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Johnson & Johnson Q2-Zahlen: Innovative Medicine boomt, 100-Mrd.-USD-Meilenstein rückt näher

  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 25,31 Mrd. USD (Prognose: 25,06 Mrd. USD)

  • EPS: 2,90 USD (Prognose: 2,85 USD)

  • Segmentergebnisse:

    - Innovative Medicine: 16,384 Mrd. USD (+7,8% YoY)

    - MedTech: 8,926 Mrd. USD (+4,5% YoY)

  • Innovative-Medicine-Highlights: TREMFYA +71%, TECVAYLI +56%, CAPLYTA +71%, SPRAVATO +40%, DARZALEX +18% (>4 Mrd. USD)

  • Ausblick FY2026 (erhöht): Umsatz 100,8-101,4 Mrd. USD (zuvor 100,3-101,3 Mrd. USD), EPS 11,60-11,75 USD (zuvor 11,45-11,65 USD)


Johnson & Johnson Labor

Johnson & Johnson hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und in beiden Kernkennzahlen die Erwartungen übertroffen. Der Umsatz von 25,31 Mrd. USD lag leicht über dem Konsens, der bereinigte EPS von 2,90 USD schlug den Konsens um fünf Cent, und das Management hob die FY2026-Guidance zum zweiten Mal in Folge an. Damit rückt der 100-Mrd.-USD-Meilenstein – der erste in der 140-jährigen Firmengeschichte – in Reichweite: Der Umsatz soll nun bei 100,8 bis 101,4 Mrd. USD landen. Innovative Medicine wuchs trotz eines STELARA-Belastungseffekts von 760 Basispunkten um 7,8 Prozent, das restliche 96 Prozent des Segments legten sogar um über 14 Prozent zu.


Der eigentliche Story-Kern liegt in der Breite des neuen Produktzyklus: TREMFYA wuchs um 71 Prozent, TECVAYLI um 56 Prozent (getrieben durch das Kombiapproval mit DARZALEX-FASPRO), CAPLYTA um 71 Prozent, SPRAVATO um 40 Prozent, und DARZALEX blieb mit über 4 Mrd. USD und +18 Prozent Wachstum das größte Einzelprodukt. Der jüngste Launch von ICOTYDE für Psoriasis zählt bereits 11.000 Patienten und 6.000 Prescriber – die 50-Prozent-Commercial-Coverage wurde nach 90 Tagen erreicht, schneller als das Management prognostiziert hatte. Demgegenüber schwächelte MedTech mit +4,5 Prozent, insbesondere Abiomed (-2 Prozent) wegen einer neutralen UK-Klinikstudie zu Impella, sowie die Elektrophysiologie durch eine 400-Basispunkt-Belastung aus China-Inventardynamiken.


Die Wall-Street-Reaktion fiel entsprechend geschlossen positiv aus: Alle 8 Analysten hoben ihre Kursziele an, Freedom Broker stufte zusätzlich das Rating von „Halten" auf „Kaufen" hoch. Kein Broker senkte. Das Median-Kursziel liegt nun bei 276 USD, das höchste bei 305 USD (Scotiabank), das niedrigste bei 260 USD (Stifel).



Earnings Call: Was Joaquin Duato gesagt hat


Kernbotschaft des CEOs

Joaquin Duato positionierte das Quartal als „Jahr des beschleunigten Wachstums" und betonte, dass das Unternehmen mittlerweile 28 Produkte und Plattformen mit jeweils über 1 Mrd. USD Jahresumsatz habe – so viele wie noch nie in der Firmengeschichte. Die zentrale Botschaft: J&J wird 2026 erstmals die 100-Mrd.-USD-Umsatzmarke überschreiten und hat eine klare „Sichtlinie zu zweistelligem Wachstum bis zum Ende des Jahrzehnts".


CFO Joe Wolk unterlegte das mit drei konkreten Datenpunkten: 400 Mio. USD Anhebung des operativen Umsatzausblicks, Anhebung der Marge um 75 Basispunkte (statt zuvor 50), und 21 Mrd. USD erwarteter Free Cashflow für das Gesamtjahr. Bemerkenswert: Duato bekräftigte das strategische Ziel, bis 2030 das führende Onkologie-Unternehmen zu sein – mit über 50 Mrd. USD Onkologie-Umsatz.


Johnson & Johnson CEO Joaquin Duato

Drei zentrale Aussagen

„Wir haben das stärkste Portfolio und die stärkste Pipeline in unserer 140-jährigen Geschichte, mit 28 Produkten und Plattformen, die jeweils mehr als 1 Milliarde Dollar Jahresumsatz erzielen. Mit Q2-Umsätzen von mehr als 25 Milliarden Dollar sind wir auf Kurs, unser 2026er-Ziel von mehr als 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz zu erreichen – zum ersten Mal in unserer 140-jährigen Firmengeschichte."

Duatos strategische Rahmensetzung – der 100-Mrd.-USD-Meilenstein ist der argumentative Anker für die geschlossene positive Analystenreaktion. Die Zahl 28 (Produkte über 1 Mrd. USD) verdeutlicht die Portfoliobreite und relativiert die Sorge um einzelne Produkt-Risiken wie STELARA.

„Bis heute wurden über 18.000 Rezepte für insgesamt 11.000 Patienten geschrieben. Es gibt 6.000 unique Prescriber – über 50 Prozent davon Advanced Practice Providers, etwa 40 Prozent Dermatologen und der Rest Primary Care Physicians. Innerhalb von 90 Tagen haben wir bereits über 50 Prozent Commercial Coverage – etwas vor unseren Projektionen."

Jennifer Tauberts konkrete ICOTYDE-Launch-Details – das ist der wichtigste operative Beweispunkt für die Innovative-Medicine-Story. Die schnelle Payer-Coverage plus die breite Prescriber-Basis validieren die These der differenzierten oralen IL-23-Inhibitor-Positionierung, ohne TREMFYA zu kannibalisieren.

„Drei von unseren vier Businesses – Surgery, Vision und Orthopedics – haben sich im Quartal beschleunigt und über Erwartungen performt. Wir sind uns bewusst, dass es Diskussionen um Prozedurvolumina in den USA gibt, aber wir sehen keine Anzeichen einer breit angelegten Verlangsamung. Basierend auf dem, was wir sehen, haben wir keinen bedeutenden ACA-Effekt auf die Prozedurvolumina beobachtet."

Tim Schmids Einordnung der MedTech-Situation – die klare Differenzierung zwischen einem Segment-spezifischen Problem (Abiomed nach UK-Klinikstudie) und einer breiten Markt-Verlangsamung ist der zentrale positive Datenpunkt für die MedTech-Skeptiker. Die explizite Entkräftung der ACA-Debatte gibt zusätzlichen Rückhalt.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Aufteilung der 400-Mio.-USD-Guidance-Erhöhung – Chris Schott (JPMorgan) eröffnete die Q&A mit der Frage, ob die Anhebung überwiegend aus Pharma stamme. Wolks Antwort bestätigte das: Innovative Medicine trägt den überwiegenden Teil, MedTech wurde wegen Abiomed gedämpft. Die MedTech-Erholung wird eher in 2027 durch die PROTECT-IV-Daten von Abiomed getrieben.


Zweitens die ICOTYDE-Launch-Details – Asad Haider (Goldman Sachs) hakte nach Prescriber-Zahlen und der Positionierung gegenüber TREMFYA nach. Taubert bestätigte: ICOTYDE als First-Line-Systemic, TREMFYA als First-Line-Biologic – keine Kannibalisierung, sondern komplementäre Positionierung. Der Direct-to-Consumer-Werbelauf startete während der Fußball-WM und des Baseball.


Drittens die MedTech-Prozeduren – Lawrence Biegelsen (Wells Fargo) fragte nach der US-Prozedurdynamik im Kontext der jüngsten Kommentare großer Krankenhausbetreiber. Schmid gab eine detaillierte Antwort: Drei von vier Segmenten beschleunigen sich, Cardiovascular hat spezifische Einzelbelastungen, und ohne den 400-Basispunkt-China-Effekt in der Elektrophysiologie wäre das Segment mit über 7 Prozent global gewachsen.


Viertens das TECVAYLI-Momentum – Terence Flynn (Morgan Stanley) fragte nach dem Impact des Kombiapprovals mit DARZALEX-FASPRO. Tauberts Antwort: 260 Mio. USD Umsatz im Quartal (+56%), sequenzielles Wachstum von 29 Prozent, Community-Site-Expansion von 25 Prozent QoQ. Die 3-Jahres-Daten zeigen 83 Prozent progressionsfreie Patienten – ein „extraordinary"-Datenpunkt für die Onkologie-Franchise.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Scotiabank (Rating: Outperform | Kursziel: 265 → 305 USD)

Die Scotiabank hat das Kursziel für Johnson & Johnson von 265 auf 305 USD angehoben – das höchste Kursziel im Analystenfeld – und behält ihre „Outperform"-Bewertung für die Aktie bei. Die Bank erhöht ihr Kursziel nach den über den Erwartungen liegenden Quartalsergebnissen und der Anhebung der Prognosen, teilt der Analyst den Anlegern mit.


Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 284 → 294 USD)

Der Analyst Terence Flynn von Morgan Stanley hob das Kursziel des Unternehmens für Johnson & Johnson von 284 auf 294 USD an und behält seine „Overweight"-Bewertung für die Aktie bei, nachdem das Unternehmen im zweiten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen übertroffen und die Prognose für 2026 angehoben hatte. Angetrieben durch den anhaltenden Ausbau des neuen Produktzyklus bekräftigte das Management seine Zuversicht hinsichtlich eines zweistelligen Umsatzwachstums bis zum Ende des Jahrzehnts, wie der Analyst feststellte.


Goldman Sachs (Rating: Buy | Kursziel: 275 → 282 USD)

Goldman Sachs hat das Kursziel für Johnson & Johnson nach Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Quartal von 275 auf 282 USD angehoben und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Das übergreifende Thema des Geschäftsberichts und der Telefonkonferenz zur Ergebnisbekanntgabe drehte sich um die anhaltende Stärke des Geschäftsbereichs „Innovative Medicine" des Unternehmens – der auf Unternehmensebene der Motor der jüngsten Wachstumsbeschleunigung war –, die durch eine sequenzielle Verlangsamung des Wachstums im Bereich MedTech ausgeglichen wurde, wobei eines der vier berichtenden Segmente, Abiomed, den größten Bremsfaktor darstellte, während die anderen drei Segmente alle sequenziell an Fahrt gewannen, so der Analyst in einer Research-Notiz an die Anleger. Goldman Sachs fügt hinzu, dass Kursrückgänge weiterhin Kaufgelegenheiten für eines der führenden Mega-Cap-Unternehmen des Gesundheitssektors mit langfristigem Wachstumspotenzial darstellen.


Freedom Broker (Rating: Hold → Buy | Kursziel: 230 → 280 USD)

Der Analyst Ilya Zubkov von Freedom Broker stufte Johnson & Johnson nach „einer starken Quartalsentwicklung", die sowohl die Konsensprognosen als auch die Schätzungen des Unternehmens übertraf, von „Halten" auf „Kaufen" hoch – die einzige Ratinganhebung im Analystenfeld – und hob das Kursziel von 230 auf 280 USD an. Unter Berücksichtigung der angehobenen Gesamtjahresprognosen des Unternehmens für Umsatz und Gewinn je Aktie, der sich verbessernden Anlegerstimmung gegenüber dem Gesundheitssektor sowie solider Fortschritte bei den wichtigsten Wachstumstreibern des Unternehmens – „vor allem bei den neuen Medikamenten" – ist das Unternehmen nun zuversichtlicher, dass Johnson & Johnson sein strategisches Umsatzziel von 100 Mrd. USD im Jahr 2026 übertreffen wird, so der Analyst gegenüber den Anlegern.


Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 263 → 272 USD)

Wells Fargo hat das Kursziel für Johnson & Johnson von 263 auf 272 USD angehoben und behält die Bewertung „Übergewichten" für die Aktie bei. Das Unternehmen stellt fest, dass der Bereich Herz-Kreislauf unerwartet schwach war, der Rest von J&J sich jedoch solide entwickelte. Die angehobene Prognose für 2026 erscheint Wells insgesamt realistisch, und das Unternehmen fügt hinzu, dass die Äußerungen des Managements zu einem insgesamt stabilen Trend bei den Eingriffen ermutigend waren.


Raymond James (Rating: Outperform | Kursziel: 258 → 265 USD)

Raymond James hat das Kursziel für Johnson & Johnson von 258 auf 265 USD angehoben und behält die Bewertung „Outperform" für die Aktie bei. Die im zweiten Quartal gezeigte anhaltende Dynamik stärke das Vertrauen des Unternehmens in das sich beschleunigende Wachstum von J&J, erklärt der Analyst den Anlegern.


Stifel (Rating: Hold | Kursziel: 250 → 260 USD)

Der Stifel-Analyst Rick Wise hat das Kursziel des Unternehmens für Johnson & Johnson von 250 auf 260 USD angehoben – das niedrigste Kursziel im Analystenfeld – und behält seine „Hold"-Empfehlung für die Aktie bei. Das Unternehmen habe „solide" Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt, wobei der Umsatz die Konsensprognosen übertroffen habe – getrieben durch die robuste Entwicklung im Bereich „Innovative Medicine", so der Analyst in einer Analystennotiz an die Anleger. Das Unternehmen fügte hinzu, dass das herausragende Wachstum von TREMFYA sowie von bereits auf dem Markt befindlichen Medikamenten wie SPRAVATO, CAPLYTA und RYBREVANT – neben vielen anderen – dazu beigetragen habe, die überdurchschnittliche Performance des Quartals voranzutreiben.



Fazit


Johnson & Johnson Tageschart

Johnson & Johnsons Q2 markiert einen der klarsten positiven Quartalsberichte der Earnings-Saison: Die Guidance wurde zum zweiten Mal in Folge angehoben, der 100-Mrd.-USD-Meilenstein rückt in Reichweite, und die einstimmige Anhebungsreaktion aller acht Analysten – ergänzt um Freedom Brokers Ratinganhebung von „Halten" auf „Kaufen" – bestätigt die Bullen-Story. Die Innovative-Medicine-Franchise zeigt strukturelle Wachstumstiefe: TREMFYA +71%, CAPLYTA +71%, TECVAYLI +56%, plus ein ICOTYDE-Launch, der schneller Payer-Coverage erreicht als vom Management prognostiziert. Der Onkologie-Umsatz allein wird 2030 über 50 Mrd. USD erreichen – ein Wachstum, das die STELARA-Biosimilar-Erosion kompensiert.


Die zentrale Frage für Q3 lautet, wie schnell sich die MedTech-Segmente – insbesondere Abiomed nach der neutralen UK-Klinikstudie – erholen, und ob die anstehenden Pipeline-Katalysatoren (IMAAVY FDA-Approval, ICOTYDE-Psoriatic-Arthritis-Daten, OTTAVA FDA-Approval) das Momentum weiter tragen. Wie Wells Fargo als eine der ausgewogeneren Stimmen anmerkt, sind die kurzfristige CV-Schwäche und die Abhängigkeit von Abiomeds PROTECT-IV-Daten in 2027 die einzigen greifbaren Bear-Case-Argumente in einer ansonsten deutlich positiven Konstellation. Stifel bleibt trotz Kurszielanhebung als vorsichtigste Stimme bei „Hold" – ein Signal, dass selbst in einem starken Quartal einzelne Bewertungsdisziplin-Argumente bestehen.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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