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Apple Q2-Zahlen: iPhone wächst um 22 Prozent trotz Lieferengpässen

  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Highlights

  • Umsatz: 111,18 Mrd. USD (Prognose: 109,73 Mrd. USD)

  • EPS: 2,01 USD (Prognose: 1,94 USD)

  • Segmentergebnisse:

    - iPhone: 56,99 Mrd. USD (+21,7% YoY)

    - Mac: 8,40 Mrd. USD (+5,7% YoY)

    - iPad: 6,91 Mrd. USD (+8,0% YoY)

    - Wearables, Home and Accessories: 7,90 Mrd. USD (+5,0% YoY)

    - Services: 30,98 Mrd. USD (+16,3% YoY)

  • Ausblick Q3: Umsatzwachstum 14-17% YoY, Bruttomarge 47,5-48,5%

  • Kapitalrückführung: Zusätzliches 100 Mrd. USD Buyback-Programm


Apple CEO Tim Cook

Apple hat seine Q2-Zahlen vorgelegt und in nahezu allen Bereichen die Erwartungen übertroffen. Der iPhone-Umsatz wuchs trotz Lieferengpässen bei fortgeschrittenen Chip-Nodes um 22 Prozent auf einen März-Quartal-Rekord von 57 Mrd. USD, das Services-Geschäft erreichte mit 31 Mrd. USD ebenfalls einen Allzeit-Rekord, und Greater China legte mit 28 Prozent Wachstum überraschend stark zu. Begleitet wurden die Zahlen von einem zusätzlichen 100-Mrd.-USD-Aktienrückkaufprogramm und der Aufgabe des seit 2018 bestehenden „Net Cash Neutral"-Ziels – ein bedeutender Bruch in Apples Bilanzphilosophie, der mehr Flexibilität für KI-Investitionen schafft.


Die Wall-Street-Reaktion fiel entsprechend einheitlich aus: Alle 9 Analysten hoben ihre Kursziele an, kein einziger senkte. Das Median-Kursziel liegt nun bei 310 USD, das höchste bei 335 USD, das niedrigste bei 253 USD. Auffällig: Die Spannweite ist mit 82 USD zwischen Top und Bottom vergleichsweise eng – ein Zeichen dafür, dass die fundamentale Einschätzung trotz unterschiedlicher Ratings stark konvergiert.



Earnings Call: Was Tim Cook gesagt hat


Kernbotschaft des CEOs

Tim Cook präsentierte das Quartal als Bestätigung der iPhone-17-Produktstrategie und der breiten Geschäftsdiversifikation – mit März-Quartal-Rekorden in jedem geografischen Segment und in nahezu allen Produktkategorien. Die zentrale Botschaft: Apple kann selbst unter erheblichen Lieferengpässen und steigenden Komponentenkosten seine Wachstumsrate aufrechterhalten, gestützt von einem iPhone-17-Lineup, das laut 451 Research eine Kundenzufriedenheit von 99 Prozent erreicht.


CFO Kevan Parekh unterlegte das mit konkreten Zahlen: 2,5 Milliarden aktive Geräte als neuer Allzeit-Höchststand, Services-Bruttomarge von 76,7 Prozent, operativer Cashflow von 28,7 Mrd. USD im Quartal.


Apple iPhones

Drei zentrale Aussagen

„Für das Juni-Quartal und darüber hinaus erwarten wir deutlich höhere Speicherkosten. Diese werden teilweise durch Vorratsbestände abgefedert. Über das Juni-Quartal hinaus glauben wir, dass die Speicherkosten zunehmend Auswirkungen auf unser Geschäft haben werden."

Cooks Aussage zur Memory-Inflation – die für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigte Margenkompression ist der zentrale Risikofaktor und das Hauptthema in nahezu allen Analystenkommentaren.

„Die primäre Beschränkung im März- und Juni-Quartal ist die Verfügbarkeit der fortgeschrittenen Nodes, auf denen unsere SOCs produziert werden. Beim Mac Mini und Mac Studio glaube ich, dass es mehrere Monate dauern wird, bis Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind."

Die ungewöhnlich konkrete Aussage zu den Engpässen – Apple sieht die Knappheit nicht als kurzfristige Friktion, sondern als strukturelles Thema mit Auswirkungen über mehrere Quartale.

„Wir geben Net Cash Neutral nicht länger als formales Ziel an und werden Cash und Schulden unabhängig voneinander bewerten. Kapitalrückführungen werden weiterhin wichtig für unseren Gesamtansatz zur langfristigen Aktionärswertschaffung bleiben."

Parekhs Ankündigung der strategischen Neuausrichtung der Kapitalstruktur – ein bedeutender Bruch mit der seit 2018 etablierten Bilanzphilosophie, der Apple größere Flexibilität für die KI-Investitionen und mögliche Akquisitionen einräumen dürfte.



Was Analysten im Q&A nachgehakt haben

Drei Themen dominierten die Telefonkonferenz.


Erstens die Reichweite und Dauer der Lieferengpässe – Erik Woodring (Morgan Stanley) eröffnete die Q&A direkt mit dieser Frage. Cook bestätigte, dass die Engpässe im Juni-Quartal von iPhone auf Mac wandern, mit Mac Mini, Mac Studio und MacBook Neo als primären Knappheitspunkten, deren Lieferzeiten „mehrere Monate" zur Normalisierung bräuchten.


Zweitens die Margenentwicklung jenseits Juni angesichts der Memory-Inflation – Ben Reitzes (Melius Research) und Wamsi Mohan (BofA) drangen beide auf Klarheit. Cook lieferte die mit Abstand klarste Aussage des Calls: signifikant höhere Memory-Kosten ab dem Juni-Quartal, mit zunehmenden Auswirkungen darüber hinaus.


Drittens die Apple-Strategie im Agentic-KI-Zeitalter – Ben Reitzes und Samik Chatterjee (JPMorgan) fragten nach Form-Faktor-Implikationen und der Foundation-Model-Strategie. Cook verwies auf das nicht öffentliche Roadmap-Versprechen und bestätigte gleichzeitig, dass R&D „deutlich schneller wächst als das Unternehmen insgesamt".



Kursziele und Analystenratings im Überblick





Wichtige Analystenkommentare


TD Cowen (Rating: Buy | Kursziel: 325 → 335 USD)

TD Cowen hat das Kursziel für Apple von 325 auf 335 US-Dollar angehoben und die Aktie weiterhin mit Kaufen bewertet. Apple präsentierte solide Ergebnisse für das zweite Geschäftsquartal und prognostiziert für das dritte Quartal ein Umsatzwachstum von 14-17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies liegt trotz Engpässen bei Komponenten deutlich über den Erwartungen der Analysten, so der Analyst in einer Studie. Zwar werden die Speicherkosten die Bruttomarge von Apple im zweiten Halbjahr belasten, das Unternehmen habe jedoch Spielraum, dies teilweise abzufedern und sei weiterhin in der Lage, ausreichend Material zu beschaffen. TD sieht die Entwicklerkonferenz und die Einführung der neuen KI-Siri als die nächsten wichtigen Kurstreiber.


Morgan Stanley (Rating: Overweight | Kursziel: 315 → 330 USD)

Morgan Stanley hat das Kursziel für Apple von 315 auf 330 US-Dollar angehoben und die Aktie weiterhin mit Übergewichten bewertet. Im vorbörslichen Handel stieg der Kurs um 3 Prozent bzw. 8,80 US-Dollar auf 280,15 US-Dollar. Das Unternehmen habe einen sauberen Bericht für das zweite Geschäftsquartal vorgelegt und einen hervorragenden Margenausblick für das dritte Quartal gegeben, so der Analyst in einer Analyse. Morgan Stanley ist nun zuversichtlicher, dass Apple die Rekordkosteninflation bewältigen kann. Das Unternehmen befinde sich in einem Produktzyklus mit Potenzial nach oben, das sich aus der Entwicklerkonferenz und dem bevorstehenden faltbaren Smartphone ergeben werde, argumentiert das Unternehmen. Morgan Stanley bezeichnet Apple als Themen-Megacap-Gewinner.


BofA (Rating: Buy | Kursziel: 325 → 330 USD)

Bank of America hat das Kursziel für Apple von 325 auf 330 US-Dollar angehoben und bestätigt die Kaufempfehlung. Bank of America bleibt für Apple bis Ende 2026 optimistisch, da die iPhone-Umsätze die Erwartungen übertreffen, die Bruttomargen trotz des Rohstoffpreisdrucks weiterhin stark sind, Siri mit KI-Unterstützung 2026 verfügbar sein wird, ein faltbares iPhone im Herbst erwartet wird und die neue Rekord-Installationsbasis von über 2,5 Milliarden Geräten das Wachstum im Servicebereich weiterhin im zweistelligen Bereich ankurbeln dürfte, so der Analyst.


Wells Fargo (Rating: Overweight | Kursziel: 300 → 310 USD)

Wells-Fargo-Analyst Aaron Rakers hob das Kursziel für Apple von 300 auf 310 US-Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Das Unternehmen begründete dies mit besser als erwartet ausgefallenen Ergebnissen und Prognosen, insbesondere mit einer Umsatz- und Bruttogewinnmargenprognose, die 5 Prozent bzw. 50 Basispunkte über den Analystenschätzungen liegt. Wells Fargo geht davon aus, dass Apples Umgang mit der Inflation bei Arbeitsspeicher und Speicherplatz auch in der zweiten Jahreshälfte 2026 im Fokus stehen wird.


Maxim (Rating: Buy | Kursziel: 300 → 310 USD)

Maxim hat das Kursziel für Apple von 300 auf 310 US-Dollar angehoben und die Aktie weiterhin zum Kauf empfohlen. Das Unternehmen verweist auf die über den Erwartungen liegenden Umsätze und Bruttomargen im zweiten Quartal sowie auf die positiven Aussichten für das dritte Quartal. Laut einer Analyse des Analysten übertrafen die Prognosen für Nettoumsatz und Bruttomarge die Erwartungen.


Baird (Rating: Outperform | Kursziel: 300 → 310 USD)

Baird-Analyst William Power hob das Kursziel für Apple von 300 auf 310 US-Dollar an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Das Unternehmen aktualisierte sein Modell nach den Quartalsergebnissen, die ein weiterhin starkes Wachstum und vielversprechende Wachstumstreiber aufzeigen.


UBS (Rating: Neutral | Kursziel: 287 → 296 USD)

UBS hat das Kursziel für Apple von 287 auf 296 US-Dollar angehoben und behält die neutrale Bewertung bei. Apple erzielte ein breit angelegtes Umsatzwachstum, getrieben von einer starken Nachfrage nach iPhones und Macs, sowie besser als erwartete Bruttomargen und einen positiveren Ausblick für Juni als befürchtet. Die Prognosen deuten trotz Lieferengpässen und positiver Margenentwicklungen durch Zölle und Lagereffekte auf ein robustes Umsatzwachstum hin, so der Analyst in einer Analyse.


Rosenblatt (Rating: Neutral | Kursziel: 268 → 276 USD)

Rosenblatt-Analyst Barton Crockett hob das Kursziel für Apple von 268 auf 276 US-Dollar an und bestätigte die neutrale Einschätzung der Aktie. Das Unternehmen habe im zweiten Quartal des Geschäftsjahres ein positives Ergebnis erzielt und die Umsatzprognose für das dritte Quartal deutlich über den Konsensschätzungen gelegen, so der Analyst in einer Analyse. Rosenblatt geht davon aus, dass Apple zwar mit erheblichen Problemen in der Lieferkette und mit Zöllen zu kämpfen hatte, diese aber sehr gut bewältigt und sich über einen äußerst erfolgreichen Produktzyklus freut. Dies sei jedoch im Aktienkurs bereits angemessen berücksichtigt, argumentiert Rosenblatt.


Barclays (Rating: Underweight | Kursziel: 248 → 253 USD)

Barclays hat das Kursziel für Apple von 248 auf 253 US-Dollar angehoben und die Aktie weiterhin mit Underweight bewertet. Das Unternehmen beurteilt Apples Geschäftsbericht für das zweite Quartal als solide. Die iPhone-Ergebnisse entsprachen weitgehend den Erwartungen, und die Umsatzprognose für das dritte Quartal mit einem Wachstum von 14-17 Prozent gegenüber dem Vorjahr sei sehr stark, so der Analyst in einer Analyse. Barclays sieht jedoch weiterhin Risiken für die Prognosen für das zweite Halbjahr 2026 und benötigt einen besseren Einblick in Apples Strategie zur Monetarisierung von KI.



Fazit


Apple Tageschart

Apples Q2 zeigt eine bemerkenswerte operative Stärke in einem schwierigen Umfeld: iPhone wächst trotz Lieferengpässen um 22 Prozent, Services erreichen einen Allzeit-Rekord, China legt um 28 Prozent zu, und die Bruttomarge übertrifft mit 49,3 Prozent die Guidance deutlich. Die Wall Street belohnt das mit 9 von 9 Anhebungen und einer ungewöhnlich engen Konvergenz der Kursziele um den Median von 310 USD. Das zusätzliche 100 Mrd. USD Aktienrückkaufprogramm und die Aufgabe des Net Cash Neutral-Ziels signalisieren zudem strategische Beweglichkeit in einer Phase, in der Apple seine KI-Investitionen ausbaut.


Die zentrale Frage für Q3 ist zweigeteilt. Kurzfristig: Wie stark belastet die Memory-Inflation die Bruttomargen in der zweiten Jahreshälfte – Cooks Formulierung „signifikant höhere Speicherkosten" und „zunehmende Auswirkungen darüber hinaus" lässt Spielraum für Enttäuschungen. Längerfristig: Wie überzeugend kann Apple bei der WWDC im Juni und mit dem für den Herbst erwarteten faltbaren iPhone die Apple-Intelligence-Story neu aufladen – Barclays' Argument der fehlenden KI-Monetarisierungsstrategie bleibt das einzige greifbare Bear-Case-Szenario in einem ansonsten bullishen Konsens.


Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.


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