SpaceX reicht S-1 ein: Der Börsengang vereint Raketen, Starlink und xAI unter einem Dach
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Die Space Exploration Technologies Corp., kurz SpaceX, hat gestern ihr S-1-Registrierungsdokument bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das Unternehmen strebt ein Listing der Class-A-Aktien an der Nasdaq und der Nasdaq Texas unter dem Ticker SPCX an. Preisspanne und Emissionsvolumen sind noch offen.
xAI und X sind eingerechnet
Die Finanzzahlen wurden rückwirkend für alle ausgewiesenen Perioden angepasst. Sie enthalten die historischen Ergebnisse von xAI (von SpaceX übernommen mit Wirkung zum 2. Februar 2026) sowie von X (von xAI übernommen zum 28. März 2025). Da es sich um Transaktionen unter gemeinsamer Kontrolle handelt, werden sie als Common-Control-Combination dargestellt. Sämtliche Aktienangaben berücksichtigen zudem einen Five-for-One-Split mit Wirkung zum 4. Mai 2026.

Praktisch heißt das: Die SpaceX, die hier an die Börse will, ist nicht mehr nur ein Raketen- und Satellitenkonzern, sondern bündelt auch das Grok-Modellgeschäft und die Plattform X.
Connectivity trägt, AI verbrennt Kapital
Auf konsolidierter Basis erzielte SpaceX im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 4,69 Mrd. USD nach 4,07 Mrd. USD im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis lag bei -1,94 Mrd. USD, der Nettoverlust bei 4,28 Mrd. USD beziehungsweise -1,27 USD je Aktie. Das bereinigte EBITDA betrug 1,13 Mrd. USD. Für das Gesamtjahr 2025 weist der Konzern 18,67 Mrd. USD Umsatz, ein operatives Ergebnis von -2,59 Mrd. USD und ein bereinigtes EBITDA von 6,58 Mrd. USD aus.

Die Profitabilität verteilt sich sehr ungleich auf die Segmente:
Connectivity ist der Gewinnbringer. Das vorrangig von Starlink getragene Segment setzte 2025 rund 11,39 Mrd. USD um – ein Plus von 49,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bei einem operativen Gewinn von 4,42 Mrd. USD. Im Q1 2026 standen 3,26 Mrd. USD Umsatz und 1,19 Mrd. USD operativer Gewinn zu Buche.
Space lieferte 2025 rund 4,09 Mrd. USD Umsatz, blieb operativ aber leicht negativ (-657 Mio. USD), maßgeblich wegen 3,0 Mrd. USD an Forschungs- und Entwicklungsaufwand für das Starship-Programm.
AI ist das mit Abstand defizitäre Segment. 2025 standen 3,20 Mrd. USD Umsatz einem operativen Verlust von 6,36 Mrd. USD gegenüber; im Q1 2026 lag der operative Verlust bei 2,47 Mrd. USD.
Investitionen fließen vor allem in Rechenleistung
Die Lastenverteilung zeigt sich auch bei den Investitionen. Im ersten Quartal 2026 entfielen von 10,11 Mrd. USD Gesamt-Capex allein 7,72 Mrd. USD auf das AI-Segment, gegenüber 1,33 Mrd. USD für Connectivity und 1,05 Mrd. USD für Space. Für das Gesamtjahr 2025 lag die AI-Capex bei 12,73 Mrd. USD.

Die Bilanz weist zum 31. März 2026 liquide Mittel von 15,85 Mrd. USD, eine Bilanzsumme von 102,1 Mrd. USD und ein Eigenkapital von 34,53 Mrd. USD aus. Der hohe Mittelabfluss im Investitionsbereich (-16,72 Mrd. USD im Q1) wurde im Wesentlichen über die Finanzierungsseite (+7,13 Mrd. USD) und die zuvor aufgebaute Liquidität gedeckt.

Operative Eckdaten
Zum Stichtag 31. März 2026 nennt SpaceX rund 650 orbitale Starts insgesamt, eine Missionserfolgsquote von über 99 Prozent bei den Falcon-Raketen und einen Anteil von über 80 Prozent an der weltweit in den Orbit beförderten Masse seit 2023. Starlink kommt auf rund 9.600 Breitband- und Mobilfunksatelliten, etwa 10,3 Millionen Abonnenten in 164 Ländern und einen Anteil von rund 75 Prozent an allen aktiven, manövrierfähigen Satelliten im Orbit.


Im AI-Geschäft verweist das Unternehmen auf über 1,3 Milliarden unterstützte Konten über X und Grok in den zwölf Monaten bis Ende März 2026, rund 550 Millionen monatlich aktive Nutzer und etwa 350 Millionen tägliche Posts. Die kombinierte Rechenleistung der Rechenzentren COLOSSUS und COLOSSUS II beziffert SpaceX auf rund 1,0 Gigawatt.
Die Wetten: Orbital Compute und ein 28,5-Billionen-TAM
Strategisch rückt das Filing die Verschmelzung der drei Bereiche in den Vordergrund. SpaceX will seine Startkapazität und Satellitenfertigung nutzen, um AI-Rechenzentren in den Orbit zu verlagern. Erste AI-Compute-Satelliten sollen ab 2028 ausgerollt werden; langfristig ist von einer jährlichen Compute-Leistung von 100 Gigawatt im Orbit die Rede. Der adressierbare Gesamtmarkt wird mit 28,5 Bio. USD angegeben, davon 26,5 Bio. USD im AI-Bereich, 1,6 Bio. USD in Connectivity und 370 Mrd. USD im Space-Geschäft.

Zwei jüngere Vereinbarungen sind in diesem Kontext relevant: Im Mai 2026 schloss SpaceX Cloud-Services-Verträge mit Anthropic über Rechenkapazität an COLOSSUS und COLOSSUS II – Anthropic zahlt dafür laut Filing 1,25 Mrd. USD pro Monat bis Mai 2029.
Zudem besteht eine Compute- und Optionsvereinbarung mit dem Coding-Anbieter Cursor (Anysphere), die eine spätere Übernahme auf Basis eines impliziten Eigenkapitalwerts von 60 Mrd. USD ermöglicht.
Kontrolle und Risiken
SpaceX startet mit einer dualen Aktienstruktur: Class A mit einer Stimme, Class B mit zehn Stimmen je Aktie. Elon Musk behält über seine Class-B-Anteile die Stimmenmehrheit und das Recht, die Mehrheit des Verwaltungsrats zu bestellen. Das Unternehmen gilt damit als „Controlled Company" und nimmt entsprechende Ausnahmen von den Nasdaq-Governance-Regeln in Anspruch.
Im Risikoteil betont SpaceX die Abhängigkeit von der erfolgreichen Skalierung von Starship, regulatorische Hürden bei Start-, Frequenz- und Spektrumlizenzen, die kapitalintensive und frühe Entwicklungsphase des AI-Segments sowie die Unsicherheit über künftige Märkte wie Mondwirtschaft, Weltraumtourismus und In-Orbit-Fertigung, die teils noch gar nicht existieren.
Fazit

Das S-1 zeigt einen Konzern mit zwei Geschwindigkeiten: Connectivity finanziert, AI verbrennt. Die Erzählung verkauft die Verbindung beider Welten – Rechenleistung aus dem Orbit. Ob daraus ein Geschäft wird, entscheidet sich an Starship.
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