Quick Value #20 - Kraken Robotics [PNG.V]
Dual-Use-Lösungen für Unterwasseraufklärung

Kraken Robotics | Kursziel: C$6,20 (+36,6% Upside)
Kraken Robotics ist ein kanadischer Spezialist für Dual-Use-Lösungen zur Unterwasseraufklärung. Das Unternehmen liefert hochauflösendes Sonar (SAS, KATFISH) und druckneutrale SeaPower-Batterien an Marinen und Hersteller von Unterwasserdrohnen und bietet Vermessungsdienste für Offshore-Energie und Seekabel an. Nach der Übernahme der Covelya Group erwartet Kraken für 2026 einen Umsatz von 290 bis 320 Mio. CAD bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 22 bis 23%. Seit Jahresbeginn haben Kraken und Covelya zusammen Produktaufträge über 355 Mio. CAD gemeldet.
Hauptkatalysator: Mit Covelya wird Kraken zum breiter aufgestellten Systemlieferanten mit über 700 Kunden. Gleichzeitig modernisieren Marinen weltweit ihre Minenabwehr und den Schutz von Seekabeln und Häfen, und die ersten Programme für extragroße Unterwasserdrohnen gehen in Serie, etwa Ghost Shark in Australien und Dive-XL in den USA. Ein einziges solches Fahrzeug benötigt laut Kraken 50 bis 60 Batteriemodule.
Hauptrisiko: Die Integration von Covelya, der mit 615 Mio. CAD mit Abstand größten Übernahme der Firmengeschichte, steht erst am Anfang. Zudem hängt der Umsatz stark an Verteidigungsbudgets und am Zeitpunkt einzelner Großaufträge, was die Quartalszahlen schwanken lässt.
Investmentthese
Die Aktie von Kraken Robotics ist aus folgenden Gründen interessant:
Profiteur geopolitischer Spannungen
ISR und Aufklärung des Meeresbodens
Inspektion von Kabeln, Pipelines und sonstiger kritischer Unterwasserinfrastruktur (CUI)
Hervorragendes Management
Aktuelle Bewertung von 3,42x NTM EV/Revenue und 14,75x NTM EV/EBITDA
Ich halte die Aktie von Kraken Robotics für ein interessantes Investment mit einem Kursziel von C$6,20 in den nächsten 24 Monaten.
Kapitalstruktur
Kraken Robotics besitzt eine Marktkapitalisierung von C$1,69 Milliarden und einen Unternehmenswert von C$1,64 Milliarden.

Geschäftsmodell
Kraken Robotics ist ein kanadischer Anbieter von Unterwassertechnologie mit Sitz in Mount Pearl (Neufundland). Das Unternehmen entwickelt und fertigt hochauflösende Sonarsensoren, druckneutrale Unterwasserbatterien und unbemannte Unterwassersysteme und erbringt mit dieser Technik zusätzlich Vermessungsdienstleistungen. Die technologische Basis reicht bis 2009 zurück. Kraken selbst wurde 2012 mit acht Mitarbeitern gegründet, um Synthetic Aperture Sonar (SAS) zu kommerzialisieren.
Kern des Geschäfts ist die SAS-Technologie. Klassische Seitensicht-Sonare arbeiten mit einer physischen Antenne, deren Länge durch die Größe des Trägerfahrzeugs begrenzt ist. Damit sinkt die Auflösung mit zunehmender Entfernung. SAS nutzt die Bewegung des Fahrzeugs und rechnet aufeinanderfolgende Messungen zu einer synthetischen Antenne zusammen, die nach Unternehmensangaben 40- bis 50-mal länger ist als die physische. Kraken beziffert den Gewinn an Flächenleistung gegenüber Seitensicht-Sonar auf bis zum Zehnfachen, bei konstant hoher Auflösung über die gesamte Streifenbreite. Die Daten werden in Echtzeit verarbeitet. Da alle Kraken-Systeme interferometrisch arbeiten, entsteht zeitgleich eine mit dem Bild deckungsgleiche Höhenkarte des Meeresbodens. Haupteinsatzfeld ist die militärische Minenabwehr, zunehmend auch die kommerzielle Vermessung von Offshore-Infrastruktur.
Das Produktgeschäft zielt auf den wachsenden Markt unbemannter Unterwasser- und Überwasserfahrzeuge. Kraken liefert vor allem Komponenten an Fahrzeughersteller und Marinen: SAS-Nutzlastsektionen für autonome Unterwasserfahrzeuge (AUV), das geschleppte Komplettsystem KATFISH sowie SeaPower-Batterien. Daneben entwickelt das Unternehmen eigene Fahrzeuge.
Das zweite Standbein ist das Dienstleistungsgeschäft. Mit der Übernahme von PGH Capital 2021 kamen geophysikalisch-geotechnische Baugrunduntersuchungen hinzu, mit Sub-Bottom Imager und Acoustic Corer. Die Übernahme von 3D at Depth 2025 ergänzte Subsea-LiDAR-Vermessungen. Hinzu kommen Vermessungen und Inspektionen mit KATFISH und SeaVision.
Seit Juli 2026 gehört zudem die britische Covelya Group mit Sonardyne, EIVA und weiteren Marken zu Kraken. Sie erweitert das Portfolio um Unterwasser-Navigation, Positionierung und Vermessungssoftware.
Produkte
KATFISH
KATFISH ist ein geschleppter Sonar-Träger von Kraken Robotics. Das 2,9 m lange und 200 kg schwere Fahrzeug wird an einem Glasfaserkabel hinter einem Schiff oder einem unbemannten Überwasserboot hergezogen und fliegt dabei in 5 bis 30 m Höhe über dem Meeresboden. Bewegliche Heckflossen und ein Autopilot halten Höhe und Spur unabhängig von Kabellänge und Schiffsgeschwindigkeit. An beiden Flanken sitzen 1,8 m lange Arrays des Kraken SAS, eines Synthetic-Aperture-Sonars. Sie bilden den Meeresboden bis 200 m pro Seite mit einer Auflösung von 3 cm in Echtzeit ab, nach der Nachbearbeitung mit 2 cm. Laut Hersteller erreicht das System bis zu 3,5 km² Fläche pro Stunde.
Haupteinsatzgebiete sind die Minenabwehr, die Überwachung von Pipelines und Seekabeln sowie Offshore-Vermessungen. Kraken verkauft das Gesamtsystem an Marinen und setzt es in der eigenen Dienstleistungssparte ein. Im März 2026 bestellte die polnische Marine ein weiteres System für ihre Minenjagdboote der Kormoran-II-Klasse.
Kraken SAS
Kraken SAS ist ein Synthetic-Aperture-Sonar, das Kraken Robotics als Nutzlastsektion an Hersteller unbemannter Unterwasserfahrzeuge (UUV) verkauft. Die Sektion wird zwischen Bug und Heck des Fahrzeugs eingesetzt und enthält Sonar-Arrays, Echtzeit-Elektronik und 4 TB Speicher. Die Arrays gibt es in 60, 120 und 180 cm Länge, mit Tiefenfreigaben von 300 bis 6.000 m. Das Sonar fasst die Echos vieler aufeinanderfolgender Pings rechnerisch zu einer langen virtuellen Antenne zusammen. Dadurch bleibt die Auflösung über die gesamte Reichweite konstant: 3,3 cm in Echtzeit, 2,1 cm nach der Nachbearbeitung.
Gleichzeitig entstehen ein Seitensicht-Bild und eine Höhenkarte des Bodens mit 25 cm Raster. Das SAS-120 deckt bis 200 m pro Seite und laut Datenblatt bis zu 1,88 km² pro Stunde ab. Nach Angaben von Kraken sind die Produkte des Unternehmens unter anderem in HII REMUS, Kongsberg Hugin, Teledyne Gavia und Anduril Dive-LD integriert.
SeaPower
SeaPower ist eine Lithium-Ionen-Batterie von Kraken Robotics für unbemannte Unterwasserfahrzeuge. Die Zellen sind in Silikon-Polymer eingegossen, das den Wasserdruck gleichmäßig weitergibt. Druckgehäuse aus Titan oder Ölkompensatoren, wie sie bei herkömmlichen Unterwasserbatterien üblich sind, entfallen dadurch. Die Module sind bis 6.000 m Tiefe freigegeben und werden laut Kraken mit bis zu 660 bar getestet. Die Energiedichte liegt bei bis zu 260 Wh/l und 145 Wh/kg. Gegenüber klassischen Batterien nennt Kraken die doppelte Energiedichte und 46% weniger Gewicht im Wasser pro kWh. Ein großes Modul speichert bis zu 22,8 kWh, und über Verteilerschienen lassen sich bis zu 64 Module zu einer Bank mit bis zu 1 MWh verbinden.
Im Januar 2026 meldete Kraken Batterieaufträge über 35 Mio. CAD von drei Kunden. Seit 2026 fertigt das Unternehmen zusätzlich in einem neuen Werk in Nova Scotia.
Services
Towed SAS Survey
Mit dem eigenen KATFISH bietet Kraken Robotics Vermessungen des Meeresbodens als Dienstleistung an. Das System wird auf einem Vermessungsschiff installiert. Die Aussetz- und Bergeeinheit hat die Stellfläche eines 20-Fuß-Containers, ein eigener A-Rahmen am Schiff ist nicht nötig. Der Schleppkörper erfasst bis zu 200 m pro Seite mit einer Auflösung von 3 cm in Echtzeit, dazu eine Höhenkarte des Bodens mit 25 cm Raster.

Laut Kraken ist das Bild zehnmal feiner als mit geschlepptem Seitensicht-Sonar. Bei 4 Knoten reicht das Sonar volle 200 m pro Seite, bei 10 Knoten noch 107 m. Mit dem Fächerecholot als Lückenfüller liegt die Flächenleistung laut Datenblatt bei rund 3 bis 4 km² pro Stunde. Kunden erhalten ein georeferenziertes Bildmosaik und eine GIS-fähige Zielliste, ausgewertet von Krakens Sonar-Fachleuten. Typische Aufträge sind Vermessungen vor und nach dem Bau von Offshore-Anlagen, Inspektionen von Pipelines und Kabeln sowie die Suche nach Munition.
Sub-Bottom Imaging
Der Sub-Bottom Imager von Kraken Robotics blickt akustisch in den Meeresboden. Das Messsystem wird unter einen Tauchroboter montiert, an den Schleppkörper SeaKite oder an einen Arm direkt am Schiff. Es erfasst einen 6 m breiten Streifen bis 5 m unter den Boden mit einer Auflösung von 10 cm. Einsätze sind in Wassertiefen von 3 bis 500 m möglich. Während der Fahrt entsteht ein dreidimensionales Abbild des Untergrunds, erste Ergebnisse liegen laut Kraken noch auf See vor.

Das System findet vergrabene Findlinge ab 20 cm, eiserne und nicht-eiserne Blindgänger sowie Kabel und Pipelines. Bei Seekabeln zeigt die Messung, wie tief das Kabel liegt und wo es freigespült wurde. Das Kabel kann dabei unter Strom bleiben.
Acoustic Coring
Der Acoustic Corer von Kraken Robotics untersucht den Baugrund für Offshore-Fundamente. Das 5,5 t schwere System wird per Kran auf den Meeresboden gesetzt. Zwei Ausleger mit Schallköpfen drehen sich dort um einen Mast. So entsteht ein akustisches 3D-Abbild eines Bodenzylinders mit 14 m Durchmesser und je nach Boden mehr als 50 m Tiefe. Darin werden vergrabene Findlinge ab 20 cm, gasführende Schichten, Blindgänger, alte Bohrungen und die Schichtfolge bis zum Fels sichtbar.

Für Offshore-Windparks ist das relevant, weil Stahlpfähle beim Rammen an Findlingen steckenbleiben oder sich verbiegen können. Erste interpretierte Ergebnisse liefert Kraken laut Datenblatt innerhalb von 72 Stunden. Das System arbeitet bis 1.500 m Wassertiefe und wird von einem Team aus 5 bis 6 Kraken-Mitarbeitern betrieben.
Subsea LiDAR
Mit Subsea LiDAR vermisst Kraken Robotics Unterwasserbauwerke per Laser. Der Scanner steht auf einem Stativ am Meeresboden oder wird von einem Tauchroboter, einer autonomen Drohne oder einem Taucher getragen. Er misst die Laufzeit gepulster Lichtimpulse und braucht dafür kein zusätzliches Licht. Ein Scan liefert bis zu 14,4 Millionen Punkte bei einer Einzelpunkt-Genauigkeit unter 2,5 mm und einer Reichweite bis 45 m, je nach Wassertrübung.

Die Geräte sind bis 4.000 m Tiefe freigegeben. Aus den Punktwolken entstehen 3D-Modelle von Anlagen und Abstandsmessungen zwischen Anschlüssen. Wiederholte Scans zeigen, ob sich ein Bauwerk bewegt hat. Aus einem Tiefwasserprojekt nennt Kraken eine Genauigkeit von 3 mm RMS zwischen zwei Punkten.
Marktumfeld
Krakens Technik ist militärisch und zivil nutzbar. Der größte Einzelmarkt ist das Militär, mit Minenabwehr, Aufklärung und U-Boot-Abwehr als wichtigsten Anwendungen. Der verstärkte Schutz von Seekabeln und Pipelines, der Trend zu unbemannten Systemen und steigende Verteidigungsbudgets stützen die Nachfrage. Die NATO-Staaten wollen ihre Ausgaben bis 2035 auf 5% des Bruttoinlandsprodukts anheben, davon 3,5% für Kernverteidigung.
Im zivilen Markt, auf den sich Krakens Dienstleistungsgeschäft konzentriert, treiben Bau und Instandhaltung von Offshore-Windparks, Öl- und Gasanlagen, Kabeln und Pipelines die Nachfrage. Precedence Research erwartet für Unterwasser- und Offshore-Dienstleistungen ein Wachstum von 16,5 Mrd. USD im Jahr 2025 auf rund 28 Mrd. USD im Jahr 2034, das entspricht 6,0% pro Jahr.
Deutlich schneller soll der Markt für unbemannte Unterwasserfahrzeuge wachsen. Astute Analytica erwartet einen Anstieg von 5,49 Mrd. USD im Jahr 2025 auf 46,62 Mrd. USD im Jahr 2035, rund 24% pro Jahr. Den größten Anteil sollen Hardware-Komponenten wie Sensorik, Batterien und Navigation ausmachen, also genau Krakens Produktfeld.
Kunden: Von der Marine zum Offshore-Markt
Kraken beliefert Kunden in über 30 Ländern. Den Einstieg bildete der Verteidigungssektor. Von dort aus erschließt das Unternehmen zunehmend Öl und Gas, kommerzielle Vermessung, Tiefseebergbau und Bergung.
Zu den Kunden zählen:
Marinen und Verteidigungsbehörden: DRDC (Kanada), DSTG (Australien), NAVSEA (USA), Royal Navy (Großbritannien), die dänische Marine und die australische Marine
Rüstungskonzerne und Werften: Boeing, Lockheed Martin und Anduril (alle USA), Atlas Elektronik (Großbritannien und Deutschland), Elbit (Israel) und Remontowa (Polen)
Forschungseinrichtungen: Woods Hole Oceanographic Institution (USA), Fraunhofer-Institut (Deutschland) und das NATO-Forschungszentrum CMRE (Italien)
Offshore- und Vermessungsunternehmen: MacArtney (Dänemark), Deep Ocean (Norwegen), Ocean Infinity (Großbritannien) sowie Fugro, N-Sea und Boskalis (alle Niederlande)
Krakens SAS ist in folgende Unterwasserfahrzeuge integriert: Lockheed Martin Marlin, HII REMUS, ISE Explorer, EuroAtlas Greyshark, Fraunhofer DEDAVE, Atlas Sea Otter, ECA A18, MacArtney ROTV, Kongsberg Hugin, Anduril Dive-LD und Ghost Shark, Teledyne SeaRaptor und Teledyne Gavia. Diese Breite macht Kraken weniger abhängig davon, welches Fahrzeug sich in einzelnen Marineprogrammen durchsetzt.
Der Vertrieb läuft direkt sowie über Vertreter und Systemintegratoren. Partnerschaften mit Rüstungs- und Industriekonzernen senken laut Kraken Entwicklungsrisiken und erleichtern den Zugang zu Förderprogrammen. Im Dienstleistungsgeschäft arbeitet Kraken für Betreiber von Offshore-Wind- und Energieprojekten, Bau- und Baggerunternehmen sowie Vermessungsfirmen.
Wettbewerb: Nischenmarkt mit großen Namen
Kraken bewegt sich in einem spezialisierten Markt mit hohen Eintrittsbarrieren. Es gibt keinen dominierenden Anbieter, einige Wettbewerber sind aber deutlich größer als Kraken. Typisch für die Branche ist, dass Unternehmen bei großen Ausschreibungen zugleich Partner und Konkurrenten sind. Atlas Elektronik etwa ist Kunde von Kraken und im SAS-Markt zugleich Wettbewerber.
Der Wettbewerb nach Segmenten:
Seitensicht-Sonar: Edgetech, Klein Marine Systems und Marine Sonic Technology. Diese Systeme sind günstiger, liefern aber geringere Auflösung und Flächenleistung. Sonardyne gehörte ebenfalls zu diesem Feld und ist seit der Covelya-Übernahme im Juli 2026 Teil von Kraken.
Synthetic Aperture Sonar: Kongsberg (Norwegen), Exail (Frankreich), Thales (Frankreich), Atlas Elektronik (Deutschland) sowie Northrop Grumman und Raytheon (beide USA). Die meisten verkaufen ihr SAS nur als Teil eines kompletten Fahrzeugs. Kraken bietet es als eigenständiges Modul an und sieht darin sowie in der Echtzeit-Verarbeitung an Bord seinen wichtigsten Vorteil.
Geschleppte Sonarsysteme: Zu KATFISH konkurrieren Klein 5900, Raytheon AQS-20A, Northrop Grumman AQS-24A, Thales T-SAS und Exail T18-M. Kraken nennt als Vorteile Geschwindigkeit, Preis und Leistung. Hinzu kommt, dass KATFISH nicht den US-Exportkontrollen nach ITAR unterliegt und sich damit leichter international verkaufen lässt.
Unterwasserbatterien: Southwest Electronic Energy Group, General Atomics, SubCtech und Icteneu. Kraken zufolge berichtet ein Kunde von über 50% mehr Energiedichte bei gleichem Bauraum gegenüber Konkurrenzprodukten.
Dienstleistungen: klassische Vermessungs- und Inspektionsfirmen wie Fugro, DeepOcean und DOF Subsea. Sie arbeiten mit großen Schiffsflotten und viel Personal. Einige vergeben Teilleistungen an Kraken und sind damit zugleich Kunden.
Geistiges Eigentum
Kraken schützt seine Technologie über eine Kombination aus Patenten, Marken und Geschäftsgeheimnissen, vor allem in Kanada, den USA und Australien. Quellcode und Algorithmen, etwa für die SAS-Signalverarbeitung, behandelt das Unternehmen als Geschäftsgeheimnisse. Zugang haben nur die Mitarbeiter, die ihn benötigen, und alle Mitarbeiter und Berater sind schriftlich zur Vertraulichkeit verpflichtet. Im Dienstleistungsgeschäft hält Kraken mehrere Patente und Patentanmeldungen. Sie stützen sich auf über 25 Jahre Forschung in Akustik, Optik und Geophysik.
Financials
Kraken hat den Umsatz von C$69,6 Mio. (2023) auf C$102,2 Mio. (2025) gesteigert. Das Wachstum kam zuletzt vor allem aus den Dienstleistungen (+62% auf C$40,5 Mio.), während das Produktgeschäft wegen der ungleichmäßigen Verteilung großer Rüstungsaufträge leicht zurückging. Die Bruttomarge stieg 2025 auf 62%, das bereinigte EBITDA auf C$25,0 Mio. (Marge 24%). Höhere Verwaltungskosten drückten jedoch das operative Ergebnis auf C$8,6 Mio.

Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz um 15% auf C$49,0 Mio., unter dem Strich stand wegen Sonderaufwendungen ein Verlust. Schwachpunkt ist der Cashflow: Höhere Vorräte und Investitionen von C$30,3 Mio. führten 2025 zu einem negativen freien Cashflow von C$25,0 Mio.. Finanziert wurde das über Kapitalerhöhungen. Die Bilanz ist mit einer Eigenkapitalquote von 76% solide, und Kraken ist auch nach der Covelya-Übernahme nahezu schuldenfrei.

Für 2026 erwartet Kraken inklusive Covelya einen Umsatz von C$290 bis 320 Mio. und ein bereinigtes EBITDA von C$65 bis 75 Mio., mit Schwerpunkt im zweiten Halbjahr.
These
Covelya macht Kraken zum breiter aufgestellten Systemlieferanten
Am 2. Juli 2026 hat Kraken die Übernahme der britischen Covelya Group abgeschlossen. Der Kaufpreis lag bei rund 615 Mio. CAD, davon 480 Mio. in bar und 135 Mio. in neuen Kraken-Aktien. Covelya beschäftigt rund 750 Mitarbeiter in acht Ländern und bündelt vier Marken: Sonardyne (Positionierung, Navigation und Kommunikation unter Wasser), EIVA (Vermessungssoftware), Voyis (Laser- und Kamerasysteme) sowie Forcys (Verteidigungslösungen, u. a. das Hafenschutz-Sonar Sentinel).

Die beiden Portfolios ergänzen sich weitgehend. Kraken liefert Sonar und Batterien, Covelya Navigation, Kommunikation und Software. Damit kann Kraken deutlich mehr Komponenten pro Unterwasserdrohne anbieten und sich auch auf größere, komplexere Ausschreibungen von Marinen bewerben. Viele Fahrzeughersteller nutzen schon heute Produkte beider Unternehmen, etwa Anduril. Weil sich die Kundenstämme nur teilweise überschneiden, sieht das Management zudem Potenzial für Querverkäufe in einem gemeinsamen Netzwerk von rund 700 Kunden. Hinzu kommen Kosteneinsparungen von rund 10 Mio. CAD innerhalb von 24 Monaten.

Auch geografisch wird Kraken breiter. Covelya ist mit zwölf Standorten in Europa, Nord- und Südamerika sowie im Asien-Pazifik-Raum vertreten. Weil viele Staaten Rüstungsgüter bevorzugt im eigenen Land beschaffen, kann Kraken dort als heimischer Anbieter auftreten, vor allem in Großbritannien und Europa. Ein breiteres Portfolio und eine geringere Abhängigkeit von einzelnen Kunden dürften zudem die Schwankungen in den Quartalszahlen verringern.
Die Risiken liegen vor allem in der Integration. Covelya ist größer als Kraken selbst, und die Übernahme wurde teils über Schulden finanziert. Ob die Querverkäufe tatsächlich gelingen, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.
Rückenwind durch Anduril und staatliche Programme
Anduril ist innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten Hersteller großer Unterwasserdrohnen geworden. Die australische Marine hat für das extragroße UUV Ghost Shark ein Fünfjahresprogramm über 1,1 Mrd. USD aufgelegt. In den USA wurde Anduril 2026 für das XL-UUV-Projekt CAMP der US-Marine ausgewählt. Hinzu kommen die neue Copperhead-Familie und das Sensorsystem Seabed Sentry. Laut Kraken liefern Kraken und Covelya mehrere kritische Systeme für Andurils Unterwasserplattformen. Für Kraken zählen dabei vor allem die Stückzahlen: Ein extragroßes UUV braucht laut Kraken 50 bis 60 SeaPower-Batterien mit jeweils rund 20 kWh. Gehen mehrere dieser Programme gleichzeitig in Serie, steigt die Nachfrage nach Batterien und Sonar entsprechend.

Auch das Pentagon richtet sich organisatorisch neu aus. Im Juli 2026 schuf Verteidigungsminister Hegseth eine zentrale Stelle, die alle unbemannten Systeme der Streitkräfte steuert, ausdrücklich auch Unterwasserdrohnen. Ende September kündigte er ein eigenes Kommando für autonome Kriegsführung an. Für das Haushaltsjahr 2027 beantragt das Pentagon dafür rund 54 Mrd. USD, nach 226 Mio. USD im laufenden Jahr. Parallel soll Anduril-Gründer Palmer Luckey gemeinsam mit Elon Musk und Newt Gingrich im „Project Meridian“ Empfehlungen zur Kriegsführung der Zukunft erarbeiten. Ein Großteil der Mittel dürfte in Luftdrohnen und Drohnenabwehr fließen. Für Zulieferer unbemannter Unterwassersysteme wie Kraken entsteht dennoch ein deutlich größerer Beschaffungsrahmen.
Staatliche Programme für maritime Sicherheit:
Baltic Sentry (NATO, seit Januar 2025): Schutz kritischer Infrastruktur in der Ostsee
One Big Beautiful Bill Act (USA, Juli 2025): rund 150 Mrd. USD zusätzlich für das Pentagon, davon 1,3 Mrd. USD für den Ausbau der Produktion unbemannter Unterwasserfahrzeuge
Atlantic Bastion (Großbritannien): Programm der Royal Navy für U-Boot-Abwehr und den Schutz von Seekabeln im Nordatlantik, mit festen Sensoren und unbemannten Systemen
ReArm Europe / Readiness 2030 (EU): bis zu 800 Mrd. EUR für die europäische Verteidigung
SAFE – Security Action for Europe (EU): 150 Mrd. EUR an Krediten für gemeinsame Rüstungsbeschaffung
AUKUS (Australien, Großbritannien, USA): Bündnis für den Indopazifik, unter anderem mit gemeinsamer Entwicklung unbemannter Unterwassersysteme
Brennpunkt maritime Engpässe
Ein großer Teil des Welthandels läuft durch wenige Meerengen, etwa die Straße von Hormus, die Straße von Malakka, Bab el-Mandeb, die Taiwanstraße oder die dänischen Meerengen. Um sie zu sperren, braucht es keine große Flotte. Seeminen sind billig, schnell verlegt und aufwendig zu räumen. Wie real dieses Risiko ist, zeigte 2026 die Straße von Hormus. Nach den Luftangriffen der USA und Israels auf Iran Ende Februar sperrten die Revolutionsgarden die Meerenge und verlegten Seeminen. Der Tankerverkehr kam Anfang März fast vollständig zum Erliegen, der Ölpreis stieg zeitweise auf 126 USD je Barrel. Erst Ende August meldeten die USA, dass die Hauptfahrrinne geräumt sei. Unterwasserdrohnen hatten dort über Monate mehr als 100 minenverdächtige Objekte aufgespürt.
Ein weiteres Beispiel ist Taiwan. Die Insel führt 97% ihrer Energie ein, fast vollständig über See. In einem Planspiel des CSIS von 2025 zu einer chinesischen Seeblockade war das Flüssiggas ohne Nachschub nach rund 10 Tagen verbraucht. Ohne Eingreifen der USA versenkten chinesische U-Boote und Seeminen rund 40% der Schiffe, die Taiwan ansteuerten. Beim Manöver „Justice Mission 2025“ im Dezember 2025 probte die chinesische Armee bereits die Blockade der Häfen Keelung und Kaohsiung.

Für Marinen rückt damit die Minenabwehr in den Vordergrund. Laut Kraken stammen die Minenjagdflotten großer NATO-Staaten überwiegend aus den 1980er- und frühen 1990er-Jahren und erreichen das Ende ihrer Nutzungsdauer. Die Nachfolger setzen statt auf bemannte Minenjagdboote auf unbemannte Systeme. Kraken erwartet ab 2026 Ausschreibungen mehrerer Marinen, die für KATFISH und SAS relevant sind. Hinzu kommt der Schutz von Häfen: Über die Covelya-Gruppe liefert Kraken Sonaranlagen, die Häfen vor Tauchern und Unterwasserfahrzeugen schützen, unter anderem in den VAE, Saudi-Arabien und Indien. Kraken ist dabei ein Anbieter unter mehreren und profitiert vor allem über höhere Budgets für Minenabwehr und Unterwasserüberwachung.
Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur
Über Seekabel laufen laut Kraken 95 bis 99% des internationalen Datenverkehrs, hinzu kommen Pipelines und Stromkabel. Diese Infrastruktur ist verwundbar. 2022 wurden die Nord-Stream-Pipelines gesprengt, seit 2023 wurden in der Ostsee mehrfach Gasleitungen und Kabel beschädigt, ebenso im Roten Meer und in der Taiwanstraße. Meist stehen Handelsschiffe im Verdacht, ihren Anker über den Meeresboden geschleift zu haben, eine Absicht ist selten nachweisbar. Solche Vorfälle kosten wenig, lassen sich kaum zuordnen und haben große politische Wirkung.

Marinen reagieren mit mehr Überwachung unter Wasser. Die NATO startete im Januar 2025 die Mission Baltic Sentry, auch mit Marinedrohnen. Unterwasserdrohnen fahren zunehmend Kabeltrassen ab und erkennen Veränderungen am Meeresboden. Kraken erwartet hier und in der Minenabwehr ab 2026 Ausschreibungen mehrerer Marinen. Mit SAS, SeaPower-Batterien, Vermessungsdiensten und dem Hafenschutz-Sonar von Covelya liefert Kraken Bausteine für diese Aufgaben, etwa Sentinel-Sonaranlagen für rund 20 Mio. CAD an einen Ostseeanrainer. Kraken ist dabei ein Zulieferer unter mehreren und meist über Fahrzeughersteller und Rüstungskonzerne eingebunden.
Bewertung und Kursziel
Dual-Use-Lösungen für Unterwasseraufklärung
Kraken Robotics wird aktuell mit 3,42x NTM EV/Revenue und 14,75x NTM EV/EBITDA gehandelt.
Mein 24-Monats Kursziel liegt bei C$6,20 pro Aktie.
Ich verwende für meine Bewertung ein 16x EBITDA Multiple für meine Schätzungen für das GJ27. Daraus ergibt sich ein Unternehmenswert von C$2,25 Milliarden und eine Marktkapitalisierung von C$2,31 Milliarden.

Katalysatoren
Mehrere Faktoren könnten die Aktie mittelfristig nach oben treiben:
Covelya: Die Übernahme macht Kraken zum breiter aufgestellten Systemlieferanten, eröffnet Chancen für Querverkäufe und größere Ausschreibungen.
Breitere Kundenbasis durch Covelya: Mit Covelya kommt Kraken auf über 700 Kunden. Die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden sinkt, bislang standen die zehn größten Kunden für rund die Hälfte des Umsatzes.
Werk in Nova Scotia: Das neue Batteriewerk mit rund 5.600 m² ist seit dem Frühjahr 2026 in Betrieb und ergänzt die SeaPower-Fertigung in Rostock. Wie schnell es die volle Auslastung erreicht, ist entscheidend dafür, ob Kraken die wachsenden Batterieaufträge bedienen kann.
Ghost Shark für Australien: Die australische Marine hat im September 2025 einen Fünfjahresvertrag über 1,7 Mrd. AUD (rund 1,1 Mrd. USD) für mehrere Dutzend Ghost Sharks vergeben und im April 2026 eine eigene Einheit für autonome Systeme aufgestellt. Mit steigenden Stückzahlen dürfte auch der Bedarf an Zulieferteilen wachsen.
Dive-XL im CAMP-Programm: Im März 2026 wählten die US-Marine und die Innovationseinheit DIU Andurils Dive-XL für das XL-UUV-Programm CAMP aus. Geht das Fahrzeug in Serie, kann das zusätzliche Batterienachfrage schaffen: Ein extragroßes UUV braucht laut Kraken 50 bis 60 SeaPower-Module.
Risiken
Die Investment-Story ist nicht ohne Haken:
Abhängigkeit von staatlichen Budgets und Beschaffungszyklen: Ein großer Teil des Umsatzes hängt an Marinebudgets und Rüstungsprogrammen. Kraken weist selbst darauf hin, dass Beschaffungen verschoben, verkleinert oder gestrichen werden können, wenn Verteidigungshaushalte sinken.
Kundenkonzentration: 2025 entfielen 54% des Umsatzes auf die drei größten Kunden. Mit Covelya sinkt diese Abhängigkeit deutlich: Laut Kraken stehen die zehn größten Kunden des kombinierten Konzerns für rund 50% des Umsatzes. Im Batteriegeschäft bleibt aber Anduril ein zentraler Kunde, der hinter mehreren der großen Drohnenprogramme steht, auf die die These setzt. Verzögern sich diese Programme oder wechselt Anduril zu anderen Lieferanten oder zur Eigenfertigung, würde das den Batterieumsatz direkt treffen.
Verzögerungen bei der Umsetzung: Umsätze hängen stark davon ab, wann Aufträge ausgeliefert werden, und schwanken deshalb von Quartal zu Quartal.
Integrationsrisiko Covelya: Mit 615 Mio. CAD ist Covelya die mit Abstand größte Übernahme in Krakens Geschichte. Sie wurde teils über eine Kapitalerhöhung und eine neue Kreditlinie finanziert. Verzögert sich die Integration oder bleiben die erwarteten Einsparungen und Querverkäufe aus, drückt das auf Marge und Gewinn.
Verwässerung: Kraken hat sein Wachstum und die Übernahmen zu einem großen Teil über neue Aktien finanziert. 2023 waren im Schnitt rund 206 Mio. Aktien ausstehend, nach der Covelya-Übernahme sind es rund 370 Mio., ein Plus von rund 80%. Solange der freie Cashflow negativ ist, sind weitere Kapitalerhöhungen nicht auszuschließen.
Fazit
Kraken hat sich vom Sonar-Spezialisten zum breiter aufgestellten Anbieter von Dual-Use-Lösungen für die Unterwasseraufklärung entwickelt. Mit Covelya kommen Navigation, Kommunikation und Software zu Sonar und Batterien hinzu. Kraken kann damit mehr Komponenten pro Fahrzeug liefern und sich auf größere Ausschreibungen bewerben. Die Nachfrage dafür ist strukturell: Marinen modernisieren ihre Minenabwehr, schützen Seekabel und Häfen stärker und beschaffen erstmals extragroße Unterwasserdrohnen in Serie. Die Hormus-Krise 2026 hat gezeigt, wie verwundbar maritime Nadelöhre sind.
Dem stehen die Integration von Covelya, die Abhängigkeit von Verteidigungsbudgets und schwankende Quartalszahlen gegenüber. Nach dem Kursrückgang von über 50% seit dem Hoch im Frühjahr ist ein Teil dieser Risiken aus meiner Sicht eingepreist. Das Kursziel liegt bei C$6,20.

Die Aktie hat seit dem Hoch bei C$10,72 im März 2026 rund 60% verloren und notiert mit C$4,54 nun direkt auf einem Bündel von AVWAPs der vergangenen Jahre zwischen C$4,36 und C$4,75. Auf diesem Niveau liegt der volumengewichtete Durchschnittskurs aller Umsätze seit mehreren wichtigen Wendepunkten der vergangenen Jahre. Solche Zonen wirken häufig als Unterstützung, weil viele Marktteilnehmer hier im Schnitt gekauft haben.
Wenn ihr Feedback oder Vorschläge habt, was ich mir ansehen sollte, schickt mir eine Nachricht an info@theanalyst.de oder @theanalystde auf X.
Hinweis auf Interessenskonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Kraken Robotics.
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