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Yen Carry Trade: Japans Fiskalpolitik bedroht US-Aktien

  • 29. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

USD/JPY-Korrelation setzt Nasdaq unter Druck


US-Dollar

Im August 2024 schrieb ich über den Yen Carry Trade und dessen explosive Auflösung. Damals sorgte eine BOJ-Zinserhöhung von 0-0,1% auf 0,25% für Chaos an den Märkten. Der Yen schoss hoch, Händler mussten ihre Positionen schließen, und die Nasdaq stürzte ab.


Nun stehen wir vor einer weitaus gefährlicheren Situation. Diesmal geht es nicht um eine technische Korrektur, sondern um ein strukturelles Liquiditätsproblem zwischen den USA und Japan.



Der Mechanismus: USD/JPY steuert die Nasdaq


Seit 2023 bewegen sich USD/JPY und der Nasdaq 100 nahezu im Gleichschritt. Steigt der Dollar gegenüber dem Yen, steigt die Nasdaq. Fällt USD/JPY, kollabiert der Tech-Index. Der Grund ist simpel: Investoren leihen sich billig Yen, konvertieren in Dollar und kaufen US-Tech-Aktien. Solange der Yen schwach bleibt, funktioniert der Trade. Steigt der Yen, entstehen massive Währungsverluste und Positionen müssen aufgelöst werden.



Japans 975-Milliarden-Dollar-Problem


Japan ist der drittgrößte ausländische Halter von US-Aktien mit 975 Milliarden Dollar (US Treasury TIC-Daten, Stand Juni 2024). Besonders kritisch: Ein Großteil davon konzentriert sich auf Tech-Werte.


Foreign Holdings of US Equities by Country

Diese Exposure verteilt sich auf verschiedene Investorengruppen mit unterschiedlichem Risikoverhalten. Pensionsfonds verkaufen automatisch zur Portfolio-Rebalancierung. Institutionelle Investoren wie Versicherungen und Banken sind typischerweise gehedgt und werden bei Margin Calls auf FX-Hedges zum Verkauf gezwungen. Retail-Investoren sind oft ungehedgt und verkaufen panisch, sobald USD/JPY deutlich unter ihre Einstandskurse fällt.


Das Worst-Case-Szenario tritt ein, wenn alle drei Gruppen gleichzeitig aus unterschiedlichen Gründen verkaufen. Die Verkaufswellen verstärken sich gegenseitig, die Liquidität verdampft, und der Markt gerät in eine Flash-Crash-Dynamik.



Warum die Bank of Japan nicht helfen kann


Der entscheidende Unterschied zu August 2024: Die Bank of Japan kann diesmal nicht gegensteuern. Japan sitzt auf 1.341 Billionen Yen Staatsschulden. Bei einem Zinsanstieg auf 3% würden die Schuldendienstkosten einen Großteil des Nationalhaushalts verschlingen. Fiskalisch nicht tragbar.


Die BOJ kann die Zinsen nicht erhöhen, um den Yen zu verteidigen, ohne den Staat in die Insolvenz zu treiben. Die Währung muss schwach bleiben, um die Regierung zahlungsfähig zu halten. Die BOJ kämpft nicht gegen Inflation, sondern gegen nationale Insolvenz.


Japan hat wiederholt versucht, den Yen durch das Finanzministerium zu stützen. Ohne Erfolg. Kauft das MoF Yen, steigen JGB-Renditen. Die BOJ muss dann Yen drucken, um Anleihen zu kaufen. Das Gelddrucken untergräbt die MoF-Käufe. Ein Kreislauf, aus dem es intern keinen Ausweg gibt.



Die japanische Wahl als Katalysator


Sanae Takaichi

Die japanische Snap-Wahl am 8. Februar könnte zum Wendepunkt werden. Premierminister Sanae Takaichi propagiert Abenomics 2.0 mit aggressiven Staatsausgaben und lockerer Geldpolitik. Gewinnt Takaichi, wird die Rolle des Yen als Finanzierungswährung zementiert. Carry Trades laufen weiter, aber das strukturelle Problem verschärft sich nur. Verliert er oder schwenkt um, könnte der Yen höher springen und eine massive Unwinding-Welle auslösen.



Die NY Fed als möglicher Retter


Die einzige tragfähige Lösung: Die NY Fed interveniert koordiniert, verkauft USD und kauft Yen. Die japanische Geldmenge bleibt stabil, JGB-Renditen steigen nicht, das System stabilisiert sich.


Am 23. Januar führte die NY Fed angeblich "Rate Checks" für USD/JPY durch. Dies gilt als Warnsignal vor möglicher Intervention. Der entscheidende Unterschied: Ein BOJ Rate Check ist ein Bluff, ein NY Fed Rate Check ist ernst gemeint.


Doch hier liegt die Unsicherheit: Die aktuelle Fed unter Powell verfolgt einen orthodoxen, inflationsbekämpfenden Ansatz. Wird sie präventiv eingreifen oder erst reagieren, wenn systemische Risiken entstanden sind?



Der mögliche Game Changer


Polymarket Fed Chair

Polymarket-Daten zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Trump Rick Rieder als Fed-Chef nominiert, stieg auf 38% Ende Januar. Rieder gilt als Liquiditäts-Typ statt Inflationsbekämpfer. Unter Rieder würde die Fed die Bilanz zur Marktentflechtung nutzen, durch Anleihen- und MBS-Käufe. Das Ergebnis wäre: Währungsentwertung, der Dollar fällt, der Yen steigt.


Wenn das Weiße Haus einen schwächeren Dollar will und der Fed-Chef Liquidität priorisiert, verschwindet die Stütze für den USD. Eine Rieder-Nominierung im Mai würde die Carry-Trade-These fundamental validieren und die mittelfristige Dollar-Schwäche besiegeln.



Fazit


Anders als im August 2024 sehen wir diesmal ein fundamentales strukturelles Problem. Japan kann den Yen nicht intern verteidigen. Nur koordinierte externe Intervention durch die NY Fed kann das System stabilisieren. Die Rate Checks vom 23. Januar deuten darauf hin, dass Vorbereitungen laufen. Doch ohne explizite Zusage bleibt die Unsicherheit hoch. Durch die Auflösung des Yen Carry Trade könnten wir bei US-Aktien eine deutliche Korrektur sehen.


USDJPY 2024
USD/JPY 2024

Zwei Szenarien sind möglich: Entweder interveniert die Fed präventiv und wir sehen eine kontrollierte Korrektur mit anschließender Stabilisierung. Oder die Fed bleibt orthodox und wir erleben einen unkontrollierten Crash mit reaktiver Notfall-Intervention.


Im Gegensatz zu August 2024, wo ich nach dem Schock mittelfristig optimistisch blieb, sehe ich diesmal ein anhaltenderes Risiko. Die kritischen Daten sind der 8. Februar (japanische Wahl), JGB-Renditen über 2,1% (signalisiert akuten Stress), USD/JPY um die 150 (könnte Panikverkäufe auslösen) und eine mögliche Rieder-Nominierung im Mai.


USDJPY 2026
USD/JPY 2026

Der aktuelle Abverkauf im Tech-Sektor könnte bereits erste Vorboten sein. Institutionelle Investoren scheinen sich zu positionieren und reduzieren präventiv ihre Positionen. Die Schwäche konzentriert sich auffällig genau dort, wo japanische Carry-Trade-Positionen am stärksten konzentriert sind.


Die entscheidende Frage bleibt: Handelt die Fed rechtzeitig, um einen unkontrollierten Crash zu verhindern? Die kommenden Wochen werden es zeigen.



Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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