Uber Q3-Zahlen: Umsatz von 14,8 Mrd. USD übertrifft Erwartungen, doch Fahrerengpässe bremsen das Mobility-Wachstum
Highlights
Umsatz: 14,8 Mrd. USD (Prognose: 14,67 Mrd. USD)
EPS: 0,88 USD (Prognose: 0,87 USD)
Bruttobuchungen: 59,8 Mrd. USD, +20% YoY
Segmentergebnisse:
- Mobility: 7,52 Mrd. USD (-2% YoY)
- Delivery: 5,49 Mrd. USD (+22,6% YoY)
- Freight: 1,76 Mrd. USD (+34,4% YoY)
Trips: 4,1 Mrd., +16% YoY
Monatlich aktive Nutzer (MAPCs): 215 Mio., +14% YoY
Uber One: rund 55 Mio. Mitglieder
Ausblick Q4: Bruttobuchungen 63,25-65,25 Mrd. USD (+18-22% währungsbereinigt), EPS 0,95-0,99 USD, Adjusted EBITDA 3,13-3,23 Mrd. USD

Uber hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und mit einem Umsatz von 14,8 Mrd. USD die Konsenserwartung von 14,67 Mrd. USD leicht übertroffen. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,88 USD lag ebenfalls knapp über der Prognose von 0,87 USD und wuchs 35 Prozent im Jahresvergleich. Die Plattform erreichte mit 215 Millionen monatlich aktiven Nutzern und einem Trailing-12-Month-Free-Cash-Flow von 10,4 Mrd. USD jeweils neue Rekordwerte.
Das Quartal offenbarte jedoch eine klare Zweiteilung: Während das Delivery-Segment mit 22,6 Prozent Wachstum und beschleunigter organischer Dynamik glänzte, verzeichnete Mobility einen Umsatzrückgang von 2,3 Prozent — verursacht durch Engpässe beim Fahrerangebot in mehreren internationalen Märkten. CEO Dara Khosrowshahi betonte, das Problem sei angebotsbedingt und nicht nachfragebedingt, und verwies auf ermutigende Verbesserungen im Oktober. Für das vierte Quartal prognostiziert Uber Bruttobuchungen von 63,25 bis 65,25 Mrd. USD, was einer Wachstumsrate von 18 bis 22 Prozent entspricht.
Die Analysten reagierten überwiegend vorsichtig: Von 7 Analysehäusern hob einzig UBS sein Kursziel um 1 USD auf 107 USD an. Die übrigen 6 reduzierten ihre Kursziele, wobei KeyBanc mit einer Senkung um 10 USD auf 95 USD am deutlichsten nach unten korrigierte. Das Median-Kursziel liegt bei 94 USD, das niedrigste von Canaccord Genuity bei 70 USD mit einer Halten-Empfehlung.
Earnings Call: Was Dara Khosrowshahi und Balaji Krishnamurthy gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
CEO Dara Khosrowshahi eröffnete den Call mit einer Bilanz der Wachstumsdynamik: Uber erreichte im fünften Quartal in Folge über 20 Prozent Wachstum bei den Bruttobuchungen und steigerte den bereinigten Gewinn je Aktie um 35 Prozent. Mit 215 Millionen monatlich aktiven Nutzern verzeichnete die Plattform eine Rekordreichweite, bei gleichzeitig steigender Nutzungsfrequenz. Khosrowshahi räumte ein, dass Mobility hinter den Erwartungen zurückblieb — das Fahrerangebot konnte in mehreren internationalen Märkten nicht mit der starken Nachfrage Schritt halten. Als Gegenmaßnahme investiert Uber gezielt in Fahrerakquise und -bindung, mit ersten positiven Signalen im Oktober. Im Bereich autonomes Fahren markierte er den Strategiewechsel von Partnerschaften und Tests hin zu kommerziellem Betrieb: Mit Zoox und Motional stehen zwei Starts fahrerloser Dienste in Las Vegas bevor, das Ziel sind rund 700 fahrerlose Fahrzeuge bis Jahresende und über 2.000 bis Ende 2027.
CFO Balaji Krishnamurthy unterstrich die Profitabilitätsdynamik: Im vierten Quartal erwartet Uber ein EPS-Wachstum von 37 Prozent im Jahresvergleich am Midpoint — eine Beschleunigung gegenüber dem dritten Quartal. Trotz der kurzfristigen Supply-Investitionen bleibe die Margenexpansion auf Unternehmensebene das Ziel.

Drei zentrale Aussagen
„Das dritte Quartal war ein weiteres starkes Quartal mit Wachstum und steigender Profitabilität für Uber, mit Rekordreichweite und Engagement auf unserer Plattform. Wir erreichten 215 Millionen monatlich aktive Plattformnutzer, die Uber häufiger nutzen als je zuvor. Das half uns, unser fünftes Quartal in Folge mit über 20 Prozent Wachstum bei den Bruttobuchungen zu erzielen, zusammen mit 35 Prozent Wachstum beim bereinigten Gewinn je Aktie und einem Rekord-Free-Cash-Flow der letzten zwölf Monate von 10,4 Milliarden Dollar."
Khosrowshahi stellte die Kombination aus Wachstum und Profitabilität in den Vordergrund. Die Plattform wächst nicht nur bei den Nutzerzahlen, sondern auch bei der Nutzungsfrequenz — ein Signal dafür, dass Uber zunehmend im Alltag verankert ist.
„Im Bereich autonomes Fahren verschiebt sich unser Fokus von Partnerschaften und Tests hin zum fahrerlosen kommerziellen Betrieb. Wir freuen uns darauf, dass Zoox noch in diesem Monat auf Uber in Las Vegas startet, und Motional bald darauf in den vollständig fahrerlosen Betrieb übergeht. Wir erwarten bis Jahresende etwa 700 vollständig fahrerlose Fahrzeuge auf Uber und mehr als 2.000 bis Ende 2027."
Der AV-Bereich markiert einen strategischen Wendepunkt: Uber geht von der Testphase in den kommerziellen Betrieb über — mit konkreten Zahlenzielen und einem breiten Partnernetzwerk aus Zoox, Motional, Waymo, Nuro und Avride.
„Delivery hatte ein weiteres hervorragendes Quartal mit einem Anstieg der Bruttobuchungen um 23 Prozent im Jahresvergleich und beschleunigtem organischem Wachstum. Unsere Investitionen in Auswahl, Erschwinglichkeit und Zuverlässigkeit machen Uber Eats für alltägliche Anlässe noch nützlicher — von Restaurantmahlzeiten bis zum wöchentlichen Lebensmitteleinkauf und Last-Minute-Besorgungen."
Delivery entwickelt sich zum Wachstumsmotor, während Mobility kurzfristig unter Angebotsengpässen leidet. Mit rund 55 Millionen Uber-One-Mitgliedern vertieft Uber die Kundenbindung über beide Segmente hinweg.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Analystenrunde.
Erstens AV-Finanzierung und Skalierung der fahrerlosen Flotte — Eric Sheridan (Goldman Sachs) fragte nach der Kapitalstruktur für den AV-Ausbau. CFO Krishnamurthy verwies auf die Milliarden-Dollar-Finanzierungsvereinbarung mit Santander als Vorlage und kündigte Ankündigungen sowohl bei der Infrastruktur- als auch bei der Fahrzeugfinanzierung an. Khosrowshahi ergänzte, Uber erziele einen 30-prozentigen Auslastungsvorsprung gegenüber Flotten außerhalb der Plattform, was die Finanzierungskosten langfristig senken soll.
Zweitens Engpässe beim Fahrerangebot in internationalen Märkten — Nikhil Devnani (Bernstein) hakte beim internationalen Supply-Problem nach. Krishnamurthy erklärte, dass gestiegene Treibstoffkosten durch den eskalierten Nahost-Konflikt besonders Schwellenmärkte wie Brasilien und Indien belasten, während Immigrationsdynamiken in Kanada den Fahrerpool zusätzlich einschränken. Die gezielten Investitionen zeigten aber bereits Wirkung: Die Fahrerarbeitsstunden beschleunigten sich im Oktober weltweit, einschließlich deutlicher Verbesserungen in Brasilien und Indien.
Drittens Grocery-Strategie und die potenzielle DoorDash/Instacart-Fusion — Michael Morton (MoffettNathanson) und Brian Nowak (Morgan Stanley) fragten nach den Auswirkungen auf Ubers Lebensmittelgeschäft. Khosrowshahi berichtete, dass Händler bereits auf Uber zukommen, um ihre Abhängigkeit von einer potenziell fusionierten DoorDash/Instacart zu reduzieren. Das Grocery-und-Retail-Geschäft liege bei einer Run-Rate von 15 Mrd. USD mit 40 Prozent Wachstum, ergänzt durch die selektive Dark-Store-Strategie über die geplante Delivery-Hero-Übernahme.
Viertens AI-Agenten und Plattformstrategie — Doug Anmuth (JPMorgan) fragte nach Ubers Positionierung gegenüber KI-Assistenten von Drittanbietern. Khosrowshahi betonte den Vorteil der direkten App-Erfahrung: Die mittlere Buchungszeit für eine Fahrt betrage 50 Sekunden, 75 Prozent der Fahrten seien Ein-Tipp-Buchungen. CFO Krishnamurthy relativierte den aktuellen KI-Agenten-Hype mit konkreten Zahlen: In der Rekordwoche zu Halloween kamen 500 Uber-Eats-Bestellungen und 4 Fahrten über KI-Agenten — bei 320 Millionen Trips insgesamt.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
UBS (Rating: Buy | Kursziel: 106 → 107 USD)
UBS hob das Kursziel um 1 USD auf 107 USD an und behält die Kaufempfehlung bei. Das Wachstum im Mobilitätsbereich blieb hinter den Erwartungen zurück, was jedoch nicht auf eine schwächere Nachfrage, sondern auf Engpässe bei der Fahrerverfügbarkeit zurückzuführen sei. Die sich im Oktober verbessernden Trends deuteten auf eine mögliche Erholung bis Anfang 2027 hin.
Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 106 → 100 USD)
Barclays senkte das Kursziel um 6 USD auf 100 USD, behält aber die Übergewichten-Empfehlung bei. Die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal sei stabil gewesen, auch wenn gewisse Schwankungen beim Fahrerangebot das Wachstum etwas belastet hätten.
BofA (Rating: Buy | Kursziel: 101 → 98 USD)
BofA senkte das Kursziel um 3 USD auf 98 USD und behält die Kaufempfehlung bei. Der Analyst Justin Post senkte nach der Veröffentlichung des Q3-Berichts auch die EBITDA-Prognose für das vierte Quartal sowie die Prognosen für das EBITDA und den bereinigten Gewinn je Aktie für 2027.
KeyBanc (Rating: Overweight | Kursziel: 105 → 95 USD)
KeyBanc senkte das Kursziel um 10 USD auf 95 USD — die deutlichste Reduktion unter allen Analysten —, behält aber die Übergewichten-Empfehlung bei. Die Q3-Ergebnisse hätten die Vorteile der Plattformdiversifizierung verdeutlicht, da Uber die Erwartungen trotz angebotsseitiger Herausforderungen im Mobility-Geschäft weiterhin übertroffen habe. KeyBanc rechnet mit kurzfristigem Margendruck durch die Supply-Investitionen.
Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 95 → 90 USD)
Bernstein senkte das Kursziel um 5 USD auf 90 USD und behält die Outperform-Einstufung bei. Die Q3-Ergebnisse seien durchwachsen ausgefallen, wobei die Kursentwicklung angesichts der Ergebnisse durchaus gut gewesen sei. Insgesamt bleibe der Kurs des Unternehmens weitgehend unverändert, was sich an den guten Zahlen bei EBITDA und Gewinn je Aktie sowohl in den Ergebnissen als auch in den Prognosen ablesen lasse.
Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 92 → 87 USD)
Wells Fargo senkte das Kursziel um 5 USD auf 87 USD und behält die Übergewichten-Empfehlung bei. Das Analystenhaus geht davon aus, dass Umstrukturierungen und positive Impulse aus dem Versicherungsbereich die Investitionen in das Fahrerangebot finanzieren und die Mobility-Beschleunigung im Oktober gegenüber dem dritten Quartal stützen werden. Wells Fargo bevorzugt zusätzliche Supply-Investitionen, um das stetige Wachstum bei den Mobility-Fahrten aufrechtzuerhalten — was nach Ansicht des Analystenhauses entscheidend sei, um die pessimistischen Prognosen für autonome Fahrzeuge abzuwehren.
Canaccord Genuity (Rating: Hold | Kursziel: 72 → 70 USD)
Canaccord Genuity senkte das Kursziel um 2 USD auf 70 USD und behält die Halten-Empfehlung bei — die vorsichtigste Einstufung unter allen Analysten. Die Kennzahlen und die Prognosen entsprächen den Erwartungen, die Umsetzung sei solide verlaufen. Die Bruttobuchungen in den Bereichen Mobilität und Lieferdienst hätten sich zwar verlangsamt, doch das Management habe betont, dass sie im Bereich Lieferdienst organisch sogar zugenommen hätten.
Fazit

Uber liefert ein Quartal, das die Stärke der Plattform-Diversifizierung unterstreicht: Delivery kompensiert die vorübergehende Mobility-Schwäche, der Free Cash Flow erreicht mit 10,4 Mrd. USD einen Rekord, und das EPS-Wachstum von 35 Prozent zeigt die operative Hebelwirkung des Geschäftsmodells. Die Bruttobuchungen wachsen im fünften Quartal in Folge um über 20 Prozent — ein bemerkenswerter Lauf für ein Unternehmen dieser Größe.
Das Mobility-Segment bleibt kurzfristig der Unsicherheitsfaktor. Khosrowshahi betont zwar die Oktober-Verbesserungen bei den Fahrerarbeitsstunden, doch die strukturellen Ursachen — Treibstoffkosten durch den Nahost-Konflikt und Immigrationsdynamiken in mehreren Märkten — lassen sich nicht kurzfristig beheben. Der AV-Ausbau mit dem Ziel von 2.000 fahrerlosen Fahrzeugen bis Ende 2027 ist ambitioniert, steckt aber mit 700 Fahrzeugen bis Jahresende noch in einer frühen Phase. Wie schnell Uber die Mobility-Angebotsengpässe schließt und ob der Q4-Ausblick von 18 bis 22 Prozent Wachstum bei den Bruttobuchungen die untere oder obere Bandbreite trifft, dürfte die nächste Kursrichtung bestimmen.
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