neutral" bei. Google habe die Erwartungen bei Suche und YouTube verfehlt, eine zurückhaltendere KI-Monetarisierung signalisiert und trotz steigender TPU-Umsätze stagnierende Cloud-Margen gezeigt. TPU-Umsätze von über 100 Mrd. USD im Jahr 2027 könnten EPS und Free Cashflow unter Druck setzen.
Bernstein (Rating: Market Perform | Kursziel: 385 → 325 USD)
Der Bernstein-Analyst Mark Shmulik senkte das Kursziel von 385 auf 325 USD und behält die Bewertung „Market Perform" bei. Das Cloud-Wachstum sei angesichts steigender TPU-Umsätze beeindruckend, es sei aber mit Margendruck zu rechnen. Google werde wahrscheinlich ein Gewinner im Bereich KI sein, nur „nicht heute".
DA Davidson (Rating: Neutral | Kursziel: 350 → 300 USD)
DA Davidson senkte das Kursziel von 350 auf 300 USD und behält die Bewertung „Neutral" bei. Alphabet habe seltene Verfehlungen bei Umsatz und Gewinn verzeichnet, bedingt durch den Zeitpunkt der Hardware-Ausgaben für das TPU-Geschäft und schwächere Suchumsätze, teilweise ausgeglichen durch starkes Cloud-Wachstum. Das gesenkte Kursziel spiegle den erwarteten erheblichen Anstieg der Investitionen bis 2027 sowie zusätzliche Finanzierungen wider, die kurzfristig belasten.
Fazit

Alphabet hat ein Quartal mit zwei Gesichtern vorgelegt: Google Cloud verdoppelte den Umsatz bei deutlich steigender Marge, während das Suchgeschäft mit 12 Prozent hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Gewinnverfehlung geht vor allem auf die Bewertung der SpaceX-Beteiligung zurück, operativ wuchs das Ergebnis um 30 Prozent. Belastend wirken der negative Free Cashflow und die Aussicht auf noch höhere Investitionen 2027, alle 20 Analysten senkten daraufhin ihre Kursziele.
Im Fokus der kommenden Quartale steht, wie schnell Alphabet die Anzeigen im KI-Modus skalieren und die steigenden Suchanfragen in Umsatz umwandeln kann. Das Bären-Argument formuliert DA Davidson mit dem niedrigsten Kursziel von 300 USD: Der massive Anstieg der Investitionen und zusätzliche Finanzierungen belasteten kurzfristig, UBS warnt zudem vor Druck auf EPS und Free Cashflow durch das TPU-Geschäft. Das Bullen-Argument liefert TD Cowen mit 460 USD und dem Verweis auf die Verdopplung der Cloud, die Deutsche Bank sieht die Suchschwäche als Übergangsphase, bis Werbung im KI-Modus voll greift.
Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger stellt der Abverkauf nach den Zahlen eine Kaufgelegenheit dar: Das Cloud-Geschäft wächst mit dreistelligen Raten und steigender Marge, und die Suchanfragen legen so stark zu wie seit fünf Jahren nicht mehr – die Monetarisierung dürfte folgen.
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