Update zu Abivax [ABVX] - Empfehlung um ein Jahr verlängert
Crohn-Daten als nächster Übernahme-Katalysator

Abivax | Kursziel: $180 (+108,8% Upside)
Abivax ist ein französisches Biotech-Unternehmen mit Fokus auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Der Hauptkandidat Obefazimod ist ein oral verabreichter, first-in-class miR-124-Verstärker. Nach positiven Induktionsdaten 2025 hat Obefazimod im Juni 2026 auch die 44-wöchige Phase-3-Erhaltungsstudie bei Colitis ulcerosa erfolgreich abgeschlossen. Der Zulassungsantrag bei der FDA soll bis Ende 2026 eingereicht werden.
Der Zeithorizont meiner ursprünglichen Empfehlung (Quick Value #10) endet heute. Das Kursziel von $180 wurde nicht erreicht. Mit $86,22 (Stand: 13.10.2026) notiert die Aktie rund 41% unter dem Niveau meines letzten Updates ($145,31). Ich verlängere die Empfehlung um zwölf Monate und bestätige das Kursziel.
Hauptkatalysator: Die 12-Wochen-Daten der Phase-2b-Studie ENHANCE-CD bei Morbus Crohn werden Mitte 2027 erwartet. Fallen sie positiv aus, deckt Obefazimod beide großen IBD-Indikationen ab. Aus meiner Sicht warten potenzielle Käufer, aber auch das Management, auf genau diesen Datenpunkt
Hauptrisiko: Bei der 50-mg-Dosis traten in der Erhaltungsstudie einige Krebsfälle auf. Die FDA könnte das Sicherheitsprofil genauer prüfen. Zudem gibt die Kapitalerhöhung über $920 Mio. dem Management mehr Verhandlungsspielraum gegenüber möglichen Käufern. Für einen vollständigen eigenständigen Launch dürfte das Kapital aus meiner Sicht allerdings nicht reichen.
Investmentthese
Die Aktie von Abivax bleibt aus folgenden Gründen interessant:
Vollständiges Phase-3-Datenpaket bei Colitis ulcerosa mit sehr hoher Wirksamkeit
Zulassungsantrag bei der FDA bis Ende 2026
Finanzierung bis ins vierte Quartal 2029 gesichert
Crohn-Daten Mitte 2027 als Auslöser für eine Übernahme
Ich halte die Aktie von Abivax für ein interessantes Investment mit einem Kursziel von $180 in den nächsten 12 Monaten.
Entwicklungen seit dem letzten Update
Erhaltungsstudie: starke Wirksamkeit, Sicherheitsdebatte
Am 1. Juni veröffentlichte Abivax die Ergebnisse der ABTECT-Erhaltungsstudie. Nach 44 Wochen lag die klinische Remissionsrate bei 50,8% (25 mg) bzw. 51,3% (50 mg), unter Placebo bei 10,4%. Damit erreichten beide Dosen den primären Endpunkt und alle wichtigen sekundären Endpunkte.
Einige Krebsfälle in der 50-mg-Gruppe überschatteten jedoch die Ergebnisse. Die Aktie fiel am Folgetag von $129,69 auf $72,50, ein Minus von 44%.
Ende Juni folgten Daten aus Teil 2 der Studie mit schwer behandelbaren Patienten. Auch hier zeigten sich relevante Remissionsraten, neue Sicherheitssignale gab es nicht. Laut Abivax liegen die expositionsbereinigten Krebsraten für beide Dosen zusammen im Rahmen der Hintergrundrate bei Colitis ulcerosa. Für die 50-mg-Dosis allein lagen sie in der Erhaltungsstudie allerdings darüber. Die Aktie legte an diesem Tag rund 38% zu.
Kapitalerhöhung über $920 Mio.
Direkt im Anschluss platzierte Abivax 7,36 Mio. ADS zu je $125 und nahm brutto $920 Mio. ein. Zusammen mit €402,4 Mio. Cash per 30. Juni reicht die Finanzierung laut Unternehmen bis ins vierte Quartal 2029.
Bereits im Mai hatte Abivax alle Royalty-Zertifikate für $90 Mio. zurückgekauft. De Garidel betonte, das frische Kapital ermögliche einen eigenständigen US-Launch, auch ohne Käufer.
Regulatorischer Fahrplan steht
Ende Juli meldete Abivax ein positives Pre-NDA-Gespräch mit der FDA. Parallel baut das Unternehmen ein eigenes US-Vertriebsteam auf. Chris Rabbat hat im September die Rolle des Chief Medical Officer von Fabio Cataldi übernommen, der Abivax im vierten Quartal verlässt.
Crohn-Daten verschoben
Ursprünglich waren die Induktionsdaten der ENHANCE-CD-Studie für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt. Inzwischen erwartet Abivax sie für Mitte 2027.
Bewertung und Kursziel
Übernahmethese verschiebt sich auf die Crohn-Daten
Abivax wird aktuell mit einer Marktkapitalisierung von rund $7,7 Milliarden gehandelt. Dem stehen pro forma über €1,1 Milliarden Cash per Ende Juni gegenüber.
Mein 12-Monats Kursziel liegt bei $180 pro Aktie.
Das Kursziel basiert auf einem Übernahmeszenario. Nach der Kapitalerhöhung entspricht es einem Eigenkapitalwert von rund $16 Milliarden. Das liegt in der Größenordnung des im Januar kolportierten Lilly-Preises von €15 Milliarden.
Katalysatoren
Mehrere Faktoren könnten die Aktie mittelfristig nach oben treiben:
UEG Week: Vom 17. bis 20. Oktober präsentiert Abivax in Barcelona sieben Abstracts zu Obefazimod, darunter Daten aus der Phase-3-Erhaltungsstudie.
Zulassungsantrag: Die Einreichung bei der FDA ist bis Ende 2026 geplant. Mit dem Antrag wird der Weg zur Marktreife konkret.
Crohn-Daten: Die 12-Wochen-Induktionsdaten von ENHANCE-CD werden Mitte 2027 erwartet. Positive Ergebnisse würden das Umsatzpotenzial von Obefazimod deutlich erweitern.
Übernahmeinteresse: Mit vollständigem Datenpaket und gesicherter Finanzierung ist Abivax ein deutlich risikoärmeres Ziel als noch vor einem Jahr.
Risiken
Die Investment-Story ist nicht ohne Haken:
Crohn-Daten: Schwache Phase-2b-Ergebnisse würden die Übernahmethese deutlich schwächen.
Sicherheitsprofil: Die FDA könnte die Krebsfälle genauer prüfen. Ein Label mit Einschränkungen, insbesondere für die 50-mg-Dosis, ist möglich.
Eigenständigkeit: Die Kapitalerhöhung stärkt die Verhandlungsposition des Managements, das Angebote ablehnen und den Launch selbst angehen könnte. Für eine vollständige Kommerzialisierung dürfte weiteres Kapital nötig sein. Weitere Verwässerung wäre dann wahrscheinlich, und der Weg zum Kursziel würde sich verlängern.
Regulatorische und politische Hürden: Eine Übernahme durch einen ausländischen Konzern unterliegt der französischen Investitionsprüfung.
Konkurrenz: TL1A-Inhibitoren und weitere orale Wirkstoffe könnten die Marktposition von Obefazimod schwächen.
Fazit
Für Aktionäre waren die vergangenen zwölf Monate turbulent. Operativ hat Abivax jedoch geliefert. Die Erhaltungsdaten zeigen eine sehr hohe Wirksamkeit, der Zulassungsantrag steht bevor und die Finanzierung reicht bis 2029.
Der Kursrückgang hat aus meiner Sicht drei Ursachen. Erstens hat das Management in der Sicherheitsdebatte keinen guten Job gemacht. Die Krebsfälle wurden bei der Veröffentlichung der Erhaltungsdaten nicht ausreichend eingeordnet. Erst die Daten aus Teil 2 der Studie haben einen Teil der Bedenken ausgeräumt, und da war das Vertrauen bereits beschädigt. Zweitens ist ein Übernahmeangebot bislang ausgeblieben. Drittens sind höhere Renditen eher toxisch für große Übernahmen. Steigende Finanzierungskosten machen milliardenschwere Zukäufe für Pharmakonzerne teurer und dämpfen die Bereitschaft, hohe Prämien zu zahlen.
Eine eigene Kommerzialisierung wäre allerdings kein Untergang. Abivax baut bereits ein eigenes US-Vertriebsteam auf und will außerhalb der USA auf Partner setzen. Für einen vollständigen Launch dürften die aktuellen Mittel aus meiner Sicht ganz nicht ausreichen, weitere Kapitalmaßnahmen oder Partnerschaften wären also wahrscheinlich. Gelingt der Launch jedoch, würde Abivax mit einem oralen Medikament mit sehr hoher Wirksamkeit in einen wachsenden Markt eintreten. Ein Käufer müsste dann für ein bereits zugelassenes und umsatzstarkes Produkt einen entsprechend höheren Preis zahlen. Die Übernahme ist für mich der wahrscheinlichste, aber nicht der einzige Weg zum Kursziel.
Die Crohn-Daten Mitte 2027 sehe ich dennoch als entscheidenden Auslöser für eine Übernahme. Dieser Termin liegt innerhalb des neuen Zeithorizonts. Das Kursziel liegt weiterhin bei $180.
Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.
Hinweis auf Interessenskonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Abivax.
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