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Nike Q4-Zahlen: Sportswear bleibt Belastung, Turnaround dauert länger

2. Juli
8 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 10,97 Mrd. USD (Prognose: 10,85 Mrd. USD)

  • EPS: 0,72 USD (Prognose: 0,13 USD); bereinigt um IEEPA-Zoll-Rückerstattung von 0,52 USD

  • IEEPA-Zoll-Rückerstattung: 986 Mio. USD einmaliger Effekt

  • Segmentergebnisse:

    - Wholesale: 6,6 Mrd. USD (+4% YoY)

    - NIKE Direct: 4,1 Mrd. USD (-7% YoY)

  • Ausblick Q1: Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich, Bruttomarge leicht positiv


Nike Schuhe

Nike hat seine Q4-Zahlen vorgelegt und in den operativen Kernkennzahlen die Erwartungen leicht übertroffen. Der Umsatz von 10,97 Mrd. USD lag knapp über dem Konsens, der um den einmaligen IEEPA-Zoll-Rückerstattungseffekt bereinigte EPS erreichte 0,20 USD gegenüber der Konsenserwartung von 0,13 USD, und die Bruttomarge – ebenfalls ohne den Zoll-Effekt – lag mit 40,2 Prozent nur 10 Basispunkte unter Vorjahr, deutlich besser als die vom Management prognostizierten -25 bis -75 Basispunkte.


Doch die Q1-Prognose eines Umsatzrückgangs im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich – kombiniert mit der Aussage, dass Sportswear und Jordan Streetwear (zusammen etwa die Hälfte des Nike-Geschäfts) auch für das Gesamtjahr FY27 negativ bleiben – dämpfte das Sentiment deutlich. CEO Elliott Hill betonte, dass die Trendwende „mehr Zeit als erwartet" benötige, während sich der Rückenwind aus der Fußball-Weltmeisterschaft und ein positiver Halo-Effekt in Performance-Kategorien wie Running (+5 Marktanteilspunkte in North America und Western Europe) und Football zeigten. Begleitet wurden die Zahlen von einer wichtigen personellen Ankündigung: CFO Matthew Friend verlässt das Unternehmen nach 18 Jahren; ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.


Die Wall-Street-Reaktion fiel entsprechend negativ aus: 11 Analysten senkten ihre Kursziele, BTIG behielt seine Kaufempfehlung mit 55 USD unverändert bei. Kein einziger Broker hob das Kursziel an. Das Median-Kursziel liegt nun bei 48 USD, das höchste bei 75 USD (Jefferies), das niedrigste bei 40 USD (Wells Fargo).



Earnings Call: Was Elliott Hill gesagt hat


Kernbotschaft des CEOs

Elliott Hill präsentierte das Quartal als Bestätigung des in der zweiten Hälfte 2024 gestarteten „Win Now"-Programms und positionierte die neu geschaffene Organisationsstruktur „Sport Offense" mit 8.000 in vertikale Sport-Teams versetzten Mitarbeitern als strukturelle Grundlage der Trendwende. Die zentrale Botschaft: Nike baut nicht für das nächste Quartal, sondern „für das nächste Jahrzehnt". Die Win-Now-Maßnahmen sollen bis Ende Kalenderjahr 2025 abgeschlossen werden.


CFO Matthew Friend – der das Unternehmen nach 18 Jahren verlässt – unterlegte das mit drei operativen Datenpunkten: 2 Mrd. USD Reduktion bei klassischen Franchises im FY26, 5 aufeinanderfolgende Quartale zweistelligen Wachstums im Running-Geschäft (kumulierter Zuwachs von rund 1 Mrd. USD), und die erste positive Umsatz- und Retail-Sales-Comp mit Foot Locker seit vier Jahren.


Nike CEO Elliott Hill

Drei zentrale Aussagen

„Was wir mit der Sport Offense schaffen, ist Differenzierung. Sport ist unsere Authentizität, nicht Mode. Sportswear wird in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2027 mehr als ein Dutzend neuer Footwear-Styles einführen – nicht als Retro-Rückgriff, sondern mit neuen Silhouetten und Innovation. Es wird Zeit brauchen, um zu skalieren."

Hills strategische Rahmensetzung – Nike positioniert sich bewusst gegen die Fashion-Konkurrenz und setzt auf Performance-Innovation als Halo-Effekt für die margenschwächere Sportswear-Kategorie. Diese Verzögerung bis H2 FY27 ist der argumentative Grund für die anhaltenden Kursziel-Korrekturen.

„Nach einem starken März – besonders in North America – begannen wir Mitte April eine Verlangsamung der Retail-Sales-Trends zu beobachten. Unsere Konsumenten stehen weltweit unter Druck, und wir sehen das besonders bei Sportswear, das im Quartal zweistellig gefallen ist. Gleichzeitig sehen wir mit der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni einen deutlichen Bounce-Back."

Friends Einordnung der Sell-Through-Cadence – die zeitliche Dynamik (starker Start, die Verlangsamung Mitte April, WM-Bounce-Back) ist die argumentative Basis für die vorsichtige Q1-Guidance trotz operativ akzeptablen Q4-Zahlen.

„Im vierten Quartal lag unsere Bruttomarge – ohne den Zoll-Vorteil – bei minus 10 Basispunkten gegenüber Vorjahr. Das war besser als die von uns geguideten -25 bis -75 Basispunkte. Der wichtigste Treiber war eine Verbesserung bei Discounts in North America. Wir sehen niedrigere umsatzbezogene Rücklagen, niedrigere Cancellations und niedrigere Discounts."

Die Margen-Inflection als quantitativer Beweispunkt – Nike hat vier aufeinanderfolgende Quartale sequenzieller Margen-Verbesserung geliefert und guidete die Q1 FY27-Bruttomarge auf „leicht positiv".



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Sportswear-Trendwende – Adrienne Yih (Barclays) eröffnete die Q&A mit der Frage, wie Nike Performance-Erfolg auf Sportswear übertragen könne. Hills Antwort: Die Sport Offense schafft Authentizität, aus der der Halo entsteht; die Wende bei Sportswear wird in H2 FY27 sichtbar.


Zweitens die Q1-Q2-Guidance-Dynamik – Matthew Boss (JPMorgan) hakte nach der sequenziellen Verlangsamung von Q1 auf Q2. Friend erläuterte die Comp-Effekte: höhere EMEA-Digital-Promotionen im Vorjahresquartal und Timing-Verschiebungen bei North America-Wholesale.


Drittens die China-Strategie – Lorraine Hutchinson (BofA) fragte nach der Direct-to-Consumer-Perspektive. Hill bestätigte drei Prinzipien: Rückkehr zu Wachstum, Premium-Positionierung, Sport-Führung. Die lokale Produktentwicklung für Holiday '27 sowie die House-of-Innovation-Shanghai mit zweistelligem Wachstum sind erste Erfolgsindikatoren.


Viertens das Turnaround-Timing – Aneesha Sherman (Bernstein) fragte, ob FY28 das erste „normale" Jahr sein wird. Hills Antwort war ausweichend: „Es gab nichts Normales, seit ich in diesem Stuhl sitze." Der Investor Day am 16. und 17. November wird mehr Details liefern.



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


Jefferies (Rating: Buy | Kursziel: 90 → 75 USD)

Jefferies senkte das Kursziel für Nike von 90 auf 75 USD – das höchste Kursziel im Analystenfeld – und behält die Kaufempfehlung für die Aktie bei. Die Ergebnisse des vierten Geschäftsquartals übertrafen die Erwartungen, wobei sich „Anzeichen für Fortschritte im Kerngeschäft abzeichnen", so der Analyst gegenüber den Anlegern. Die Bereinigung in China schreitet voran, während das Performance-Geschäft weiter wächst, auch wenn Sportbekleidung und Jordan Streetwear „weiterhin eine Belastung darstellen und Zeit brauchen werden", fügt der Analyst hinzu, der die EPS-Schätzungen des Unternehmens für die Geschäftsjahre 27–28 nach unten korrigiert.


Bernstein (Rating: Outperform | Kursziel: 80 → 72 USD)

Bernstein senkte das Kursziel für Nike von 80 auf 72 USD und behält die „Outperform"-Bewertung für die Aktie bei. Nike werde im FY27 kurzfristig weiter herausgefordert bleiben, mit moderatem Umsatzrückgang, während das Management Promotionen und minderwertige Verkäufe kontrolliert. Mit Blick auf das Kalenderjahr 2027 wächst der Optimismus jedoch – gestützt durch Innovation, Kostenmanagement, Full-Price-Selling und Margen-Recovery. Der nächste Katalysator sei der Investor Day im November, ergänzt Bernstein.


Guggenheim (Rating: Buy | Kursziel: 74 → 60 USD)

Der Guggenheim-Analyst Simeon Siegel senkte das Kursziel des Unternehmens für Nike von 74 auf 60 USD und behält seine Kaufempfehlung für die Aktie bei. Die über den Erwartungen liegenden Ergebnisse im vierten Quartal seien auf besser als erwartete Margen und Umsätze in den meisten Regionen zurückzuführen, obwohl Nike darauf hingewiesen habe, dass sich bei den Einzelhandelsumsätzen Mitte April eine breit angelegte Abschwächung abgezeichnet habe, was das Management dazu veranlasst habe, den kurzfristigen Umsatzausblick zu dämpfen, erklärt der Analyst den Anlegern. Nike sei „offensichtlich noch nicht über den Berg", doch das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Umsatzqualität vor den tatsächlichen Umsätzen verändert, und argumentiert, dass die früher als erwartet eingetretene Ausweitung der Bruttomarge „sich als entscheidender Frühindikator für eine Stabilisierung des Geschäfts erweisen könnte".


BTIG (Rating: Buy | Kursziel: 55 USD)

Nach einem Rückgang von rund 35 Prozent seit Jahresbeginn wurden die Nike-Aktien in letzter Zeit mehrfach herabgestuft, und die Stimmung gegenüber der Aktie „scheint auf dem aktuellen Niveau übermäßig gedrückt", teilt BTIG den Anlegern in einer Mitteilung nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen mit. Das Unternehmen, das der Ansicht ist, dass Nike im Geschäftsjahr 26 in allen Geschäftsbereichen bedeutende Fortschritte erzielt hat und weiterhin zuversichtlich hinsichtlich der laufenden Maßnahmen zur Verbesserung der EBIT-Margen und zur Steigerung des Cashflows ist, behält seine Kaufempfehlung für Nike mit einem Kursziel von 55 USD bei..


Barclays (Rating: Overweight | Kursziel: 67 → 52 USD)

Barclays senkte das Kursziel für Nike von 67 auf 52 USD und behält die Bewertung „Übergewichten" für die Aktie bei. Das Unternehmen erklärt, dass Nike im vierten Quartal des Geschäftsjahres – ohne Berücksichtigung der Vorteile durch Zölle – bei Umsatz, Bruttomarge und Gewinn die Erwartungen übertroffen habe. Allerdings deuten die Prognosen von Nike auf schwächere Umsätze, einen langsameren Absatz im Großhandel und negative Schätzungskorrekturen hin, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit. Barclays ist der Ansicht, dass die Trendwende bei Nike „weitaus langsamer als erwartet voranschreitet und sowohl für Anleger als auch für das Management frustrierend ist".


UBS (Rating: Neutral | Kursziel: 50 → 48 USD)

Der UBS-Analyst Jay Sole senkte das Kursziel des Unternehmens für Nike von 50 auf 48 USD und behält seine „Neutral"-Einstufung für die Aktie bei. Nike habe einen schwachen Bericht zum vierten Quartal vorgelegt, der jedoch relativ genau den Markterwartungen entsprochen habe, teilt der Analyst den Anlegern in einer Research-Notiz mit.


BofA (Rating: Neutral | Kursziel: 55 → 47 USD)

Die BofA-Analystin Lorraine Hutchinson senkte das Kursziel des Unternehmens für Nike von 55 auf 47 USD und behält ihre „Neutral"-Einstufung für die Aktie bei. Das vierte Quartal entsprach den Erwartungen, und die „größte Veränderung" gegenüber dem Vortag war die Senkung der Umsatzprognose bei unveränderter Gewinnprognose pro Aktie, so die Analystin. Die Bedenken hinsichtlich rückläufiger Umsätze in China und im Bereich Sportbekleidung werden durch sich verbessernde Margen ausgeglichen. Sie belässt die EPS-Prognose des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2027 bei 1,60 USD, senkte das Kursziel jedoch, um den langsameren Fortschritt bei der Umsatzwende widerzuspiegeln.


Piper Sandler (Rating: Neutral | Kursziel: 50 → 45 USD)

Piper Sandler hat das Kursziel für Nike von 50 auf 45 USD gesenkt und behält die Bewertung „Neutral" für die Aktie bei. Das Unternehmen stellt fest, dass der im April beobachtete Rückgang breit angelegt war und sich über alle Vertriebskanäle und Regionen erstreckte, wobei der Bereich Sportswear besonders stark betroffen war. Das Unternehmen verzeichnet im Juni weltweit eine Verbesserung, die auf die Dynamik der Fußball-Weltmeisterschaft und den damit verbundenen Markeneffekt zurückzuführen ist, verfolgt jedoch einen vorsichtigeren Ansatz bei der Prognose für das erste Quartal 2027.


Stifel (Rating: Hold | Kursziel: 50 → 45 USD)

Stifel senkte das Kursziel für Nike von 50 auf 45 USD und behält die Empfehlung „Halten" für die Aktie bei. Für die Bereiche Sportbekleidung und Jordan-Streetwear, die zusammen etwa die Hälfte des Nike-Geschäfts ausmachen, werden nun für das Geschäftsjahr 27 ausdrücklich negative Prognosen abgegeben, stellt Stifel fest und bezeichnet dies als „einen deutlichen Rückschritt gegenüber der bisherigen Ausrichtung, von der Defensive in die Offensive zu wechseln". Die Trendwende dauere länger als erwartet, fügt der Analyst hinzu, der seine Schätzungen nach der Veröffentlichung des Berichts zum vierten Quartal von Nike „erneut" nach unten korrigiert hat.


Wells Fargo (Rating: Equal Weight | Kursziel: 45 → 40 USD)

Wells Fargo senkte das Kursziel für Nike von 45 auf 40 USD – das niedrigste Kursziel im Analystenfeld – und behält die Bewertung „Equal Weight" für die Aktie bei. Die Marktprognosen dürften nach dem vierten Quartal erneut nach unten korrigiert werden, da sich der Umsatzdruck verschärft hat und bis in die erste Hälfte des Jahres 2027 anhalten wird, so das Unternehmen. Die Prognosetransparenz sei nach wie vor sehr gering, und globale Gegenwinde machten es äußerst schwierig, den Zeitpunkt der Trendwende vorherzusagen, fügt Wells hinzu.



Fazit


Nike Tageschart

Nikes Q4 illustriert eine typische Turnaround-Spannung: Operative Fortschritte sind sichtbar – die bereinigte Bruttomarge lag besser als geguidet, Running gewann 5 Marktanteilspunkte, Foot Locker liefert das erste gemeinsame Wachstum seit vier Jahren, und die Sport Offense-Organisation zeigt erste Erfolge – doch die anhaltende Sportswear-Schwäche verlängert den erwarteten Weg zur Trendwende deutlich. Elliott Hill selbst räumte ein, dass Sportswear und Jordan Streetwear (zusammen etwa die Hälfte des Geschäfts) auch im gesamten FY27 negativ bleiben. Das erklärt die geschlossene Anhebungs-Enthaltung: 11 Broker senken, BTIG behält seine Kaufempfehlung.


Die zentrale Frage für Q1 FY27 lautet, ob der Fußball-WM-Halo den durch die Mid-April-Verlangsamung verlorenen Boden zurückgewinnt und die neuen Sportswear-Silhouetten in H2 FY27 wirklich eine Wende bringen. Der Investor Day am 16. und 17. November wird der wichtigste Katalysator – Hill selbst verweist mehrfach darauf und Bernstein nennt ihn explizit als „nächsten Katalysator". Bis dahin ist Nike eine „Show-me"-Story wie Adobe im vorherigen Quartal: Die Fortschritte sind messbar, aber die Validierung durch nachhaltiges Umsatzwachstum steht aus. Wie Wells Fargo als vorsichtigste Stimme mit 40-USD-Kursziel anmerkt, machen „globale Gegenwinde und geringe Prognosetransparenz" den Zeitpunkt der Trendwende weiter schwer vorhersagbar.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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