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Microsoft Q1-Zahlen: Azure beschleunigt auf 48%, Prognose sieht bis zu 50% vor

vor 4 Stunden
7 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 92,28 Mrd. USD (Prognose: 90,74 Mrd. USD)

  • EPS: 4,89 USD (Prognose: 4,72 USD)

  • Segmentergebnisse:

    - Agents and Infra: 76,8 Mrd. USD (+25% YoY)

    - Devices and Consumer: 15,5 Mrd. USD (-3% YoY)

  • Microsoft Cloud: 63,9 Mrd. USD (+30% YoY)

  • Azure: 33,2 Mrd. USD (+48% YoY)

  • Auftragsbestand (RPO): 677 Mrd. USD (+73% YoY)

  • CapEx: 45,2 Mrd. USD inklusive Finanzierungsleasing, davon 39,4 Mrd. USD Barauszahlungen für Sachanlagen

  • Ausblick Q2:

    • Umsatz von 96,0-97,1 Mrd. USD (erw. 95,7 Mrd. USD)

    • Azure-Wachstum von 49-50% (währungsbereinigt)

    • CapEx von über 50 Mrd. USD

  • CapEx Kalenderjahr 2026: rund 170 Mrd. USD (zuvor 175 Mrd. USD), da sich Kapazitäten von Drittanbietern verzögern


Microsoft 365

Microsoft hat seine Q1-Zahlen vorgelegt und die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen. Der Umsatz von 92,28 Mrd. USD lag über der Konsensschätzung von 90,74 Mrd. USD (+19% YoY), der Gewinn je Aktie von 4,89 USD übertraf die erwarteten 4,72 USD. Der Umsatz der Microsoft Cloud stieg um 30 Prozent auf 63,9 Mrd. USD, Azure beschleunigte das Wachstum auf 48 Prozent, obwohl sich Kapazitäten von Drittanbietern verzögerten. Die operative Marge erreichte 50 Prozent, der Auftragsbestand wuchs um 73 Prozent auf 677 Mrd. USD.


CEO Satya Nadella stellte Copilot als „neues Betriebssystem für die Arbeit" in den Mittelpunkt, die Zahl der täglichen Nutzer verfünffachte sich im Jahresvergleich. Volkswagen will Copilot an mehr als 330.000 Mitarbeiter ausrollen, eine der größten Einführungen in Europa. Für das zweite Quartal erwartet Microsoft einen Umsatz von 96,0 bis 97,1 Mrd. USD und ein Azure-Wachstum von 49 bis 50 Prozent. Schwach bleibt das Privatkundengeschäft: Der Umsatz mit Windows-Lizenzen für PC-Hersteller sank um 27 Prozent und soll im zweiten Quartal um rund 35 Prozent fallen.


Die Wall-Street-Reaktion fiel einheitlich positiv aus: Alle 19 Analysten hoben ihre Kursziele an, keiner bestätigte unverändert oder senkte. Die größte Anhebung kam von DA Davidson (550 auf 650 USD). Das höchste Kursziel liegt bei 750 USD (Wells Fargo), das niedrigste bei 595 USD (Guggenheim), der Median bei 650 USD.



Earnings Call: Was Satya Nadella und Amy Hood gesagt haben


Kernbotschaft von CEO und CFO

Nadella sprach von einem „schnellen Start" ins Geschäftsjahr und betonte, er sei sich der langfristigen Renditen der Investitionen noch nie so sicher gewesen. Im Quartal nahm Microsoft 24 neue Rechenzentren auf fünf Kontinenten in Betrieb, die Nachfrage übersteigt laut Finanzchefin Amy Hood weiterhin das Angebot.


Hood senkte die Investitionsprognose für das Kalenderjahr 2026 auf rund 170 Mrd. USD, weil sich Kapazitäten von Drittanbietern ins zweite Halbjahr verschieben. Im zweiten Geschäftshalbjahr sollen die Investitionen wieder deutlich anziehen.


Microsoft CEO Satya Nadella

Drei zentrale Aussagen

„Der Azure-Umsatz lag über den Erwartungen und stieg um 48 Prozent, trotz der zuvor erwähnten Verzögerungen bei Drittanbieter-Kapazitäten, angetrieben von Foundry und einer verbesserten CPU-Monetarisierung. Der Foundry-Umsatz hat sich im Jahresvergleich mehr als verdreifacht, wobei das Plus aus Effizienzgewinnen in unserer GPU-Flotte stammt, die es uns ermöglichten, Kunden zusätzliche Kapazität zuzuteilen, sowie aus höheren Umsätzen pro Token, von denen wir im Quartal profitiert haben."

Microsoft holte also mehr Leistung aus der bestehenden Infrastruktur heraus, statt allein auf neue Kapazitäten zu warten. Laut Hood lassen sich solche Effizienzgewinne aber nur schwer vorhersagen und können das Wachstum von Quartal zu Quartal schwanken lassen.

„Aber wie alles andere entwickelt sich das Unternehmensgeschäft nicht von Quartal zu Quartal. Es ist eine Sache über ein Jahrzehnt. Und darauf habe ich gewartet, statt auf etwa vier Kunden, die viel Kapazität bei einem kaufen, sodass man ein paar Quartale Wachstum zeigen kann. Und das ist für mich kein Geschäft. Ich will also die Breite."

Nadella grenzte Microsoft damit von Anbietern ab, die von wenigen großen KI-Laboren abhängen. Als Beispiele nannte er Unternehmenskunden wie Unilever, Rolls-Royce und die österreichische Raiffeisen Bank International, die komplette Geschäftsprozesse mit KI-Agenten auf Foundry automatisieren.

„Und während wir die Effizienz unserer Infrastruktur weiter verbessern, hat jeder Dollar an Investitionen das Potenzial, im Laufe der Zeit mehr Umsatz und höhere Renditen zu ermöglichen. Angesichts unserer starken Geschäftsentwicklung erwarten wir, im Geschäftsjahr 2027 weiterhin einen positiven Free Cashflow zu erzielen. Um den vom Geschäft generierten Cash zu ergänzen und finanzielle Flexibilität zu bewahren, werden wir zusätzliche Finanzierungsquellen nutzen, wenn wir dies für attraktiv halten."

Hood stellte damit klar, dass Microsoft anders als einige Wettbewerber im Plus beim Free Cashflow bleiben will. Neu ist der Hinweis auf mögliche zusätzliche Finanzierungen, bislang nutzt Microsoft dafür vor allem Leasing.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Treiber der Azure-Prognose – Karl Keirstead (UBS) fragte, was hinter den erwarteten 49 bis 50 Prozent Wachstum steckt. Hood nannte Effizienzgewinne auf allen Ebenen der Plattform und höhere Token-Preise, räumte aber ein, dass Microsoft für die Prognose weitere Effizienzgewinne benötige, da sich eingeplante Kapazitäten ins zweite Halbjahr verschoben haben.


Zweitens die Rolle verschiedener KI-Modelle – Gabriela Borges (Goldman Sachs) verwies darauf, dass OpenAI rund 11 Prozent des Umsatzes ausmache, und fragte nach dem künftigen Modellmix. Nadellas Antwort: Kunden wechselten je nach Aufgabe zwischen Spitzenmodellen verschiedener Anbieter, offenen Modellen und Microsofts eigenen MAI-Modellen, Foundry solle all diese Optionen bündeln.


Drittens die nutzungsbasierte Abrechnung bei Copilot – Brad Reback (Stifel) fragte, ob die Umstellung auf Verbrauchsmodelle bei M365 so schnell greift wie bei GitHub. Nadella erwartet beim Programmieren eine schnellere Entwicklung, Hood sieht außerhalb davon einen langsameren Übergang, aber ermutigende Signale.


Viertens die Finanzierung der Investitionen – Tal Liani (BofA) fragte nach der Rolle von Fremd- und Eigenkapital. Hood verwies auf Leasing als bisheriges Instrument und darauf, dass Microsoft den Anleihemarkt bislang nicht genutzt habe, aber über reichlich Spielraum verfüge.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 725 → 750 USD)

Wells Fargo hob das Kursziel für Microsoft von 725 auf 750 USD an und behält die Bewertung „Overweight" bei. Azure biete trotz Verzögerungen bei den Rechenzentren weiterhin deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber den Schätzungen, für M365 Cloud werde auch von einer höheren Basis aus eine Beschleunigung im Jahresverlauf erwartet.


Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 662 → 722 USD)

Der Bernstein-Analyst Mark Moerdler hob das Kursziel von 662 auf 722 USD an und behält die Bewertung „Outperform" bei. Starke Ergebnisse und eine solide Prognose ließen die Aktie nachbörslich um 3 Prozent steigen. Die geringer als erwartet ausgefallenen Investitionen und die Verzögerungen beim Kapazitätsausbau hätten jedoch für unnötige Unruhe gesorgt.


UBS (Rating: Buy | Kursziel: 675 → 700 USD)

UBS hob das Kursziel von 675 auf 700 USD an und behält die Kaufempfehlung bei. Mit einem Azure-Wachstum von 48 Prozent und einer Prognose von 50 Prozent habe Microsoft die Erwartungen deutlich übertroffen, während die Investitionsprognose für das Kalenderjahr 2026 bestätigt wurde. Das unterstreiche die defensive Attraktivität der Aktie trotz hoher Erwartungen.


TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 625 → 650 USD)

TD Cowen hob das Kursziel von 625 auf 650 USD an und behält die Kaufempfehlung bei. Azure habe die Erwartungen um 3 Prozentpunkte übertroffen und mit 6 Prozentpunkten die bisher größte Wachstumsbeschleunigung verzeichnet, die Prognose für das zweite Quartal liege 5 Prozentpunkte über den Erwartungen. Die Beschleunigung und das Margenpotenzial rechtfertigten eine anhaltende Kursrallye.


DA Davidson (Rating: Buy | Kursziel: 550 → 650 USD)

DA Davidson hob das Kursziel von 550 auf 650 USD an und behält die Kaufempfehlung bei. Microsoft habe sowohl bei Software als auch bei KI-Infrastruktur Erfolge erzielt, Copilot habe weiter an Akzeptanz gewonnen und Azure sein Wachstum beschleunigt.


Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 600 → 650 USD)

Morgan Stanley hob das Kursziel von 600 auf 650 USD an und behält die Bewertung „Overweight" bei. Azure habe sich gegenüber dem Vorquartal um 6 Prozentpunkte beschleunigt, das M365-Wachstum habe an Fahrt aufgenommen, und die operative Hebelwirkung habe trotz anhaltender KI-Investitionen für ein Wachstum des operativen Ergebnisses von über 20 Prozent gesorgt.


KeyBanc (Rating: Overweight | Kursziel: 600 → 630 USD)

Der KeyBanc-Analyst Jackson Ader hob das Kursziel von 600 auf 630 USD an und behält die Bewertung „Overweight" bei. Azure dürfte bei einer jährlichen Umsatzrate von über 125 Mrd. USD mehr als 50 Prozent wachsen, Copilot treibe die Beschleunigung bei M365 an, und die Investitionen verschöben sich zwar, blieben aber stabil. Zudem profitierten die Margen von moderaten Betriebskosten und einem besseren Preisumfeld.


Citizens JMP (Rating: Outperform | Kursziel: 550 → 625 USD)

Der Citizens-Analyst Patrick Walravens hob das Kursziel von 550 auf 625 USD an und behält die Bewertung „Outperform" bei. Das Privatkundengeschäft bleibe schwach: Der Umsatz im Bereich Devices and Consumer sank um 3 Prozent, für Windows-OEM und Geräte wird im zweiten Quartal ein Rückgang im mittleren 30-Prozent-Bereich erwartet. Die starke Nachfrage im Unternehmensbereich und die Kapazitätsengpässe bei Azure stützten jedoch die langfristigen Wachstumsaussichten.


Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 600 → 610 USD)

Barclays hob das Kursziel von 600 auf 610 USD an und behält die Bewertung „Overweight" bei. Mit einem Azure-Wachstum im hohen 40er-Bereich und einem Office-Wachstum im hohen Zehnerbereich, das sich weiter beschleunigen dürfte, treibe KI das Wachstum von Microsoft aus „mehreren Richtungen" voran.


Guggenheim (Rating: Buy | Kursziel: 586 → 595 USD)

Guggenheim hob das Kursziel von 586 auf 595 USD an und behält nach einem „starken" Bericht die Kaufempfehlung bei. Das Azure-Wachstum habe sich währungsbereinigt auf 48 Prozent beschleunigt, und „noch beeindruckender" sei die Prognose einer weiteren Beschleunigung auf 49 bis 50 Prozent im zweiten Quartal, deutlich über der Konsensschätzung von 45,5 Prozent.



Fazit


Microsoft Tageschart

Microsoft hat die hohen Erwartungen erfüllt und beim wichtigsten Wert übertroffen: Azure beschleunigte trotz Kapazitätsengpässen auf 48 Prozent, die Prognose für das zweite Quartal liegt mit 49 bis 50 Prozent klar über dem Konsens. Dazu kommen eine operative Marge von 50 Prozent, ein Auftragsbestand von 677 Mrd. USD und ein weiterhin positiver Free Cashflow. Die Analysten reagieren geschlossen positiv, alle 19 hoben ihre Kursziele an, und selbst das niedrigste Kursziel ist mit einer Kaufempfehlung verbunden.


Wie nachhaltig die Azure-Beschleunigung ist, hängt davon ab, ob die verschobenen Drittanbieter-Kapazitäten im zweiten Halbjahr tatsächlich verfügbar werden und Microsoft weiter Effizienzgewinne aus der bestehenden Infrastruktur holt. Das Bären-Argument liefert Citizens JMP mit dem Hinweis auf das schwache Privatkundengeschäft und den erwarteten Einbruch bei Windows-OEM, Bernstein verweist zudem auf die Unruhe um verzögerte Kapazitäten und niedrigere Investitionen. Das Bullen-Argument formuliert Wells Fargo mit dem höchsten Kursziel von 750 USD und deutlichem Aufwärtspotenzial bei Azure, UBS betont die defensive Attraktivität der Aktie.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.

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