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Palantir Q2-Zahlen: US-Geschäft beschleunigt auf 115%, Rule-of-40 erreicht 155

  • vor 3 Stunden
  • 8 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 1,935 Mrd. USD (Prognose: 1,81 Mrd. USD)

  • EPS: 0,41 USD (Prognose: 0,35 USD)

  • Segmentergebnisse:

    - US Commercial: 764 Mio. USD (+149% YoY, +28% QoQ)

    - US Government: 809 Mio. USD (+90% YoY, +18% QoQ)

    - Internationales Commercial: 182 Mio. USD (+26% YoY)

    - Internationales Government: 181 Mio. USD (+42% YoY)

  • Rule-of-40: 155% (12. Quartal in Folge mit steigender Rule-of-40)

  • Nettoumsatz-Retention (NDR): 157% (+700 Basispunkte gegenüber Vorquartal)

  • Rekord-Deals: 220 Deals über 1 Mio. USD, 98 über 5 Mio. USD, 73 über 10 Mio. USD

  • Ausblick Q3: Umsatz 2,16-2,164 Mrd. USD (Konsens: rund 2,0 Mrd. USD)

  • Ausblick FY2026 (angehoben): Umsatz 8,150-8,158 Mrd. USD (Konsens: 7,72 Mrd. USD), US Commercial über 3,424 Mrd. USD, adjusted FCF 4,5-4,7 Mrd. USD


Palantir Gebäude

Palantir hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und in allen Kernkennzahlen die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Umsatz von 1,935 Mrd. USD lag 6,9 Prozent über dem Konsens, der bereinigte EPS von 0,41 USD schlug den Konsens von 0,35 USD um 17 Prozent. Der zentrale operative Datenpunkt: Das US-Geschäft wuchs um 115 Prozent YoY und macht mittlerweile über 81 Prozent des Gesamtumsatzes aus. US Commercial beschleunigte sich auf 149 Prozent Wachstum, US Government auf 90 Prozent — beides Rekordwerte. Die Rule-of-40-Kennzahl (Summe aus Umsatzwachstum und operativer Marge) erreichte 155 Prozent — das zwölfte Quartal in Folge mit steigender Rule-of-40. Palantir schloss 220 Deals über 1 Mio. USD, davon 98 über 5 Mio. USD und 73 über 10 Mio. USD — alles neue Rekordwerte. Der Auftragsbestand nach TCV (Total Contract Value) stieg auf 13,1 Mrd. USD, die Nettoumsatz-Retention auf 157 Prozent (+700 Basispunkte).


CFO David Glazer kündigte die „größte je vorgenommene Prognoseanhebung" für ein Gesamtjahr an: Der Umsatz für FY2026 wird nun bei 8,15-8,158 Mrd. USD erwartet — ein Plus von 82 Prozent YoY und eine Anhebung um 11 Prozentpunkte gegenüber der letzten Prognose. Der bereinigte Free Cashflow wird auf 4,5-4,7 Mrd. USD angehoben. CEO Alex Karp formulierte eine ambitionierte Vision: Er wolle das Unternehmen für die kommenden 18 Monate auf ein Wachstumsniveau treiben, das dem des US-Commercial-Segments entspreche oder darüber liege — also 149 Prozent oder mehr.


Die Wall-Street-Reaktion fiel überwiegend positiv aus: 7 Analysten hoben ihre Kursziele an, 1 ließ das Kursziel unverändert (Deutsche Bank — allerdings mit einem Rating-Upgrade von „Hold" auf „Buy"), keine Senkung. Bemerkenswert ist die extreme Bewertungs-Polarisierung: Das mittlere Kursziel liegt bei 202 USD, das höchste bei 245 USD (Citi), das niedrigste bei 80 USD (Jefferies) — eine Spanne von 165 USD zwischen der bullischsten und bärischsten Position.



Earnings Call: Was Karp, Taylor und Glazer gesagt haben


Kernbotschaft von CEO, CRO und CFO

Alex Karp positionierte das Quartal als Bestätigung einer strategischen Wette auf „Sovereign AI" — der These, dass Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten, Modellgewichte und Betriebsabläufe behalten müssen. Die zentrale Botschaft: Das Token-Modell der großen Sprachmodell-Anbieter überträgt intransparent Firmen-Know-how in fremde Modelle und ist damit strategisch nicht tragfähig.


CRO Ryan Taylor unterstrich die operative Umsetzung — 220 Deals über 1 Mio. USD, 2,132 Mrd. USD an US-Commercial-TCV-Buchungen und eine Nettoumsatz-Retention von 157 Prozent. CTO Shyam Sankar formulierte die Produktlinie mit einem prägnanten Bild: „Tokens sind die neue Kohle, AIP ist der Zug" — und ergänzte den Wechsel von „Benchmaxing" (Optimierung auf allgemeine Modell-Benchmarks) zu „Benchmaking" (unternehmens-spezifische Erfolgskennzahlen).


Palantir CEO Alex Karp

Drei zentrale Aussagen

„Unsere Q2-Ergebnisse sind beispiellos, aber vollkommen wenig überraschend, da der abrupte Marktumbruch bei LLMs, vor dem wir Sie seit Jahren warnen, nun eingetreten ist. Wir haben ein Umsatzwachstum von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt, unser höchstes je erreichtes."

Ryan Taylors Rahmung des Quartals verweist auf Palantirs frühe Positionierung im Umgang mit LLMs und dem Fokus auf operative Wertschöpfung statt reiner Token-Verarbeitung. Die 220 abgeschlossenen Deals über 1 Mio. USD und die Beschleunigung der US-Commercial-TCV-Buchungen um 153 Prozent YoY untermauern die These, dass die Marktdynamik zugunsten von Palantirs Sovereign-AI-Positionierung kippt.

„Ich treibe das Unternehmen dazu an, in den kommenden 18 Monaten mit einer Rate zu wachsen, die gleich oder über dem liegt, was wir im US-Commercial-Bereich haben, was ein sehr hohes Ziel ist, aber eines, das wir tatsächlich erreichen können, weil wir vollständig ausgerichtet sind auf das, was richtig ist, was gut ist und was in einem Unternehmen tatsächlich funktioniert."

Alex Karps ambitioniertes 18-Monate-Wachstumsziel würde bedeuten, dass Palantir mindestens 149 Prozent Wachstum aufrechterhält — eine Vorstellung, die Jefferies-Analyst Brent Thill explizit zurückwies: Die Vergleichsbasen steigen von 67 Prozent im zweiten Halbjahr 2026 auf 89 Prozent im ersten Halbjahr 2027, was ein Aufrechterhalten dieser Rate mathematisch schwer machbar erscheinen lässt.

„Wir heben unsere Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf einen Mittelwert von 8,154 Milliarden USD an, was einem Wachstum von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und eine Anhebung um 11 Punkte gegenüber unserer Gesamtjahresprognose vom letzten Quartal darstellt — die größte Anhebung unserer Gesamtjahresprognose, die wir je vorgenommen haben."

David Glazers Prognoseanhebung ist der quantitative Anker für die geschlossene Anhebungswelle der Analysten. Der neue Mittelwert liegt rund 5,6 Prozent über dem bisherigen Konsens von 7,72 Mrd. USD und impliziert, dass Palantir die Sequenzdynamik von Q2 (+19% QoQ) fortschreiben kann.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Drei Fragen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Erkenntnisse des Sovereignty-Bootcamps — Daniel Ives (Yorkville Ives) fragte Karp, was er von den Kundengesprächen mitgenommen habe. Karps Antwort: Der Bootcamp habe „heterodoxe" Kundengruppen zusammengebracht, die neben den technologischen Fragen vor allem Aufklärungsbedarf zu Verträgen, Umgang mit offenen und geschlossenen Modellgewichten sowie zur Rolle der Ontology-Schicht hatten. Bestehende Foundry-Kunden hätten begonnen, in den Sovereign-AI-Stack zu migrieren — was Karp als Erklärung für die außergewöhnliche NDR von 157 Prozent nannte.


Zweitens der zeitliche Vorlauf Palantirs — Mariana Perez Mora (BofA) fragte, warum Palantir die Sovereign-AI-These früher erkannt habe als andere Software-Anbieter. Sankars Antwort: Es sei eine Zwei-Phasen-Dynamik — zunächst die Wirksamkeitsfrage (welche Anwendungsschicht schafft Wert), dann die Kontrollfrage (wer besitzt die Modellgewichte, Reasoning-Traces und Metadaten). Karp ergänzte, Palantir sei „ein Kolonie von Künstlern und Gläubigen" — man treffe strategische Entscheidungen auch gegen kurzfristige wirtschaftliche Interessen, was Palantir als „Außenseiter" positioniert habe.


Drittens die Frage der Modell-Abhängigkeit — Gil Luria (D.A. Davidson) hakte nach, ob Palantirs Multi-Modell-Ansatz auch geschäftskritische Systeme vor Ausfällen einzelner Modelle schütze. Karps Antwort: Bei US-Regierungskunden ermögliche Palantir bereits den Austausch von Modellen. Sankar ergänzte den zentralen Punkt: Nach dem Wechsel von „Benchmaxing" zu „Benchmaking" würden Kunden nicht mehr auf Modell-Ausfälle reagieren, sondern kontinuierlich automatisiert testen, welches Modell für welchen Anwendungsfall in ihrer Umgebung überlegen sei. Er nannte das Beispiel Nemotron Ultra, das ohne Post-Training in fünf Produktionsaufgaben Frontier-Modelle geschlagen habe.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Citi (Rating: Buy | Kursziel: 200 → 245 USD)

Citi hat das Kursziel für Palantir von 200 auf 245 USD angehoben — das höchste Kursziel im Analystenfeld — und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das Gesamtumsatzwachstum des Unternehmens beschleunigte sich im zweiten Quartal auf 93 Prozent, und die Rentabilität erreichte neue Rekordwerte, wie der Analyst den Anlegern in einer Analyse mitteilt. Citi hat die Prognosen für Palantir nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichts nach oben korrigiert.


UBS (Rating: Buy | Kursziel: 200 → 220 USD)

Der UBS-Analyst Karl Keirstead hat das Kursziel der Bank für Palantir von 200 auf 220 USD angehoben und behält seine Kaufempfehlung für die Aktie bei. Palantir habe ein außergewöhnliches Wachstum mit einer Beschleunigung des Umsatzwachstums, einer deutlichen Anhebung der Prognose für 2026 und einer starken Geschäftsdynamik in den USA verzeichnet, während die Ergebnisse keine Anzeichen dafür zeigten, dass Wettbewerbsdruck die Leistung beeinträchtige, teilt der Analyst den Anlegern in einer Analyse mit.


Mizuho (Rating: Outperform | Kursziel: 185 → 215 USD)

Der Mizuho-Analyst Gregg Moskowitz hat das Kursziel des Unternehmens für Palantir von 185 auf 215 USD angehoben und behält seine „Outperform"-Bewertung für die Aktie bei.


Goldman Sachs (Rating: Neutral | Kursziel: 183 → 204 USD)

Goldman Sachs hat das Kursziel für Palantir von 183 auf 204 USD angehoben und behält seine „Neutral"-Einstufung für die Aktie bei.


Deutsche Bank (Rating: Hold → Buy | Kursziel: 200 USD, unverändert)

Die Deutsche Bank hat ihre Empfehlung für Palantir von „Halten" auf „Kaufen" angehoben, wobei das Kursziel unverändert bei 200 USD bleibt. Das Haus bewertet den Bericht des Unternehmens zum zweiten Quartal als „hervorragend". Palantir sei der Softwarebranche bei der Umwandlung der KI-Nachfrage in Kundennutzen „um mehrere Schritte voraus", erklärt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz. Die Deutsche Bank sieht nach dem besser als erwarteten Bericht für das zweite Quartal und der Anhebung der Prognose eine „noch angemessenere" Bewertung für Palantir. Die Aktien unterschätzen auf dem aktuellen Niveau das „beispiellose ‚Rule of 155'-Profil" des Unternehmens und die nachhaltigen Chancen seiner KI-Plattform, argumentiert das Haus.


Northland (Rating: Outperform | Kursziel: 190 → 200 USD)

Northland hat das Kursziel für Palantir von 190 auf 200 USD angehoben und stuft die Aktie weiterhin mit „Outperform" ein. Der Analyst merkt an, dass die Umsatzüberraschung des Unternehmens deutlicher ausfiel als in den vorangegangenen Quartalen; dementsprechend erhöht er die Prognose für den Non-GAAP-Gewinn pro Aktie (EPS) für das Geschäftsjahr 2026 von 1,39 auf 1,56 USD sowie die Umsatzprognose von 7,67 auf 8,15 Mrd. USD.


Cantor Fitzgerald (Rating: Neutral | Kursziel: 138 → 156 USD)

Cantor Fitzgerald hat das Kursziel für Palantir von 138 auf 156 USD angehoben und behält seine „Neutral"-Einstufung für die Aktie bei. Palantir habe ein „außergewöhnliches" Quartal verzeichnet, dessen Aufwärtstrend auf die steigende Nachfrage in den USA sowohl im kommerziellen als auch im staatlichen Segment, die zunehmende Standardisierung von AIP sowie die anhaltende operative Hebelwirkung zurückzuführen sei, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. Cantor ist weiterhin der Ansicht, dass Palantir ein führender Nutznießer der langfristigen Wachstumstrends im Bereich der künstlichen Intelligenz bleibt.


Jefferies (Rating: Underperform | Kursziel: 70 → 80 USD)

Der Jefferies-Analyst Brent Thill hat das Kursziel des Unternehmens für Palantir von 70 auf 80 USD angehoben — das niedrigste Kursziel im Analystenfeld und einziges Underperform-Rating — und behält seine „Underperform"-Bewertung für die Aktie bei. Das Unternehmen habe ein weiteres starkes Quartal verzeichnet, in dem sich das Umsatzwachstum beschleunigt habe, da das US-Geschäft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 115 Prozent gewachsen sei, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. Jefferies ist nach wie vor ein „überzeugter Anhänger der Fundamentaldaten" von Palantir, merkt jedoch an, dass „es von hier aus schwieriger wird", da die Vergleichszahlen von 67 Prozent im zweiten Halbjahr 2026 auf 89 Prozent im ersten Halbjahr 2027 stark ansteigen, während sich das internationale Wachstum des Unternehmens weiter abschwächt. Das Unternehmen sieht ein besseres Risiko-Ertrags-Verhältnis „bei anderen KI-Gewinnern".



Fazit


Palantir Tageschart

Palantirs Q2 ist eine der außergewöhnlichsten operativen Vorstellungen der laufenden Berichtssaison — die Kombination aus 93 Prozent Umsatzwachstum, 149 Prozent im US-Commercial-Segment, einer Rule-of-40-Kennzahl von 155 und 63 Prozent Free-Cashflow-Marge ist bei einem Umsatz-Volumen von rund 2 Mrd. USD pro Quartal historisch beispiellos. Die Analystenreaktion spiegelt das wider: Alle Broker heben entweder ihr Kursziel oder ihr Rating an (Deutsche Bank upgraded von Hold auf Buy). Bemerkenswert ist die extreme Bewertungs-Polarisierung — von Citis 245 USD bis zu Jefferies' 80 USD liegen mehr als 200 Prozent Differenz. Die Trennlinie verläuft nicht bei den Fundamentaldaten (die niemand bestreitet), sondern bei der Frage, ob Karps 18-Monate-Wachstumsvision realistisch ist und wie die Bewertung damit zu vereinbaren ist.


Die zentrale Frage für die kommenden Quartale ist die Skalierung der Sovereign-AI-Positionierung über die Kernkunden hinaus und der Nachweis, dass die 149-Prozent-Wachstumsrate im US-Commercial-Segment über die steigenden Vergleichsbasen hinweg tragfähig bleibt. Jefferies formuliert die Bären-Argumentation präzise: „Von hier aus wird es schwieriger" — die Vergleichszahlen steigen von 67 Prozent im H2 2026 auf 89 Prozent im H1 2027, während das internationale Wachstum sich abschwächt. Die Deutsche Bank als eine der wenigen deutschsprachigen Stimmen sieht die Bewertung angesichts des „beispiellosen Rule-of-155-Profils" hingegen als „noch angemessener" und upgraded von Hold auf Buy.


Für Anleger bleibt Palantir damit ein außergewöhnlicher Fall: fundamental so stark wie kaum ein anderes Software-Unternehmen der letzten Jahre, in der Bewertung aber so gespalten wie kaum ein anderes Unternehmen der Berichtssaison. Karps 18-Monate-Ansage — Wachstum auf US-Commercial-Niveau — wird zum zentralen Prüfstein der Story.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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