Uber Q2-Zahlen: Delivery beschleunigt auf 28%, Mobility-Wachstum sinkt auf 1%
Highlights
Umsatz: 14,2 Mrd. USD (Prognose: 14,26 Mrd. USD)
EPS: 0,81 USD (Prognose: 0,81 USD)
Segmentergebnisse:
- Mobility: 7,36 Mrd. USD (+1,0% YoY)
- Delivery: 5,25 Mrd. USD (+27,9% YoY)
- Freight: 1,58 Mrd. USD (+25,5% YoY)
Bruttobuchungen: 58 Mrd. USD (+24% YoY)
Trips: 3,9 Mrd. (+18% YoY)
Monatlich aktive Plattform-Nutzer: +16% YoY
Ausblick Q3: Bruttobuchungen 58,25-60,25 Mrd. USD, EPS 0,84-0,88 USD (Konsens: 0,91 USD)

Uber hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und dabei ein zweigeteiltes Bild geliefert. Der Umsatz von 14,2 Mrd. USD verfehlte den Konsens von 14,26 Mrd. USD knapp, während der EPS von 0,81 USD den Konsens exakt traf. Die Bruttobuchungen wuchsen um 24 Prozent auf 58 Mrd. USD — das vierte Quartal in Folge mit über 20 Prozent Wachstum. Der zentrale operative Datenpunkt ist die klare Segmentdivergenz: Mobility-Umsatz wuchs nur um 1,0 Prozent YoY (operative Marge dennoch stabil bei 7,6 Prozent — die 500-Basispunkte-Verlangsamung der Take-Rate ist zu 80 Prozent auf einen UK-Geschäftsmodellwechsel zurückzuführen, nur optisch, nicht wirtschaftlich). Delivery beschleunigte sich auf +27,9 Prozent, Freight auf +25,5 Prozent. Der trailing 12M Free Cashflow überschritt erstmals die 10-Mrd.-USD-Marke. CEO Dara Khosrowshahi hob die Delivery-Hero-Akquisition als Kern des internationalen Wachstumsplans hervor — Uber erweitert damit seine Präsenz auf rund 100 Märkte und verdoppelt die Anzahl der Städte mit vollständigem Mobility- und Delivery-Angebot.
Der zweite Fokus liegt auf autonomen Fahrzeugen: Uber positioniert sich als „führende Kommerzialisierungsplattform für autonome Fahrzeuge" und investiert 10 Mrd. USD über mehrere Jahre. Aktuell ist Uber in 7 Städten mit AV-Partnern live, bis Jahresende sollen es 15 Städte werden — darunter Nuro/Lucid in der Bay Area, Zoox in Las Vegas, Wave und Baidu in London, Pony in Tokio. AVs machen aktuell weniger als 0,5 Prozent der über 300 Mio. wöchentlichen Trips aus. Die Q3-Umsatzprognose von 58,25-60,25 Mrd. USD lag im oberen Bereich der Konsenserwartung, die EPS-Prognose von 0,84-0,88 USD jedoch deutlich unter dem Konsens von 0,91 USD.
Die Wall-Street-Reaktion fiel gespalten aus: Nur Mizuho hob das Kursziel an (110 → 112 USD), sechs weitere Broker senkten — Wells Fargo, Susquehanna, Bernstein, Cantor Fitzgerald, DA Davidson und Barclays. Kein einziger Broker ließ das Kursziel unverändert. Das mittlere Kursziel liegt nun bei 95 USD, das höchste bei 112 USD (Mizuho), das niedrigste bei 89 USD (Wells Fargo).
Earnings Call: Was Khosrowshahi und Krishnamurthy gesagt haben
Kernbotschaft von CEO und CFO
Dara Khosrowshahi positionierte das Quartal als Bestätigung eines dualen Wachstumsmodells: kurzfristig operative Leverage bei disziplinierter Kostenkontrolle (EPS +35% YoY, Free Cashflow >10 Mrd. USD trailing 12M), langfristig die Positionierung als globale Kommerzialisierungsplattform für autonome Fahrzeuge. Die zentrale Botschaft: AVs seien „im Wesentlichen physische KI" — analog zur Foundation-Model-Landschaft würden mehrere spezialisierte AV-Anbieter parallel existieren, was die Kommerzialisierungsschicht entscheidend mache.
CFO Balaji Krishnamurthy unterlegte das mit den quantitativen Rahmenwerten: 3,5 Mrd. USD Aktienrückkäufe H1 2026, 4 Mrd. USD für Delivery-Hero-Anteilserwerb in Q2, Rückkehr zu regulären Buyback-Levels „in Monaten, nicht Quartalen".

Drei zentrale Aussagen
„Q2 war ein weiteres herausragendes Quartal für Uber mit Rekord bei Audience und Engagement, das dauerhaftes Wachstum trieb, das Margen aufspannt und Rekord-Cashflow-Generierung erreicht. Bruttobuchungen wuchsen 22 Prozent im Jahresvergleich auf über 58 Milliarden Dollar — über dem oberen Ende unserer Prognose und markiert unser viertes aufeinanderfolgendes Quartal mit über 20 Prozent Wachstum. Genauso wichtig: dieses Wachstum übersetzt sich in signifikanten operativen Hebel mit non-GAAP-EPS-Wachstum von 35 Prozent im Jahresvergleich und einem trailing 12-Monats-Free-Cashflow, der zum ersten Mal in unserer Unternehmensgeschichte 10 Milliarden Dollar überschreitet."
Der 10-Mrd.-USD-Meilenstein beim Free Cashflow ist der zentrale Anker für die operative Umsetzung — trotz der leicht verfehlten Umsatzerwartung bleibt der Free-Cashflow-Trend intakt. Bemerkenswert ist die Wachstumsrate der Bruttobuchungen von 24 Prozent (22 Prozent währungsbereinigt), die deutlich über der Umsatzentwicklung liegt und den Segment-Mix-Effekt (starke Delivery, langsame Mobility) reflektiert.
„Wir glauben, dass AVs, die im Wesentlichen physische KI sind, einem ähnlichen Pfad folgen werden. Anders als Foundation Models sind AVs physische regulierte Systeme, die Markt für Markt ausgerollt werden müssen — mit den variablen Mustern des Ridesharing, was die Kommerzialisierungsschicht kritisch macht. Und genau das ist die Chance, auf die wir hinbauen. Unsere Ambition ist einfach: die weltweit führende Kommerzialisierungsplattform für autonome Fahrzeuge zu werden."
Die Analogie zur Foundation-Model-Landschaft (mehrere spezialisierte Anbieter statt eines dominierenden Modells) ist die zentrale Bull-Case-Formulierung. Barclays und Cantor Fitzgerald verweisen in ihren Kommentaren explizit auf die AV-Positionierung, während Cantor jedoch anmerkt, dass „die Bewertung weiterhin unter Druck stehen" könne, bis mehr Klarheit über die konkrete Strategie herrsche.
„Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten etwas über 10 Milliarden Dollar Free Cashflow generiert. Historisch haben wir gesagt, dass wir rund 50 Prozent des Free Cashflow für Aktienrückkäufe einsetzen wollen. Wir haben dieses Jahr bereits 3,5 Milliarden Dollar an Aktien zurückgekauft, im zweiten Quartal aber taktisch stark auf M&A umgeschichtet — vor allem für den Marktkauf von Delivery-Hero-Anteilen mit rund 4 Milliarden Dollar. Wir arbeiten jetzt daran, die Aktienrückkaufniveaus schrittweise wieder aufzubauen — das reden wir in Monaten, nicht in Quartalen."
Krishnamurthys Rückkehr-Ansage zum regulären Buyback-Niveau ist der Timing-Anker für Anleger, die einen kurzfristigen Kurskatalysator suchen. Zusammen mit dem trailing 12M FCF >10 Mrd. USD signalisiert die Aussage einen substanziellen Kapitalrückfluss ab Q4 2026.
Was Analysten im Q&A nachgehakt haben
Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.
Erstens die US-Mobility-Beschleunigung — Eric Sheridan (Goldman Sachs) fragte nach den Treibern der Beschleunigung und ob der Weltmeisterschafts-Effekt Signal oder Ausreißer sei. Krishnamurthys Antwort: Die WM sei „ein Vorteil, aber wie erwartet" — die zugrundeliegende Dynamik komme aus drei Quellen: Versicherungs-Rückenwind (Reinvestition der Ersparnisse besonders in Kalifornien, wo LA und San Francisco „deutlich schneller" als der Rest wachsen), Produktinnovation (Reserve, Uber for Business, Wait and Save) und Sparse Markets (unter 10 Prozent der berechtigten Kunden in dünn besiedelten US-Märkten haben Uber im letzten Jahr genutzt vs. über 50 Prozent in dichten Märkten).
Zweitens die Brasilien-Wettbewerbslage und Waymo — Doug Anmuth (JPMorgan) fragte nach der Schwäche bei Brasilien-Trips und der Waymo-Beziehung. Khosrowshahis Antwort: Meituan und DiDi Food seien massiv in den brasilianischen Delivery-Markt eingestiegen, was die Kosten für Zweirad-Delivery-Angebot in die Höhe treibt und Marktanteile zwischen Mobility und Delivery verschiebt (bei stabilem Gesamtanteil). Zu Waymo: Uber bleibe „sehr enger Partner" in Austin und Atlanta und werde dies auch nächstes Jahr sein, wolle sich aber nicht von einem einzelnen Partner abhängig machen.
Drittens das 10-Mrd.-USD-AV-Investment und Lucid — Justin Post (BofA) fragte nach der P&L-Wirkung des AV-Investments und Lucids Fähigkeit zur Erfüllung der Fahrzeug-Zusagen. Krishnamurthys Aufschlüsselung: 10 Mrd. USD über mehrere Jahre, aufgeteilt in Equity-Investments in AV-Software-Partner (für jeden Uber-Dollar 2,50 USD zusätzliche Partner-Finanzierung) und Bilanz-Investitionen in Fleet Ops, Real Estate und OEM-Abnahme-Verpflichtungen. Khosrowshahi zu Lucid: Der neue CEO Silvio führe „mutige Schritte" bei Kostenrestrukturierung durch — die Partnerschaft mit Nuro und die 120.000-Fahrzeuge-Bestellung bleiben strategisch intakt.
Viertens der KI-Effekt im Produkt und der Buyback-Zeitplan — Mark Mahaney (Evercore ISI) fragte nach quantifizierbaren KI-Effekten in der Konsumentenexperience und dem Buyback-Return-Timing. Khosrowshahis Beispiele: Cart Builder für Uber Eats produziert Warenkörbe „oft doppelt so groß" wie nicht-KI-generierte, Drei-Viertel aller Uber-Rides erfolgen inzwischen über personalisierte Zielvorschläge ohne Nutzereingabe. Krishnamurthy zur Kapitalallokation: Rückkehr zum 50-Prozent-Buyback-Anteil des FCF in Monaten, nicht Quartalen.
Kursziele und Analystenratings im Überblick
Wichtige Analystenkommentare
Mizuho (Rating: Outperform | Kursziel: 110 → 112 USD)
Der Mizuho-Analyst James Lee hat das Kursziel des Unternehmens für Uber von 110 auf 112 USD angehoben — das höchste Kursziel im Analystenfeld und einzige Anhebung — und behält seine „Outperform"-Bewertung für die Aktie bei.
Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 107 → 106 USD)
Der Barclays-Analyst Ross Sandler senkte das Kursziel des Unternehmens für Uber von 107 auf 106 Dollar und behält nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichts die Bewertung „Übergewichten" für die Aktie bei. Das Unternehmen investiere aggressiv, um sich im Bereich Mobilität für autonome Fahrzeuge und im Bereich Lebensmittellieferungen auf globaler Ebene zu positionieren, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit.
DA Davidson (Rating: Buy | Kursziel: 107 → 100 USD)
DA Davidson hat das Kursziel für Uber von 107 auf 100 Dollar gesenkt und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei.
Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 110 → 95 USD)
Bernstein senkte das Kursziel für Uber von 110 auf 95 US-Dollar und behält die Bewertung „Outperform" für die Aktie bei. Das Unternehmen stellt fest, dass die Zahlen des Unternehmens für das zweite Quartal relativ eindeutig ausfielen. Es gebe eine gute Dynamik bei den Bruttobuchungen in den Bereichen Mobilität und Lieferdienste, während die Fahrtenzahlen aufgrund der Entwicklung bei „Moto" in Brasilien leicht hinter den Erwartungen zurückblieben, was sich jedoch kaum auf das EBITDA ausgewirkt habe, fügt Bernstein hinzu. Die Erwartungen der Anleger hinsichtlich des Wachstums im Mobilitätsbereich seien etwas höher gewesen, doch aus Sicht des Unternehmens lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen oder sogar leicht darüber. Die Prognose sei solide, werde aber die Schätzungen der Anleger wahrscheinlich nicht beeinflussen, argumentiert das Unternehmen.
Cantor Fitzgerald (Rating: Overweight | Kursziel: 98 → 90 USD)
Deepak Mathivanan, Analyst bei Cantor Fitzgerald, senkte das Kursziel des Unternehmens für Uber von 98 auf 90 Dollar und behält die Bewertung „Übergewichten" für die Aktie bei. Uber habe ein starkes zweites Quartal hingelegt, mit Buchungen und Betriebsergebnis über den Erwartungen, positiven Mobilitätstrends, einer sich verbessernden Entwicklung bei Eats sowie Investitionen in das Ökosystem für autonome Fahrzeuge, die das langfristige Wachstum stützen. Allerdings könnte die Bewertung weiterhin unter Druck stehen, bis mehr Klarheit über die Strategie im Bereich autonomer Fahrzeuge herrscht, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit.
Susquehanna (Rating: Positive | Kursziel: 110 → 90 USD)
Susquehanna senkte das Kursziel für Uber von 110 auf 90 Dollar und behält die Bewertung „Positiv" für die Aktie bei. Das Unternehmen erklärte, man schätze das Geschäft, die Marktposition und die großen Chancen für die Zukunft weiterhin positiv ein und bleibe hinsichtlich der Aktie optimistisch.
Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 100 → 89 USD)
Wells Fargo hat das Kursziel für Uber von 100 auf 89 Dollar gesenkt — das niedrigste Kursziel im Analystenfeld — und behält die Bewertung „Übergewichten" für die Aktie bei. Das Unternehmen zeigt sich optimistisch angesichts der anhaltenden Stärke im Liefergeschäft und der Aussichten auf eine Beschleunigung der Mobilität in den USA bis 2026, weist jedoch darauf hin, dass ein Rückgang der Mobilitätsfahrten – unabhängig von den Ursachen – zu Druck auf den Aktienkurs führt. Obwohl ein klarer Katalysator fehlt, hält Wells die Aktie bei einem Kurs-Freier-Cashflow-Verhältnis von 11 für das Jahr 2027 für attraktiv.
Fazit

Ubers Q2 zeigt eine bemerkenswerte Divergenz zwischen operativer Stärke und Marktreaktion. Die Bruttobuchungen wachsen im vierten Quartal in Folge über 20 Prozent, der Free Cashflow überschreitet erstmals die 10-Mrd.-USD-Marke, Delivery beschleunigt auf 28 Prozent, und Uber baut mit dem Delivery-Hero-Deal seine internationale Präsenz auf rund 100 Märkte aus. Dennoch senken sechs von sieben Brokern ihre Kursziele. Der zentrale Grund ist die Kombination aus schwächerem Mobility-Wachstum (+1% YoY reported), der leicht verfehlten Umsatzerwartung und einer Q3-EPS-Prognose unter dem Konsens. Hinzu kommt die Bewertungsunsicherheit rund um die AV-Strategie — Cantor Fitzgerald formuliert es explizit: „Die Bewertung könnte weiterhin unter Druck stehen, bis mehr Klarheit über die AV-Strategie herrscht."
Für die kommenden Quartale sind drei Katalysatoren zentral. Erstens die Rückkehr zum regulären Buyback-Niveau in „Monaten, nicht Quartalen" — bei über 10 Mrd. USD Free Cashflow trailing 12M ist das Rückkaufvolumen substanziell. Zweitens die AV-Skalierung auf 15 Städte bis Jahresende und darüber hinaus in 2027, mit sichtbarem Bruttobuchungs-Beitrag ab 2027. Drittens die Delivery-Hero-Integration mit Closing im zweiten Halbjahr 2027 und operativer Migration ab 2028-2029. Wells Fargo als Broker mit dem niedrigsten Kursziel sieht die Aktie bei einem Kurs-Freier-Cashflow-Verhältnis von 11 für 2027 „attraktiv", vermisst aber einen klaren kurzfristigen Katalysator. Die Q3-Bruttobuchungs-Guidance liegt am oberen Ende der Konsenserwartung — sollte die tatsächliche Umsetzung darüber liegen, wäre das der erste realistische kurzfristige Katalysator für eine positive Neubewertung.
Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.



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