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PayPal Q2-Zahlen: Transformation liefert erste Ergebnisse, alle 15 Analysten heben Kursziele an

  • vor 10 Stunden
  • 8 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 8,7 Mrd. USD (Prognose: 8,47 Mrd. USD)

  • EPS: 1,38 USD (Prognose: 1,28 USD)

  • Total Payment Volume: 486,4 Mrd. USD (+10% YoY)

  • Segmentergebnisse:

    - Online Branded Checkout: +2%

    - Venmo TPV: +14% YoY

    - Braintree TPV: mittleres zweistelliges Wachstum

    - Buy Now Pay Later: +26%, Pay with Venmo: +44%

  • Ausblick Q3: Umsatzwachstum niedriger einstelliger Bereich, EPS-Rückgang niedriger einstelliger Bereich

  • Ausblick FY2026 (angehoben): Non-GAAP EPS ~5,38 USD (zuvor: leichter Rückgang bis leicht positiv), Transaction Margin Dollars ~15,6 Mrd. USD, Aktienrückkäufe ~6 Mrd. USD


PayPal App

PayPal hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und in allen Kernkennzahlen die Erwartungen übertroffen. Der Umsatz von 8,7 Mrd. USD lag über dem Konsens von 8,47 Mrd. USD, der bereinigte EPS erreichte 1,38 USD gegenüber 1,28 USD Konsens, das Total Payment Volume stieg um 10 Prozent auf 486,4 Mrd. USD. Das entscheidende Signal: Das Online Branded Checkout stabilisierte sich zum zweiten Mal in Folge bei plus 2 Prozent, Venmo lieferte das siebte Quartal in Folge zweistelliges Wachstum, Buy Now Pay Later beschleunigte sich um drei Prozentpunkte auf plus 26 Prozent.


CEO Enrique Lores stellte eine fünfteilige Transformationsstrategie vor — mit Fokus auf Financial-Services-Expansion, Beschleunigung von Venmo und Braintree sowie einem Kostenprogramm über mindestens 1,5 Mrd. USD in zwei bis drei Jahren. Für die deutsche Leserschaft besonders relevant: PayPal launcht gemeinsam mit Amazon ein integriertes Consumer-Lending-Angebot für Deutschland und Österreich. Die FY2026-Prognose wurde kräftig angehoben — der bereinigte EPS soll nun bei rund 5,38 USD landen (zuvor: leichter Rückgang bis leicht positiv). Zu den Übernahmespekulationen um Stripe verwies das Management auf seine Pflicht, „jede Opportunität objektiv zu bewerten".


Die Wall-Street-Reaktion fiel einstimmig positiv aus: Alle 15 Analysten hoben ihre Kursziele an. JPMorgan sprang um 41 Prozent von 46 auf 65 USD, Morgan Stanley trotz Underweight-Rating um 32 Prozent auf 45 USD. Das Median-Kursziel liegt nun bei 60 USD, das höchste bei 70 USD (Keefe Bruyette, Argus Research), das niedrigste bei 45 USD (Morgan Stanley).



Earnings Call: Was Lores und Miller gesagt haben


Kernbotschaft von CEO und CFO

Enrique Lores positionierte das Quartal als Beleg für die konsequente Umsetzung einer mehrjährigen Transformationsstrategie und benannte fünf zentrale Änderungen als deren Fundament: Diversifikation über Checkout hinaus, Fokus auf Venmo und Braintree, Neuaufbau der Consumer-Seite des Netzwerks, klar strukturiertes Operating-Model mit drei Geschäftsbereichen (Checkout Solutions, Consumer Financial Services inklusive Venmo, Payment Services & Crypto), sowie AI- und Technologie-Modernisierung. Die zentrale Botschaft: Financial Services machen bereits knapp 20 Prozent der Transaction Margin aus und wachsen zweistellig — die Strategie beschleunigt einen bestehenden Trend, statt einen neuen zu erzeugen.


CFO Jamie Miller unterlegte das mit konkreten Zahlen: 400 Mio. USD an neuen run-rate gross savings bis Ende 2026 identifiziert, transformationsbezogene Sonderaufwendungen von 120-140 Mio. USD in H2 2026 zu erwarten, und ein attraktives „zweistelliges Ertragswachstumsprofil" über die Zeit.


PayPal CEO Enrique Lores

Drei zentrale Aussagen

„PayPal wird bald eine integrierte Consumer-Lending-Partnerschaft mit Amazon für Deutschland und Österreich starten. Und das ist ein gutes Beispiel für die Art von Investitionen, die wir tätigen werden. Wir sehen eine große Chance in der Expansion in Financial Services. Und wir werden investieren, um unser Portfolio zu erweitern, unsere geografische Abdeckung auszubauen und die Distribution zu erweitern."

Lores' Amazon-Partnerschaft-Ankündigung — dies ist der konkreteste operative Beweispunkt für die Financial-Services-Expansionsstrategie und für die deutsche Leserschaft besonders relevant, weil PayPals Marktposition in Deutschland durch Mizuho zuletzt als „besorgniserregend" hinsichtlich Marktanteilsverlusten eingeordnet wurde. Die Partnerschaft mit dem größten deutschen E-Commerce-Marktplatz signalisiert eine Verteidigungsstrategie im wichtigsten europäischen Markt.

„Bezüglich der jüngsten M&A-Spekulationen zum Unternehmen: Wir kommentieren grundsätzlich keine Marktspekulationen oder potenzielle M&A-Diskussionen. Als Vorstand und Managementteam haben wir die Verantwortung, langfristigen Shareholder Value zu maximieren. Gleichzeitig bleiben wir offen und objektiv in der Bewertung von Opportunitäten. Wenn wir Hebel oder einen Pfad sehen, von dem wir glauben, dass er höheren Wert für unsere Aktionäre schafft als die Umsetzung unserer aktuellen Strategie, werden wir diese natürlich sorgfältig prüfen."

Lores' M&A-Kommentar — die diplomatisch formulierte Passage ist der zentrale Auslöser der Übernahmespekulationen-Interpretation durch Analysten. Barclays, BMO Capital und Mizuho verweisen explizit auf die im Raum stehende Stripe-Übernahme als kurzfristigen Bewertungsanker, während Morgan Stanley die Botschaft anders liest: Das Management sehe „genügend Wert im eigenständigen Geschäft, um jedem potenziellen Angebot ohne erhebliche Prämie zu widerstehen".

„Basierend auf der besser als erwarteten Geschäftsentwicklung heben wir unsere Ganzjahres-Guidance an. Wir erwarten nun Transaction Margin Dollars von rund 15,6 Mrd. USD und Non-GAAP EPS von 5,38 USD. Unser Guidance geht weiter von mindestens 6 Mrd. USD bereinigten Free Cashflow und rund 6 Mrd. USD Aktienrückkäufen aus."

Millers Guidance-Anhebung — das ist der wichtigste quantitative Beweispunkt der Transformationsstory. Der neue EPS-Ausblick von 5,38 USD hebt die zuvor kommunizierte Spanne von „leichtem Rückgang bis leicht positiv" deutlich an und ist der Kern der einstimmigen Analystenreaktion.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Reinvestition der Kosteneinsparungen — Jason Kupferberg (Wells Fargo) fragte, welcher Anteil der 1,5-Mrd.-USD-Einsparungen oberhalb der Transaction-Profit-Line reinvestiert werde. Miller bestätigte: Der Großteil fließt in Technologie, Risk und den Aufbau tieferer Produktkapazitäten in Financial Services, BNPL sowie die Integration von Venmo in PayPal.


Zweitens die 3-Business-Synergien und M&A-Konsequenzen — Tien-Tsin Huang (JPMorgan) hakte doppelt nach: Wie stark sei die Überzeugung zu den Synergien zwischen PayPal, Braintree und Venmo, und ob potenzielle Ownership-Änderungen Spannungen mit Merchants erzeugen. Lores' Antwort auf beide Punkte: Die Überzeugung bleibe stark, konkrete Beispiele wie integrierte Pläne für Großmerchants zeigten die Wachstumshebel, und man werde als börsennotiertes Unternehmen jede Option zur Wertmaximierung objektiv prüfen.


Drittens die geografische Dynamik des Branded Checkout — Dan Perlin (RBC Capital) fragte nach dem Unterschied zwischen der US-Stabilisierung und den außeramerikanischen Märkten. Millers Antwort: Die USA zeigten sequenzielle Verbesserung durch BNPL, Pay with Venmo und einen Fußball-WM-Effekt im Juni; die europäischen Kernmärkte hätten sich ebenfalls stabilisiert, wenn auch geringfügiger, wobei der Reisevertikal zu Beginn des Quartals belastete.


Viertens die Frage nach der Differenzierung dieser Strategie — Sanjay Sakhrani (Keefe Bruyette) fragte offen, was diese Strategie von früheren erfolgloseren Initiativen unterscheide. Lores nannte fünf konkrete Differenzierungspunkte — Financial Services als Wachstumsmotor, doppelter Fokus auf Venmo und Braintree, konzentrierte Ausrichtung auf Consumer High-Value-Segmente, verbessertes Operating-Model und Technologie-Modernisierung — und stellte klar, dass das Kostenprogramm die Investitionen selbst finanziere.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Keefe Bruyette (Rating: Outperform | Kursziel: 55 → 70 USD)

Sanjay Sakhrani, Analyst bei Keefe Bruyette, hat das Kursziel des Unternehmens für PayPal von 55 auf 70 USD angehoben — das höchste Kursziel im Analystenfeld — und behält seine „Outperform"-Bewertung für die Aktie bei. PayPal habe die Erwartungen übertroffen, was vor allem auf höhere Umsätze zurückzuführen sei, teilt der Analyst den Anlegern in einer Analyse mit.


Argus Research (Rating: Buy | Kursziel: 65 → 70 USD)

Der Argus-Analyst Stephen Biggar hat das Kursziel des Unternehmens für PayPal von 65 auf 70 USD angehoben und behält seine Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen verweist auf die über den Erwartungen liegenden Ergebnisse des Unternehmens im zweiten Quartal und ist der Ansicht, dass die Aktie angesichts des sich verbessernden Wachstums des Zahlungsvolumens unterbewertet ist. Als positive Impulse werden dabei die Bemühungen des neuen CEO genannt, die Sanierung des Unternehmens zu beschleunigen, wie der Analyst den Anlegern in einer Analyse mitteilt.


Susquehanna (Rating: Positive | Kursziel: 63 → 67 USD)

Der Susquehanna-Analyst James Friedman hob das Kursziel des Unternehmens für PayPal von 63 auf 67 USD an und behält seine positive Bewertung der Aktie bei. Das Unternehmen erklärte, aus operativer Sicht habe der neue CEO eine klare Strategie zur Verbesserung der Unternehmensleistung durch den Ausbau des Bereichs „Consumer Financial Services" dargelegt. Und dieser Ansatz zeige bereits erste Ergebnisse.


JPMorgan (Rating: Neutral | Kursziel: 46 → 65 USD)

Der JPMorgan-Analyst Tien-Tsin Huang hat das Kursziel des Unternehmens für PayPal von 46 auf 65 USD angehoben — die stärkste absolute Kurszielanhebung im Analystenfeld — und behält seine „Neutral"-Einstufung für die Aktie bei.


RBC Capital (Rating: Outperform | Kursziel: 59 → 65 USD)

Daniel Perlin, Analyst bei RBC Capital, hat das Kursziel des Unternehmens für PayPal von 59 auf 65 USD angehoben und behält seine „Outperform"-Bewertung für die Aktie bei. Die Ergebnisse des Unternehmens für das zweite Quartal unterstreichen den anhaltenden Wandel hin zur Stärkung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten des Geschäfts, was sich daran zeigt, dass sich „Branded Checkout" bei einem Wachstum des gesamten Zahlungsvolumens von 2 Prozent im Jahresvergleich stabilisiert hat, erklärt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz.


Citi (Rating: Neutral | Kursziel: 48 → 61 USD)

Der Citi-Analyst Bryan Keane hat das Kursziel der Bank für PayPal von 48 auf 61 USD angehoben und behält nach der Veröffentlichung des Berichts zum zweiten Quartal die Bewertung „Neutral" für die Aktie bei. Die Investitionen des Unternehmens in den „Branded Checkout" hätten zu einer ersten Stabilisierung geführt, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. Als Grund für die Anhebung des Kursziels nennt Citi die verbesserte Prognosetransparenz.


Mizuho (Rating: Neutral | Kursziel: 50 → 60 USD)

Mizuho hat das Kursziel für PayPal von 50 auf 60 USD angehoben und behält die Bewertung „Neutral" für die Aktie bei. Die Aktie verzeichnete nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen einen Kursanstieg, da die Erwartungen niedrig waren und ein mögliches Übernahmeangebot von Stripe weiterhin im Raum steht, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. Die Analyse von Mizuho zeigt „besorgniserregende Anzeichen" für Marktanteilsverluste in Deutschland, das als PayPals wichtigster Markt bezeichnet wird. Als Gründe für die Anhebung des Kursziels nennt das Unternehmen höhere Bewertungskennzahlen der Wettbewerber und ein wahrscheinlich bevorstehendes Übernahmeangebot.


Barclays (Rating: Equal Weight | Kursziel: 55 → 57 USD)

Barclays hat das Kursziel für PayPal von 55 auf 57 USD angehoben und behält nach der Veröffentlichung des Berichts zum zweiten Quartal die Bewertung „Equal Weight" für die Aktie bei. Das Unternehmen habe im Vergleich zu den konservativen Prognosen ein Quartal mit „leichter Übertreffung und Anhebung" vorgelegt, und die Aktie biete ein begrenztes Abwärtsrisiko, solange die Übernahmespekulationen anhalten, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit.


Goldman Sachs (Rating: Sell | Kursziel: 48 → 50 USD)

Goldman Sachs hat das Kursziel für PayPal von 48 auf 50 USD angehoben, behält jedoch nach den über den Erwartungen liegenden Ergebnissen des zweiten Quartals die Empfehlung „Verkaufen" für die Aktie bei — die einzige Sell-Empfehlung im Analystenfeld. Die Aktie entwickelte sich dank der starken Marktstimmung sowie der angehobenen Prognose des Unternehmens für die Transaktionsmarge überdurchschnittlich gut, was die Aussicht auf höhere Betriebskosten aufgrund einer Vorverlegung von Investitionsausgaben leicht ausglich, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. Goldman Sachs fügt jedoch hinzu, dass man trotz des positiven makroökonomischen Umfelds hinsichtlich der Fundamentaldaten weiterhin vorsichtig bleibt, da das Unternehmen davon ausgeht, dass anhaltende Marktanteilsverluste im Bereich „Branded Checkout" sowohl das fundamentale Aufwärtspotenzial als auch die Chancen für eine Kurs-Gewinn-Verhältnis-Erweiterung begrenzen werden.


Morgan Stanley (Rating: Underweight | Kursziel: 34 → 45 USD)

Morgan Stanley hat das Kursziel für PayPal von 34 auf 45 USD angehoben — das niedrigste Kursziel im Analystenfeld — und behält die Bewertung „Untergewichten" für die Aktie bei. Während Anleger die Äußerungen des Managements offenbar so interpretiert haben, dass die Tür für eine Transaktion offen bleibt, ist das Unternehmen der Ansicht, dass die „allgemeinere Botschaft des Managements möglicherweise darin bestand", dass der Vorstand im eigenständigen Geschäft genügend Wert sieht, um jedem potenziellen Angebot ohne erhebliche Prämie zu widerstehen, argumentiert der Analyst.



Fazit


PayPal Tageschart

PayPals Q2 markiert die einstimmigste positive Analystenreaktion der Earnings-Saison: 15 Anhebungen, sogar Morgan Stanley (Underweight) und Goldman Sachs (Sell) heben deutlich an, ohne ihre skeptischen Ratings zu ändern. Die Transformationsstrategie unter Enrique Lores liefert konkrete Ergebnisse — Branded-Checkout-Stabilisierung, Venmo-Momentum, BNPL-Beschleunigung — und die Amazon-Deutschland-Partnerschaft ist der greifbarste operative Beweispunkt für die Financial-Services-Expansion.


Die zentrale Frage für die kommenden Quartale ist, ob die Trendwende in dauerhaftes Wachstum umgesetzt wird. Susquehanna und RBC Capital sehen erste Anzeichen, während Goldman Sachs als einzige Sell-Stimme das einzige greifbare Bear-Case-Argument formuliert: Anhaltende Marktanteilsverluste im Branded Checkout begrenzten sowohl das Aufwärtspotenzial als auch die Chancen für eine KGV-Erweiterung. Die Stripe-Übernahmespekulationen stützen kurzfristig, sind aber kein Ersatz für den operativen Umsetzungsnachweis.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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