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PayPal Q3-Zahlen: Gewinn je Aktie +8%, Jahresprognose auf 5,60 USD angehoben

vor 4 Minuten
6 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 8,58 Mrd. USD (Prognose: 8,71 Mrd. USD)

  • EPS: 1,45 USD (Prognose: 1,31 USD)

  • Zahlungsvolumen (TPV): 487,1 Mrd. USD, +6% YoY

  • Transaktionsmarge in Dollar (TM$): 4,0 Mrd. USD, +2% YoY

  • Geschäftsbereiche:

    • Branded Checkout: TPV-Wachstum stabil bei 1-2%, rund 70 Basispunkte Gegenwind durch den Wegfall der EU-Zollfreigrenze

    • Venmo: TPV im achten Quartal in Folge zweistellig gewachsen, Debitkarte mit 6,7 Mio. monatlich aktiven Konten (+55%)

    • Braintree: TPV +10%

  • Buy Now Pay Later: TPV +25%, Pay with Venmo +43%

  • Ausblick Q4: EPS von rund 1,43 USD (erw. 1,35 USD)

  • Ausblick FY2026 (erhöht):

    • EPS von rund 5,60 USD (erw. 5,39 USD)

    • TM$ von rund 15,7 Mrd. USD

    • Bereinigter Free Cashflow von mindestens 6,5 Mrd. USD


PayPal

PayPal hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und beim Gewinn die Erwartungen deutlich übertroffen, beim Umsatz jedoch verfehlt. Der Umsatz von 8,58 Mrd. USD lag unter der Konsensschätzung von 8,71 Mrd. USD, der bereinigte Gewinn je Aktie von 1,45 USD übertraf die erwarteten 1,31 USD und stieg um 8 Prozent. Die Transaktionsmarge in Dollar wuchs um 2 Prozent auf 4,0 Mrd. USD, das Zahlungsvolumen um 6 Prozent auf 487,1 Mrd. USD. Treiber des Gewinnplus war vor allem die Kostendisziplin: Die Betriebskosten ohne Transaktionskosten stiegen nur um 1 Prozent.


CEO Enrique Lores sieht PayPal zunehmend breiter aufgestellt: Finanzdienstleistungen wie Buy Now Pay Later, Kredit- und Debitkarten machen bereits mehr als 20 Prozent der Transaktionsmarge aus, Venmo und Braintree wachsen zweistellig. Das Kerngeschäft Branded Checkout wächst dagegen weiterhin nur um 1 bis 2 Prozent, belastet durch den Wegfall der EU-Zollfreigrenze für Kleinsendungen. PayPal hob die Jahresprognose auf einen Gewinn je Aktie von rund 5,60 USD an und peilt für 2027 ein ähnliches EPS-Wachstum an.


Die Wall-Street-Reaktion fiel verhalten aus: 8 Analysten hoben ihre Kursziele an, 2 senkten, keiner bestätigte unverändert. Bemerkenswert ist, dass kein einziges Analystenhaus eine Kaufempfehlung ausspricht. Das höchste Kursziel liegt bei 62 USD (Clear Street), das niedrigste bei 45 USD (Evercore ISI), der Median bei 58 USD.



Earnings Call: Was Enrique Lores und Jamie Miller gesagt haben


Kernbotschaft von CEO und CFO

Lores positionierte das Quartal als den Punkt, an dem sich die Strategie erstmals in den Finanzzahlen zeigt, und verwies auf Fortschritte bei allen fünf im Vorquartal vorgestellten Prioritäten. Die Wachstumsbeiträge kämen inzwischen aus mehreren Teilen des Geschäfts statt allein aus dem Branded Checkout.


Finanzchefin und COO Jamie Miller betonte, dass die Einsparungen zunehmend Wachstumsinvestitionen selbst finanzieren, warnte aber davor, die niedrigen Kosten des dritten Quartals einfach hochzurechnen. Die laufenden Kosteneinsparungen zum Jahresende erhöhte sie auf mehr als 700 Mio. USD.


PayPal CEO Enrique Lores

Drei zentrale Aussagen

„Mit der Zeit glauben wir, dass die beschriebenen Veränderungen ein nachhaltiges Wachstum der Transaktionsmarge in Dollar auf Gesamtunternehmensebene im mittleren einstelligen Prozentbereich ermöglichen können. In Kombination mit operativem Hebel und disziplinierter Kapitalallokation, einschließlich Aktienrückkäufen, sollte uns das ein solides zweistelliges EPS-Wachstum ermöglichen."

Damit nannte Lores erstmals einen mittelfristigen Wachstumsrahmen, der laut Management keine vollständige Rückkehr des Branded Checkout zu historischen Wachstumsraten voraussetzt. Getragen werden soll er von Finanzdienstleistungen, Venmo und dem Zahlungsabwickler Braintree, die jeweils zweistellig wachsen sollen.

„Und wenn wir uns mit anderen Unternehmen in unserem Bereich vergleichen: Wir haben die Chance, den ARPA um das Vier- bis Fünffache zu steigern. Das gibt uns sowohl Überzeugung hinsichtlich der Chance als auch Klarheit darüber, wo wir investieren und wo wir wachsen müssen."

Der ARPA (durchschnittlicher Umsatz pro aktivem Konto) soll künftig eine zentrale Kennzahl für Venmo werden, bislang nutzen erst 23 Prozent der Venmo-Kunden Finanzdienstleistungen. Kunden mit Finanzprodukten bringen laut Lores einen zwei- bis fünfmal höheren ARPA als Kunden ohne.

„Als PayPal startete, ging es beim zentralen Wertversprechen um Vertrauen und Sicherheit. Das wurde im E-Commerce gebraucht. Im Handel über KI-Agenten wird es noch mehr gebraucht werden. Und was wir tun, ist, dieses Wertversprechen in die neue Welt zu übertragen."

PayPal arbeitet unter anderem mit Meta daran, Zahlungen in persönliche KI-Assistenten zu integrieren. Lores sieht die Rolle von PayPal darin, zu bestätigen, dass hinter einer Transaktion ein echter zahlungsfähiger Kunde und ein echter Händler stehen.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die strategischen Alternativen – Andrew Schmidt (KeyBanc) fragte vor dem Hintergrund der zurückgewiesenen Übernahmeangebote, worauf das Management seine Sicht auf den inneren Wert stützt. Medienberichten zufolge hatten Stripe und Advent im Sommer rund 53 Mrd. USD geboten, was der Verwaltungsrat als unzureichend einstufte. Lores' Antwort: Man prüfe jede Option objektiv, die wertschaffendste Alternative sei derzeit aber die Umsetzung des eigenen Plans.


Zweitens die Lage in Europa – Harshita Rawat (Bernstein) und Bryan Keane (Citi) fragten nach dem Rückgang des internationalen Umsatzes. Miller erwartet, dass der Gegenwind durch die EU-Zollfreigrenze das gesamte vierte Quartal anhält, bezeichnete Deutschland aber als stabil und zuletzt leicht verbessert. Der Start von Buy Now Pay Later mit Amazon in Deutschland und Österreich sei vielversprechend.


Drittens das Investitionsjahr 2027 – Andrew Bauch (BMO Capital) und Darrin Peller (Wolfe Research) fragten nach dem Weg vom aktuellen TM$-Wachstum von 2 Prozent zum mittleren einstelligen Ziel. Millers Antwort: 2027 werde PayPal weiter in Transaktionsmarge und Betriebskosten investieren und ein ähnliches EPS-Wachstum wie 2026 anpeilen, konkrete Prognosen folgen im Februar.


Viertens das Wachstum im Branded Checkout – Jason Kupferberg (Wells Fargo) und Sanjay Sakhrani (KBW) fragten, warum das vierte Quartal trotz leichterer Vergleichsbasis nicht beschleunigen sollte. Miller verwies auf den anhaltenden EU-Gegenwind und darauf, dass sich die Investitionen bei großen Händlern erst über zwei bis drei Jahre auszahlen.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Clear Street (Rating: Hold | Kursziel: 60 → 62 USD)

Der Clear-Street-Analyst Owen Lau hob das Kursziel für PayPal von 60 auf 62 USD an und behält seine Bewertung „Hold" bei, nachdem das Unternehmen seine Prognosen „in allen wichtigen Bereichen" nach oben korrigiert hatte. Das Analystenhaus hob seine eigenen Schätzungen aufgrund der Kostenkontrolle an.


TD Cowen (Rating: Hold | Kursziel: 59 → 60 USD)

TD Cowen hob das Kursziel von 59 auf 60 USD an und behält die Bewertung „Hold" bei. Das dritte Quartal habe eine gute Dynamik gezeigt, wobei Finanzdienstleistungen, Venmo sowie die Umstrukturierungs- und Investitionsmaßnahmen Fortschritte verzeichneten.


BMO Capital (Rating: Market Perform | Kursziel: 56 → 59 USD)

Der BMO-Analyst Andrew Bauch hob das Kursziel von 56 auf 59 USD an und behält die Bewertung „Market Perform" bei. Die Klarheit über den langfristigen Wachstumsrahmen sei wichtiger gewesen als die Fundamentaldaten des dritten Quartals, da das Management ein Wachstum der Transaktionsmarge in Dollar im mittleren einstelligen Bereich in Aussicht stellte. Der erste Ausblick auf das EPS-Wachstum 2027 sei positiv, die Nachhaltigkeit eines zweistelligen Wachstums bei den Finanzdienstleistungen aber noch nicht bewiesen.


Citi (Rating: Neutral | Kursziel: 61 → 58 USD)

Citi senkte das Kursziel von 61 auf 58 USD und behält die Bewertung „Neutral" bei. Als Grund nennt das Analystenhaus die aktuellen Fundamentaldaten und den Ausblick. PayPal diversifiziere sich zunehmend in den Bereich Finanzdienstleistungen.


BofA (Rating: Underperform | Kursziel: 53 → 54 USD)

Der BofA-Analyst Matthew O'Neill hob das Kursziel von 53 auf 54 USD an und behält die Bewertung „Underperform" bei. Trotz leichterer Vergleichswerte rechne das Management nicht mit einer Belebung im Branded Checkout, da der Gegenwind aus der EU bis ins vierte Quartal anhalte. Das Wachstum stütze sich stattdessen auf Braintree und Venmo/Finanzdienstleistungen, die die BofA als qualitativ schwächer einstuft als den Branded Checkout.


Morgan Stanley (Rating: Underweight | Kursziel: 45 → 46 USD)

Morgan Stanley hob das Kursziel von 45 auf 46 USD an und behält die Bewertung „Underweight" bei. Die kosteneffiziente Umsetzung trage zum Gewinn bei, auch wenn der Branded Checkout weiterhin hinter dem Markt zurückbleibe. Umfangreichere Reinvestitionen seien nötig, um dem Wettbewerb zu begegnen, was das Gewinnwachstum 2027 wahrscheinlich begrenzen werde.


Evercore ISI (Rating: In Line | Kursziel: 40 → 45 USD)

Evercore ISI hob das Kursziel von 40 auf 45 USD an und behält die Bewertung „In Line" bei. Quartal und kurzfristiger Ausblick hätten weitgehend den Erwartungen entsprochen und erneut gezeigt, dass das Potenzial zwar vorhanden ist, dessen Ausschöpfung aber Zeit braucht. Die technologische Umstellung bleibe ein mehrjähriger Prozess, Wachstum müsse durch Anreize und Marketing finanziert werden, und die Kosten würden schwanken. Abgesehen von Übernahmeschlagzeilen und Spekulationen sei kaum ein Szenario erkennbar, in dem die Aktie auf Basis der aktuellen Fundamentaldaten nachhaltig steigen könnte.



Fazit


PayPal Tageschart

PayPal hat ein Quartal geliefert, das vor allem auf der Kostenseite überzeugt: Der Gewinn je Aktie stieg um 8 Prozent, die Jahresprognose wurde angehoben, und Venmo sowie Buy Now Pay Later wachsen kräftig. Das Kerngeschäft Branded Checkout tritt dagegen mit 1 bis 2 Prozent Wachstum auf der Stelle. Die Analysten heben ihre Kursziele zwar mehrheitlich leicht an, keines der zehn Analystenhäuser empfiehlt die Aktie aber zum Kauf.


Ob PayPal das angepeilte mittlere einstellige Wachstum der Transaktionsmarge tatsächlich erreicht, dürfte vor allem von Venmo und den Finanzdienstleistungen abhängen. Das Bären-Argument formuliert Evercore ISI mit dem niedrigsten Kursziel von 45 USD: Ohne Übernahmefantasie fehle der fundamentale Treiber für einen nachhaltigen Kursanstieg. Das Bullen-Argument liefern Clear Street mit dem höchsten Kursziel von 62 USD und BMO Capital, die auf die angehobenen Prognosen und den erstmals klar formulierten Wachstumsrahmen verweisen.


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