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Cloudflare Q3-Zahlen: Umsatzwachstum beschleunigt auf 39%, operative Marge auf Rekordhoch

vor 28 Minuten
6 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 782,5 Mrd. USD (Prognose: 739,7 Mrd. USD)

  • EPS: 0,38 USD (Prognose: 0,34 USD)

  • Großkunden (>100.000 USD Jahresumsatz): ca. 5.000, +25% YoY

  • Dollar-Based Net Retention: 122% (Vorquartal: 120%)

  • Neue zahlende Kunden: über 158.000 im Quartal (Vorquartal-Rekord: über 80.000)

  • RPO: 2,877 Mrd. USD, +34% YoY (Current RPO +37%)

  • Ausblick Q4: Umsatz 845–846 Mio. USD (erw. 798,2 Mio. USD), EPS 0,43 USD (erw. 0,38 USD)

  • Ausblick FY2026: Umsatz 2,963–2,964 Mrd. USD (erw. 2,87 Mrd. USD), EPS 1,35 USD (erw. 1,26 USD)


Cloudflare

Cloudflare hat seine Q3-Zahlen vorgelegt und dabei nach eigenen Worten das beste Quartal der Unternehmensgeschichte abgeliefert. Der Umsatz stieg um 39% auf 782,5 Mio. USD und übertraf die Konsensschätzung von 739,7 Mio. USD um rund 6% – das schnellste Wachstum seit fast vier Jahren. Der Gewinn je Aktie lag mit 0,38 USD über den erwarteten 0,34 USD. Gleichzeitig erreichte die operative Marge mit 17,5% einen Rekordwert, die Dollar-Based Net Retention kletterte auf 122%. Die USA wuchsen um 44%, EMEA und APAC jeweils um 32%.


Den Wachstumsschub erklärt CEO Matthew Prince mit zwei Trends: Entwickler bauen KI-Agenten zunehmend auf der Workers-Plattform, und eine Welle neu entdeckter Sicherheitslücken treibt Unternehmen jeder Größe zu Cloudflare. Die Zahl aktiver Entwickler stieg binnen eines Quartals von 7 auf 10 Mio., zudem verbuchte Cloudflare erstmals Umsatz mit sogenannten „Act 4“-Produkten, mit denen das Unternehmen neue Geschäftsmodelle für das agentische Internet etablieren will. Die Prognose fiel deutlich über den Erwartungen aus: Für Q4 peilt Cloudflare 845–846 Mio. USD Umsatz an, für das Gesamtjahr 2,963–2,964 Mrd. USD. Bereits im vierten Quartal soll erstmals ein GAAP-Gewinn stehen – deutlich früher als die am Investor Day genannte Zielmarke 2028. Mit Christian Smith übernimmt zudem ein neuer President of Revenue den Vertrieb.


Die Wall-Street-Reaktion fiel trotz der starken Zahlen gespalten aus: 4 Analysten hoben ihre Kursziele an, 6 senkten sie – überwiegend wegen niedrigerer Bewertungsmultiplikatoren, nicht wegen operativer Bedenken. Das Median-Kursziel liegt bei 336 USD, das höchste setzt JPMorgan mit 375 USD, das niedrigste Guggenheim mit 190 USD und dem einzigen Sell-Rating im Analystenfeld.



Earnings Call: Was Matthew Prince und Thomas Seifert gesagt haben


Kernbotschaft von CEO und CFO

Matthew Prince inszenierte das Quartal als Durchbruch: Cloudflare habe „einen weiteren Gang gefunden“. Die Vertriebsproduktivität erreichte zum elften Mal in Folge einen Rekord, das ACV-Wachstum und die Quotenerfüllung lagen auf dem höchsten Stand seit über fünf Jahren. Prince positionierte Cloudflare als „erste agentische Cloud“, deren auf Isolates statt Containern basierende Architektur KI-Workloads effizienter skaliere als Hyperscaler und Neo-Clouds. Nach Drittanbieterdaten kamen seit Anfang Juli rund 5% des gesamten Webs neu zu Cloudflare – mehr als alle Reverse-Proxy-Wettbewerber zusammen.


CFO Thomas Seifert ergänzte die Zahlenseite: Die operativen Kosten sanken um 510 Basispunkte auf 55% des Umsatzes, Vertrieb, Forschung und Verwaltung wurden jeweils effizienter. Der Rückgang der Bruttomarge auf 72,4% liege im Zielkorridor von 70–77% und spiegele den wachsenden Anteil der Entwicklerplattform, deren niedrigere Bruttomarge durch geringere Vertriebskosten mehr als ausgeglichen werde. Wachstum, Innovation und Profitabilität seien keine Zielkonflikte, sondern „sich gegenseitig verstärkende Multiplikatoren“.


Cloudflare Opening Bell

Drei zentrale Aussagen

„Es gibt keine andere Art, das zu sagen: Nach nahezu jeder Kennzahl hatten wir unser bestes Quartal aller Zeiten. Wir haben das Wachstum erneut beschleunigt und sind gleichzeitig profitabler geworden.“

Die Kombination ist bei einem Unternehmen mit über 3 Mrd. USD annualisiertem Umsatz ungewöhnlich. Das operative Ergebnis wuchs mit 60% deutlich schneller als der Umsatz.

„Cloudflare ist keine Neo-Cloud. Wir sind auch nicht, wie einige von Ihnen uns genannt haben, die vierte Public Cloud. Wir sind etwas anderes. Wir sind die erste agentische Cloud, und Entwickler strömen zu uns, um die Zukunft der agentischen KI zu bauen.“

Prince untermauerte die These mit einem KI-Kunden, der einen Workers-Vertrag über 11 Mio. USD unterzeichnete, weil Hyperscaler für ungenutzte Rechenleistung abrechnen würden. Seine Prognose, dass Agenten Menschen online im Verhältnis 1.000 zu 1 überholen, hält er inzwischen für früher als in fünf Jahren erreichbar.

„Die Bugs, über die Sie in den letzten Wochen gelesen haben, und die, über die Sie vermutlich in den nächsten Jahren lesen werden, hatten weniger Auswirkungen, weil Cloudflare dem Internet den Rücken freihält.“

Weil ein großer Teil des Internets hinter Cloudflare liegt, erhält das Unternehmen über ein vertrauliches Meldeverfahren mit KI-Laboren und Sicherheitsfirmen frühzeitig Hinweise auf neue Schwachstellen. Daraus entsteht laut Prince ein Kreislauf, der selbst traditionelle Unternehmen ohne KI-Fokus in wachsender Zahl zu Cloudflare bringt.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Vier Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Monetarisierung von „Act 4“ – Matthew Hedberg (RBC Capital) und Gabriela Borges (Goldman Sachs) fragten nach Zeitplan und Hebeln. Prince verwies auf die Partnerschaft mit OpenAI, die für effizienteres Crawling bereits zahlt, und erwartet künftig Mikrozahlungen von Agenten an Inhalteanbieter. Auf Sicht von zehn Jahren könnte dies der größte Geschäftsbereich von Cloudflare werden.


Zweitens die Sicherheitslage – Ryan MacWilliams (Wells Fargo) und Joseph Gallo (Jefferies) wollten wissen, ob KI-Kunden das Wachstum dominieren. Prince betonte die breite Basis über Finanzdienstleister, Behörden, Industrie und Gesundheitswesen; allein in weniger als 14 Tagen seien sechs der schwersten Internet-Sicherheitslücken aller Zeiten bekannt geworden. Die Welle werde „etwa zwei Jahre“ anhalten, das Schlimmste stehe noch bevor.


Drittens die Entwicklerplattform – Sanjit Singh (Morgan Stanley) und Sameek Chatterjee (JPMorgan) fragten nach Monetarisierung und Wirtschaftlichkeit von Workers. Seifert erklärte, die niedrigere Bruttomarge werde durch deutlich geringere Vertriebskosten überkompensiert; Cloudflare liege beim Übergang von der „Rule of 40“ zur „Rule of 50“ weit vor Plan. Laut Prince ist Workers inzwischen Bestandteil fast jedes Pool-of-Funds-Vertrags.


Viertens die Pool-of-Funds-Verträge und die Kundenbindung – Borges und Saket Kalia (Barclays) hakten zur Prognosequalität nach. Seifert bezeichnete den variablen Umsatz als wichtigsten Treiber der Überraschung: Viele Kunden verbrauchen ihr Budget schneller als geplant und verlängern früher zu größeren Volumina. Die Net Retention könne weiter steigen, die internen Ambitionen lägen über dem aktuellen Niveau.



Kursziele und Analystenratings im Überblick




Wichtige Analystenkommentare


JPMorgan (Rating: Overweight | Kursziel: 350 → 375 USD)

JPMorgan hat seine Prognosen für Cloudflare nach der Veröffentlichung des Berichts zum dritten Quartal nach oben korrigiert.


Scotiabank (Rating: Outperform | Kursziel: 390 → 360 USD)

Die Scotiabank spricht von einem „herausragenden“ Umsatz und einer „massiven“ Anhebung der Prognose für 2026. Das Analystenhaus geht davon aus, dass die Konsensschätzungen nach oben korrigiert werden könnten, was den Aktienkurs beflügeln dürfte.


RBC Capital (Rating: Outperform | Kursziel: 405 → 350 USD)

RBC Capital hebt das Umsatzwachstum von 39% hervor, das sich in großem Maßstab beschleunigt habe. Die Kurszielsenkung begründet das Analystenhaus ausschließlich mit einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis.


Piper Sandler (Rating: Overweight | Kursziel: 333 → 337 USD)

Piper Sandler sieht eine noch stärkere Wachstumsdynamik als erwartet; die Erwartungen wurden um 6% übertroffen. Cloudflare habe eine beeindruckende Zahl neuer Gesamt- und Großkunden gewonnen und gezeigt, dass die Monetarisierung von „Act 3“ bei Kunden aller Größenordnungen gut verläuft.


BTIG (Rating: Buy | Kursziel: 413 → 335 USD)

BTIG spricht von einem weiteren außergewöhnlichen Quartal mit der dritten Wachstumsbeschleunigung in Folge sowie durchweg starken Werten bei Großkunden, Kundenbindung, Neukundenbuchungen und Entwickler-Akzeptanz. Die Nachfrage sei breit gefächert, getragen von KI- und agentischen Workloads auf Workers sowie steigender Sicherheitsnachfrage.


Jefferies (Rating: Hold | Kursziel: 320 → 315 USD)

Jefferies bezeichnet Cloudflare als „eindeutigen Gewinner im KI-Bereich“ mit mehreren nachhaltigen Umsatztreibern, bleibt aufgrund der hohen Bewertung aber bei „Hold“.


Cantor Fitzgerald (Rating: Neutral | Kursziel: 340 → 310 USD)

Cantor Fitzgerald verweist auf beschleunigtes Umsatzwachstum, Rekordrentabilität und sich verbessernde Nachfrageindikatoren. Treiber seien wachsende Konsolidierungsmöglichkeiten im Sicherheitsbereich und die steigende Nachfrage nach der einheitlichen Plattform vor dem Hintergrund agentischer KI.


Guggenheim (Rating: Sell | Kursziel: 160 → 190 USD)

„Es gibt nicht viele börsennotierte Unternehmen, deren Umsatz so schnell wächst wie der von Cloudflare, und wir wissen, wie positiv sich das auswirkt“, so der Analyst. Die Bewertung bleibt für Guggenheim dennoch der Grund für die Verkaufsempfehlung.



Fazit


Cloudflare Tageschart

Operativ lässt das dritte Quartal kaum Wünsche offen: Wachstumsbeschleunigung auf 39%, eine Rekord-Marge von 17,5%, eine Net Retention von 122% und eine Prognose, die den Konsens für das Gesamtjahr um fast 100 Mio. USD übertrifft. Dass sechs von zehn Analysten ihre Kursziele trotzdem senkten, ist weniger ein Urteil über das Geschäft als über den Preis – selbst die Sell-Empfehlung von Guggenheim würdigt die Wachstumsqualität ausdrücklich.


Ob Cloudflare in diese Bewertung hineinwächst, entscheidet sich vor allem an zwei Fronten: der Monetarisierung der Entwicklerplattform und der Frage, ob aus „Act 4“ ein messbarer Umsatzstrom wird. Für die Bullen-Argumentation sprechen die breite Kundenbasis ohne Konzentrationsrisiko, die früher verlängerten Pool-of-Funds-Verträge und der vorgezogene GAAP-Gewinn. Die Bären-Argumentation verweist auf die sinkende Bruttomarge, eine Free-Cashflow-Marge von nur 10% und eine Bewertung, die wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.

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